Kußmaul-Atmung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. November 2017
Startseite » Krankheiten » Kußmaul-Atmung

Die Kußmaul-Atmung beschreibt eine Art der Atmung, welche auf eine Erkrankung hindeuten kann. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Azidose, der Übersäuerung des Körpers aufgrund einer Störung des Säure-Base Gleichgewichtes.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Kußmaul-Atmung?

Die Kußmaul-Atmung wurde nach dem Biologen und Mediziner Adolf Kußmaul benannt. Sie wird auch als Azidose-Atmung sowie als Azidoseausgleichsatmung bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Art der Atmung, die als Hyperventilation bezeichnet wird. Es kommt zu einer sehr tiefen und schnellen Atmung zur verstärkten Aufnahme von Sauerstoff.

Diese Atmung kommt durch eine metabolische Azidose zustande. Dabei kommt es zu einer Übersäuerung des Blutes im Körper des Betroffenen. Der pH-Wert des Blutes sinkt auf unter 7,35 aufgrund einer Anhäufung von Protonen. Bei dem pH-Wert handelt es sich einen Messwert für den Säuregehalt bedingt durch Säuren und Basen im Körper. Säuren besitzen in wäβriger Lösung einen pH-Wert von unter 7 und Basen besitzen einen pH-Wert von über 7. Der physiologische pH-Wert des Menschen liegt zwischen 7,35 und 7,45.

Ursachen

Die Ursachen für eine Kußmaul-Atmung ist hauptsächlich die metabolische Azidose. Die Gründe für das Auftreten der Azidose sind vielfältig. Es kann durch Diabetes mellitus, welche durch Medikamente nicht richtig eingestellt wurde, oder durch eine Laktatazidose, der Ansammlung von Milchsäure im Körper, zu einer Azidose kommen.

Andere Ursachen sind eine alkoholische Ketoazidose oder ein langanhaltendes Hungern. Weitere Ursachen für eine Azidose sind eine Methanol- oder eine Salicylvergiftung. Eine Azidose kann auch durch eine Diarrhoe, einer Erkrankung, die zu einer auffällig starken Entleerung des Darms führt, ausgelöst werden.

Zudem sind eine Niereninsuffizienz, das Versagen der Nieren, welches zu einer Anreicherung von sogenannten harnpflichtigen Substanzen im Blut führt, oder Morbus Addison Ursachen für eine Azidose. Bei Morbus Addison handelt es sich um lebensbedrohliche Erkrankung, die zu einem Verlust der Funktion der Nebenniere führt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome einer Kußmaul-Atmung sind eine veränderte Atmung ähnlich einer Hyperventilation und eine metabolische Azidose. Diese Azidose kann anhand des charakteristischen Geruchs des Atems des Betroffenen festgestellt werden. Durch die Kußmaul-Atmung versucht der Körper Kohlendioxid, welches eine Quelle der Azidose sein kann, durch starkes Ausatmen aus dem Körper zu entfernen, den pH-Wert im Blut zu normalisieren und so die Azidose abzumindern.

Zusätzlich zu der Atmung sind auch eine Vergröβerung der Leber sowie ein hoher Blutzucker, welcher auch Diabetes mellitus schlieβen lässt, Indizien für eine angeborene metabolische Störung. Dabei handelt es sich um eine angeborene Erkrankung, welche in verschiedene Kategorien eingeteilt wird, je nach Art des Metabolismuses oder Stoffwechsels der beeinträchtigt ist.

Unterschieden werden der Kohlenhydrat-, der Aminosäure-, der Steroid-Stoffwechsel und der Stoffwechsel der lysosomalen Speicherung. Lysosomen sind kleine Membranformationen, die Enzyme beinhalten, die dazu dienen Teile der Zelle, die nicht mehr benötigt werden oder nicht mehr funktionsfähig sind, in ihre Einzelteile zu zerlegen, damit sie wiederverwendet werden können.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Kußmaul-Atmung liegt eine metabolische Azidose zugrunde. Diese wird mithilfe einer Blutgasanalyse festegstellt. Bei dieser Analyse wird der pH-Wert sowie die Konzentration an Sauerstoff und an Kohlendioxid im Blut bestimmt. Der pH-Wert eines Erwachsenen sollte zwischen 7,35 und 7.45 liegen. Der Kohlendioxid-Partialdruck liegt normalerweise bei 35 bis 45 mm. Es kann auch zu einer sogenannten kompensierten Übersäuerung kommen.

Dann liegt der pH-Wert im Normalbereich, die anderen Werte der Analyse weisen jedoch auf eine Störung hin. Zusätzlich kann auch der pH-Wert des Urins ermittelt werden, um den Betroffenen auf eine mögliche Azidose hin zu testen. Im Verlauf der Azidose kommt es zu einem Sauerstoffmangel. Die Organe werden nicht mit genϋgend Sauerstoff versorgt. Um den erhöhten Säuregehalt auszugleichen, gibt der Körper vermehrt Wasser ab.

Die verstärkte Säuerung des Körpers kann zu einer Tachykardie (Herzrasen) fϋhren. Weitere Folgeerscheinungen sind eine Störungen des Bewusstseins, eine Verringerung des Blutdrucks, Osteoporose, rheumatische Arthritis, Arteriosklerose und Erkrankungen des Herzens. Bei der Arteriosklerose handelt es sich um die Arterienverkalkung, welche zu einem Herzinfarkt führen kann. Rheumatische Arthritis ist eine Erkrankung der Gelenke, welche oft mit zunehmenden Alter in Erscheinung tritt.

Komplikationen

Bei der Kußmaul-Atmung leiden die Betroffenen in den meisten Fällen an einer starken Hyperventilation. Dabei treten Atembeschwerden auf und die Betroffenen leiden mitunter an einer starken Müdigkeit und an einer Abgeschlagenheit. Ebenso kommt es nicht selten zu einer verringerten Belastbarkeit des Patienten. Auch die Leber ist nicht selten vergrößert und führt dabei zu Schmerzen.

Beschwerden an der Leber sind im Allgemeinen gefährlich und können im schlimmsten Fall zum Tode des Betroffenen führen. Auch der Stoffwechsel des Patienten ist durch die Kußmaul-Atmung eingeschränkt, sodass es zu Störungen der Verdauung und zu weiteren Beschwerden kommt. Die Lebensqualität des Patienten wird durch diese Krankheit deutlich verringert. Nicht selten führen die Beschwerden auch zu psychischen Erkrankungen oder zu Depressionen.

Weiterhin kommt es nicht selten zu Herzrasen und zu Störungen des Bewusstseins. Die Patienten können ohnmächtig werden oder in ein Koma fallen. Die Behandlung der Kußmaul-Atmung wird mit Hilfe von Medikamenten durchgeführt. Komplikationen treten in der Regel nicht auf. Allerdings ist auch die Behandlung der Grunderkrankung notwendig, damit es nicht zu weiteren Folgeschäden kommt.

Behandlung & Therapie

Die metabolische Azidose wird je nach Ursache mit verschieden Therapien behandelt. Bei Diabetes mellitus kommt es zur Verabreichung von Insulin. Bei einer Übersäuerung des Atems wird das respiratorische System direkt behandelt. Dies geschieht mit Bronchospasmolytika, einem Medikament, das zu einer Weitung der Bronchien führt.

Das Bronchialsystem der Lunge beinhaltet die Luftwege, welche die ein- oder ausgeatmete Luft in der Lunge nimmt. Zur Behandlung der metabolischen Azidose werden Puffersubstanzen verabreicht, um den pH-Wert wieder zu normalisieren. Tris-Puffer oder Natriumbikarbonatlösungen sind solche Puffersubstanzen. Kommt es zu einer Azidose aufgrund einer Niereninsuffizienz, wird diese mithilfe eine Dialyse, behandelt.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Die metabolische Azidose und damit auch die Kußmaul-Atmung können vermieden werden, wenn die zugrundeliegenden Erkrankungen behandelt werden, die zu einer Übersäuerung des Körpers fϋhren. Funktionsstörungen der Lunge sowie Diabetes mellitus und Niereninsuffizienz mϋssen frϋhzeitig behandelt werden, um eine Azidose zu vermeiden.

Zusätzlich ist eine gesunde Ernährung und ein gemäβigter Genuss von Alkohol ratsam, um dem Auftreten der Azidose und der Kußmaul-Atmung zuvorzukommen. Auch eine ausreichende Menge an Flϋssigkeit, vorwiegend Wasser, wirkt sich positiv auf den Gesundheitszustand aus.

Das können Sie selbst tun

Patienten, bei denen eine Kußmaul-Atmung diagnostiziert wurde, sollten sich zur Abklärung der Ursachen an einen Facharzt wenden. Je nachdem, welche Erkrankung der metabolischen Azidose zugrunde liegt, können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um die Beschwerden zu lindern.

Ist ein Diabetes mellitus ursächlich, muss der Patient regelmäßig Insulin einnehmen. Die wichtigste Maßnahme besteht darin, auf eine gut eingestellte Medikation zu achten und die Risiken für eine Unterzuckerung zu senken. Zudem muss der Lebensstil angepasst werden, um etwaiges Übergewicht zu reduzieren und den Körper insgesamt zu entlasten. Im Gespräch mit dem Facharzt oder einem Ernährungsmediziner können weitere Maßnahmen erarbeitet werden, um die Beschwerden langfristig zu reduzieren. Liegt der Kußmaul-Atmung eine Erkrankung des respiratorischen Systems zugrunde, ist eine medikamentöse Behandlung angezeigt. Atemübungen können zur Weitung der Bronchien beitragen und die Beschwerden langfristig reduzieren.

Sollte der metabolischen Azidose eine alkoholische Ketoazidose oder länger andauerndes Fasten zugrunde liegen, muss die Ernährung bzw. der Lebensstil umgestellt werden. Da diese Beschwerden meist eine psychische Ursache haben, ist begleitend zur ärztlichen Behandlung auch ein Besuch bei einem Therapeuten sinnvoll.

Bücher über Hyperventilation

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: