Stimmbandlähmung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. Oktober 2017
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Stimmbandlähmung beeinträchtigt oder unterbindet nicht nur die Stimme, sondern kann auch zu gefährlicher Atemnot führen. Entzündungen, Krebs oder Gefäßschädigungen können die Ursachen sein. Daher ist immer eine ärztliche Behandlung angezeigt beim Auftreten der Symptome einer Stimmbandlähmung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Stimmbandlähmung?

Stimmbandlähmung bezeichnet eine Funktionseinschränkung an den diversen Muskeln des Kehlkopfes. Speziell betroffen ist der Musculus vocalis (Stimmmuskel), der als Teil der inneren Kehlkopfmuskulatur die Spannung der Stimmbänder einstellt. Der Arzt spricht von einer Recurrensparese. Recurrens ist die Abkürzung für „Nervus laryngeus recurrens“, im Deutschen „Rückläufiger Kehlkopfnerv“ genannt.

Eine Parese ist eine nicht vollständig ausgeprägte Lähmung. Jedoch kann eine Stimmbandlähmung auch auf einem totalen Ausfall des Recurrens beruhen und ist dann eine sogenannte „Paralyse“.

Die Stimmbandlähmung tritt grundsätzlich in 2 Formen auf:

1. Einseitig, durch die Lähmung nur eines Stimmbandes wird die Stimmritze asymmetrisch

2. Beidseitig, durch die Lähmung beider Stimmbänder bleibt die Stimmritze symmetrisch

Deutliche Unterschiede in der Symptomatik trennen die beiden Varianten der Stimmbandlähmung.

Ursachen

Die Stimmbandlähmung wird ursächlich meist durch Operationen an der Schilddrüse hervorgerufen. Wenn dabei der filigrane Recurrens mechanisch geschädigt wird, resultiert eine Störung der Reizleitung in die Kehlkopfmuskulatur.

Auch Tumore der Schilddrüse sowie im Bereich des oberen Brustraumes können den Recurrens angreifen. Denn der linke Recurrens verläuft vom Gehirn (abzweigend vom Nervus vagus) ausgehend zunächst zwischen Speiseröhre und Luftröhre absteigend, um wieder kopfwärts umbiegend zum Kehlkopf zu ziehen (daher die Bezeichnung „rückläufig“ -bemerkenswert ist, dass der rechte Recurrens von dem geschilderten Verlauf abweicht).

Aufgrund dieses „Umweges“ ist dieser Nerv anfällig für Krankheitsgeschehen nicht nur des Halses, sondern auch des oberen Brustraumes. Daher kann auch ein Aortenaneurysma (Aussackung der Hauptschlagader) den Recurrens schädigen. Schließlich sind es noch Nervenentzündungen, die den Recurrens beinträchtigen. Folge ist auch hier letztlich eine Stimmbandlähmung.

Typische Symptome & Anzeichen

Schematische Darstellung zur Anatomie der Stimmbänder und ihrer verschieden Erkrankungen. Klicken, um zu vergrößern.

Diagnose & Verlauf

Eine Stimmbandlähmung äußert sich durch Heiserkeit, die in unterschiedlichen Schweregraden auftritt. Dabei sind die Probleme der Stimmbildung bei einseitiger Stimmbandlähmung meistens weniger gravieren als bei der einseitigen Ausprägung des Krankheitsbildes. Luftnot und Atemgeräusche sind typisch für die doppelseitige Recurrensparese.

Bei diesen Symptomen führt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt eine Laryngoskopie (Kehlkopfspiegelung) durch. An der Stellung der Stimmbänder erkennt der Mediziner die Stimmbandlähmung und ob ein oder beide Stimmbänder betroffen sind. Eine Elektromyographie (EMG, ähnlich dem EKG) zeigt Störungen in der Aktivität der Kehlkopfmuskulatur an.

Die Heilungschancen der Stimmbandlähmung hängen davon ab, ob der Recurrens irreversibel geschädigt oder nur akut beeinträchtigt ist. In der Regel führen konservative oder operative Methoden zur Heilung einer Stimmbandlähmung.

Komplikationen

In erster Linie kommt es aufgrund einer Stimmbandlähmung zu einem vollständigen Stimmverlust. Der Betroffene kann dabei nicht mehr sprechen, was die Kommunikation mit anderen Menschen erheblich beeinträchtigen. Die Lebensqualität des Patienten wird dadurch erheblich eingeschränkt und verringert. Auch der Alltag wird durch die Stimmbandlähmung deutlich erschwert.

Vor allem bei Kindern kann diese Lähmung zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Entwicklung führen und diese verzögern. Weiterhin leiden viele Betroffene an einer Heiserkeit und eventuell auch an einer Atemnot. Ebenso kommt es häufig zu krankhaften Atemgeräuschen. In schwerwiegenden Fällen kann die Stimmbandlähmung auch zu einem Bewusstseinsverlust und damit zur Schädigung der inneren Organe durch die Atembeschwerden führen.

Die Betroffenen leiden ebenso an Husten und an Schluckbeschwerden. Durch die Schluckbeschwerden kann es auch zu Schwierigkeiten bei der Einnahme von Nahrung und Flüssigkeiten kommen, sodass die Betroffenen an einer Dehydrierung leiden oder an Gewicht verlieren. Die Behandlung der Stimmbandlähmung richtet sich nach der Ursache.

In den meisten Fällen können die Beschwerden gelindert werden, sodass der Betroffene wieder sprechen kann. Im Falle von Tumoren hängt der weitere Verlauf sehr stark von der Art und Ausprägung des Tumors ab, sodass keine allgemeine Voraussage über den Verlauf der Erkrankung gegeben werden kann. In den meisten Fällen wird die Lebenserwartung allerdings nicht negativ beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Die Stimmbandlähmung erfordert je nach ein- oder beidseitiger Ausprägung unterschiedliche Therapien. Bei einseitiger Recurrensparese hilft ein logopädisches Stimm-Training. Ziel ist es, das erschlaffte Stimmband so zu richten, dass eine Stimmbildung wieder möglich wird. Elektrotherapeutische Maßnahmen stimulieren die Fasern des rückläufigen Kehlkopfnervens. Sind diese Bemühungen nicht erfolgreich, führt der Chirurg eine operative Straffung des Stimmbandes durch.

Eine doppelseitige Recurrensparese erfordert zunächst eine Beseitigung der Atemnot. Die Stimmritze ist oft soweit verschmälert, dass dringend und unverzüglich eine Tracheotomie durchgeführt werden muss. Dabei wird die Luftröhre direkt unterhalb des Kehlkopfes geöffnet, so dass ein künstliches Atemloch entsteht. Dieses „Tracheostoma“ soll später durch eine operative Korrektur der Stimmbänder ersetzt werden. Die Weitung der Stimmritze ist auch durch die Verkleinerung der Stimmbänder mit dem Laser möglich. Oft bleibt jedoch eine gestörte Stimmtonbildung zurück. Dann verspricht das Einsetzen von Implantaten an den Stimmbändern eine Besserung der Situation.

Neben diesen symptomatischen Therapieansätzen muss die Ursache der Nervenschädigung gefunden und möglichst beseitigt werden. Priorität hat dies besonders im Falle von Tumoren und Aortenaneurysmen, aber auch Nervenentzündungen müssen bekämpft werden. Die ernstzunehmenden Ursachen erfordern immer eine ärztliche Behandlung der Stimmbandlähmung.

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Vorbeugung

Um der Stimmbandlähmung vorzubeugen sollte vorallem die Schonung der Atemwege ermöglicht werden. Rauchen oder übergreifende Bronchialinfekte können letztlich auch die rückläufigen Kehlkopfnerven beeinträchtigen. Freilich sind andere Ursachen wie das angeborene Aortenaneurysma nur nachträglich korrigierbar und entziehen sich der Vorbeugung einer darauffolgenden Stimmbandlähmung.

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Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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