Capsaicin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2016
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Capsaicin ist ein Alkaloid der Paprika. Die biologische Substanz ist als Speisewürze bekannt, kommt aber auch in der Phytomedizin zum Einsatz. Die Reizung der Wärmerezeptoren ist die Hauptwirkung von Capsaicin.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Capsaicin?

Capsaicin ist ein Naturstoff, der in der Paprika (Capsicum) enthalten ist. Besonders die als Chili bezeichneten Sorten weisen Capsaicin in hohen Konzentrationen auf.

Capsaicin zählt zu den Alkaloiden, das sind alkalische (laugenartige) biogene Stickstoffverbindungen. Wie die meisten Alkaloide ist auch Capsaicin hervorragend fettlöslich. Alkaloide kommen in fast allen Nachtschattengewächsen aber auch anderen Pflanzen vor. Sie sind teils als giftig, in medizinischer Dosierung aber auch als Heilmittel bekannt (Beispiele: Das Solanin der Kartoffel, Koffein oder Morphin).

Capsaicin ist in den Früchten der Paprika Teil des Sekundärstoffwechsels der Pflanze. Das bedeutet, dass Capsaicin für die Pflanze zwar nicht lebensnotwendig ist, aber einen Vorteil im „Kampf ums Dasein“ darstellt. Die würzende und auch heilende Wirkung der Paprika beruht im Wesentlichen auf Capsaicin.

Pharmakologische Wirkung

Capsaicin reizt die Schmerzrezeptoren in der Haut und Schleimhaut. Diese „Nozizeptoren“ sind Endigungen von sensorischen Nervenzellen, die auch Hitze und das Gefühl einer Verbrennung registrieren und ans Gehirn weiterleiten. Dort entsteht die Wahrnehmung der bekannten Schärfe, die also im Grunde eine Hitzewahrnehmung ist. Die Wahrnehmung beruht also nicht auf einem Temperaturreiz, sondern auf einem einen biochemischen Effekt. Daher kann man von einer Art Halluzination sprechen. (Analog dazu ist die Wirkung des Menthols im Bereich der Kältewahrnehmung).

Da unser Körper unter dem Einfluss von Capsaicin Wärme oder Hitze empfindet, kommt es zu einer Reihe von Abwehrreaktionen. Zunächst erweitern sich die Kapillaren in der Haut und Schleimhaut (Vasodilatation), woraus eine gesteigerte Durchblutung resultiert. Diese führt nun ihrerseits zu einer physikalischen, also „tatsächlichen“ Wärmeentwicklung. Über den Weg der nervösen und hormonellen Steuerung kommt es beim Kontakt mit Capsaicin zur verstärkten Speichelsekretion und zu einer gesteigerten Magensaftausschüttung. Außerdem versucht der Organismus, sich gegen die vermeintliche Hitzeentwicklung mit Tränenfluss und Schweißabsonderung zu wehren.

Neben diesen direkten Wirkungen auf den Organismus hat Capsaicin auch antibiotische Eigenschaften. Die Abtötung von bakteriellen Krankheitserregern und Pilzen ist bestimmend für die desinfizierende Wirkung von Capsaicin.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Capsaicin ist ein Alkaloid der Paprika. Die Reizung der Wärmerezeptoren ist die Hauptwirkung von Capsaicin, z.B. durch Wärmepflaster.

Capsaicin ist aufgrund seiner wärmenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften in einigen Medikamenten enthalten. Wärmepflaster mit Capsaicin lindern die Beschwerden bei Ischialgie oder rheumatisch bedingten Schmerzen.

Zwar werden die Ursachen der betreffenden Krankheitsbilder durch Capsaicin nicht beseitigt, aber es verschafft dem Patienten eine gewisse Erleichterung. Bei Muskelschmerzen allerdings wird durch eine verbesserte Saustoffversorgung die Selbstheilungskraft des Gewebes gestärkt. Ähnlich könnte es in der Behandlung der Fibromyalgie wirken. Gegen dieses „mutlilokuläre Schmerzsyndrom“ wird der Einsatz von Capsaicin diskutiert.

Daneben gilt Capsaicin als Mittel gegen Juckreiz. Der Wirkmechanismus ist allerdings ungeklärt, genauso wie der ursächliche Effekt, den Capsaicin auf Schuppenflechte hat. In geringer Dosierung wird Capsaicin in Salben gegen Nervenschmerzen eingesetzt, wobei die Wirkung nicht sofort, sondern einige Tage verzögert eintritt.

Capsaicin dient als Speisewürze zur Appetitanregung und als verdauungsförderndes Mittel. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch die Anwendung von Capsaicin als verbotenes Dopingmittel im Reitsport. Die zur Selbstverteidigung und zur Abwehr von Schädlingen bekannten Pfeffersprays enthalten ebenfalls Capsaicin.

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Risiken & Nebenwirkungen

Capsaicin sollte aufgrund seiner stark reizenden Eigenschaften stets vorsichtig und in den vorgeschrieben Dosierungen angewendet werden. Sonst können sich unangenehme Hauterscheinungen wie Juckreiz zeitigen.

Sogar Ausschlag mit Blasenbildung kann Capsaicin zur Folge haben. Daher empfiehlt es sich, bei der Applikation von Cremes, die Capsaicin enthalten, stets Einmalhandschuhe zu tragen. Capsaicin sollte bei äußerlicher Anwendung immer nur auf den Zielort gelangen, besonders die empfindlichen Schleimhäute müssen geschont werden! Säuglinge und Kleinkinder dürfen in keinem Fall mit dem Alkaloid behandelt werden.

Die orale Aufnahme von Capsaicin (Speisewürze) kann Atemnot und Übelkeit hervorrufen. Bei den in berechtigter Kritik stehenden Wettkämpfen von Chilifanatikern sind daher immer Notärzte anwesend. Dies mahnt zur nötigen Vorsicht im Umgang mit Capsaicin.

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