Rheumatisches Fieber

Letzte Aktualisierung am 4. Juli 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Bei einem rheumatischen Fieber kommt es zu Entzündungen des Herzens, der Gelenke, der Haut oder des Gehirns. Die Erkrankung tritt als Folge einer nicht behandelten bakteriellen Infektion mit Streptokokken der Gruppe A auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist rheumatisches Fieber?

Das rheumatische Fieber, auch Streptokokkenrheumatismus genannt, ist eine in unseren Breiten selten gewordene Folgeerkrankung einer Infektion der oberen Luftwege.

Die Erkrankung tritt vorwiegend im Kindesalter auf. Die Schäden werden oftmals erst Jahrzehnte später deutlich. Die Symptome des rheumatischen Fiebers treten wenige Wochen nach einer überstandenen Halsentzündung auf und äußern sich in hohem Fieber und Schmerzen und Schwellungen an Knie-, Fuß- oder Ellenbogengelenken.

Auch ein rötlicher Hautausschlag deutet auf ein rheumatisches Fieber hin. Weiterhin können Bindehaut- oder Sehnenscheidenentzündungen auftreten. Ist der Herzmuskel betroffen, kommt es zu Brustschmerzen und Atemnot.

Ursachen

Das rheumatische Fieber wird durch eine Streptokokkeninfektion ausgelöst, welche als Spätfolge einer Halsentzündung auftritt. Zu den Gewebeschädigungen kommt es auf Grund einer übertriebenen Abwehrreaktion des körpereigenen Immunsystems.

Die vom Körper gebildeten Antikörper reagieren mit den eigenen Körperzellen. Vor wenigen Jahrzehnten war die Krankheit relativ weit verbreitet. Zahlreiche ältere Menschen leiden als Folge einer Infektion in der Kindheit an einer Mitralklappenstenose. Durch die Verengung der Mitralklappe kommt es zu einem verminderten Blutfluss im Herzen. Die Betroffenen leiden unter Müdigkeit, Atemnot und Herzklopfen.

Noch heute ist die Krankheit in Entwicklungsländern weit verbreitet. Minderwertige Ernährung, eine Konzentration vieler Menschen auf engem Raum und unbehandelte Rachen- und Mandelentzündungen begünstigen das Auftreten des rheumatischen Fiebers.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome des rheumatischen Fiebers können mehrere Bereiche betreffen. Es können Beschwerden an der Haut, den Gelenken, dem Herz oder dem Gerhirn auftreten. Häufig beginnt es mit einem grippeähnlichen Zustand. Patienten leiden an Fieber und allgemeinem Schwächegefühl. Bei Kindern kommen oft noch Bauchschmerzen dazu.

Auf der Haut sind verschiedene Symptome möglich. Relativ oft entsteht ein Erythema nodosum am Unterschenkel. Das sind entzündete und schmerzhafte rote Flecken mit Knötchen, die sich am Schienbein bilden. Vom Aussehen her erinnern sie an Blutergüsse. Möglich ist auch ein Auftreten von Hautflecken an Bauch und Rücken.

Zusätzlich können sich sogenannte Rheumaknötchen an Armen und Beinen bilden. Arthritis an den großen Gelenken ist ein weiteres Symptom. Meist beginnt sie symmetrisch an den Knie- und Sprunggelenken, springt dann auf weitere Gelenke über und löst starke Schmerzen aus. Ist das Herz betroffen, entsteht entweder am Herzmuskelgewebe (Myokard) oder an der Herzinnenhaut (Endokard) eine Entzündung.

Dies kann zur Funktionsstörung der Herzklappen, zu Arrhythmien oder zu einer Tachykardie führen. Auch das Absterben von mikroskopisch kleinen Gewebeteilchen oder die Bildung von sogenannten Aschoff-Knoten am Herzmuskel sind möglich. Beim Abhören macht sich das in veränderten Herzgeräuschen bemerkbar. Schließlich kann Enzephalitis im Gehirn entstehen, was sich in Apathie, Angst und ungezielten, unwillkürlichen Bewegungen äußert (Chorea Sydenham).

Diagnose & Verlauf

Bei Erwachsenen ist das rheumatische Fieber schwer zu diagnostizieren, da sich ein eher untypisches Krankheitsbild ergibt. Eine körperliche Untersuchung ist notwendig. Bei einem Verdacht auf rheumatisches Fieber wird ein Rachenabstrich entnommen und auf den Befall mit Streptokokken hin untersucht.

Beim Röntgen des Brustkorbes wird deutlich, ob es in Folge der Entzündung zu einer Vergrößerung des Herzens kam. Mit Hilfe der Echokardiografie lassen sich mittels Ultraschall die Herzklappen und das Herzinnere bildlich darstellen. Der Arzt wird eine Blutabnahme anordnen. Die Laborwerte ergeben bei einer vorliegenden Infektion einen erhöhten Leukozytenstand und eine erhöhte Zahl an Antikörpern gegen Streptokokken.

Zur Diagnose des rheumatischen Fiebers werden die im Jahre 1992 von der American Heart Association herausgegebenen Jones-Kriterien herangezogen. Der Krankheitsverlauf beginnt mit einer Mandel- oder Rachenentzündung, welche nicht behandelt wurde. Daran schließen sich ein bis drei beschwerdefreie Wochen an.

Danach tritt das bis zu zwölf Wochen andauernde rheumatische Fieber auf. Die Erkrankung ist sehr langwierig. Sind die Herzklappen entzündet, können Jahre später Vernarbungen auftreten. Etwa bei der Hälfte aller Patienten kommt es zu einer chronischen rheumatischen Herzerkrankung.

Komplikationen

Aufgrund des rheumatischen Fiebers werden vor allem Fehlfunktionen der Herzklappen verursacht. Die Erkrankung ist die häufigste Ursache für bleibende Herzerkrankungen wie Herzklappenentzündungen und im weiteren Verlauf Herzinsuffizienz. Bei der klassischen Verlaufsform, die meist im Kindesalter auftritt, ist eine Entzündung der Herzinnenhaut möglich.

Bei einem schweren Verlauf kann es zu einem Herzstillstand und zum Tod des Patienten kommen. Betroffen sind meist auch die Gelenke, die sich entzünden, anschwellen und starke Schmerzen verursachen. Im Allgemeinen geht die rheumatische Endokarditis mit einem starken körperlichen Unwohlsein einher. Der Betroffene leidet meist unter chronischen Schmerzen, Schweißausbrüchen und hohem Fieber – jedes dieser Symptome ist mit weiteren Komplikationen verbunden.

Langfristig beeinträchtigt die Erkrankung das psychische Wohlbefinden und kann Leiden wie Depressionen oder Angststörungen begünstigen. Die Behandlung mit dem antibiotischen Wirkstoff Penicillin kann zu Hautausschlägen, Übelkeit und Erbrechen und Appetitlosigkeit führen. Häufig kommen Schleimhautentzündungen, Mundtrockenheit und Beeinträchtigungen des Geschmacksempfindens hinzu.

Gelegentlich auch Blutarmut und vorübergehende Leberfunktionsstörungen. Die zur Hemmung von Entzündungen eingesetzte Acetylsalicylsäure kann unter anderem Sodbrennen, Schwindel und Magen-Darm-Blutungen hervorrufen. Der Einsatz von Kortison und Immunsuppressiva kann ebenfalls eine Reihe von Nebenwirkungen auslösen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn Fieber, Ausschlag und Gelenkschmerzen auftreten, liegt vielleicht rheumatisches Fieber zugrunde. Ein Arztbesuch empfiehlt sich, wenn die Symptome nach ein bis zwei Tagen noch bestehen. Sollten weitere Krankheitszeichen auftreten, etwa Brustschmerzen oder die typischen ruckartigen Bewegungen, sollte man einen Mediziner einschalten. Das rheumatische Fieber tritt zumeist im Zusammenhang mit einer Streptokokken-Infektion auf. Kinder zwischen dem fünften und fünfzehnten Lebensjahr gehören ebenfalls zu den Risikogruppen und sollten beim Auftreten der genannten Symptome ärztlich behandelt werden.

Weitere begünstigende Faktoren sind unhygienische Lebensbedingungen und eine einseitige Ernährung. Rheumatisches Fieber wird vom Hausarzt oder einem Internisten behandelt. Bei etwaigen Hautveränderungen ist der Dermatologe der richtige Ansprechpartner. Wird das Leiden bereits während der anfänglichen Rachenentzündung behandelt, kann das rheumatische Fieber oft noch abgewendet werden. Ein bereits entstandener Herzschaden kann dagegen nicht mehr behoben werden und erhöht zudem das Risiko für weitere Krankheitsschübe. Deshalb sollte bei starken Halsschmerzen mit Fieber und Gelenkschmerzen umgehend der Allgemein- oder Kinderarzt involviert werden. Der Mediziner kann einen Streptokokken-Schnelltest durchführen und dadurch zügig die Diagnose stellen.

Behandlung & Therapie

Dem Patienten wird eine etwa vierzehntägige strenge Bettruhe verordnet. Unverzüglich wird mit der medikamentösen Behandlung begonnen. Die Gabe von Penicillin dient dazu, die Streptokokken abzutöten und sollte über einen Zeitraum von zehn Tagen erfolgen.

Wenn eine Allergie gegen Penicillin vorliegt, werden Makrolide gegeben. Entzündungshemmende Medikamente senken das Fieber und lindern die Gelenkentzündung. Gebräuchliche Wirkstoffe sind hierbei Ibuprofen, Indometacin oder Piroxicam. Gegen die Entzündung des Herzens werden Kortikosteroide verordnet. Diese Wirkstoffe ähneln den körpereigenen Hormonen.

Die Entzündung wird gelindert, indem der Wirkstoff die Bildung der natürlichen Substanzen hemmt, welche letztlich die Entzündung auslösen. An dieser Stelle wären Kortison, Prednisolon oder Dexamethason zu nennen. Die Dauer der medikamentösen Behandlung hängt von der Schwere der Erkrankung ab.

In der Regel werden die Medikamente bis zum 21. Lebensjahr oder bis zu fünf Jahren nach dem letzten Auftreten des rheumatischen Fiebers verordnet. In schweren Krankheitsfällen ist eine medikamentöse Behandlung bis zu zehn Jahre nach Auftreten des rheumatischen Fiebers zu empfehlen.

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Vorbeugung

Seit Halsentzündungen mit Antibiotika behandelt werden, ist das Auftreten des rheumatischen Fiebers in westlichen Industrieländern zu einer Seltenheit geworden. Vorbeugend sollten fieberhafte Erkrankungen der oberen Luftwege nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Der Arzt wird entscheiden, inwieweit die Gabe vom Antibiotika notwendig ist. Einem erneuten Auftreten des rheumatischen Fiebers lässt sich vorbeugen, indem geringe Dosen Antibiotika über mehrere Jahre nach dem letzten Auftreten der Krankheit eingenommen werden.

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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