Patellaluxation

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. September 2017
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Ist die Kniescheibe aus ihrem v-förmigen Gleitlager gerutscht, wird dies als Patellaluxation bezeichnet. Mit einer Häufigkeit von etwa 6:100.000 gehören Patellaluxationen zu den häufigsten Verletzungen des Kniegelenks.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Patellaluxation?

Als Patellaluxation wird eine Verrenkung (Luxation) der Kniescheibe (Patella) bezeichnet, bei welcher die Patella in aller Regel nach lateral (zur Außenseite) aus der knöchernen Führungsrinne bzw. ihrem Gleitlager am Oberschenkelknochen (Femur) gesprungen ist.

Oftmals werden hierbei zusätzliche Bänder, Knochen sowie knorpelige Strukturen im betroffenen Knie verletzt. Eine Patellaluxation manifestiert sich in den meisten Fällen anhand eines Schmerzes im vorderen Bereich des Knies, eines Streckdefizits, Gelenkergusses sowie eines Druckschmerzes am lateralen Kondylus (Gelenkfortsatz) und medialen Retinaculum (Halteband) des Femurs.

Zudem wird zwischen Erstluxationen infolge externer Traumata (Aufprall, Schlag, Sturz) und posttraumatischen chronisch-rezidivierenden sowie habituellen Patellaluxationen ohne vorliegendes Trauma differenziert. In seltenen Fällen sind kongenital bedingte (angeborene) Luxationen der Kniescheibe feststellbar.

Ursachen

In Abhängigkeit von der spezifisch auslösenden Ursache werden verschiedene Formen der Patellaluxation unterschieden. Bei einer habituellen Luxation resultiert aus einer anlagebedingten Fehlbildung des Gleitlagers, der Haltebänder, Muskeln und/oder Kniegelenkkapsel eine Instabilität der Kniescheibe.

Darüber hinaus gehen erworbene Dispositionen wie eine Vergrößerung des Q-Winkels, ein flacher Gelenkfortsatz des Femurs, eine Patella alta (Kniescheibenhochstand), Genu recurvatum (Hochknie), Atrophien der stabilisierenden Muskulatur, Femurantetorsionen mit einem erhöhten Risiko für Patellaluxationen einher.

Minderdurchblutungen sowie Knochennekrosen im Bereich des Kniegelenks, insbesondere am Gleitlager oder an der Kniescheibe, können zu einer Beeinträchtigung der angrenzenden knorpeligen Strukturen, somit zu einer Instabilität der Kniescheibe und entsprechend zu Luxationen führen. Zudem kann durch externe Traumata oder Verdrehunfälle während sportlicher Aktivitäten die Kniescheibe aus ihrer Führungsrinne rutschen (traumatische Patellaluxation).

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

In aller Regel kann eine Patellaluxation, insbesondere eine akute traumatische Verrenkung, anhand der charakteristischen Symptome diagnostiziert werden.

Abgesichert wird die Diagnose durch ein Röntgenbild, das zudem Aussagen zu kongenitalen Ursachen sowie begleitenden Knochen- oder Knorpelverletzungen ermöglicht. Vor allem eine sogenannte Patella-Défilée-Aufnahme, eine Zielaufnahme unter zunehmender Beugung, dient der Bewertung der Patellalaterisation und möglichen Knorpelschäden (Chondropathie). Im Rahmen einer Arthroskopie können unsichere Fälle ausgeschlossen und gleichzeitig kleinere Knorpel- und Knochenschäden chirurgisch beseitigt werden.

Der exakteren Abschätzung der Knorpelschäden sowie möglicher Beeinträchtigungen weiterer Weichteile des Knies dient eine Magnetresonanztomographie (MRT). Eventuell sollte bei einem Gelenkerguss zum Ausschluss von Begleitverletzungen eine Punktion durchgeführt werden. Langfristig ist nach einer Patellaluxation in vielen Fällen trotz guter Prognose mit einer retropatellaren Arthrose (Gelenkverschleiß) zu rechnen, da auch bei konsequenter Therapie die vorherige Stabilität der Kniescheibe nicht wieder hergestellt werden kann.

Komplikationen

In der Regel kommt es bei der Patellaluxation zu einer Verrenkung der Kniescheibe. Diese Beschwerde ist sehr schmerzhaft, sodass es vor allem an den Knien zu starken Schmerzen kommt. Diese Schmerzen können sich auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten. Weiterhin können die Knieschmerzen in der Nacht zu Schlafbeschwerden und damit zu einer Gereiztheit des Betroffenen führen.

Ebenso leiden die Patienten aufgrund der Patellaluxation an einem Erguss am Knie und an einer starken Schwellung. Zum Krankheitsbild äußern sich ebenso Gehbeschwerden und Bewegungseinschränkungen. Viele Tätigkeiten des Alltages sind damit nur noch erschwert möglich, sodass die Betroffenen in vielen Fällen auf die Hilfe anderer Menschen in ihrem Leben angewiesen sind. Die Schmerzen der Patellaluxation können mit Hilfe von Medikamenten eingeschränkt werden.

Eine langfristige Einnahme von Schmerzmitteln kann allerdings den Magen schädigen. Ebenso ist der Betroffene in der Regel auf eine Therapie angewiesen, um eine vollständige Heilung zu erreichen. In schwerwiegenden Fällen kann bei der Patellaluxation auch der Knorpel geschädigt sein. Dabei ist in der Regel ein operativer Eingriff notwendig, um den zerstörten Knorpel zu entfernen.

Behandlung & Therapie

Die vorrangige Maßnahme bei einer Patellaluxation ist die Reposition („Einrenken“) der Kniescheibe, die bei ausgeprägten Schmerzen auch unter Schmerzmitteln stattfinden kann. Die weiteren therapeutischen Maßnahmen sind bei Patellaluxationen abhängig vom Ausmaß und ursächlichen Auslöser der Instabilität.

Im Rahmen einer konservativen Therapie können habituelle Patellaluxationen bei weniger stark ausgeprägten Formabweichungen zum Aufbau und zur Kräftigung der stabilisierenden Muskulatur (v.a. Musculus vastus medialis) physiotherapeutisch behandelt werden. Kann nach 3 bis 6 Monaten keine Besserung der Symptome beobachtet werden, sollten operative Maßnahmen wie eine Kapselspaltung, eine arthroskopische Durchtrennung des Retinaculums oder eine Kniegelenkskapselraffung zur Korrektur der Formabweichungen in Betracht gezogen werden.

Bei traumatischen Patellaluxationen wird bei geringen Formabweichungen ebenfalls zunächst konservativ behandelt. Gehen diese mit einem Gelenkkapselriss und/oder einer Einblutung einher, wird eine arthroskopische Spülung mit anschließender Physiotherapie empfohlen. Liegen Knorpelabsprengungen oder Rupturen des medialen patellafemoralen Bandes vor, sollten die Knorpelfragmente operativ angeheftet und das die Kniescheibe stabilisierende Band durch körpereigenes Material minimal-invasiv ersetzt werden.

Geht die Instabilität der Kniescheibe von Knorpelschäden aus, wird in aller Regel konservativ mit Schonung des betroffenen Knies und gegebenenfalls entzündungshemmenden Medikamenten therapiert. Bei fortgeschrittenem Knorpelverschleiß kann der auslösende Herd zur Wiederherstellung einer normalen Durchblutung ante- bzw. retrograd angebohrt werden. Zur Vermeidung von sogenannten „Gelenkmäusen“ (freie Gelenkkörper) kann es erforderlich sein, nekrotisches Knorpelmaterial chirurgisch zu entfernen. Gegebenenfalls kann eine Mosaikplastik (Knorpelverpflanzung) in Frage kommen.

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Vorbeugung

Bei kongenital bedingten Formabweichungen innerhalb des Kniegelenks sind prophylaktische Maßnahmen zur Reduzierung des Risikos für Patellaluxationen lediglich bedingt möglich. Ein konsequentes Aufbautraining der stabilisierenden Oberschenkelmuskulatur kann allerdings einer Reluxation der Kniescheibe vorbeugen.

Bücher über Knieschmerzen

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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