Knieverletzungen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Knieverletzungen

Knieverletzungen und Kniegelenkstraumen stellen sich ein, wenn mechanische Kräfte die physiologische Leistungsfähigkeit des Knies überfordern. Die Verletzungen können die Bandstrukturen, die Menisken und Gelenkknorpel betreffen. Sie entstehen durch äußere Gewalteinwirkung, können aber auch durch Eigenheiten des Körperbaus verursacht werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Knieverletzungen?

Durch Bewegung kommt es zu einer mechanischen Belastung des Kniegelenks. Der Bewegungsspielraum ist durch den Körperbau festgelegt. Äußere Krafteinwirkung oder Einflüsse aus dem Körperinneren können das Gelenk dazu zwingen, während der Bewegung seine biomechanischen Grenzen zu überschreiten.

Entstehen Kniegelenkstraumen als Folge äußerer Krafteinwirkung, spielen dabei direkte oder indirekte Kräfte eine Rolle. Eine direkte Kraft wirkt bei Stoß oder Schlag gegen das Gelenk, eine indirekte bei Biegung, Stauchung oder Scherung. Fehl- oder Überbelastungen können auch auf die Beschaffenheit des Körperbaus und physiologischer Prozesse zurückgehen.

Wirkt Kraft gegen die Bewegungsebene des Gelenks können Kreuzbänder, Seitenbänder oder Menisken reißen (Ruptur). Eine kombinierte Kniegelenksverletzung liegt vor, wenn mehrere der anatomischen Bestandteile des Knies von einer Ruptur betroffen sind („Unhappy Triad“).

Ursachen

Eine Ursache von Knieverletzungen ist die Wirkung externer Kräfte gegen die Bewegungsebene des Gelenks. Außerdem können degenerative Prozesse und anatomische Fehlstellungen zu Traumen des Knies führen. Äußere Krafteinwirkung durch einen Schlag oder Stoß verursacht Prellungen.

Verdrehung oder Scherung des Kniegelenks führt zu Verstauchungen. Die Traumen können durch Unfälle im Alltag oder infolge von Sportverletzungen auftreten. Sprünge, Drehungen und plötzliche Bewegungsstopps, beispielsweise beim Skifahren oder Fußball spielen, können Meniskusschäden oder Risse des vorderen Kreuzbands verursachen. Bei Patienten unter 20 Jahren tritt gelegentlich eine Luxation der Kniescheibe auf.

Infolge eines heftigen Stoßes gegen Unterschenkel oder Knie sind Rupturen des hinteren Kreuzbands möglich. Wenn Kräfte senkrecht zur natürlichen Bewegungsrichtung wirken, sind Abrisse der Seitenbänder möglich. Degenerative Verschleißerscheinungen der Menisken treten durch den natürlichen Alterungsprozess, Übergewicht, einseitige Belastung bei vorwiegend kniender Tätigkeit oder genetische Veranlagung auf.

Schäden der Bänder können durch biomechanische Funktionsstörungen bei Achsfehlstellungen (X-, O-Beine) verursacht werden. Schäden der Gelenksknorpel (Arthrosen) sind Folgen von Meniskus- und Bändertraumen oder gehen selbst auf degenerativen Verschleiß zurück.

Diagnose & Verlauf

Risse des Meniskus verursachen Schmerzen am Gelenkspalt, die sich in die Kniekehle fortsetzen. Sie sind bei Druck und Belastung besonders stark. Rotationsbewegungen des Knies sind ebenfalls schmerzhaft. Ist der Meniskus eingeklemmt, kann das Gelenk blockiert werden. Ein Gelenkerguss ist möglicherweise tastbar.

In der Regel wird zur Sicherung der Diagnose eine Arthroskopie durchgeführt. Rupturen der Kreuzbänder verursachen einen akuten Schmerz und führen zu einem Erguss ins Gelenk. Er ist in der ersten Zeit nach der Verletzung blutig und lässt das Knie stark anschwellen. Mithilfe unterschiedlicher Tests wird überprüft, ob die Bänder bei Verschiebebewegungen des Unterschenkels gegen den Oberschenkel, noch ausreichend Halt bieten.

Sowohl bei Schädigungen der Bänder als auch bei Meniskusrupturen werden zur diagnostischen Abklärung Röntgenaufnahmen oder eine Magnetresonanztomografie gemacht, damit eine Verletzung der Knochen ausgeschlossen werden kann.

Komplikationen

Knieverletzungen können sehr vielseitig sein, sodass auch die damit verbunden Komplikationen sehr unterschiedlich sein können. Die meisten Knieverletzungen entstehen durch eine Überdehnung der Bänder. Werden einzelne Bänder innerhalb des Knies zu stark überdehnt, so können sie reißen. Bleibt ein solches Krankheitsbild unbehandelt, so ist mit diversen Komplikationen zu rechnen.

Die gerissenen Bänder können ohne operativen Eingriff nicht mehr von allein zusammenwachsen, sodass die Schmerzen dauerhaft bestehen bleiben. Unter Umständen kann sich das Kniegelenk entzünden, sodass sich ein Abszess bildet. Ein Abszess ist eine Ansammlung von Eiterflüssigkeit, die in besonders schlimmen Fällen sogar eine Blutvergiftung hervorrufen kann. In so einem Fall besteht akute Lebensgefahr. Eine Behandlung durch einen Facharzt ist in so einem Fall unausweichlich, denn ansonsten werden sich die oben genannten Komplikationen erheblich verschlimmern.

Zu den möglichen Knieverletzungen gehört natürlich auch eine Fraktur. Eventuell ist sogar eine Operation notwendig, da ansonsten eine Fraktur nicht richtig heilen beziehungsweise zusammenwachsen kann. Da Knieverletzungen verschiedenste Komplikationen hervorrufen können, ist ein frühzeitiger Besuch bei einem Arzt zu empfehlen, damit sich die Beschwerden nicht verschlimmern. Nur durch eine fachgerechte Behandlung können die oben genannten Komplikationen vermieden werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung von Kniegelenkstraumen hängt von den beteiligten anatomischen Strukturen, dem biologischen Alter, dem allgemeinen Gesundheitszustand und dem Aktivitätsanspruch des Patienten ab. Risse der Menisken werden im Rahmen der Arthroskopie behandelt.

Wenn Patienten jünger als 40 Jahre sind, ist eine Naht Erfolg versprechend. Ansonsten wird das beschädigte Gewebe möglichst schonend entfernt. Je umfangreicher die Meniskusresektion, desto höher die Gefahr einer Abnutzung des Gelenkknorpels. Kreuzbandrisse werden sowohl konservativ als auch chirurgisch therapiert. Oft reicht die konservative Behandlung. Das Knie wird durch eine Orthese gestützt und ist nach 6 Wochen wieder ausreichend stabil.

Unterstützend ist die Punktion des Knochens im Bereich des Kreuzbands möglich, sodass austretende Stammzellen zur Heilung der Verletzung beitragen können. Bei jüngeren sportlichen Patienten wird der Kreuzbandriss chirurgisch versorgt. Die Art der Verletzung bestimmt, ob das Band genäht oder durch eine Kreuzbandplastik ersetzt wird. Für eine Kreuzbandplastik verwendet man körpereigenes Ersatzgewebe oder synthetische Prothesen. Ein Ausriss der Kreuzbands am Knochen wird mit Schraube oder Drahtnaht fixiert.

Nach einem chirurgischen Eingriff wird das Bein durch eine Orthese stabilisiert. Die Belastungsfähigkeit tritt allmählich ein und ist nach 10-12 Monaten vollständig erreicht. Die Behandlung eines Kreuzbandrisses wird stets von Physiotherapie begleitet. Dabei stehen die Kräftigung der Muskulatur und das Koordinationstraining im Vordergrund.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Zur Vorbeugung von Knieverletzungen werden schonende Bewegungsabläufe erlernt. Das Knie wird geschützt, wenn Beugungswinkel und -achse während der Belastung bewusst gesteuert werden. Koordinations- und Muskeltraining sind unerlässlich für die Funktionsfähigkeit und Stabilität des Knies.

Ein ganzheitliches Training des Gelenks ist beim Fahrradfahren möglich. Wichtig für die Kniegesundheit sind außerdem Gewicht und Ernährungsgewohnheiten. Nach Verletzungen wirken elastische Bandagen stabilisierend.

Das können Sie selbst tun

Die Linderung von Knieverletzungen kann unterstützend zu einer ärztlichen Behandlung mit verschiedenen Möglichkeiten begleitet werden. Um keine dauerhaften Schäden zu erleiden, ist es jedoch unerlässlich, sich von einem Arzt untersuchen und medizinisch versorgen zu lassen.

Während einer Behandlung sollte das Knie möglichst nicht oder nur minimal belastet werden. Lässt es der gesundheitliche Zustand zu, können Fortbewegungen vorsichtig und langsam erfolgen. Tägliche krankengymnastische Übungen, die in Absprache mit einem Therapeuten durchgeführt werden, helfen bei der Genesung. Das Tragen von gesundem Schuhwerk ist zwingend notwendig. Die Nutzung von Schuhen mit hohen Absätzen oder in falschen Größen sind grundsätzlich zu vermeiden. Um das Knie oder das Bein keinen unnötigen Belastungen auszusetzen, empfehlen sich geschlossene, bequeme und atmungsaktive Schuhe.

Bei einer Knieverletzung werden häufig ausgleichende Bewegungen vorgenommen, die zu einer Fehlhaltung des Körpers führen. Der Betroffene sollte rechtzeitig darauf achten, dass die gesunden Körperregionen keinen zu starken oder einseitigen Belastungen ausgesetzt werden. Ausgleichende Bewegungen sind notwendig, die zum Ziel haben, Muskel- oder Knochenschäden vorzubeugen. Die alltäglichen Verpflichtungen sind bei einer Knieverletzung umzustrukturieren, damit eine Entlastung stattfinden kann. Dabei sollte auf die Hilfe von Menschen aus dem nahen Umfeld zurückgegriffen werden. Wichtig ist für den Betroffenen ebenfalls, auf sein emotionales Wohlbefinden zu achten.

Bücher über Knieschmerzen

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: