Diabetische Nephropathie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. Dezember 2017
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Eine diabetische Nephropathie ist eine Schädigung der versorgenden Nierengefäße infolge zu hoher Blutzuckerwerte, die zu einer ausgeprägten Beeinträchtigung der Nierenfunktion führen kann. Eine diabetische Nephropathie ist in Deutschland der häufigste Grund für das Vorliegen einer Dialysepflichtigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die diabetische Nephropathie?

Als diabetische Nephropathie wird eine Schädigung der glomerulären (knäuelförmigen) Kapillaren der Niere bezeichnet, die oftmals im Zusammenhang mit einem langjährigen, insbesondere schlecht eingestellten und mehr als zehn bis 15 Jahren bestehenden Diabetes mellitus (Typ I und II) beobachtet werden kann. Dabei manifestieren sich die Symptome einer diabetischen Nephropathie in vielen Fällen erst nach Jahren im fortgeschrittenen Verlauf.

Zu diesen gehören Kopfschmerzen, Leistungsschwäche, Anämie (Blutarmut), Ödembildungen in den Beinen (Schwellungen durch Wassereinlagerungen), Gewichtszunahme, Juckreiz sowie milchkaffeefarbene Hautveränderungen. Bei etwa einem Drittel der von Diabetes mellitus Betroffenen geht eine Nephropathie mit einer Retinopathia diabetica einher.

Im fortgeschrittenen Stadium einer diabetischen Nephropathie können aufgrund der ausgeprägten Nierenschädigung Dialyse und Nierentransplantationen erforderlich werden. Über 30 Prozent der dialysepflichtigen Menschen in Deutschland sind von einer diabetischen Nephropathie betroffen, womit die Erkrankung der häufigste Grund für eine Dialysepflicht ist.

Ursachen

Eine diabetische Nephropathie ist auf einen über eine längere Zeit erhöhten Blutzuckerspiegel zurückzuführen. Durch den erhöhten Blutzuckerwert werden Ablagerungen in den großen versorgenden Blutgefäßen der Nieren bedingt, die zu einer Störung des Blutflusses (Arteriosklerose) und in der Folge einer zusätzlichen Beeinträchtigung der kleineren, glomerulären Gefäße führen.

Die Nierenfunktionen, vor allem die Filterleistung und Entgiftungskapazität des Organs, sind dadurch stark gestört, so dass vermehrt Proteine (Eiweiße) mit dem Urin ausgeschieden werden, insbesondere das sogenannte Albumin, das bei einem gesunden Menschen nicht im Urin festgestellt werden kann.

Daneben erhöhen verschiedene Faktoren wie Hypertonie (Bluthochdruck), erhöhte Blutfettwerte, schlechte Blutzuckereinstellung, Nikotinkonsum, übermäßige Eiweißzufuhr über die Nahrung sowie eine genetische Disposition (Veranlagung) das Risiko für eine diabetische Nephropathie.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine diabetische Nephropathie wird anhand der Albuminkonzentration im Urin diagnostiziert. Da beispielsweise auch bei Harnwegsinfektionen oder Fiebererkrankungen die Eiweißwerte im Urin erhöht sind, müssen für eine gesicherte Diagnose mindesten zwei von drei Urinproben (Morgenurin) einen erhöhten Albuminwert aufweisen.

Dabei kann die Konzentrationshöhe Aufschluss über das Stadium der diabetischen Nephropathie geben. Während bei einem Wert von 20 bis 200 mg/l von einer beginnenden Nierenerkrankung auszugehen ist, ist die Nierenschädigung bei einem Wert von über 200 mg/l bereits als fortgeschritten einzustufen. Daneben geben erhöhte Kreatinin-, Harnsäure- und Harnstoffwerte im Blut Aufschluss über eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion und darüber, ob bereits ein chronisches Nierenversagen vorliegt.

Bei frühzeitiger Diagnose und Therapiebeginn kann eine diabetische Nephropathie in ihrem Verlauf verlangsamt und gegebenenfalls aufgehalten werden. Eine untherapierte diabetische Nephropathie führt langfristig zu einer stark ausgeprägten Beeinträchtigung der Nierenfunktion bis hin zur Dialysepflichtigkeit.

Komplikationen

Eine diabetische Nephropathie entsteht durch einen gestörten Zuckerhaushalt, wie es bei Diabetes mellitus der Fall ist, welcher die unterschiedlichsten Komplikationen haben kann. Durch den erhöhten Zucker im Blut kann es im Verlauf zu einer Verstopfung von kleineren Gefäßen im Körper kommen und damit zu einer mangelnden Versorgung der einzelnen Organe mit Blut und Sauerstoff, wodurch es zum Absterben dieser kommt.

Zum einen sind vor allem die Nieren (diabetische Nephropathie) betroffen. Es kommt im Verlauf zu einem erhöhten Durchfluss des Harns, welcher in den weiteren Stadien immer weniger wird. Ein Versagen der Nieren kündigt sich an. Dadurch wird das Risiko für die Entstehung von Ödemen erhöht, aber auch von Herzrhythmusstörungen, da aufgrund des Nierenversagens weniger Kalium ausgeschieden wird, wodurch sich die Konzentration im Blut erhöht (Hyperkaliämie).

Auch eine Vergiftung des Blutes oder auch Urämie ist denkbar, weil Giftstoffe nicht mehr ausreichend ausgeschieden werden. Des Weiteren kann es im Rahmen des Diabetes auch zu einer Verstopfung der Gefäße der Netzhaut (Diabetische Retinopathie) kommen. Dies kann zu einer starken Beeinträchtigung der Sehkraft führen, welche bis hin in eine Erblindung übergehen kann. Auch Nerven sind vom Diabetes betroffen (Diabetische Neuropathie), wodurch es zu Sensibilitätsstörungen, aber auch zu motorischen Störungen kommen kann.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei dieser Erkrankung muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, da es nicht zu einer Selbstheilung kommt und die Nieren dadurch vollständig und vor allem irreversibel geschädigt werden können. Ein Arzt ist in der Regel dann aufzusuchen, wenn der Betroffene schon an Diabetes leidet. Dabei kommt es zu Juckreizen auf der Haut und die Haut selbst färbt sich gelblich oder bräunlich. Sollten diese Beschwerden auch zusammen mit Wassereinlagerungen oder mit Müdigkeit und allgemeiner Schwäche auftreten, so ist auf jeden Fall ein Besuch beim Arzt notwendig.

Auch ein Eisenmangel und eine Zunahme an Gewicht können auf diese Erkrankung hindeuten. Des Weiteren leiden viele Patienten auch an Kopfschmerzen. In der Regel kann die Erkrankung durch einen Allgemeinarzt oder durch einen Internisten diagnostiziert werden. Die weitere Behandlung richtet sich allerdings nach dem Fortschritt dieser Erkrankung und wird dann durch verschiedene Fachärzte durchgeführt. Möglicherweise ist der Betroffene dann auf die Transplantation einer Niere angewiesen.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen zielen bei einer diabetischen Nephropathie zuallererst auf eine optimale Einstellung der Blutzuckerwerte, da sich dadurch der Verlauf verlangsamen und die Nierenschäden im frühen Stadium beseitigen lassen.

Daneben sollten die Medikamente überprüft und gegebenenfalls eine Anpassung der Langzeittherapie erfolgen. Von einer diabetischen Nephropathie Betroffene sollten beispielsweise nicht das häufig eingesetzte Antidiabetikum Metformin einnehmen, da es eine Niereninsuffizienz verstärkt und somit kontraindiziert (ungeeignet) ist. Zusätzlich sollte der Blutdruckwert bei nierenkranken Diabetikern möglichst niedrig gehalten werden, da die Nieren bei einem niedrigen Wert besser funktionieren können.

Dazu kommen blutdrucksenkende Mittel wie ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Antagonisten zum Einsatz, die nicht nur das Risiko eines Fortschreitens der diabetischen Nephropathie, sondern auch das von Herzinfarkten und Schlaganfällen minimieren. Ferner müssen weitere Risikofaktoren wie erhöhte Blutfettwerte therapiert werden. Eine Ernährungsumstellung auf eiweiß- und salzarme Kost wie auch der Abbau eines vorliegenden Übergewichts und der Verzicht auf Nikotinkonsum wird in vielen Fällen von diabetischer Nephropathie empfohlen.

Im fortgeschrittenen Stadium einer diabetischen Nephropathie ist in den meisten Fällen Dialyse (Blutwäsche) oder eine Nierentransplantation angezeigt, da zu diesem Zeitpunkt bereits irreversible (unumkehrbare) Schädigungen vorliegen.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose einer diabetischen Nephropathie gilt als ungünstig. Da als Ursache eine schlecht behandelte Diabeteserkrankung vorliegt, kam es bereits im Vorfeld mehrerer Jahre in der die Blutzuckerwerte falsch eingestellt waren. Dies hat Auswirkungen unter anderem auf die organische Tätigkeit der Niere und verkürzt die Lebenszeit des Patienten.

Mit einer Umstellung der medizinischen Versorgung und einer gesunden Lebensführung kann der Patient einen positiven Einfluss auf sein Wohlbefinden nehmen. Die entstandenen Schäden der Niere gelten jedoch als irreparabel. Der Krankheitsfortschritt der Diabetes kann in seiner Geschwindigkeit beeinflusst werden. Die Funktionsfähigkeit der Niere ist dennoch beeinträchtigt. In schweren Fällen kommt es durch die diabetische Nephropathie zu einem Organversagen und damit zum Ableben des Patienten.

Neben einer guten Behandlung der Diabetes muss der Betroffene regelmäßig zur Dialyse. Dies stellt eine immense Belastung dar und kann zu einer psychischen Störung führen. Weitere Erkrankungen verschlechtern zusätzlich die Aussicht auf eine Genesung. In günstigen Fällen wird eine Spenderniere gefunden und der Patient ist geeignet für eine Nierentransplantation. Sobald diese erfolgreich läuft, kann die Lebenszeit erfolgreich verlängert werden. Mit Beeinträchtigungen ist dennoch zu rechnen. Darüber hinaus ist eine gute medizinische Behandlung der Diabeteserkrankung elementar, um keine erneuten Beschwerden oder Nierenprobleme auszulösen.

Vorbeugung

Einer diabetischen Nephropathie kann gezielt durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen (Blutdruck und –fett, Proteinanteil im Urin) und eine gute Blutzuckereinstellung vorgebeugt werden. Zusätzlich wird eine Ernährungsumstellung auf salz- und eiweißarme Ernährung empfohlen. Bei einer frühzeitigen Diagnose und rechtzeitigem Therapiebeginn lässt sich ein Nierenversagen infolge einer diabetischen Nephropathie vermeiden.

Das können Sie selbst tun

Bei einer diagnostizierten diabetischen Nephropathie besteht die erste Selbsthilfemaßnahme darin, den Blutzucker optimal einzustellen und in der Vermeidung eines hohen Blutdrucks, da die Nieren durch eine Hypertonie zusätzlich belastet werden. Durch obige Maßnahmen können an Diabetes erkrankte Menschen den Verlauf der diabetischen Nephropathie verlangsamen oder sogar gänzlich stoppen. Das ist unabhängig davon, ob es sich um den häufigeren Diabetes Typ 2 oder Typ 1 handelt.

Im frühen Stadium können die Nieren auch wieder vollständig regenerieren. Die Krankheit wird durch eine Schädigung der versorgenden Blutgefäße und des glomerulären kapillaren Gefäßsystems der Nieren verursacht. Die Gefäßschäden lassen sich meist auf eine jahrelang anhaltende suboptimal eingestellte Blutzuckerkonzentration zurückführen. In einigen Fällen sind auch bestimmte Medikamente ursächlich verantwortlich. Es kommt zu sklerotischen Ablagerungen in den Gefäßen, so dass die Nierenfunktion beeinträchtigt wird und im Endstadium gänzlich versagen kann, so dass nur noch die Dialyse und eine Nierentransplantation Abhilfe schaffen kann.

Unabhängig von der optimalen Einstellung des Blutzuckers und des Blutdrucks besteht eine Selbsthilfemaßnahme darin, typische Symptome einer diabetischen Nephropathie zu erkennen. Typische Anzeichen können in häufigem Juckreiz und in einer leichten gelb-bräunlichen Hautverfärbung liegen. Weniger spezifische Symptome sind eine allgemeine geringe Belastbarkeit, Kopfschmerzen und Wassereinlagerungen (Ödeme) im Körper und eine dadurch bedingte Gewichtszunahme. Meist stellt sich auch eine allgemeine Eisenmangelanämie ein.

Bücher über Diabetische Nephropathie

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010
  • Usadel, K.-H., Wahl, P.: Diabetologie und Stoffwechsel. In: Bob, A. u. K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009

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