Pneumokoniose

Letzte Aktualisierung am 27. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
Startseite » Krankheiten » Pneumokoniose

Die Lunge ist ein lebenswichtiges Organ, welches recht widerstandsfähig und schnell regenerierbar ist. Beim dauerhaften Einfluss schädigender Faktoren aus der Umwelt kann die Lunge jedoch derart belastet sein, das deren Funktion ganz maßgeblich reduziert ist. Eine dieser Lungenerkrankungen stellt die Pneumokoniose dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Pneumokoniose?

Die Pneumokoniose, welches sich aus der griechischen Bezeichnung für Lunge und Staub zusammensetzt, ist eine Erkrankung, die in der Vergangenheit auch als Pneumonokoniose bezeichnet wurde. Bei der Pneumokoniose kommt es zu einem Prozess, der durch äußere Faktoren ausgelöst wird und zu einer Zerstörung des Lungengewebes führt.

Die sich in der Lunge vollziehenden Abläufe, die eine Pneumokoniose nach sich ziehen, entstehen durch die Bemühungen des Lungengewebes, sich zu regenerieren. Aus diesem Grund stellt die Pneumokoniose ein natürliches und als reaktives Verhalten des Atmungsorgans dar.

Bei der Pneumokoniose werden in Abhängigkeit von den Krankheitsauslösern etwa 7 Formen unterschieden. Die Pneumokoniose ist als Berufskrankheit anerkannt.

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung einer Pneumokoniose oder Staublunge sind eindeutig klar. Sie basieren bei der Pneumokoniose auf festen Partikeln, die sich als eingeatmeter Staub im Lungengewebe ablagern. Zu diesen Substanzen gehören Quarzstaub, Pulver wie Talkum, Staub aus Beryllium und Eisen, Aluminium- und Kohlenstaub sowie feinste Fasern aus krebserregendem Asbest.

Grundsätzlich werden die Auslöser der Pneumokoniose als anorganische Stoffe zusammengefasst. Diese Partikel sind in mehr oder weniger großer Konzentration eingeatmet und gelangen so in die Gewebsstrukturen der Lunge. Da kein Abtransport erfolgen kann, erhöhen sich die Dosen dieser Krankheitsauslöser der Pneumokoniose und führen zu teilweise erheblichen Beschwerden, die letztendlich sogar tödlich enden können.

Werden organische Substanzen wie Pilzsporen oder Bestandteile von Vogelkot eingeatmet, kommt es bei der Pneumokoniose zu einer allergischen Alveolitis (Entzündung der Lungenbläschen).

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Anzeichen einer Pneumokoniose können plötzlich innerhalb weniger Wochen bis Monate auftreten oder sich über Jahre schleichend entwickeln. Je weniger Zeit zwischen der Staubexposition und den ersten Symptomen vergeht, desto stärker sind die Beschwerden in der Regel ausgeprägt. Die akute Pneumokoniose zeigt eine schnelle Verschlimmerung.

Die Patienten leiden zunehmend unter Atemnot. Aufgrund der mangelnden Sauerstoffversorgung verfärben sich die Schleimhäute des Mundes, die Lippen und auch die Finger bläulich. Zudem verlieren die Betroffenen ungewollt an Gewicht und fühlen sich kraftlos und abgeschlagen. Husten und Schmerzen in der Brust sind weitere Symptome einer Pneumokoniose.

Im Verlauf der Erkrankung verhärtet das Funktionsgewebe der Lunge zunehmend. Die Lunge kann sich so nicht mehr ausdehnen und das Atmen ist deutlich erschwert. Ebenso wie bei der akuten Pneumokoniose zeigt sich auch bei der chronischen Form ein Husten. Dieser ist zunächst trocken, geht jedoch später mit einem dunklen Auswurf einher.

Da sich die Lunge nicht mehr dehnen und entfalten kann, wird der gesamte Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Deshalb färbt sich auch bei der chronischen Pneumokoniose die Haut (Zyanose) im Bereich des Gesichts und der Finger blau.

Diagnose & Verlauf

Der Verlauf der Pneumokoniose ist entweder durch einen bösartigen oder durch einen gutartigen Weg gekennzeichnet und hängt von den aufgenommen Stoffen sowie vom Ausmaß und der "Tiefe" der Staubablagerungen ab.

Die bösartige Pneumokoniose ist durch einen letztendlichen Funktionsverlust der Lunge gekennzeichnet und kommt überwiegend bei der Silikose, der Asbestose oder der Talkose vor. Gutartige Verläufe der Pneumokoniose verändern lediglich das Lungengewebe und reduzieren das Funktionsvermögen des Atmungsorgans.

Die meisten Formen der Pneumokoniose stellen unter bestimmten Umständen eine Berufserkrankung dar und sind meldepflichtig. Erfasst werden kann eine Pneumokoniose durch eine Anamnese, welche sich insbesondere auf die Berufstätigkeit der Betroffenen bezieht in Kombination mit röntgenologischen und computertomografischen Aufnahmen der Lunge. Darüber hinaus dienen ebenfalls die geschilderten Beschwerden bei einer Pneumokoniose als wichtige Fundamente für eine Diagnostik.

Komplikationen

Welche Komplikationen sich bei einer Staublunge ergeben können, hängt vom Verlauf der Krankheit sowie von den eingeatmeten Stoffen ab. In jeden Fall muss der Kontakt mit den Stoffen, die die Pneumokoniose ausgelöst haben, sofort unterbunden oder zumindest stark eingeschränkt werden. Andernfalls droht fast immer ein Verlust der Lungenfunktionstüchtigkeit aufgrund der fortschreitenden Fibrose.

Bei Patienten, die an einer Staublunge leiden, besteht ein erhöhtes Risiko für eine Tuberkulose. Die Krankheit tritt in Europa sonst meist nur bei Zusammenleben auf engstem Raum in Verbindung mit schlechten hygienischen Zuständen und Mangelernährung auf. Bei Staublunge-Patienten können sich die Erreger im bereits angegriffenen Lungengewebe leicht einnisten und gut vermehren.

Der Patient leidet dann an Fieber, starkem Husten in Verbindung mit Atemnot und meist blutigem Auswurf. In schweren Fällen bleibt die Tuberkulose nicht auf die Lunge beschränkt, sondern greift auf andere Organe über. Da Tuberkulose ansteckend ist, kann es zu einer Infektion von Familienangehörigen oder Arbeitskollegen kommen.

Bei einem malignen Verlauf der Pneumokoniose kann der Patient darüber hinaus an Lungenkrebs erkranken. Selbst wenn die Krebserkrankung keinen tödlichen Verlauf nimmt, ist die Therapie für den Betroffenen und sein familiäres Umfeld enorm belastend.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn Symptome wie Schmerzen in der Lunge, Atemnot oder Hustenreiz auftreten, ist ein Arztbesuch nötig. Die Pneumokoniose ist ein schweres Leiden, dessen Auswirkungen bei entsprechender Behandlung jedoch zuverlässig gelindert werden können. Deshalb sollten bereits erste Anzeichen einer Staublunge untersucht werden. Personen, die im Bergbau oder in einer andere Branche mit hohem Schadstoffkontakt arbeiten, sollten genannte Symptome umgehend abklären lassen. Personen, die bereits lungenkrank sind, sollten den Hausarzt einschalten, wenn die Symptome stärker werden oder andere, ungewöhnliche Krankheitszeichen auftreten und nicht innerhalb einer Woche abklingen.

Die Pneumokoniose wird von dem HNO-Arzt oder einem Lungenfacharzt behandelt. Weitere Anlaufstellen sind Internisten oder der Rheumatologe, wenn der Verdacht auf das Caplan-Syndrom besteht. Da es sich bei der Pneumokoniose um eine Berufskrankheit handelt, müssen frühzeitig die notwendigen Unterlagen bei der Krankenkasse eingereicht werden. Hierfür sollte zügig mit dem zuständigen Arzt gesprochen werden, welcher bei den organisatorischen Aufgaben helfen kann. Bei chronischen Erkrankungen ist mitunter auch eine psychologische Begleittherapie sinnvoll.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Pneumokoniose richtet sich nach deren Art und den auftretenden Beschwerden. Das Vermeiden der ursächlichen Auslöser ist der erste zentrale Faktor bei der Therapie der Pneumokoniose.

Die sogenannte Staublungenkrankheit kann nur schlecht therapiert werden. Gerade im späteren chronischen Verlauf kommt bei der Pneumokoniose überwiegend die Beatmung mit Sauerstoff in Frage, um die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Diese therapeutische Maßnahme gilt als Langzeitversorgung.

Da es sich bei der Pneumokoniose um eine Erkrankung handelt, welche sich direkt auf das sogenannte Lungenzwischengewebe bezieht, ist eine Therapie nicht möglich, sodass auf den weiteren Verlauf der Pneumokoniose kein Einfluss genommen werden kann.

Insgesamt ist es für den Verlauf einer Pneumokoniose typisch, dass sich eine Lungenfibrose entwickelt und der Tuberkulose ähnliche Beschwerdebilder auftreten können. In diesem Zusammenhang ist eine notfallmedizinische Behandlung bei der Pneumokoniose nicht auszuschließen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Um der Berufskrankheit Pneumokoniose vorzubeugen, sind unbedingt die arbeitsschutztechnischen Maßnahmen einzuhalten, wenn an einem gefährdeten Arbeitsplatz der Kontakt mit den auslösenden Faktoren nicht vermieden werden kann.

Darüber hinaus gehören regelmäßige gesundheitliche Kontrollen in diesen risikogefährdeten Berufen zur Normalität und sollten von jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin unbedingt regelmäßige absolviert werden. Diese prophylaktischen Untersuchungen sind optimal, um erste Anzeichen einer auftretenden Pneumokoniose oder Staublunge rechtzeitig zu erkennen. Ist dies der Fall, können die Betroffenen in den entsprechend belasteten Arbeitsbereichen nicht mehr tätig sein.

Das können Sie selbst tun

Die von einer Pneumokoniose oder Staublunge betroffenen Patienten waren eine längere Zeit einer schädlichen Substanz ausgesetzt, die sich in ihrer Lunge abgelagert hat und nun zu Beschwerden führt. Diesem Stoff sollte sich der Patient künftig nicht mehr aussetzen. Das kann unter Umständen bedeuten, dass er seinen Beruf nicht mehr weiter ausüben kann und umschulen oder sich berenten lassen muss. Dieser drastische Schritt ist nötig, um den Verlauf der Pneumokoniose abzumildern.

Pneumokoniose-Patienten, die in der Stadt wohnen, sollten auch einen Umzug aufs Land erwägen. Sie sollten dafür sorgen, dass ihre Atemwege keinem Stoff mehr ausgesetzt sind, der ihnen schaden könnte. Dazu gehören Autoabgase und Feinstaubemissionen, wie sie in der Stadt oft in hoher Konzentration anzutreffen sind. Selbstverständlich ist ebenso der Verzicht auf Rauchen.

Patienten mit einer Pneumokoniose können leicht an einer Tuberkulose erkranken. Die Erreger dieser Infektion nisten sich in einer angegriffenen Lunge besonders gut ein. Daher sollten die Patienten ihr Immunsystem trainieren, damit es die Tuberkelbazillen besser abwehren kann. Dazu sollten sie auf die Bedürfnisse ihres Köpers achten und sich leicht und gesund ernähren sowie viel Wasser, Tees oder dünne Säfte trinken. Es empfehlen sich viel Ruhe und geregelte Schlafenzeiten.

Quellen

  • Bungeroth, U.: BASICS Pneumologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

Das könnte Sie auch interessieren: