Patellaluxation

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Ist die Kniescheibe aus ihrem v-förmigen Gleitlager gerutscht, wird dies als Patellaluxation bezeichnet. Mit einer Häufigkeit von etwa 6:100.000 gehören Patellaluxationen zu den häufigsten Verletzungen des Kniegelenks.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Patellaluxation?

Das auffälligste und charakteristische Symptom einer herausgesprungenen Kniescheibe ist ein plötzlich auftretender, starker Bewegungsschmerz. Dieser ist vor allem unterhalb des Knies und auf der Innenseite des Knies besonders deutlich wahrzunehmen.
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Als Patellaluxation wird eine Verrenkung (Luxation) der Kniescheibe (Patella) bezeichnet, bei welcher die Patella in aller Regel nach lateral (zur Außenseite) aus der knöchernen Führungsrinne bzw. ihrem Gleitlager am Oberschenkelknochen (Femur) gesprungen ist.

Oftmals werden hierbei zusätzliche Bänder, Knochen sowie knorpelige Strukturen im betroffenen Knie verletzt. Eine Patellaluxation manifestiert sich in den meisten Fällen anhand eines Schmerzes im vorderen Bereich des Knies, eines Streckdefizits, Gelenkergusses sowie eines Druckschmerzes am lateralen Kondylus (Gelenkfortsatz) und medialen Retinaculum (Halteband) des Femurs.

Zudem wird zwischen Erstluxationen infolge externer Traumata (Aufprall, Schlag, Sturz) und posttraumatischen chronisch-rezidivierenden sowie habituellen Patellaluxationen ohne vorliegendes Trauma differenziert. In seltenen Fällen sind kongenital bedingte (angeborene) Luxationen der Kniescheibe feststellbar.

Ursachen

In Abhängigkeit von der spezifisch auslösenden Ursache werden verschiedene Formen der Patellaluxation unterschieden. Bei einer habituellen Luxation resultiert aus einer anlagebedingten Fehlbildung des Gleitlagers, der Haltebänder, Muskeln und/oder Kniegelenkkapsel eine Instabilität der Kniescheibe.

Darüber hinaus gehen erworbene Dispositionen wie eine Vergrößerung des Q-Winkels, ein flacher Gelenkfortsatz des Femurs, eine Patella alta (Kniescheibenhochstand), Genu recurvatum (Hochknie), Atrophien der stabilisierenden Muskulatur, Femurantetorsionen mit einem erhöhten Risiko für Patellaluxationen einher.

Minderdurchblutungen sowie Knochennekrosen im Bereich des Kniegelenks, insbesondere am Gleitlager oder an der Kniescheibe, können zu einer Beeinträchtigung der angrenzenden knorpeligen Strukturen, somit zu einer Instabilität der Kniescheibe und entsprechend zu Luxationen führen. Zudem kann durch externe Traumata oder Verdrehunfälle während sportlicher Aktivitäten die Kniescheibe aus ihrer Führungsrinne rutschen (traumatische Patellaluxation).

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das auffälligste und charakteristische Symptom einer herausgesprungenen Kniescheibe ist ein plötzlich auftretender, starker Bewegungsschmerz. Dieser ist vor allem unterhalb des Knies und auf der Innenseite des Knies besonders deutlich wahrzunehmen. Die Betroffenen können aufgrund der starken Schmerzen den Unterschenkel nicht mehr bewegen und das Bein nicht belasten.

Sie nehmen üblicherweise automatisch eine schonende Haltung ein. Dadurch ist auch von außen unmittelbar eine markante Verformung des Knies erkennbar. Selten kommt es zur Lähmung. In wenigen Fällen ist die Kniescheibe so stark verrenkt, dass sie nur unter Gewalteinwirkung wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht werden kann.

Das Weggleiten der Kniescheibe ist für die Betroffenen spürbar. Darüber hinaus kann es zu einer sichtbaren Schwellung des Knies kommen, wenn auch Gelenkergüsse auftreten. Manchmal sind Blutergüsse auf der Haut zu erkennen, sofern es bei Verletzungen der Bänder zu Einblutungen kommt. In solchen Fällen entstehen zusätzlich deutlich vernehmbare Druckschmerzen.

Einhergehend mit einer Patellaluxation können verschiedene Knochenbrüche und Knorpelverletzungen auftreten, welche eine Reihe weiterer Symptome verursachen. So können zudem in anderen Bereichen des betroffenen Beins Druck- oder Bewegungsschmerzen wahrgenommen werden. Gleitet die Kniescheibe spontan von selbst zurück, bleibt das Knie in der Regel weiterhin geschwollen. Die Schmerzen können dadurch vorerst als abgeschwächt wahrgenommen werden.

Diagnose & Verlauf

In aller Regel kann eine Patellaluxation, insbesondere eine akute traumatische Verrenkung, anhand der charakteristischen Symptome diagnostiziert werden.

Abgesichert wird die Diagnose durch ein Röntgenbild, das zudem Aussagen zu kongenitalen Ursachen sowie begleitenden Knochen- oder Knorpelverletzungen ermöglicht. Vor allem eine sogenannte Patella-Défilée-Aufnahme, eine Zielaufnahme unter zunehmender Beugung, dient der Bewertung der Patellalaterisation und möglichen Knorpelschäden (Chondropathie). Im Rahmen einer Arthroskopie können unsichere Fälle ausgeschlossen und gleichzeitig kleinere Knorpel- und Knochenschäden chirurgisch beseitigt werden.

Der exakteren Abschätzung der Knorpelschäden sowie möglicher Beeinträchtigungen weiterer Weichteile des Knies dient eine Magnetresonanztomographie (MRT). Eventuell sollte bei einem Gelenkerguss zum Ausschluss von Begleitverletzungen eine Punktion durchgeführt werden. Langfristig ist nach einer Patellaluxation in vielen Fällen trotz guter Prognose mit einer retropatellaren Arthrose (Gelenkverschleiß) zu rechnen, da auch bei konsequenter Therapie die vorherige Stabilität der Kniescheibe nicht wieder hergestellt werden kann.

Komplikationen

In der Regel kommt es bei der Patellaluxation zu einer Verrenkung der Kniescheibe. Diese Beschwerde ist sehr schmerzhaft, sodass es vor allem an den Knien zu starken Schmerzen kommt. Diese Schmerzen können sich auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten. Weiterhin können die Knieschmerzen in der Nacht zu Schlafbeschwerden und damit zu einer Gereiztheit des Betroffenen führen.

Ebenso leiden die Patienten aufgrund der Patellaluxation an einem Erguss am Knie und an einer starken Schwellung. Zum Krankheitsbild äußern sich ebenso Gehbeschwerden und Bewegungseinschränkungen. Viele Tätigkeiten des Alltages sind damit nur noch erschwert möglich, sodass die Betroffenen in vielen Fällen auf die Hilfe anderer Menschen in ihrem Leben angewiesen sind. Die Schmerzen der Patellaluxation können mit Hilfe von Medikamenten eingeschränkt werden.

Eine langfristige Einnahme von Schmerzmitteln kann allerdings den Magen schädigen. Ebenso ist der Betroffene in der Regel auf eine Therapie angewiesen, um eine vollständige Heilung zu erreichen. In schwerwiegenden Fällen kann bei der Patellaluxation auch der Knorpel geschädigt sein. Dabei ist in der Regel ein operativer Eingriff notwendig, um den zerstörten Knorpel zu entfernen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Werden optische Veränderungen des Kniegelenks bemerkt, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Stellen sich nach einem Sturz oder Unfall plötzliche Schmerzen oder Verschiebungen der Kniescheibe ein, wird ein Arzt benötigt. Einschränkungen der Bewegungsmöglichkeiten oder eine geringe Belastbarkeit des Knies sind untersuchen und behandeln zu lassen. In einigen Fällen kommt es nach einer unglücklichen Drehbewegung des Beins oder während der Ausübung sportlicher sowie anderer körperlicher Aktivitäten zu den Unregelmäßigkeiten des Knochenbaus. Sobald sie bemerkt werden, sollte eine Schonhaltung eingenommen und die Aktivität beendet werden. Sensibilitätsstörungen, eine Lähmung des Beins oder Probleme der Durchblutung sind einem Arzt vorzustellen.

Schwellungen, Verfärbungen der Haut sowie eine Druckempfindlichkeit sind Anzeichen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung. Damit es zu keinen dauerhaften Schäden bei der Fortbewegung kommt, ist ein Arztbesuch anzuraten. Bei einer Verschiebung der Kniescheibe ohne ein auslösendes Momentum wird ebenfalls ein Arzt benötigt. Die Ursache der Beschwerden muss ermittelt werden, damit ein optimaler Behandlungsplan erstellt wird.

Humpeln, Fehlstellungen des Körpers oder fehlerhafte Belastungen müssen durch die Inanspruchnahme einer ärztlichen Hilfe korrigiert werden. Andernfalls drohen lebenslange Schäden und Einschränkungen des Bewegungsapparates. Schlafstörungen, ein Ruheschmerz oder eine Gereiztheit sollten einem Arzt vorgestellt werden. Eine Einnahme von Schmerzmedikamenten ist erst nach der Rücksprache mit einem Mediziner anzuraten, da es zahlreiche Komplikationen geben kann.

Behandlung & Therapie

Die vorrangige Maßnahme bei einer Patellaluxation ist die Reposition („Einrenken“) der Kniescheibe, die bei ausgeprägten Schmerzen auch unter Schmerzmitteln stattfinden kann. Die weiteren therapeutischen Maßnahmen sind bei Patellaluxationen abhängig vom Ausmaß und ursächlichen Auslöser der Instabilität.

Im Rahmen einer konservativen Therapie können habituelle Patellaluxationen bei weniger stark ausgeprägten Formabweichungen zum Aufbau und zur Kräftigung der stabilisierenden Muskulatur (v.a. Musculus vastus medialis) physiotherapeutisch behandelt werden. Kann nach 3 bis 6 Monaten keine Besserung der Symptome beobachtet werden, sollten operative Maßnahmen wie eine Kapselspaltung, eine arthroskopische Durchtrennung des Retinaculums oder eine Kniegelenkskapselraffung zur Korrektur der Formabweichungen in Betracht gezogen werden.

Bei traumatischen Patellaluxationen wird bei geringen Formabweichungen ebenfalls zunächst konservativ behandelt. Gehen diese mit einem Gelenkkapselriss und/oder einer Einblutung einher, wird eine arthroskopische Spülung mit anschließender Physiotherapie empfohlen. Liegen Knorpelabsprengungen oder Rupturen des medialen patellafemoralen Bandes vor, sollten die Knorpelfragmente operativ angeheftet und das die Kniescheibe stabilisierende Band durch körpereigenes Material minimal-invasiv ersetzt werden.

Geht die Instabilität der Kniescheibe von Knorpelschäden aus, wird in aller Regel konservativ mit Schonung des betroffenen Knies und gegebenenfalls entzündungshemmenden Medikamenten therapiert. Bei fortgeschrittenem Knorpelverschleiß kann der auslösende Herd zur Wiederherstellung einer normalen Durchblutung ante- bzw. retrograd angebohrt werden. Zur Vermeidung von sogenannten „Gelenkmäusen“ (freie Gelenkkörper) kann es erforderlich sein, nekrotisches Knorpelmaterial chirurgisch zu entfernen. Gegebenenfalls kann eine Mosaikplastik (Knorpelverpflanzung) in Frage kommen.


Aussicht & Prognose

Die Prognose einer Patellaluxation ist grundsätzlich günstig. Entstehen die gesundheitlichen Beschwerden aufgrund eines Unfalls, wird in einer konservativen Behandlung die Kniescheibe repositioniert. Im Anschluss erfolgt eine medikamentöse Therapie, um vorhandene Schmerzen zu lindern. Im Normalfall wird der Patient innerhalb einiger Wochen als beschwerdefrei aus der Behandlung entlassen.

Bei vielen Patienten erfolgt zusätzlich eine physiotherapeutische Unterstützung. Bewegungsabläufe werden optimiert, damit vorhandene Beschwerden sich lindern und ein erneutes Auftreten der gesundheitlichen Unregelmäßigkeiten vermieden wird.

In schweren Fällen ist ein operativer Eingriff notwendig. Durch eine Operation besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Komplikationen. Ebenso können im anschließenden Wundheilungsprozess plötzliche Unstimmigkeiten auftreten. Unter optimalen Bedingungen verläuft der Eingriff störungsfrei. Während der Heilungsphase wird ebenfalls eine physiotherapeutische Begleitung zur Verfügung gestellt. Innerhalb eines halben Jahres ist bei diesen Patienten mit einer Genesung zu rechnen.

Werden irreversible Schäden des Knorpels oder der umliegenden Bereiche des Knies dokumentiert, verschlechtert sich die Prognose. Es kann bei den Betroffenen zu lebenslangen Beeinträchtigungen der Fortbewegung kommen. Die Bewältigung des Alltags und die Ausführung von sportlichen Aktivitäten sind dann eingeschränkt. Als Folge können aufgrund der emotionalen Belastung psychischen Störungen auftreten. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass berufliche Aufgaben nicht mehr ausreichend erfüllt werden können.

Vorbeugung

Bei kongenital bedingten Formabweichungen innerhalb des Kniegelenks sind prophylaktische Maßnahmen zur Reduzierung des Risikos für Patellaluxationen lediglich bedingt möglich. Ein konsequentes Aufbautraining der stabilisierenden Oberschenkelmuskulatur kann allerdings einer Reluxation der Kniescheibe vorbeugen.

Nachsorge

Bei einer Patellaluxation stehen Betroffenen in den meisten Fällen nur wenige oder auch nur eingeschränkte Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung. Dabei müssen Betroffene in aller erster Linie schon früh einen Arzt aufsuchen, damit es nicht zu weiteren Komplikationen oder zu einer weiteren Verschlechterung der Beschwerden kommt. Eine frühe Diagnose wirkt sich dabei in der Regel immer sehr positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus.

In den meisten Fällen sind die Patienten dabei auf die Einnahme von verschiedenen Medikamenten angewiesen, die die Beschwerden lindern können. Dabei sollten Betroffene auf die vorgeschriebene Einnahme achten, um die Beschwerden entsprechend einzuschränken. Bei Nebenwirkungen oder bei Unklarheiten ist zuerst ein Arzt zu konsultieren.

Weiterhin können bei der Patellaluxation auch Maßnahmen einer Physiotherapie oder einer Krankengymnastik notwendig sein, um die Beschwerden zu lindern. Viele der Übungen können auch im eigenen Zuhause wiederholt werden, wodurch die Heilung beschleunigt wird. Ebenso sind dabei regelmäßige Kontrollen durch einen Arzt sehr wichtig, damit weitere Schäden schon früh erkannt werden und behandelt werden können. Die Patellaluxation schränkt dabei in der Regel nicht die Lebenserwartung des Betroffenen ein.

Das können Sie selbst tun

Kommt es zu Beschwerden des Kniegelenkes nach einem Sturz oder Unfall, sollte der Betroffene schnellstmöglich einen Arzt konsultieren. Er benötigt eine medizinische Versorgung, da die Beschädigungen des Kniegelenkes nicht ausreichend bei den Selbstheilungsprozess des Organismus regeneriert werden können.

Bei einer Patellaluxation sollte der Betroffene sich selbst und seinen Körper ausreichend schonen. Bei Schwellungen helfen zudem kühlende Umschläge. Körperliche Belastungen oder Überanstrengungen sind zu vermeiden. Die Bewegungsabläufe sind zu optimieren, damit möglichst wenige Beschwerden oder Folgeerscheinungen auftreten. Einseitige körperliche Belastungen und Fehlhaltungen sind nach Möglichkeit unverzüglich auszugleichen. Hilfreich ist es, die Erledigung von alltäglichen Aufgaben umzustrukturieren. Die Unterstützung von Menschen aus dem nahen Umfeld sollte dabei in Anspruch genommen werden.

Damit das Skelettsystem und die Gelenke möglichst wenig belastet werden, ist Übergewicht grundsätzlich zu vermeiden. Das Gewicht sollte sich im Normalbereich des BMI befinden. Bei einem vorhandenen Übergewicht ist die Umstellung der Lebensweise und der Ernährung wichtig. Über eine ausgewogene und vitaminreiche Nahrungsaufnahme kann überschüssiges Gewicht abgebaut werden. Darüber hinaus ist der Konsum von Schadstoffen wie Nikotin oder Alkohol zu unterlassen.

Grundsätzlich ist bei dieser Erkrankung die enge Zusammenarbeit mit einem Arzt sowie Physiotherapeuten anzuraten. So kann sichergestellt werden, dass der Heilungsprozess optimal verläuft.

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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