Riesenzellen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. November 2016
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Der Begriff Riesenzellen stammt aus der Histologie bzw. aus der Pathologie. Riesenzellen sind Zellen, die stark vergrößert sind und mehrere Zellkerne haben.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Riesenzellen?

In der Histologie und in der Pathologie versteht man unter dem Begriff Riesenzelle eine Zelle, die im Vergleich zu anderen Zellen sehr groß ist.

Riesenzellen verfügen meist über mehrere Kerne. Diese können unförmig oder gelappt sein. Es lässt sich zwischen drei Formen von Riesenzellen unterscheiden. Die erste Gruppe kommt physiologisch vor. Die zweite Gruppe entsteht durch Zellteilungsstörungen und die dritte Gruppe findet sich bei den Neoplasien.

Anatomie & Aufbau

Zu den physiologisch vorkommenden Zellen gehören die Osteoklasten. Osteoklasten sind mehrkernige Zellen des Knochens. Sie entstehen aus Vorläuferzellen aus dem Knochenmark und gehören zum sogenannten mononukleären System (MPS).

Osteoklasten haben einen Durchmesser von 50 bis 100 µm. Ein einzelner Osteoklast kann bis zu zehn Zellkerne enthalten. Die Zellen befinden sich an der Oberfläche der Knochen in speziellen Lakunen.

Auch die Langhans-Zellen gehören zu den Riesenzellen. Sie entwickeln sich aus dem retikuloendothelialen System (RES). Die Langerhans-Riesenzellen weisen einen Durchmesser von bis zu 0,3 Millimetern auf und finden sich an verschiedenen Orten im Körper. Typisch für diese Zellen sind ihre vielen Zellkerne, die in Hufeisenform angeordnet sind.

Im Knochenmark finden sich die Megakaryozyten. Auch sie gehören zu den physiologischen Riesenzellen. Sie entwickeln sich aus den Megakaryoblasten und sind bis zu 15-mal größer als rote Blutkörperchen. Allerdings ist nur ungefähr ein Prozent aller Knochenmarkszellen eine Zelle vom Typ Megakaryozyt. Die Megakaryozyten verfügen über nur einen Zellkern. Dieser ist allerdings sehr unregelmäßig geformt und zudem vielfach segmentiert, sodass der Eindruck entstehen kann, dass es sich um mehrere Zellkerne handelt.

Funktion & Aufgaben

Je nach Zellart übernehmen die Riesenzellen unterschiedliche Aufgaben. Osteoklasten sind für den Abbau von Knochensubstanz zuständig. Dafür stehen den Zellen zwei Mechanismen zur Verfügung. Zum einen lösen sie mithilfe eines erniedrigten pH-Werts Mineralsalze aus dem Knochen heraus. Zum anderen geben sie Enzyme frei, die die kollagene Matrix des Knochens auflösen. Anschließend fressen (phagozytieren) sie die freigesetzten Kollagenteile. Geregelt wird die Aktivität der Osteoklasten über die Hormone Parathormon und Calcitonin. Eine Art Gegenspieler der Osteoklasten sind die Osteoblasten. Sie bauen Knochensubstanz auf.

Die Aufgabe der Langhans-Zellen ist noch nicht komplett geklärt. Sie scheinen eine Rolle bei der Phagozytose bestimmter Antigene zu spielen. So tauchen sie beispielsweise im Rahmen einer Tuberkulose auf. Der Erreger der Tuberkulose, das Mycobacterium tuberculosis, hat eine wachsartige Zellwand, sodass es von den normalen Fresszellen des Körpers, den Makrophagen, nicht unschädlich gemacht werden kann. Die Mykobakterien werden von den Fresszellen aufgenommen. Da sie aber nicht zerstört werden können, bildet der Körper einen Schutzwall aus Fresszellen rund um die Makrophagen, die die Erreger enthalten. Diese Fresszellen nennt man auch Epitheloidzellen. Dazu stoßen Lymphozyten und auch Langhans-Riesenzellen. Sie sorgen dafür, dass die Mykobakterien an Ort und Stelle bleiben und nicht im Körper verstreut werden.

Megakaryozyten gehören zu den blutbildenden Zellen des Knochenmarks. Im Rahmen der Thrombopoese bilden die Megakaryozyten Thrombozyten. Dabei kann ein einzelner Megakaryozyt bis zu tausend Thrombozyten freisetzen. Thrombozyten sind Blutplättchen. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung.

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Krankheiten

Ein Beispiel für eine pathologische Riesenzelle sind die Sternberg-Reed-Riesenzellen. Sternberg-Reed-Riesenzellen haben einen Durchmesser von bis zu 45 μm. Sie sind ein diagnostisches Kriterium für das Hodgkin-Lymphom.

Diese Riesenzellen sind neoplastische Abkömmlinge der B-Lymphozyten. Das Hodgkin-Lymphom ist eine bösartige lymphatische Erkrankung. Die meisten Patienten erkranken um das 25. Lebensjahr oder aber um das 60. Lebensjahr herum. In der Regel äußert sich das Hodgkin-Lymphom zunächst durch unspezifische Symptome wie Nachtschweiß oder Gewichtsverlust. Typisch ist das sogenannte Pel-Ebstein-Fieber.

Es handelt sich dabei um ein wellenförmiges Fieber. Es wechseln sich Fieberphasen von drei bis zehn Tagen mit fieberfreien Phasen ab. Zudem kommt es zu Lymphknotenschwellungen oder Milzschwellungen. Charakteristisch für die Erkrankung ist der Lymphknotenschmerz nach Alkoholkonsum. Dieser Alkoholschmerz tritt allerdings nur bei rund einem Viertel aller Patienten auf. Liegt ein Alkoholschmerz vor, liegt die Diagnose eines Hodgkin-Lymphoms jedoch sehr nahe.

Die Fremdkörperriesenzellen gehören ebenfalls zu den pathologischen Riesenzellen. Es handelt sich dabei um Makrophagen, die sich um einen Fremdkörper herum bilden. Solche Fremdkörperriesenzellen finden sich zum Beispiel in Fremdkörpergranulomen bei der Silikose. Die Silikose ist auch unter dem Begriff Quarzstaublunge bekannt. Sie entsteht durch die langjährige Einatmung von Feinstaub und gehört zu den sogenannten Pneumokoniosen. Die Silikose ist eine typische Erkrankung von Bergleuten. Rund um die eingeatmeten Partikel errichtet der Körper Granulome. Zudem wird das Lungengewebe zum Teil bindegewebig umgebaut. Dadurch wird die Oberfläche der Lunge immer kleiner und die Sauerstoffaufnahme ist stark eingeschränkt.

Die geschädigte Lunge ist zudem deutlich empfänglicher für Erkrankungen wie Tuberkulose oder Lungenkrebs. Auch bei der Riesenzellarteriitis finden sich Riesenzellen. Die Erkrankung ist auch unter dem Namen Arteriitis temporalis bekannt. Die Auslöser der Erkrankung sind noch unbekannt. Es kommt zu einer Entzündung in den Gefäßwänden von Arterien im Kopfbereich. Leitsymptom der Riesenzellarteriitis sind Kopfschmerzen, Schmerzen beim Kauen und eine Überempfindlichkeit der Kopfhaut. Rund 70 Prozent aller Patienten klagt zudem über Sehstörungen. Die Therapie erfolgt mit Kortisonpräparaten.

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