Stimmlippen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 8. August 2017
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Die Stimmlippen sind Gewebestrukturen im Kehlkopf, welche einen großen Teil zur Stimmbildung beitragen. Durch die Stimmlippen und die sich dazwischen befindende Stimmritze wird sowohl die Lautstärke als auch die Tonhöhe der Stimme reguliert. Wird die Stimme jedoch überbeansprucht, sind Heiserkeit und Knötchen an den Stimmlippen die Folge.

Inhaltsverzeichnis

Was sind die Stimmlippen?

Umgangssprachlich wird bei den Stimmlippen oft von den Stimmbändern gesprochen. Dies ist jedoch nicht ganz korrekt, da die Stimmbänder nur einen Teil der Stimmlippen repräsentieren.

Die Stimmlippen sind Gewebestrukturen, die sich innerhalb des Kehlkopfes im Hals befinden und mit Schleimhaut bedeckt sind. Durch die Stimmmuskeln, die sich in den Stimmlippen befinden, können unterschiedliche Laute generiert werden. Beim Sprechen oder Singen werden die Bänder innerhalb der Stimmlippen zum Schwingen gebracht, wodurch verschiedene Töne entstehen.

Anatomie & Aufbau

Die beiden Stimmlippen bestehen aus Gewebestrukturen innerhalb des Kehlkopfes. Inmitten dieser Stimmlippen befindet sich eine Stimmritze (Rima glottidis), welche für die Erzeugung von Lauten zuständig ist. Je nachdem, in welcher Tonhöhe Laute gebildet werden, kann die Stimmritze weit geöffnet oder weitgehend geschlossen sein.

Während bei der Nahrungsaufnahme die Stimmritze geschlossen ist, sodass kein Verschlucken entsteht, ist die Stimmritze bei der Atmung weit geöffnet. Hierbei entsteht die für die Stimmritze charakteristische dreieckige Form.

Die Stimmlippen bestehen aus drei Schichten. Im Inneren befindet sich der musculus vocalis, auch Stimmmuskel genannt. Dieser Muskel ist durch An- und Entspannung fähig, verschiedene Laute zu produzieren. Die außen auf dem Stimmmuskel liegende Schicht ist die Lamina proporia, welche eine Schicht aus Bindegewebe darstellt. Die äußerste Schicht ist die Schleimhautschicht und besteht aus einem mehrschichtigen, unverhornten Plattenepithel.

Diese Schicht der Schleimhaut beinhaltet Drüsen, welche Flüssigkeit herstellen, um die Stimmbänder feuchtzuhalten und eine Austrocknung zu verhindern. In der Schicht der Lamina proporia befindet sich ein minimaler Zwischenraum, welcher auch als "Reinke-Raum" bezeichnet wird. Durch eine Flüssigkeitsansammlung in diesem Hohlraum kann es zu einem Reinke-Ödem kommen.

Am hinteren Ende der Stimmlippen sind die beiden Stellknorpel miteinander verbunden, sodass die Stellung der Stimmlippen zueinander geregelt werden kann. Oberhalb beider Stimmlippen befinden sich die Taschenfalten (Plicae vestibulares), welche oft auch als "falsche Stimmbänder" deklariert werden. Diese Taschenfalten werden zur Stimmbildung genutzt, wenn die Stimmlippen aufgrund von bestimmten Krankheiten nicht funktionsfähig sind.

Funktion & Aufgaben

Die Stimmlippen bilden den Abschluss der Luftröhre und sind für die Bildung der Stimme verantwortlich. Durch das Zusammenspiel des musculus vocalis und des musculus cricothyreoideus entsteht ein Regelkreis, welcher es möglich macht, die Lautstärke und die Tonhöhe von einzelnen Lauten zu regeln. Es sind jedoch noch weitere Muskeln daran beteiligt. Durch die unterschiedlichen Ausprägungen der Schwingungen lassen sich verschiedene Laute herstellen.

Wenn sich die Stimmbänder anspannen, entstehen sehr hohe Töne, wohingegen eine Entspannung der Stimmbänder zu tiefe Tönen führt. Bei der Erzeugung von hohen Tönen schwingen die Bänder sehr schnell und können sich bis zu 1000 Mal in der Sekunde öffnen und schließen. Bei tiefen Tönen schwingen die Bänder entsprechend langsamer und schlagen nicht so oft zusammen. Bei Erwachsenen sind die Stimmbänder größer und länger, sodass die Stimme im Normalfall insgesamt tiefer als eine Kinderstimme ist.

Bei einer kurzfristigen Unterbrechung der Stimme durch einen Glottisverschluss entsteht bei der Lösung dieses Verschlusses ein Knacklaut, welcher ein bedeutsames Merkmal der deutschen Sprache ist. Dieser entsteht vor allem vor einem vokalischen Anlaut und vor vokalisch anlautenden Wortstämmen in zusammengesetzten Wörtern. Die Untersuchung der Stimmlippen erfolgt meist während einer Laryngoskopie oder mithilfe eines Kehlkopfspiegels bei einem Hals-Nasen-Ohrenarzt.

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Krankheiten

Durch verschiedene Erkrankungen können die Stimmlippen im Kehlkopf stark beeinträchtigt werden. Die Stimmbänder sind insgesamt sehr empfindlich und können sehr schnell austrocknen. Dazu genügt Heizungsluft oder eine harmlose Erkältung. Durch die Austrocknung entsteht Heiserkeit, die über mehrere Tage oder Wochen anhalten kann. Allerdings existieren neben dieser eher harmlosen Austrocknung auch ernsthafte Krankheiten, die an den Stimmlippen entstehen können.

Eine Kehlkopfentzündung, auch Laryngitis genannt, stellt in der akuten Form eine Entzündung der Stimmlippen dar. Meist sind Menschen betroffen, welche ihre Stimme zu stark beansprucht haben. Die Laryngitis kann jedoch auch durch eine Virusinfektion hervorgerufen werden. Die Behandlung besteht aus einer absoluten Schonung der Stimme und der Einnahme von Antibiotika.

Durch eine ständige Belastung der Stimme können jedoch auch Stimmbandknötchen entstehen. Dies ist häufig bei Sängern der Fall. Diese Knötchen sind Erhebungen am Stimmlippenrand und stören den Schwingungsablauf der Stimmlippen. Eine heisere und rauchige Stimme sind Folgen dieser Knötchen, die entweder durch Schonung oder durch spezielle Therapien bei einem Logopäden wieder verschwinden.

Das Reinke-Ödem entsteht bei einer Ansammlung von Flüssigkeit im Reinke-Raum. Durch das Ödem schwellen die Stimmlippen an und Heiserkeit bis hin zu Stimmlosigkeit sind die Folge. Vermutlich spielen die Belastung der Stimme, als auch ein hoher Tabakkonsum eine Rolle. Durch hohen Tabakkonsum können zudem Polypen an den Stimmlippen entstehen, welche mithilfe eines operativen Eingriffs entfernt werden können.

Tumore, Virusinfektionen oder Operationen können außerdem eine Stimmbandlähmung verursachen. Dabei können sich die Stimmlippen nicht mehr richtig öffnen oder schließen. Um diese zu beseitigen, kann eine logopädische Therapie helfen. Wenn diese jedoch keine Verbesserung bringt, ist ein operativer Eingriff nötig.

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