Pollakisurie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. August 2017
Startseite » Krankheiten » Pollakisurie

Eine Pollakisurie wird häufig verursacht durch eine Infektion der Harnwege oder einer Vergrößerung der Vorsteherdrüse beim Mann und kann für die Betroffenen sehr lebenseinschränkend sein. Vor allem, wenn der Nachtschlaf durch den häufig auftretenden Harndrang gestört wird, kann dieses in der Folge auch andere Organsysteme in Mitleidenschaft ziehen und somit in ihrer Funktion beeinträchtigen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pollakisurie?

Die Pollakisurie ist eine Störung der Blasenfunktion, die sich durch ein häufiges Ausscheiden von kleinen Harnmengen auszeichnet. Im Allgemeinen ist die Gesamtmenge des ausgeschiedenen Urins dabei nicht erhöht und beträgt in etwa 75 % der aufgenommenen Flüssigkeit. Die Pollakisurie ist somit keine eigenständige Erkrankung, sondern tritt als Symptom in Folge diverser Erkrankungen des Harntraktes auf.

Oftmals tritt die Pollakisurie zusammen mit eine Nykturie auf, einer Symptomatik, die das mehrmalige Wasserlassen während der Nacht bezeichnet. Dabei wacht der Patient wegen des nächtlichen Harndrangs mehrmals auf und muss die Toilette aufsuchen. Die Durchschlafstörung kann zum Schlafmangel führen und damit Auslöser für vielerlei andere Probleme sein.

Ursachen

Ist die Pollakisurie verursacht durch eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme, einer Polydipsie, und einer damit einhergehenden erhöhten Urinproduktion, einer sogenannten Polyurie, so ist abzuklären, was die erhöhte Flüssigkeitsaufnahme verursacht. Gründe können beispielsweise Diabetes mellitus oder Diabetes insipidus sein, eine Erkrankung, bei welcher dem Körper das im Hypothalamus produzierte Hormon ADH fehlt.

Ist die Gesamtmenge des Urins hingegen normal, so ist die Pollakisurie oftmals verursacht durch eine Infektion der Harnwege. Eine Blasenentzündung (Zystitis) kann ebenso die Ursache sein, wie eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis). Häufig werden diese Infektionen von Bakterien aus der Analregion verursacht, die in die Harnwege gelangen. Da die Harnwege der Frau im Gegensatz zu den Harnwegen des Mannes kürzer sind, ist der weibliche Harntrakt auch weit häufiger von Infektionen betroffen als der männlichen.

Bei Männern ist eine Pollakisurie oftmals bedingt durch eine Vergrößerung der Prostata, welche durch die vergrösserte Raumforderung die Harnblase einengt und somit ihr Fassungsvermögen reduziert, sowie zu einem erhöhten Abflusswiderstand führt. Auch eine Entzündung der Prostata kann zu einem Anschwellen der Vorsteherdrüse und damit zu einem erschwerten Harndrang führen.

Auch in der Schwangerschaft kommt es häufig zu einer Pollakisurie, da das Anwachsen der Gebärmutter auf die Blase drückt. Des Weiteren kann auch eine Krebserkrankung der Prostata oder der Harnblase Ursache für eine Pollakisurie sein. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch die Möglichkeit einer psycho-vegetativen Störung, die beispielsweise stressbedingt sein kann.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Schematische Darstellung zur Anatomie und Aufbau der Harnblase. Klicken, um zu vergrößern.

Zur Abklärung der Ursachen für eine Pollakisurie ist eine gründliche Anamnese des Patienten vonnöten. Alle Vorerkrankungen, wie auch die bestehenden, müssen im Zusammenhang betrachtet werden, um der Ursache der Pollakisurie auf die Spur zu kommen. Von Interesse ist vor allem, ob es Schmerzen beim Wasserlassen gibt, ob der Harnstrahl an Intensität verloren hat oder ob sich Blut im Urin befindet. Allgemeine Symptome, wie körperliche Schwäche, Fieber oder Müdigkeit können auf eine Infektion der Harnwege hinweisen.

Nach der gründlichen Anamnese wird in der Regel eine Urinprobe erbeten und ein Blutbild erstellt. Anschließend ist häufig eine Ultraschalluntersuchung der Blase angezeigt. Des Weiteren kann auch noch eine Blasenspiegelung durchgeführt werden, sollte der behandelnde Arzt diese als nötig erachten.

Komplikationen

Die Pollakisurie ist oft nur ein Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung und führt meist nicht allein zu einer Komplikation. Komplikationen in diesem Zusammenhang entwickeln sich in der Regel im Rahmen der entsprechenden Grunderkrankung. So kann die Pollakisurie ein Indikator für Harnwegsinfektionen sein. Des Weiteren kann auch ein Prostata- oder Blasenkrebs dahinterstecken.

Bei einer bestehenden Pollakisurie sollte unbedingt immer ein Arzt konsultiert werden, um die eventuell zugrunde liegende Erkrankung zu diagnostizieren. Ansonsten droht die Verschlechterung der Symptome und der Grundkrankheit. Aber auch bei Stress bedingter Pollakisurie ruft der Stress parallel zur eigentlichen Entleerungsstörung der Blase oft andere gesundheitliche Probleme und weitere Komplikationen hervor.

Der häufige Harndrang wirkt besonders nachts störend und es kommt zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Nachtruhe. Dabei leidet er an Schlafmangel, welcher möglicherweise wiederum Ursache verschiedener Erkrankungen sein kann. Der häufige nächtliche Harndrang stellt zunächst auch einen erheblichen Stressfaktor dar.

Wenn die Pollakisurie zusätzlich auch Stress bedingt ist, entwickelt sie sich im Rahmen eines Teufelskreises zu einem chronischen Zustand. Der ständige Schlafmangel verschlechtert die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, da Stress und Schlafmangel sich immer negativ auf die allgemeine Gesundheit auswirken. Neben psychischen Erkrankungen stellen sich dann oft langfristig auch organische Schäden ein.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer Pollakisurie ist differenziert zu betrachten und abhängig von der Ursache.

Sollte es keine diagnostischen Hinweise auf eine organische Ursache, so ist einer psychosomatischen Behandlung anzuraten. Oftmals wird dabei vom Patienten verlangt, ein Tagebuch über die Toilettengänge zu führen. Unter Umständen kann ein Blasentraining dem Betroffenen helfen, die Pollakisurie in den Griff zu bekommen. Sollte sich herausstellen, dass die Pollakisurie stressbedingt ist, kann auch das Erlernen von einfachen Entspannungstechniken zu einer Linderung der Symptomatik führen.

Ist eine Infektion der Harnwege die Ursache der Pollakisurie, so wird üblicherweise ein Antibiotikum verabreicht. Vor allem ist in diesem Fall auf eine ausreichend große Trinkmenge zu achten, bis sich die Beschwerden wieder bessern. Auch eine Wärmflasche kann oftmals hilfreich sein und Linderung bewirken.

Bei einer Krebserkrankung der Harnblase oder der Prostata als Ursache für die Pollakisurie, ist es von vielerlei Faktoren abhängig, ob der Tumor chirurgisch entfernt werden sollte oder ob eine Chemotherapie allein ausreichend ist. Abschließend kann dies nur der behandelnde Onkologe beurteilen. Bei gutartigen Prostatavergrößerungen, die im Zusammenhang stehen mit hormonellen Veränderungen, stehen heutzutage diverse Medikamente zur Verfügung, um das Organ wieder zu schrumpfen, was in der Folge zu einer Abnahme der Symptome führt.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Um einer Pollakisurie vorzubeugen ist Männern ab 40 Jahren anzuraten, regelmäßig eine Vorsorgeuntersuchung der Prostata durchführen zu lassen, da die Vergrößerung des Organs die häufigste Ursache der Pollakisurie beim Mann ist. Frauen sollten bei den geringsten Anzeichen einer Entzündung der Harnwege einen Termin mit ihrem Urologen oder ihrem Frauenarzt vereinbaren, um eine Ausweitung der möglichen Infektion so schnell wie möglich zu unterbinden.

Bücher über häufiges Wasserlassen & Urinieren

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Hautmann, R.: Urologie. Springer, Berlin Heidelberg 2014
  • Sökeland, J., Schulze, H., Rübben, H.: Urologie. Thieme, Stuttgart 2004

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: