Harnblase

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2016
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Die Harnblase dient als elastisches Hohlorgan in erster Linie der Speicherung von Urin bis zur Harnentleerung über die Harnröhre. Die Harnblase kann von vielen unterschiedlichen Störungen psychologischen und/oder somatischen Ursprungs betroffen sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Harnblase?

Als Harnblase (Vesica urinaria) wird ein dehnbares muskuläres Hohlorgan bezeichnet, das dem Beckenboden im kleinen Becken unmittelbar hinter dem Schambein (OS pubis) aufliegt und der Aufnahme und Zwischenspeicherung des Urins dient.

Im leeren Zustand wird die Harnblase wie ein schlaffer Sack von den Eingeweiden im Bauchbereich zusammengepresst. Füllt sich die Vesica urinaria langsam mit Harn, der über die beiden Harnleiter (Ureter) vom Nierenbecken in den Harnblasenkörper des Hohlorgans gelangt, erweitert sich diese mit zunehmender Füllmenge kugelartig.

Bei Frauen grenzt die Harnblase im hinteren Bereich des Beckens an den Uterus (Gebärmutter), während sie bei Männern zum Rektum (Mastdarm) hin abschließt.

Anatomie & Aufbau

Die Harnblase ist im kleinen Becken lokalisiert, wo sie an die Schambeinfuge anschließt und sich nach oben bis zur oberen Kante des Beckens erstreckt.

Sie kann in unterschiedliche Bereiche unterteilt werden. Die kraniale (nach oben gelegene) Fläche weist einen Peritonealüberzug (Serosa bzw. Bauchfell) auf und wird auch als Apex vesicae bezeichnet. Der eigentliche Blasenkörper (Corpus vesicae), in welchem der aus den Nieren ankommende Urin zwischengelagert wird, liegt direkt darunter und wird vom Blasengrund (Fundus vesicae) nach unten begrenzt.

Auf der unteren Seite befindet sich zudem die sich zur Harnröhre trichterförmig verjüngende Cervix vesicae (Blasenhals). Die Mündungen der paarigen Harnleiter (Ureter) sowie der Ausgang der Harnröhre bilden das sogenannte Trigonum vesicae (Blasendreieck). Im Bereich der Harnröhrenmündung verfügt die Harnblase über einen inneren und äußeren Sphinkter (Schließmuskeln), wobei lediglich der äußere quergestreifte Musculus urethralis der bewussten Steuerung durch den Menschen unterliegt.

Die Harnblase wird darüber hinaus durch verschiedene bandartige Serosa-Duplikaturen (Bauchfellfalten) im Beckenboden verankert. Von innen ist die Harnblase von einer Schleimschicht als Schutz gegen den Harn ausgekleidet. Die Außenschicht der Harnblase setzt sich dagegen aus glatter Muskulatur (Detruser) zusammen.

Funktionen & Aufgaben

Schematische Darstellung zur Anatomie und Aufbau der Harnblase. Klicken, um zu vergrößern.

Als Hohlorgan dient die Harnblase in erster Linie der Zwischenspeicherung des Sekundärharns aus der Niere bis zur Entleerung über die Harnröhre. Die Dehnbarkeit der Harnblase gewährleistet, dass sie zwischen 900 bis 1500 ml Urin aufnehmen kann, wobei bei einem erwachsenen Menschen ab etwa 300 bis 500 ml der Harndrang eintritt.

Bei der Entleerung (Miktion) zieht sich glatte Muskulatur (Detrusor) der Harnblase zusammen, während sich die Schließmuskeln am Blasenboden entspannen, so dass der Urin über die Harnröhre aus dem Lumen gedrückt wird. Wenngleich die Nieren durchgängig Harn über die Harnleiter in die Blase abfließen lassen, ist durch den äußeren Sphinkter, der der bewussten Steuerung durch den Menschen unterliegt, eine willentliche Entleerung von Zeit zu Zeit sichergestellt, wobei die beleitenden Prozesse allerdings reflektorisch verlaufen.

Mit zunehmender Füllmenge dehnt und spannt sich die Blasenwand, was von den in der Wand befindlichen Dehnungssensoren wahrgenommen wird, die den sogenannten Miktionsreflex in den parasympathischen Zentren des Rückenmarks auslösen. Diese bedingen wiederum eine Kontraktion der glatten Muskulatur der Blasenwand (Musculus detrusor), was bei gleichzeitiger Erschlaffung des äußeren quergestreiften Sphinkters zu einem Abfluss des Urins durch die Harnröhre führt. Dieser Vorgang wird zusätzlich durch die Kontraktion der Bauch- und Beckenmuskulatur unterstützt.

Krankheiten

Die Harnblase kann von einer Vielzahl erworbener oder genetisch bedingter Beeinträchtigungen betroffen sein. Eine der häufigsten Blasenerkrankungen ist eine Cystitis bzw. Blasenentzündung, die in aller Regel auf eine über die Harnröhre aszendierende Infektion zurückzuführen ist.

Insbesondere Frauen sind aufgrund der kürzeren Harnröhre von Blasenentzündungen betroffen. Eine Störung des Schließmechanismus kann eine Harninkontinenz (unwillkürlicher Harnabgang) bedingen, die sowohl durch psychische (Stress) als auch durch physiologische Faktoren wie eine Querschnittslähmung, Detruser-Sphinkter-Dyssynergie oder Morbus Parkinson ausgelöst werden kann.

Eine Zystozele ist eine Vorwölbung der Harnblase in die vordere Vaginalwand bei Frauen. Sie tritt im Zusammenhang mit einer Beckenbodenschwäche auf, meist kombiniert mit einer Senkung der Scheide.

Ein Harnstau infolge einer Prostatahyperplasie kann zu einer Überdehnung der Blase (Vesica gigantea) sowie einer unvollständigen Blasenentleerung (Restharn) führen. Klinisch relevanter Restharn ist ebenfalls ein Symptom bei Strikturen, Stenosen oder benignen Hyperplasien oder malignen Prostatakarzinomen. Tumorerkrankungen der Blase sind in Deutschland sehr häufig und gehörigen zu den verbreitetsten Tumorarten, wobei Urothelkarzinome (maligne Blasenschleimhauttumoren) mit 95 Prozent am häufigsten zu beobachten sind.

Liegt ein dauerhafter Reizzustand beispielsweise infolge einer Unterkühlung vor, wird von einer Reizblase gesprochen, bei welcher bereits geringe Füllmengen den Miktionsreflex auslösen. Darüber hinaus führt eine balkenartige Hypertrophie (Verdickung) der Blasenmuskulatur (sog. Balkenblase) zu einer reduzierten Kontraktionsfähigkeit, die Restharnbildung und Harnwegsinfekte hervorrufen kann.

Externe Traumata (Gewalteinwirkung) können neben einem Beckenbruch zu einer Ruptur der Harnblase (Harnblasenriss) mit Symptomen wie Unterbauchschmerzen und Miktionsdrang bei gleichzeitigem Harnverhalt führen.

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