Laktatazidose

Letzte Aktualisierung am 19. April 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Steigt der Laktatspiegel im Blut an, wobei gleichzeitig ein Abfall des Säure-Basen-Haushalts eintritt, entsteht die sogenannte Laktatazidose. Sauerstoffmangel, Muskelarbeit oder auch Schockzustände, Lungenembolien sowie Operationen können jene Übersäuerung auslösen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Laktatazidose?

Im Rahmen der Laktatazidose steigt die Milchsäure-Konzentration im Blut. Der pH-Wert fällt in weiterer Folge unter den physiologischen Bereich, wobei sich dadurch auch die sauren Werte verschieben. Eine derartige Änderung kann durchaus schwere Folgen mit sich bringen. Je nach Ursache, können sogar die Gesundheit und das Leben des Betroffenen gefährdet sein.

Ursachen

Personen, die von einer Laktatazidose betroffen sind, haben zu viel Laktat (Milchsäure) im Blut; in weiterer Folge tritt eine Übersäuerung ein. Die Ursachen sind vielfältig. Einerseits kann die Laktatazidose durch Medikamente (etwa im Rahmen der Diabetes mellitus-Behandlung) ausgelöst werden; andererseits kann eine Nierenfunktionsstörung oder auch eine Leberinsuffizienz eine Laktatazidose auslösen. Auch eine Sepsis (Blutvergiftung) kann eine Laktatazidose hervorrufen.

Weitere Ursachen sind Lungenembolien, Schockzustände oder auch Operationen, die ebenfalls eine Übersäuerung des Körpers auslösen können. Eine Laktatazidose kann auch bei Extremsportlern auftreten, sofern der Körper eine zu enorme Muskelkraft entwickeln muss. Jene Ursache ist jedoch nicht schwerwiegend; es genügt eine Ruhepause, sodass sich die Werte wieder „beruhigen“.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Laktatazidose kann unterschiedliche Symptome und Beschwerden hervorrufen. Typische Anzeichen sind Erbrechen, Übelkeit, Herzrasen, Bauchschmerzen sowie eine schnelle Atmung, Müdigkeit, Angstzustände, Lethargie und Schwäche. In vielen Fällen tritt auch eine unregelmäßige Herzfrequenz auf.

Ein klassisches Symptom ist die Kußmaul-Atmung. Jene Atmung sorgt für die Kompensation im Rahmen der Übersäuerung. Die „Kußmaul-Atmung“ charakterisiert sich auf Grund der sehr tiefen und regelmäßigen Atmung, wobei der Körper beschäftigt ist, dass er die überschüssige Säure abatmet. Mitunter können auch Atemnot, Unruhe sowie auch Fieber auftreten. Im weiteren Krankheitsverlauf sind auch Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen oder gar Bewusstlosigkeit (Koma) möglich.

Jedoch kann eine Laktatazidose derart schwere Auswirkungen auf den Körper und seine Organe haben, dass die Übersäuerung auch zum Tod des Betroffenen führen kann. Vor allem bei Nichtbehandlung besteht die Gefahr, dass der Patient sein Leben riskiert und mitunter - auf Grund der Laktatazidose - verstirbt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Mediziner kann eine Laktatazidose nur mittels einer Laboruntersuchung feststellen. Eine Laktatazidose tritt dann auf, wenn der pH-Wert einen Wert von unter 7,36 aufweist, wobei gleichzeitig die Konzentration des Laktats einen Wert von über 5 mmol/l übersteigt. Liegt nur ein niedriger pH-Wert vor, wobei die Konzentration des Laktats im Normalbereich ist, spricht der Mediziner von einer metabolischen Acidose. Eine andere Diagnosestellung ist nicht möglich.

Der Verlauf der Laktatazidose ist unterschiedlich. Vor allem spielt die Ursache, weshalb eine Laktatazidose entstanden ist, eine wesentliche Rolle. Tritt die Laktatazidose bei Extremsportlern ein, klingen die Symptome ab, wenn der Athlet eine Ruhepause einlegt. Sind jedoch Organstörungen für die Laktatazidose verantwortlich, vor allem, wenn die Leber und Niere betroffen sind, besteht eine akute Gefahr für das Leben des Patienten. Der Patient kann in ein Koma fallen; mitunter kann im Rahmen jener Ursache der Tod des Patienten eintreten.

Komplikationen

Durch die Laktatazidose leiden die Betroffenen an verschiedenen schwerwiegenden Beschwerden. Diese Beschwerden können im schlimmsten Fall auch zum Tode des Patienten führen und sollten daher auf jeden Fall behandelt werden. Die Patienten leiden dabei an Herzrasen und an einer Übelkeit. Ebenso kommt es zu einer allgemeinen Schwäche und zu einer Müdigkeit des Patienten.

Auch die Belastbarkeit des Betroffenen wird durch die Laktatazidose deutlich verringert. Weiterhin kann es auch zu einem Herzinfarkt oder zu einem plötzlichen Herztod kommen. Auch eine Bewusstlosigkeit oder andere Störungen des Bewusstseins können dabei auftreten und die Lebensqualität des Patienten deutlich verringern. Ebenso kommt es zu einer inneren Unruhe und zu einer schweren Atemnot. Sollte es nicht zu einer Behandlung der Laktatazidose kommen, verstirbt der Patient in der Regel.

Die Behandlung der Laktatazidose erfolgt in der Regel mit Hilfe von Medikamenten. Diese können die Beschwerden lindern und reduzieren, sodass die Betroffenen wieder zu einem gewöhnlichen Alltag zurückkehren können. Besondere Komplikationen treten dabei in der Regel nicht auf. Bei einer erfolgreichen Behandlung der Laktatazidose wird auch die Lebenserwartung des Patienten nicht beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Treten nach der Einnahme von Medikamenten oder nach einem operativen Eingriff verschiedene ungewöhnliche Beschwerden auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei Übelkeit, Erbrechen, einem Unwohlsein und Auffälligkeiten sowie Unregelmäßigkeiten des Herzrhythmus sollte ein Arzt aufgesucht werden. Eine starke Müdigkeit, diffuse Angstzustände oder Apathie sind Anzeichen, die untersucht werden müssen. Kommt es zu Schweißausbrüchen, einer inneren Schwäche und Appetitlosigkeit, ist ein Arzt zu konsultieren. Bei Fieber, einem lethargischen Verhalten oder einem Krankheitsgefühl wird ein Arzt benötigt.

Schwindel, Gangunsicherheiten, Stimmungsschwankungen und eine Zunahme vorhandener Unstimmigkeiten sind ärztlich untersuchen zu lassen. Eine Störung der Atmung, das Gefühl von Sauerstoffmangel trotz ausreichender Frischluftzufuhr und Zustände der Verwirrtheit gelten als Warnhinweise des Organismus. Bei einer „Kußmaul-Atmung“ zeigt der Betroffene ein sehr charakteristisches Anzeichen der Laktatazidose. Ein Arztbesuch ist vonnöten, damit nach verschiedenen Tests und Untersuchungen eine Diagnosestellung erfolgen kann.

Stellen sich die genannten Beschwerden nach einer starken Muskelbetätigung ein, sollte zur Abklärung der Ursache ein Arzt aufgesucht werden. Erleidet der Betroffene den Verlust des Bewusstseins, ist schnellstmöglich ein Notarzt zu rufen. Da eine Nichtbehandlung der Laktatazidose zu einem frühzeitigen Ableben führen kann, ist eine rechtzeitige Untersuchung des Betroffenen anzuraten. Verzögerungen können zudem irreparable Organschäden zur Folge haben.

Therapie & Behandlung

Im Regelfall wird die Laktatazidose im Krankenhaus (stationär) behandelt, wobei der Patient auf die Intensivstation gebracht wird. Dies deshalb, da eine Dauerbewachung möglich sein muss, bis der Kreislauf stabil ist. Damit die Säurekonzentration im Körper gesenkt werden kann, verabreichen Mediziner auch Bikarbonat als Gegenmittel.

Auch wenn zu Beginn vorwiegend die Symptome der Laktatazidose behandelt werden, muss in weiterer Folge auch darauf geachtet werden, welche Ursache verantwortlich ist und sodann den auslösenden Faktor behandeln. Dabei wird das basische/alkalische Bikarbonat verabreicht, wodurch die Übersäuerung im Körper neutralisiert werden soll. Wichtig ist, dass auch die Milchsäureproduktion verlangsamt oder zur Gänze gestoppt wird. Nur so ist es möglich, dass der Körper das Laktat auch abbauen kann.

Darum sollte darauf geachtet werden, dass das Bikarbonat vorsichtig verwendet wird. Mitunter kann jenes Mittel auch die Übersäuerung verschlimmern. Liegen Anzeichen vor, dass der Wirkstoff nicht den gewünschten Erfolg mit sich bringt, muss die Therapie sofort beendet werden. Als alternative Behandlungsmethode - entweder gleich zu Beginn oder nachdem die Therapie mit Bikarbonat nicht den gewünschten Effekt mit sich gebracht hat - können unterschiedliche Flüssigkeiten injiziert werden.

Jene sollen in weiterer Folge die Sauerstoffversorgung des Betroffenen verbessern, sodass gegen die Produktion des Laktats entgegengewirkt werden kann. Mittels Sauerstofftherapie ist es möglich, dass der Patient wieder genügend Sauerstoff zur Verfügung gestellt bekommt beziehungsweise sich der Körper des Betroffenen regenerieren kann.

Entsteht die Laktatazidose auf Grund einer diabetischen Entgleisung, wird dem Patienten Insulin gespritzt. So kann der Blutzuckerspiegel wieder gesenkt werden. Auch Vitamin-Therapien oder gar Dialyse-Behandlungen sorgen für eine Reinigung des übersäuerten Blutes.

Ist jedoch die Leber irreversibel geschädigt, sodass in weiterer Folge die Laktatazidose ausgelöst wurde, kann nur eine Lebertransplantation für Abhilfe sorgen. Bei Leberschäden werden primär nur die Symptome behandelt; die Ursachenbehandlung kann erst erfolgen, wenn ein Organ zur Transplantation bereitsteht.

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Vorbeugung

In fast allen Fällen ist es möglich, dass die Laktatazidose vorgebeugt wird. Wichtig ist, dass Medikamente nur eingenommen werden, sofern die Leber und die Nieren eine volle Funktionstüchtigkeit aufweisen. Medikamenteneinnahmen, obwohl die Organe geschädigt sind, können unweigerlich zu einer Laktatazidose führen.

Das können Sie selbst tun

Nachdem die Laktatazidose intensivmedizinisch behandelt wurde, muss sich der Patient schonen. Die Genesung kann unterstützt werden, indem die Wirkungsweise des verordneten Bikarbonats überwacht und bei ungewöhnlichen Symptomen der Arzt informiert wird. Der Wirkstoff bringt oft nicht gewünschten Erfolg mit sich und muss dann abgesetzt oder anders eingestellt werden. Wer Neben- und Wechselwirkungen verspürt, sollte diese zunächst in einem Beschwerdetagebuch notieren und zeitnah den zuständigen Arzt einschalten, um weitere Schritte zu besprechen.

Zuletzt muss die Ursache für die Laktatazidose ermittelt werden. Oft liegt dem Leiden eine diabetische Entgleisung zugrunde, welche sich durch Vorbereitung und Veränderungen der Lebensgewohnheiten vermeiden lässt. Daneben bieten sich alternative Maßnahmen wie eine Vitamin-Therapie an, die von den Patienten teilweise zu Hause durchgeführt werden.

Sollte die Laktatazidose eine Lebertransplantation notwendig machen, müssen Maßnahmen ergriffen werden, um rasch ein Spenderorgan zu finden. Der Patient sollte sich hierfür an eine Fachklinik wenden und gleichzeitig im Bekanntenkreis oder über Online-Portale nach einem geeigneten Spender suchen. Nach einer Transplantation gelten wiederum Schonung und Bettruhe. Parallel dazu muss der verantwortliche Arzt den Gesundheitszustand überwachen.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Schänzler, N., Bieger, W.P.: Laborwerte. Gräfe und Unzer, München 2009

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