Chronische Gelenkentzündung (Rheuma)

Unter Rheuma verstehen wir heute keine bestimmte Krankheitsform. Das ist ein ebenso verschwommener und darum wissenschaftlich wie ärztlich unbrauchbarer Ausdruck wie "Reißen", "Gliedereißen" oder ähnliches und besagt nichts anderes als "fließende" einmal hier, dann wieder dort auftauchende Schmerzen. Um bei einer Krankheit aber wirkungsvoll eingreifen zu können, müssen wir Ärzte zu ergründen suchen, durch welche Ursachen sie hervorgerufen wurde. Das ist bei den rheumatischen Erkrankungen keineswegs leicht. Gewöhnlich liegt ihnen ein ganzes Ursachenbündel zugrunde.

Inhaltsverzeichnis

Verschiedene Formen von Rheuma

Es ist deshalb kein Wunder, wenn von den betroffenen Patienten die verschiedensten Bedingungen angeschuldigt werden. Wir müssen jedoch streng unterscheiden zwischen Ursache und Veranlassung, zwischen notwendig wirksam werdenden lebenden Erregern wie beim rheumatischen Fieber oder anderen mitwirkenden Bedingungen des Klimas, der Arbeitsbelastung usw. Denn auch bei dieser Erkrankung kommt es in erster Linie auf die Reaktion des Körpers an.

Wer das alles bedenkt, wird einsehen, dass der Arzt ein rheumatisches Leiden nicht mit einem Medikament oder wenigen Mitteln behandeln kann, sondern dass er sich mehrerer miteinander abgestimmter Heilmaßnahmen bedienen muss. Innerhalb der rheumatischen Krankheiten müssen wir grundsätzlich die entzündlichen von den nichtentzündliehen, degenerativen, das heißt durch Gewebsabbau und -umbau ohne Infektionen hervorgerufenen, Krankheiten unterscheiden. Nur in die erste Gruppe gehören die jenigen Formen, die den Namen Rheumatismus mit Recht tragen: beispielsweise akuter Rheumatismus oder rheumatisches Fieber.

Chronischer Rheumatismus

Chronischer Rheumatismus mit zwei klinisch und durch Blutuntersuchung serologisch zu trennenden Formen der Gelenkentzündung (Arthritis) und der versteifende Wirbelsäulen-Rheumatismus. Die zweite Gruppe umfaßt die degenerativen Knochen-, Gelenk- und Weichteilerkrankungen mit rheumatischen Erscheinungen. Arthrosen und Spondylosen mit begleitenden oder daraus folgenden krankhaften Weichteilprozessen an Muskeln, Sehnen, Sehnenscheiden, Schleimbeuteln und Nerven.

An dieser Stelle soll hauptsächlich von den chronischen rheumatischen Gelenkentzündungen gesprochen werden. Sie sind nicht nur ärztlich am schwierigsten zu behandeln, sondern können auch jeden einzelnen sehr fühlbar belasten. Vom rheumatischen Fieber, vorwiegend einer Krankheit des Kindesalters, sei nur soviel gesagt, dass bei ihm eine echte medikamentöse Behandlung möglich ist, und zwar mit Hilfe von Penicillin. Bei uns in Deutschland wird diese Langzeitbehandlung in zunehmendem Maße erfolgreich durchgeführt. Dadurch lassen sich die rheumatischen Rückfälle mit ihrer Gefahr für das Herz und damit für des Leben der Kinder verhüten.

Bei chronisch-entzündlichem Rheuma haben wir solche vorbeugenden Möglichkeiten nicht. Hinzu kommt noch, dass wir über Ursachen und Bedingungen dieses Leidens zu wenig Sicheres wissen. Deshalb ist es notwendig, die ersten Anzeichen so früh wie möglich zu erkennen, um zeitig genug eine wirksame Therapie zu beginnen. Das Hauptsymptom des chronischen Rheumatismus ist die Gelenkentzündung (Arthritis). In schweren Fällen werden allmählich viele, ja alle Gelenke ergriffen. Erste Anzeichen dieses Leidens sind meist nächtliche Mißgefühle mit Ziehen und Kribbeln in den Fingerspitzen und das Empfinden morgendlicher Steifheit in den Händen, das erst im Laufe des Tages allmählich verschwindet.

Diagnose und Behandlung von chronischer Gelenkentzündung

Diese Erscheinungen genügen, um ärztlichen Rat einzuholen. Gelingt es auf diese Weise die Diagnose früh zu stellen oder wenigstens den Verdacht auf ein sich entwickelndes entzündliches rheumatisches Leiden zu erheben, so ist viel gewonnen. In diesen Frühfällen wird nicht immer eine Behandlung mit stark wirkenden Medikamenten, z.B. den modernen Hormonen der Nebennierenrinde, nötig sein. In der Regel wird der Arzt Vorschriften geben, um die Widerstandsfähigkeit des Körpers zu erhalten und zu erhöhen und die Gelenke so zu schützen, dass spätare Fehlstellungen und Versteifungen vermieden werden.

Sobald Entzündungen und Schwellungen auftreten, ist jedoch Bettruhe einzuhalten. Befolgt der Kranke das sofort, ohne Zeit zu versäumen, so gelingt es oft schon allein dadurch, den entzündlichen Schub zu hemmen. Deshalb. sollte auch eine Hausfrau in dieser Lage nicht zu Hause bleiben müssen.

Allgemein werden Arzt und Patient bestrebt sein, die gesamte körperliche Verfassung zu bessern. Dazu gehört auch die Behandlung und Beseitigung infektiöser Prozesse, wie sie besonders häufig von chronisch kranken Mandeln und Zähnen, seltener von anderen Stellen ausgehen können. Hier handelt es sich um eine Entlastung des Organismus, der seine Kräfte nicht an zwei Fronten verbrauchen soll. Dagegen sind die sogenannten Herde nicht die Ursache der chronisch rheumatischen Leiden. Kein Arzt und kein Zahnarzt dürfen deshalb dem Patienten eine Heilung seines Rheumatismus versprechen, wenn er sich Mandeln und Zähne entfernen lässt. Sind diese nachweisbar krank, dann muss man sie sich ohnehin beseitigen lassen.

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