Kardiomyopathie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. November 2017
Startseite » Krankheiten » Kardiomyopathie

Kardiomyopathie ist der Fachbegriff für akute und chronische Erkrankungen des Herzmuskels. Für den Laien schier unüberschaubar sind die Ursachen der Kardiomyopathie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Kardiomyopathie?

Unter Kardiomyopathie versteht der Mediziner eine großes Spektrum von Herzmuskelerkrankungen. Der Begriff schließt die ursächliche Beteiligung eines Herzklappenfehlers oder des Herzbeutels aus.

Die vielfältigen Erscheinungsformen der Kardiomyopathie führten zu verschiedenen Klassifizierungen in der Fachwissenschaft. Zunehmend setzt sich jedoch eine Einteilung in 2 Gruppen durch:

1. Primäre Kardiomyopathie: Die Grunderkrankung betrifft den Herzmuskel selber.

2. Sekundäre Kardiomyopathie: Die Grunderkrankung geht nicht vom Herzmuskel aus, sondern ist eine regelmäßige oder mögliche Komplikation durch eine Krankheit eines oder mehrerer anderer Organe.

Diese Definition berücksichtigt nicht, ob die Ursache genetisch oder durch äußere Faktoren bedingt ist. Sowohl erbliche als auch erworbene Herzmuskelkrankheiten gehören zum Spektrum der primären sowie der sekundären Kardiomyopathie.

Ursachen

Die primäre Kardiomyopathie ist oft die Folge einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Hierzu zählt die bekannte Grippemyokarditis und auch Autoimmunkrankheiten im Zuge einer Schwangerschaft. Mehrere Ursachen, sicher auch genetische Faktoren, treffen im Falle einer Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) zusammen. Andere Kardiomyopathien beruhen ausschließlich auf Gendefekten der Herzmuskelfasern oder des neuronalen Herzleitungs-Systems.

Zu den sekundären Kardiomyopathien zählen Krankheitsbilder, die auf Vitaminmangel oder auf ein Defizit von Spurenelementen zurückzuführen sind. Auch Chemotherapien, Genussgifte oder Schwermetalle können den Herzmuskel schädigen. Ferner sind es Erkrankungen des Nervensystems und Krankheiten aus dem rheumatischen Formenkreis, die zu sekundären Kardiomyopathien führen können.

Stoffwechselkrankheiten haben oft zur Folge, dass Abbauprodukte an verschiedenen Stellen des Körpers abgelagert werden. Auch daraus resultieren einige der sekundäre Kardiomyopathien. Unter den Hormon-Störungen gelten die Über- und Unterfunktion der Schilddrüse als Auslöser, bekannt ist auch Diabetes als Ursache der Kardiomyopathie.

Typische Symptome & Anzeichen

Die Anzeichen und Beschwerden sid abhängig von der Art und Form der Herzmuskelerkrankung. So kann es zu folgenden Symptomen kommen:

Diagnose & Verlauf

Nach Kardiomyopathie wird der Arzt forschen, wenn Symptome wie Kurzatmigkeit, schnelle Ermüdbarkeit oder Schwindel vorliegen. Zunächst zeigt ein EKG erste Auffälligkeiten an, zu denen auch Herzrhythmusstörungen gehören können.

Im Röntgenbild ist bei einigen Formen der Kardiomyopathie eine Vergrößerung des Herzens sichtbar. Eine Ultraschalluntersuchung eröffnet Einblicke in das schlagende Herz (Echokardiografie). Schließlich liefert die Exploration mit dem Herzkatheter Hinweise auf die ernste Krankheit.

Gute Heilungschancen haben beispielsweise akute Herzmuskelentzündungen. In der Regel sind Kardiomyopathien aber fortschreitende degenerative Erkrankungen, die mit einer Abnahme der Pumpförderleistung einhergehen. Im letzten Stadium ist oft der Herzstillstand (Plötzlicher Herztod) die Folge der Kardiomyopathie.

Komplikationen

Durch die Kardiomyopathie kommt es zu Beschwerden und Erkrankungen am Herzmuskel. Dabei ist die Lebenserwartung des Betroffenen in der Regel eingeschränkt und der Patient kann an den Beschwerden versterben, wenn es nicht zu einer rechtzeitigen Behandlung dieser Beschwerden kommt. Meistens sinkt die Belastbarkeit des Patienten deutlich ab und die Betroffenen leiden an einer Atemnot.

Gewisse Tätigkeiten oder sportliche Aktivitäten sind durch die Kardiomyopathie nicht mehr möglich. Es kommt zu Störungen des Herzrhythmus und im weiteren Verlauf zu einer Herzinsuffizienz. Diese kann unbehandelt zum Tode des Patienten führen. Ebenso führen Herzbeschwerden oft zu Wassereinlagerungen in den Beinen oder im Bauch. Die Patienten leiden oft an Schwindel oder an einem Bewusstseinsverlust. Ohne Behandlung kann es auch zu einem plötzlichen Herztod des Patienten kommen.

Die Behandlung der Kardiomyopathie erfolgt kausal und richtet sich dabei nach der Grunderkrankung. Der weitere Krankheitsverlauf hängt dadurch stark von deren Ausprägung ab, sodass es nicht möglich ist, einen allgemeinen Krankheitsverlauf vorauszusagen. In einigen Fällen ist auch die Transplantation des Herzens notwendig, damit der Betroffene weiterhin überleben kann.

Behandlung & Therapie

Die sekundäre Kardiomyopathien sind zunächst im Rahmen der zugrundeliegenden Systemerkrankung behandelbar. Ziel ist beispielsweise eine Kompensation von Stoffwechselstörungen oder eine Entgiftung bei Intoxikationen. Herzmuskelentzündungen werden mit Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamenten bekämpft.

In jedem chronifizierten Fall richtet der Kardiologe seine Bemühungen auf die Symptome des schwächer werdenden Herzens und wird eine entsprechende Medikation einleiten. Schon lange bewährt haben sich Herzglykoside (Digitalis) zur Herzstärkung, daneben wird eine Senkung des Blutdruckes angestrebt. Die bekannten Betablocker führen zu einer Entlastung des Herzens. Die direkten Folgen der Kardiomyopathie stehen ebenfalls im Fokus der Behandlung.

Gegen Ödeme (Wassereinlagerung im Gewebe) müssen harntreibende Medikamente verordnet werden. Antiarrhythmika sollen das oft hinzutretende Vorhofflimmern beseitigen, manchmal hilft nur die Implantation eines Herzschrittmachers. Das Risiko von Thrombosen und Embolien vermindern Antikoagulantien. Das sind Medikamente für die Reduzierung der Blutgerinnungsneigung, mit denen im Zuge von Herzrhythmusstörungen speziell dem Schlaganfall vorgebeugt werden soll.

Droht der Verlauf einer Kardiomyopathie mit einer fortgeschrittenen Herzschwäche lebensbedrohlich zu werden, ist oft eine Herztransplantation die einzige Rettung. Ein künstliches Herz oder elektromechanische Systeme zur Herzunterstützung können den Patienten am Leben erhalten, bis ein geeignetes Spenderherz zur Verfügung steht. Trotz aller Bemühungen der modernen Medizin sterben viele Patienten letztlich an den Folgen der Kardiomyopathie.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Die Kardiomyopathie bietet trotz der vielfältigen Ursachen Möglichkeiten der Prophylaxe. Ein maßvoller Konsum von Genussmitteln wie Alkohol oder Nikotin ist hier anzuraten. Desgleichen ist allgemein bekannt, dass sportliche Betätigung gleich mehreren Herzkrankheiten vorbeugt. Entzündungsherde gehören schnellstmöglich unter ärztliche Kontrolle, dies gilt besonders für Grippe und grippeähnliche Infekte. Denn daraus resultiert manchmal über die Ansteckung des Herzens letztlich eine Kardiomyopathie.

Das können Sie selbst tun

Patienten, bei denen eine diagnostizierte Kardiomyopathie vorliegt, sollten diese Erkrankung ernst nehmen und den Therapieplänen und Empfehlungen ihres Arztes unbedingt folgen. In vielen Fällen gibt es Behandlungsmethoden, mit denen das Krankheitsbild verbessert werden kann. In anderen Fällen ist eine Verlangsamung oder ein Stopp des Krankheitsverlaufs durchaus möglich.

Für die Patienten bedeutet dies, dass sie ihren Alltag ganz bewusst auf die Anforderungen der Krankheit ausrichten müssen. Oftmals ist die Kardiomyopathie Folge eines ungesunden Lebensstils. Fand über Jahre hinweg eine falsche, nicht ausgewogene und meist zu üppige Ernährung statt, so kann sich eine ärztlich angeleitete Ernährungsumstellung positiv auf Herz und Kreislauf auswirken. Auch eine in vielen Fällen sinnvolle Gewichtsreduktion trägt zum besseren Wohlbefinden im Alltag bei. Konsumgifte wie Nikotin und Alkohol sollten möglichst ganz gemieden werden, der Konsum von Kaffee kann eingeschränkt werden. Regelmäßige Bewegung in den Alltag einzubauen und dadurch vorsichtig das Herz-Kreislaufsystem und die Kondition zu stärken, wirkt sich meist förderlich auf die Gesundheit aus.

Aber nicht immer sind diese Faktoren Auslöser der Kardiomyopathie. Oftmals ist diese auch einfach genetisch bedingt und tritt auf, obwohl der Patient einen gesunden und aktiven Lebensstil pflegte. Übermäßiger Stress, zum Beispiel im Beruf oder in der Familie, begünstigen das Entstehen der Krankheit. Patienten sollten sich diese Risiken bewusst machen, und sie so gut es geht vermeiden.

Bücher über Herzinsuffizienz

Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Kindermann, W., et al.: Sportkardiologie. Steinkopff, Darmstadt 2007
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: