Stimme

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. Februar 2017
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Die Stimme befähigt den Menschen zu Gesang und Sprache, über die er sich ausdrückt. Sie erzeugt Emotionen, ist ein individuelles Merkmal jedes Menschen und kann winzige Nuancen differenzieren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Stimme?

Die Stimme ist wie ein komplexes Kunstwerk, in dem erst das Zusammenwirken einzelner Elemente zum Gesamtbild führt. Zunächst produziert der Kehlkopf eine Stimme (Primärstimme), die erst dann Volumen bekommt und für andere hörbar wird, wenn sie im Mund- und Rachenraum und den Nasennebenhöhlen verändert wird (Kopfstimme). Hier liegen Resonanzräume, die wie Lautsprecher wirken.

Sprechen wir mit großer Lautstärke, ist der ganze Körper daran beteiligt. Die Resonanzräume sorgen für die Verstärkung des Tons. Die Klangfarbe der Stimme wird durch die Anatomie der Resonanzräume, Zungengröße, Lippenform und Zahnstellung erzeugt.

Die Kopfstimme verwandelt sich beim Sprechen durch Bewegungen von Zunge, Unterlippe und Gaumen in Laute aus Vokalen und Konsonanten. Ist der Kehlkopf klein, sind auch die Stimmlippen schmal und die Stimme hoch. Bei einem großen Kehlkopf wird die Stimmlage tiefer.

Der menschliche Stimmumfang beträgt im Normalfall 1,3 bis 2,5 Oktaven. Trainierte Menschen haben einen Stimmumfang von drei Oktaven oder mehr. Der Frequenzumfang liegt etwa zwischen 80 Hz und 12 kHz. Beim Sprechen variieren die Tonhöhen häufig und es entsteht eine Stimmmelodie, an der sich Emotionen ablesen lassen.

Funktion & Aufgabe

Jeder Mensch hat eine unverwechselbare Stimme. Sie ist mehr als der von den Stimmlippen erzeugte Schall, denn Sprechen, Laute und Singen erzeugen Emotionen und beeinflussen den Zuhörer.

Sprache beginnt schon mit dem ersten Schrei des Babys. Sie drückt einen Gemütszustand aus, kann Depressionen, Unsicherheit, Trauer, Freude und Zuneigung vermitteln. Die Stimme zeigt unsere momentane Gemütsverfassung und wird in vielen Berufen gezielt als Instrument eingesetzt. Politiker, Moderatoren, vor allem aber Sänger und Schauspieler nutzen die Stimme zur Darstellung von Eigenschaften und um Inhalte zu akzentuieren.

Die Stimme wird von Rhythmus, Tempo und Sprachdynamik geprägt. Sie kann natürlich und angenehm klingen oder als störend bis schmerzhaft empfunden werden. Die Tonhöhe entscheidet dabei, ob der Ton für den Hörer angenehm oder unangenehm klingt.

Um Sprache zu erzeugen, müssen Strukturen in Kopf, Hals, Brust und Bauch koordiniert werden. Erst wenn Zwerchfell, Luftröhre, Lungen und Brustkorb gemeinsam mit Kehlkopf, Stimmritze, Rachen, Mundhöhle und Nasenhöhen gemeinsam wirken, entsteht die Stimme mit ihrem ganz eigenen Klang.

Die Stimme befähigt den Menschen zu Gesang und Sprache, über die er sich ausdrückt. Sie erzeugt Emotionen, ist ein individuelles Merkmal jedes Menschen und kann winzige Nuancen differenzieren.

Das wichtigste stimmbildende Organ ist der Kehlkopf. Er besteht aus einem Skelett mit flexibel verbundenen Knorpelstücken sowie innerer und äußerer Muskulatur und der auskleidenden Schleimhaut. Die äußeren Muskeln verankern den Kehlkopf im Hals, die inneren Muskeln verbinden die Knorpelteile miteinander.

Indem die Muskulatur die Knorpel gegeneinander schieben, entstehen immer wieder andere Konstellationen, welche eine neue Position, Spannung und Form der Stimmfalten erzeugen. Auch der Kehlkopf selbst wird auf und ab bewegt und dabei wie eine Ziehharmonika gedehnt und gestaucht. Dabei verändern sich stets die Winkel zwischen den Knorpeln.

Die Gewebestrukturen, welche den Kehlkopf auskleiden, sind ebenfalls sehr komplex. Die Feuchtigkeit der Kehlkopfschleimhaut beeinflusst die Vibrationen der Stimmfalten und damit der Stimme. Die Stimmfalten bestehen aus drei Schichten Bindegewebe, die jeweils andere mechanische Eigenschaften besitzen.

Der wichtigste Muskel bei der Stimmbildung ist das Zwerchfell, das beim Einatmen den Brustkorb nach oben wölbt. Beim Ausatmen werden viele Muskeln betätigt, die bei der Lauterzeugung mitwirken. Insgesamt neun Muskelgruppen wirken an der Atmung mit.

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Krankheiten & Beschwerden

Jedem gesprochenen Wort, jedem Ton geht ein komplexer anatomischer Vorgang voraus. So ist leicht nachvollziehbar, dass schon kleine Beeinträchtigungen Auswirkungen auf die Stimme haben können.

Häufig liegen Stimmprobleme an Nervenveränderungen, die die Muskulatur des Stimmapparates steuern. Durch Verletzungen und Operationen kann die Stimme beeinträchtigt werden. Entzündungen des Kehlkopfs können zum kompletten Stimmversagen führen.

Asthma erschwert die Ausatmung und hat damit Einfluss auf die Stimme. Bei Asthma kann es vorkommen, dass der Erkrankte versucht, die eingeschränkte Atmung zu kompensieren und dabei die Kehlkopfmuskulatur übermäßig stark beansprucht. Starke Beanspruchung führt zu Schmerzen, Funktionsstörungen und Erschöpfung, kann aber auch anatomische Veränderungen wie Knötchen an den Stimmfalten erzeugen. Für die Lautäußerung selbst ist die Hirnrinde verantwortlich. Von hier geht der Reiz aus, der über die Nervenbahnen zu sämtlichen Muskeln der Stimme geschickt wird.

Um seine Stimme vor Schäden zu bewahren, sollte sie nicht überbeansprucht werden. Gegenüber Stimmschädigungen durch Überbeanspruchung kann gezieltes therapeutisches Training angewendet werden. Auch Techniken der Stimmschonung, welche die Hals- und Kehlkopfmuskulatur entlasten sollen, können erlernt werden. Ein Training ist auch die geeignete Therapie bei organischen Veränderungen im Kehlkopf, beispielsweise an den Stimmfalten.

Arzneimittel wie Antihistaminika können die Stimmfunktion beeinträchtigen, weil sie den Kehlkopf austrocknen. Heiserkeit und Hustenanfälle sind die Folge. Polypen und Zysten an den Stimmfalten kommen ebenfalls häufiger vor und müssen operativ entfernt werden. Insbesondere Sänger, aber auch Redner und Menschen, die ihre Stimme beruflich intensiv nutzen, müssen den Stimmapparat feucht halten und Belastungen durch Rauch und Schadstoffe in der Luft meiden.

Wer seine Stimme richtig einsetzt, braucht jedoch keine Ermüdungserscheinungen zu befürchten. Dank immer besserer diagnostischer Verfahren sind Kehlkopfoperationen häufig vermeidbar. Sind sie trotzdem notwendig, sind sie dank neuer Technologien wie der Lasertechnik deutlich einfacher durchzuführen.

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