Apathie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. Oktober 2017
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Mit pathologischer Apathie meint die Medizin ein Symptom verschiedener Erkrankungen, das durch Teilnahmslosigkeit, Unempfindlichkeit gegenüber Reizen und mangelnde Erregbarkeit gekennzeichnet ist. Am häufigsten tritt sie bei Demenzkranken auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Apathie?

Die Apathie kennzeichnet sich durch Nicht-Ansprechbarkeit, fehlende Reaktionen auf alle äußeren Reize, Teilnahmslosigkeit und eine scheinbare Gefühllosigkeit. Die Störung betrifft das zentrale Nervensystem und ist ein Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung. Zusammen mit der Apathie treten meist Niedergeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und Veränderungen der Urteilskraft auf.

Betroffen von der Apathie können alle Altersklassen sein, sie ist jedoch vor allem ein Symptom fortgeschrittener Demenz und damit bei älteren Menschen als besonders häufig anzusehen. Ungefähr 92% der an frontotemporaler Demenz Erkrankten, 72% der Betroffenen vaskulärer Demenz, 63% der Alzheimer-Kranken und 57% der Patienten mit Lewy-Body-Demenz zeigen im Krankheitsverlauf Anzeichen der Apathie.

Weitere Krankheiten, bei denen Apathie häufig auftritt, sind Tollwut, eine ausgeprägte Schilddrüsenunterfunktion und psychische Erkrankungen wie Autismus, schwere Anorexia nervosa und Depressionen. Lassen sich Symptome der Apathie bei Kleinkindern feststellen, so sind diese meist auf schwer verlaufende Infektionskrankheiten mit hohem Fieber zurückzuführen.

Ursachen

Die Ursachen der Apathie können nicht allgemein benannt werden, es muss nach der Grunderkrankung unterschieden werden. Im Folgenden soll ein grober Überblick über die Ursachen der wichtigsten Erkrankungen gegeben werden, die Apathie als Symptom aufweisen.

Zu den Auslösern psychischer Erkrankungen wurde bisher zu wenig geforscht, um konkrete Aussagen treffen zu können. Man vermutet ein Wechselspiel angeborener und sozialer Einflüsse. Demenzerkrankungen lassen sich auf verschiedene Ursachen zurückführen, die auf Grunderkrankungen, Gefäßschädigungen oder genetischer Veranlagung basieren. Bis heute konnten die Ursachen jedoch nicht genauer erforscht werden, deutlich sind nur Begleitsymptome.

Tollwut ist eine Infektionskrankheit, bei der Apathie ein Warnhinweis vor aggressive Phasen ist. Sie wird durch Bisse tollwütiger Tiere auf den Menschen übertragen und wandert von der Wunde schnell in das Zentralnervensystem. Dort löst sie zunächst grippeartige Symptome und später Hirnhautentzündungen, zentralnervöse Symptome wie eine erhöhte Aggressivität, Apathie und Halluzinationen aus.

Krankheiten mit diesem Symptom

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Diagnose & Verlauf

Die Apathie kennzeichnet sich durch Nicht-Ansprechbarkeit, fehlende Reaktionen auf alle äußeren Reize, Teilnahmslosigkeit und eine scheinbare Gefühllosigkeit.

Die Apathie zeigt sich in den bereits angegebenen Symptomen Teilnahmslosigkeit, Nicht-Ansprechbarkeit und ausbleibender Reaktion auf ausbleibende Reize. Konkrekt fällt auf, dass die Betroffenen stets abwesend scheinen, keinen Blickkontakt mehr aufnehmen, nicht mehr essen und trinken und Schlafstörungen augenscheinlich sind.

Bei Anzeichen einer Apathie sollten Angehörigen oder Pflegepersonal einen Arzt verständigen oder die Betroffenen in ein Krankenhaus bringen. Erachtet man dort die Diagnose Apathie als gesichert, so sind Untersuchungen zur Ursache nötig. Es muss jedoch gesagt werden, dass diese in der Regel schon feststeht, ehe die Apathie ausbricht. Nur in seltenen Fällen leiden Patienten unter Apathie, ohne dass eine Ursache vermutet werden kann oder diese bereits im Vorfeld diagnostiziert wurde.

Mit ausführlichen Tests, Blutuntersuchungen und bildgebenden Verfahren können die Grunderkrankungen diagnostiziert werden. Eine Behandlung kann erst eingeleitet werden, wenn die Ursache feststeht.

Der Verlauf der Apathie muss nach den Grunderkrankungen unterschieden werden.So können bei leichten Infektionserkrankungen mit hohem Fieber gute Heilungschancen angegeben werden. Bei Tollwut und Demenzerkrankungen sind die Prognosen jedoch ungünstig, da bis heute gute Behandlungsmethoden fehlen.

Komplikationen

Apathie kann zu einer Reihe von psychischen und physischen Komplikationen führen. So kann der mit der Apathie einhergehende Stress Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems begünstigen. Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder die koronare Herzkrankheit sind die Folge. Betroffen sind davon auch andere Organe wie etwa Leber und Nieren, die während einer Apathie besonders anfällig für Krankheiten sind.

Endokrine Erkrankungen der Schilddrüse oder der Nieren sowie virale Infektionen sind das Ergebnis einer unbehandelten Apathie oder Lethargie. Im weiteren Verlauf können dann verschiedene Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder Chlamydien hinzukommen. Ebenso Erkrankungen des Nervensystems, die sich in Form von Neurosen, Depression oder Myasthenia gravis äußern und je nach Alter und Konstitution des Patienten anders ausfallen. Zuletzt führt eine Apathie unter Umständen zur Anämie, also einem Blutmangel und damit einhergehend zu Folgesymptomen wie Schwindel und Schwächegefühlen.

Generell nimmt das psychische und physische Wohlbefinden in Folge einer Apathie ab und begünstigt so eine Vielzahl weiterer Komplikationen, die oft nur schwer auf die Apathie als Ursache zurückzuführen sind. Die mangelnde Motivation kann bei Betroffenen überdies auch zur Mangelernährung und damit zu erwähnten Folgeerkrankungen wie etwa Anämie führen. Patienten, die eine Apathie verspüren, sollten deshalb schnellstmöglich einen Arzt konsultieren und so die Entstehung der vielfältigen Komplikationen, die mit der Apathie einhergehen, vermeiden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einem apathischen Verhalten, das über mehrere Wochen anhält, ist unverzüglich ein Arzt zu konsultieren. Bei einer körperlichen Energielosigkeit, die für einige Tage anhält und dann spontan verschwunden ist, sollte eine Analyse und Hintergrundrecherche erfolgen. Sind die Ursachen aufgrund von vorübergehenden Vorkommnissen geklärt und behoben, ist es sicherlich nicht notwendig, einen Arzt aufzusuchen.

Sollte der Zustand des mangelnden Interesses an normalen Zielen, mangelnder Körperpflege oder dem Verlust des Lebenswillens über Tage oder Wochen andauern, ist der Gang zum Arzt sehr zu empfehlen. Dies gilt auch, wenn das auslösende Ereignis bekannt ist. Oft ist die Apathie nur ein Begleitsymptom einer anderen und unter Umständen schwereren Erkrankung. Besteht ein vorübergehender Mangel an Motivation für 2-3 Tage, sollte beobachtet werden, ob er wiederholt vorkommt und in welchen Zeitabständen oder Voraussetzungen dies geschieht.

Die Symptome einer Apathie können parallel zu anderen psychischen Störungen vorhanden sein. Nur ein Fachmann kann aufgrund der Krankengeschichte des Patienten eine Abgrenzung vornehmen oder den Verlauf als erwartbar einschätzen. Finden Motivationsstörungen infolge von Schädelverletzungen oder Hirntraumatas statt, müssen Betroffene abwarten, ob das apathische Verhalten fortbesteht, sobald die Verletzungen verheilt sind. Dennoch sollte der Arzt rechtzeitig informiert werden, um die Entwicklung der Apathie genauer zu verfolgen und rechtzeitig eingreifen zu können.

Behandlung & Therapie

Es gibt keine allgemeine Behandlungsmethode der Apathie, therapiert werden muss die zu Grunde liegende Erkrankung.

Psychische Ursachen werden mit Psychotherapie und gegebenenfalls Psychopharmaka behandelt. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass die meisten psychischen Erkrankungen nicht geheilt, nur in ihrem Verlauf verändert werden können. Ein normaleres Leben ist möglich, eine Heilung aller Symptome gilt therapeutisch als unwahrscheinlich.

Zur Tollwut fehlen ebenfalls Erfolg versprechende Therapiemaßnahmen. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Krankheit tödlich verläuft. Ein moderner Behandlungsansatz sieht zwar die Behandlung mit Virostatika und gleichzeitige Sedierung vor, dieses Konzept war jedoch erst in zwei Fällen erfolgreich.

Der Verlauf der Demenz kann seit einiger Zeit mit Medikamenten und Gedächtnistraining verlangsamt werden, aber auch hier ist eine vollständige Heilung nicht möglich.

Aussicht & Prognose

Die Prognose und Aussicht in Bezug auf die Apathie muss immer in Abhängigkeit zur Grunderkrankung gestellt werden. Handelt es sich bei der Teilnahmslosigkeit um die Nebenwirkung einer medikamentösen Behandlung, nehmen die Beschwerden nach Abschluss der Therapie zumeist von alleine wieder ab. Apathie in Folge einer vorübergehenden Erkrankung wie zum Beispiel einer Infektion, verspricht ebenfalls gute Heilungsschancen, insofern das Grundleiden rasch und umfassend behandelt wird.

Teilnahmslosigkeit im Rahmen einer progressiven Erkrankung wie etwa Demenz ist dagegen nur langwierig oder gar nicht zu behandeln. Auch bei Apathie in Folge einer psychogenen Störung sind dauerhafte Beschwerden wahrscheinlich.

Liegt der Apathie eine Tollwuterkrankung oder eine andere schwere Viruserkrankung zugrunde, kommt es zu schweren Begleitsymptomen und mitunter sogar zum Tod des Patienten. Die Prognose und Aussicht bei Apathie hängt also maßgeblich von der ursächlichen Erkrankung, Zeitpunkt und Art der Behandlung ab.

Ist das Grundleiden heilbar, verschwindet oft auch die Apathie, bei schweren Infektionen und psychogenen Erkrankungen sind dagegen langfristige Begleiterscheinungen zu erwarten. Die abschließende Aussicht und Prognose kann aufgrund der vielen Einflussfaktoren somit nur vom behandelnden Arzt gestellt werden.

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Vorbeugung

Der Apathie kann nicht vorgebeugt werden, nur wenigen Grunderkrankungen mit spezifischen Maßnahmen.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Apathie können verschiedene Sofortmaßnahmen helfen. Zunächst gilt es, die emotionale Leere durch einen erfüllenden Alltag wieder auszugleichen. Betroffene können die Symptome durch einen klar strukturierten Tagesablauf mit einer festen Aufstehzeit und eingeplanten Aufgaben lindern. Das Gefühl der Gleichgültigkeit kann nur durch Eigeninitiative behoben werden. So reichen in manchen Fällen bereits simple Zielsetzungen wie etwa das Treffen mit einem Freund oder ein Bewerbungsgespräch, um die nötige Motivation zu erzeugen und die Apathie dadurch nach und nach zu lindern.

Betroffene sollten sich generell einem Freund oder Familienmitglied anvertrauen, da erwähnte Bewältigungsstrategien mit Unterstützung leichter umgesetzt werden können. Daneben helfen allgemeine Maßnahmen wie ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf Genussmittel, um Begleitsymptome wie Erschöpfung und Müdigkeit zu lindern.

Kommt es in Folge einer Schizophrenie oder einer Depression zu Apathie, kann ein Gespräch mit einem Psychologen oder Psychotherapeuten Klarheit über die Symptome geben und so bei deren Bewältigung helfen. Bleibt die Apathie über mehrere Tage bestehen, muss ein Arzt aufgesucht werden, da den Beschwerden dann oftmals ein psychisches Leiden wie etwa Burn-Out zugrunde liegt, welches selbstständig nicht zu behandeln ist.

Bücher über Demenz

Quellen

  • Förstl, H.: Demenzen in Theorie und Praxis. Springer, Berlin 2011
  • Laux, G., Möller, H.-J.: Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2011
  • Mahlberg, R. & Gutzmann, H. : Demenzerkrankungen, Deutscher Ärzteverlag, 2009

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