Aortenaneurysma

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. September 2017
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Ein Aortenaneurysma birgt viele Risiken. Verschiedene Verhaltensmaßnahmen können bereits im Vorfeld dazu beitragen, ein Aortenaneurysma zu verhindern.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Aortenaneurysma?

Als Aortenaneurysma wird eine Gefäßerweiterung (Aneurysma) bezeichnet, die an der Hauptschlagader (Aorta) auftritt. Meist zeigt ein Aortenaneurysma eine sack- oder spindelartige Ausformung.

In der Medizin wird unterschieden zwischen dem Aortenaneurysma, das in Höhe des Bauches auftritt und dem Aortenaneurysma, das sich auf Ebene des Brustkorbs entwickelt. Nach statistischen Angaben ist am häufigsten die Bauchaorta von einem Aortenaneurysma betroffen.

Ein Aortenaneurysma zeigt sich vergleichsweise häufig bei Menschen in höherem Lebensalter. Schätzungen zufolge sind ca. 1-2% der deutschen Bundesbürger (häufig unwissentlich) betroffen. Nicht immer geht ein Aortenaneurysma aber mit spürbaren Symptomen (Schmerzen) einher; ein solches symptomfreies Aortenaneurysma wird auch als asymptomatisches Aortenaneurysma bezeichnet.

Mit zunehmender Größe eines Aortenaneurysmas steigt auch das Risiko, dass sich am Aortenaneurysma ein Riss einstellt; ist dies der Fall, liegt ein sogenanntes rupturiertes Aortenaneurysma vor.

Ursachen

Eine Ursache dafür, dass vor allem ältere Menschen von einem Aortenaneurysma betroffen sind, ist die abnehmende Elastizität der Gefäßwände im Alter. Da die Hauptschlagader einem vergleichsweise hohen Blutdruck ausgesetzt ist, reagieren die wenig elastischen Gefäßwände mit der Ausbildung eines Aortenaneurysmas.

Begünstigt wird ein Aortenaneurysma außerdem durch verschiedene Risikofaktoren, wie vor allem einer Verkalkung der Gefäße (auch als Arteriosklerose bezeichnet). Auch vorliegender Bluthochdruck ist ein Faktor, der ursächlich an einem Aortenaneurysma beteiligt sein kann. Vor allem bei Männern wird darüber hinaus eine erbliche Komponente angenommen: Männer, in deren Familie die Erkrankung vermehrt festzustellen ist, tragen ein höheres Risiko, selbst ein Aortenaneurysma auszubilden.

Selten kann ein Aortenaneurysma hervorgerufen werden durch Entzündungen der Gefäßwände; solche entzündlichen Prozesse können etwa Folgen von Tuberkulose oder Syphilis sein. Auch Gendefekte können in Einzelfällen ein Aortenaneurysma begünstigen.

Typische Symptome & Anzeichen

Meistens verursacht ein Aortenaneurysma keine Beschwerden. Diese Anzeichen können aber auf eine Erkrankung diesbezüglich hinweisen:

Symptome eines Aneurysma im Brustbereich:

Symptome eines Aneurysma im Bauchbereich:

Allerdings sind diese Symptome sehr allgemein gefasst und können ebenso Anzeichen von anderen Krankheiten darstellen.

Diagnose & Verlauf

Infogramm zur Anatomie und Lage eines Aneurysmas im Gehirn und seiner operativen Therapie. Bild anklicken, um zu vergrößern.

Häufig wird ein Aortenaneurysma durch Zufall im Rahmen von Routineuntersuchungen diagnostiziert.

Ein diagnostisches Verfahren, durch das beispielsweise ein Aortenaneurysma im Bereich des Bauches entdeckt werden kann, ist das Ultraschall-Verfahren.

Dieses Verfahren ermöglicht eine bildliche Darstellung von Strukturen im Körperinneren. Auch mithilfe der MRT (Magnetresonanztomografie) oder der CT (Computertomografie) ist ein Aortenaneurysma feststellbar.

Ist ein Aortenaneurysma im Bauchraum stark ausgeprägt, kann es bei schlanken Menschen häufig auch durch den Arzt ertastet werden.

Ein Aortenaneurysma birgt in seinem Verlauf die Gefahr einer Ruptur (eines Risses). Tritt eine solche Komplikation auf, kann das rupturierte Aortenaneurysma tödlich verlaufen.

Komplikationen

Komplikationen, die durch ein unbehandeltes Aortenaneurysma verursacht werden, hängen von der Lage und vom Schweregrad das Aneurysmas ab. Die weitaus bedrohlichste Komplikation ist die Ruptur der Aorta mit einer unmittelbar erfolgenden Einblutung in den Brust- oder Bauchraum. Das Risiko für derartige unmittelbar lebensbedrohliche Komplikationen steigt mit zunehmender Größe des Aneurysmas.

Wenn beispielsweise die Ausbuchtung in der Bauchaorta einen Durchmesser von 5 bis 5,5 Zentimeter überschreitet, steigt das Risiko einer Aortenruptur steil an. Da die Symptome eines Aortenaneurysmas, das weniger als 4 bis 4,5 Zentimeter Durchmesser aufweist, von unspezifisch bis nicht spürbar reichen, werden Behandlungen meist erst bei größeren Aneurysmen durchgeführt. Es empfehlen sich entweder offene Operationen oder endovaskuläre Therapien.

Beide Eingriffsarten bergen gewisse unterschiedliche Komplikationsrisiken. Vor allem besteht auch das Risiko einer Spätkomplikation. Beispielsweise kann es in sehr seltenen Fällen innerhalb von circa drei Jahren zu Infektionen kommen. Im Falle der Anwendung einer der endovaskulären Therapien besteht ein geringes Risiko.

Dies kann sich darin äußern, dass es an den Übergängen vom künstlichen Aortenstent zum natürlichen Gewebe allmählich zu Undichtigkeiten kommt, die möglicherweise einen nochmaligen Eingriff erforderlich machen. In sehr seltenen Fällen wurde als weitere Komplikation die Bildung aortoenterische Fisteln beobachtet.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Von einem Aortenaneurysma - wie Aussackungen der Hauptkörperschlagader (Aorta) bezeichnet werden – sind ältere Menschen häufiger betroffen als Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene. Meist ist den Betroffenen nicht bewusst, dass sich an ihrer Aorta ein Aneurysma gebildet hat, weil es nicht immer Symptome verursacht oder die unspezifischen Symptome fehlinterpretiert wurden. Häufig werden die Aneurysmen zufällig im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Es gibt keine allgemeingültigen Antworten auf die Frage, ob oder ab wann ein Aortenaneurysma behandelt werden muss.

In der Regel sind die Aussackungen erst ab einer Größe von 4 bis 4,5 Zentimeter behandlungsbedürftig. Bei derart großen und noch größeren Aneurysmen besteht die Gefahr, dass sich durch den pulsierenden Blutdruck ein Riss (Ruptur) in der Aortenwand bildet. Das führt zu einer unmittelbar lebensbedrohlichen innerlichen Blutung, die nur schwer gestoppt werden kann. Das Risiko, an einem Aortenaneurysma zu erkranken, erhöht sich stark bei Personen, deren Arterien arteriosklerotische Veränderungen in den Gefäßwänden aufweisen.

Falls sich deutliche Symptome wie chronischer Husten, Heiserkeit, Atemnot und Durchblutungsstörungen auftreten, empfiehlt sich beispielsweise eine Untersuchung der Aorta per Ultraschall. Die gleiche Empfehlung gilt bei Beschwerden wie häufiger Harndrang, unspezifische Rückenschmerzen, Verstopfung und Durchfall, die auch im Wechsel stattfinden können. Die Ultraschalluntersuchungen können auch beim Hausarzt stattfinden, sofern er über ein geeignetes Ultraschallgerät verfügt.

Behandlung & Therapie

Auf welche Weise ein Aortenaneurysma angemessen medizinisch behandelt wird, hängt unter anderem davon ab, welche Ausprägung ein Aortenaneurysma zeigt. Bei einem symptomfreien Aortenaneurysma, dessen Durchmesser geringer ist als ca. vier Zentimeter, kann zunächst ein regelmäßiges ärztliches Beobachten ausreichend sein; je nach Einzelfall erfolgt eine solche Kontrolle beispielsweise ein- oder zweimal jährlich mithilfe des Ultraschalls.

Um zu gewährleisten, dass der Blutdruck konstant bleibt und nicht ansteigt, kann bei einem Aortenaneurysma im Einzelfall außerdem eine medikamentöse Gabe von Betablockern sinnvoll sein.

Behandelt werden sollte ein Aortenaneurysma nach Angaben von Fachleuten dann, wenn es einen Durchmesser von ca. fünf Zentimetern überschreitet. Welche Maßnahme hierfür sinnvoll ist, hängt unter anderem ab von der Lage, die das Aortenaneurysma aufweist, und von der Konstitution eines Patienten.

Eine Möglichkeit, einem Aortenaneurysma zu begegnen, ist beispielsweise das Legen eines sogenannten Stents, also einer schmalen Röhre, die dem Aortenaneurysma von innen Halt verleiht. Alternativ kann ein Aortenaneurysma im Rahmen einer Operation entfernt und durch eine Gefäßprothese ersetzt werden.

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Aussicht & Prognose

Ein Aortenaneurysma wird häufig zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Stellt der Arzt fest, dass das Aneurysma operiert werden muss, so birgt diese Operation ein entsprechendes Risiko. Kommt es zu einer Verletzung des Aneurysmas unter der OP, können in seltenen Fällen lebensbedrohliche Blutungen auftreten mit schlimmstenfalls tödlichem Ausgang. Eine gelungene Operation eines Aneurysmas dagegen bietet Betroffenen die Möglichkeit eines weitestgehend normalen Lebens ohne medizinische Einschränkungen.

Bleibt ein Aneurysma unerkannt und kommt es zu einer Ruptur, handelt es sich um einen medizinischen Notfall mit eher ungünstiger Prognose. Selbst bei sofortiger medizinischer Intervention versterben viele Patienten aufgrund des starken Blutverlusts an Kreislaufversagen. Reißt ein solches Aortenaneurysma innerlich und wird dies überhaupt nicht erkannt, ist ein rasches Versterben des Betroffenen sehr wahrscheinlich. Die Prognose in einem solchen Fall ist entsprechend äußerst ungünstig. Lässt die Situation, in der es zum Platzen des Aortenaneurysmas kommt, eine schnelle Operation zu, besteht heute jedoch auch eine realistische Aussicht, die Ruptur zu überleben.

Bei der Frage nach der Prognose eines Aortenaneurysmas kommt auch der Vorsorge eine wichtige Rolle zu. Da Aneurysmen häufig erblich bedingt sind, bieten spezielle Untersuchungen zur Früherkennung die Chance, das Aneurysma aufzuspüren und in einer geplanten Operation zu entfernen. Hierbei bestehen eher günstige Aussichten auf Heilung.

Vorbeugung

Um einem Aortenaneurysma vorzubeugen, sind zunächst regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll. So kann das Risiko eingeschränkt werden, dass ein Aortenaneurysma bei dessen Entdeckung bereits einen Durchmesser angenommen hat, der lebensgefährlich sein kann. Um ein Aortenaneurysma oder dessen Vergrößerung zu verhindern, kann es außerdem dienlich sein, entsprechende Risikofaktoren zu bekämpfen bzw. nicht entstehen zu lassen; zu den Risikofaktoren, die ein Aortenaneurysma begünstigen können, zählen beispielsweise Arteriosklerose und Bluthochdruck sowie falsche Ernährung und Bewegungsmangel.

Bücher über Aneurysma

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Luther, B. (Hrsg.): Kompaktwissen Gefäßchirurgie. Springer, Berlin 2011
  • Renz-Polster, H., Krautzig, S. (Hrsg.): Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2012

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