Nächtliches Wasserlassen (Nykturie)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2017
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Die nächtliche Unterbrechung des Schlafes durch einen heftigen Harndrang ist für viele ältere Menschen in Deutschland die Regel. Mindestens jeder Zehnte Mensch über 60 und mehr als 80 Prozent der über 80-jährigen leiden unter Nykturie bzw. nächtlichem Wasserlassen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Nykturie?

Unter einer Nykturie wird die regelmäßige und zum Teil mehrfache Unterbrechung des nächtlichen Schlafes durch das dringende Bedürfnis zum Wasserlassen verstanden.

Ein selten vorkommendes nächtliches Wasserlassen, welches etwa durch einen zu hohen Konsum von Flüssigkeit unmittelbar vor dem zu Bett gehen ausgelöst werden kann, fällt nicht unter die Bezeichnung Nykturie und wird dementsprechend nicht als solche definiert.

Ursachen

Das Auftreten einer Nykturie kann viele verschiedene Gründe haben. So ist grade bei älteren Männern eine benigne Prostatahyperplasie (BPH), also die Vergrößerung der Vorsteherdrüse, ein häufiger Auslöser.

Durch den dadurch ausgeübten Druck auf die Harnwege können sich diese unterhalb der Harnblase verengen und so den ungehinderten Durchfluss des Urins stark einschränken. Bei Frauen kann hingegen eine Beckenbodenschwäche, ausgelöst etwa durch einen Blasenbruch (Urethrozystozele) oder einen Gebärmuttervorfall (Uterusprolaps), ein Grund sein.

Ferner können auch Tumore in der Harnblase oder Blasensteine Ursache das Leiden verursachen. Ist das Urinieren mit Schmerzen verbunden kann auch eine Infektion der unteren Harnwege vorliegen. Sehr häufig ist auch eine Verringerung der Kapazität der Harnblase oder ein Fehlerhaftes Arbeiten der Muskulatur der Auslöser einer Nykturie.

Auch zahlreiche andere Erkrankungen führen zu einer erhöhten Harnproduktion und somit auch zu einer Nykturie, wie etwa Diabetes, Ödeme, chronisches Nierenversagen, Parkinson oder Alzheimer. Zudem kann auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten oder ein erhöhter Alkohol- beziehungsweise Koffeinkonsum zum Auftreten einer Nykturie führen.

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Diagnose & Verlauf

Unter einer Nykturie wird die regelmäßige und zum Teil mehrfache Unterbrechung des nächtlichen Schlafes durch das dringende Bedürfnis zum Wasserlassen verstanden.

Zwar stellt die Nykturie an sich keine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit dar, sie kann jedoch zu sehr ernsthaften Folgeerkrankungen führen, da sie ein elementares Bauteil des menschlichen Wohlergehens empfindlich stört und stark einschränkt - den Schlaf.

Ein Mangel an ausreichend Schlaf kann nämlich zu vergleichsweise leichten Einschränkungen, wie einem allgemeinen Unwohlsein, Schläfrigkeit am Tag oder einer Verminderung der geistigen Leistungsfähigkeit, die die Lebensqualität aber erheblich senken können, führen. Darüber hinaus ist eine Nykturie aber auch nachweisbar für schwerwiegendere Krankheiten und Gebrechen verantwortlich.

So erleiden ca. 1,8-mal so viele ältere Menschen mit einer Nykturie eine Fraktur des Oberschenkelhalses als solche, die nicht darunter leiden. Einige Symptome einer Depression lassen sich, genauso wie eine negative Auswirkung auf das Immun- sowie das Herzkreislaufsystem, ebenfalls auf eine Nykturie zurückführen.

So vielfältig und schwer zu ergründen die Folgeerkrankungen aber auch sein mögen, die Nykturie ist sehr eindeutig und leicht zu diagnostizieren: Ein nächtliches Erwachen über einen längeren Zeitraum, ausgelöst durch Harndrang, ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit eine Nykturie.

Komplikationen

Nächtliches Wasserlassen hat eine Unterbrechung des Schlafes zur Folge. Die Zeit der Regeneration, die der Organismus benötigt, wird unterbrochen. Am Tag kommt es zur Müdigkeit, die einen chronischen Verlauf einnimmt, wenn der Zustand über mehrere Wochen anhält. Durch die Müdigkeit treten Stimmungsschwankungen auf.

Die Aufmerksamkeit und das Leistungsniveau sind herabgesetzt. Berufliche Probleme drohen oder der Alltag kann nicht mehr wie gewohnt gestaltet werden. Das nächtliche Wasserlassen kann zu Beeinträchtigungen des Nachtschlafes beim Partner führen. Dieser leidet ebenfalls an den Folgen der Müdigkeit. Konflikte und Streitereien können die Folge sein. Bei einer Behandlung wird häufig missachtet, dass im hohen Alter das nächtliche Wasserlassen ein natürlicher Vorgang ist.

Die Betroffenen werden selten darüber aufgeklärt und erleben einen Zustand der Belastung, obwohl sie es nicht müssen. Der Schlaf ändert sich im Laufe des Lebens in seiner Qualität und Quantität. Häufig kommt es zu der Gabe von Medikamenten, obwohl es angezeigt ist, eine kognitive Änderung anzustreben.

Die Medikamente sorgen für ein Unterdrücken des Wasserlassens. Sie haben Nebenwirkungen, die zu einem veränderten emotionalen Erleben führen können. Druck im Unterleib kann sich einstellen. Das nächtliche Wasserlassen ist mit Angst vor dem Bettnässen verbunden. Als mögliche Komplikation kann sich eine Angststörung ausbilden.

Wann sollte man zu einem Arzt gehen?

Nächtliches Wasserlassen ist ein normaler Vorgang, wenn der Betroffene am Abend zuvor viel getrunken hat. Die Nieren arbeiten auch nachts, aber nur auf Sparmodus. Ein Arztbesuch ist nicht notwendig. Der nächtliche Harndrang mindert allerdings die Schlafqualität.

Wenn jemand im höheren Lebensalter mehrfach in der Nacht auf Toilette muss, ohne bedeutende Mengen Flüssigkeit vor dem Schlafengehen aufgenommen zu haben, sind Arztbesuche ratsam. Eine Nykturie besteht bei nächtlichem Wasserlassen ohne erkennbaren Anlass. Der Schlafmangel bei mehrfachem Aufstehen kann den Betroffenen stark ermüden. Er kann unter Konzentrationsmangel, Depressionen oder Erschöpfungsgefühlen leiden. Wenn wegen des nächtlichen Wasserlassens ein Leidensdruck entsteht, ist der Arztbesuch auf jeden Fall notwendig.

Nächtliches Wasserlassen kann bei alten Menschen zu Stürzen und Schwindelattacken führen. Da als Ursache des nächtlichen Harndrangs eine Herzinsuffizienz mit Wassereinlagerungen im Körper bestehen kann, sind nächtlicher Toilettengänge ohne Grund bei älteren Menschen oftmals behandlungsbedürftig. Auch Diabetes mellitus kann zu vermehrtem Harndrang führen. Daher sind regelmäßige Arztbesuche zur Diagnosestellung und Überwachung der Zuckerkrankheit ratsam. Insbesondere die Nieren müssen bei erhöhter Urinproduktion überwacht werden.

Wenn Diuretika, Kalziumantagonisten, bestimmte Antibiotika oder Antidepressiva häufiges nächtliches Wasserlassen verursachen, kann der behandelnde Arzt eventuell einen Wechsel des Medikaments vornehmen. Da viele Erkrankungen eine erhöhte Urinproduktion nach sich ziehen, sind Abklärungen sinnvoll.

Behandlung & Therapie

Natürlich ist zur erfolgreichen Behandlung einer Nykturie in erster Linie eine eingehende Ursachenforschung durch den Urologen von Nöten, da die auslösenden Faktoren genau erkannt werden müssen, ehe diese entfernt und behandelt werden können.

Liegt etwa ein Blasenstein oder ein Tumor vor, muss dieser entfernt werden. Eine Infektion der unteren Harnwege kann beispielsweise durch die Einnahme von Antibiotika bekämpft werden. Eine Vergrößerung der Prostata kann heutzutage mittels einer kleinen Operation behoben werden.

Ist die Einnahme von Medikamenten oder ein erhöhter Alkohol- bzw. Koffeinkonsum der festgestellte Verursacher muss die Einnahme entweder verringert, eingestellt oder, im Fall der Medikamente, ein Ersatzpräparat gefunden werden, um die Nykturie erfolgreich zu bekämpfen.

Aussicht & Prognose

Eine länger anhaltende, unbehandelte Nykturie kann die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig beeinträchtigen. Dazu zählt eine erhöhte Müdigkeit am Tag ebenso wie Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen. Berufliche Schwierigkeiten sind nicht selten die Folge.

Bei älteren Menschen können die Auswirkungen noch gravierender sein. Durch den unterbrochenen Schlaf wird nicht nur die Leistungsfähigkeit herabgesetzt, es kann auch zu Stürzen und Knochenbrüchen kommen. Allgemein lässt sich der Tagesablauf nicht mehr in der gewohnten Form gestalten.

Bei der Behandlung mit Medikamenten stehen die Aussichten gut, das nächtliche Wasserlassen zumindest zu unterdrücken. Dabei sollte aber auch berücksichtigt werden, dass hinter der Nykturie andere Erkrankungen stehen können. Dazu zählen vor allem Diabetes, erhöhter Blutdruck und Herzinsuffienz, die unbedingt behandlungsbedürftig sind. Eine Therapie dieser Grunderkrankungen reduziert oder beseitigt zumeist auch das nächtliche Wasserlassen. Unterbleibt die Behandlung, kann die Nykturie Gesundheit und Lebenserwartung der Betroffenen erheblich reduzieren.

Zu den weiteren Maßnahmen gegen eine überaktive Blase zählt das Blasentraining. Dabei kommt es darauf an, den Harndrang für eine Zeit zu unterdrücken, um die Blase an mehr Füllmenge zu gewöhnen. Die Zeiten zwischen den Toilettengängen werden somit beständig verlängert. Eine Verbesserung der Symptome der Nykturie kann dadurch bereits nach wenigen Monaten erzielt werden.

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Vorbeugung

Gegen viele Auslöser einer Nykturie, wie den Tumoren oder schweren Krankheiten, schützt keine Vorbeugung. Gegen einige, wie Infektionen, hingegen schon. So sollte man stets auf warme Kleidung und eine gesunde Ernährung achten, um einem Infekt und somit auch einer eventuellen Nykturie vorzubeugen.

Ab einem gewissen Alter ist eine Nykturie eher die Regel als die Ausnahme. Vor manchen Auslösern kann man sich schützen, vor den meisten leider nicht. Dennoch gibt es für viele der Ursachen eine geeignete und oft auch erfolgsversprechende Behandlungsmethode.

Das können Sie selbst tun

Es scheint paradox: Bei nächtlichem Wasserlassen ist es äußerst bedeutsam, ausreichend Flüssigkeiten zu sich zu nehmen. Allerdings ist darauf zu achten, die Getränke früh zuzuführen. Andererseits beginnt der Körper, nachts die Flüssigkeit zu verstoffwechseln sowie auszuscheiden. Junge Menschen wachen nachts ebenso häufig auf, wenn sie spät abends noch etwas trinken. Wer unter nächtlichem Wasserlassen leidet, sollte seinen Koffeinkonsum einschränken. Koffein wirkt treibend und begünstigt nächtliches Wasserlassen.

Eine weitere Maßnahme gegen nächtliches Wasserlassen ist, die Blase zu trainieren. Die Übung ist einfach: Sobald sich Harndrang bemerkbar macht, sollten Betroffene nicht sofort zur Toilette gehen. Es ist sinnvoll, zunächst ein paar Minuten zu warten. So gewöhnt sich die Blase erneut an größere Füllmengen und der Harndrang setzt später ein. Wer Tabletten einnimmt, die zur Gewichtsreduktion beitragen, sollte besser darauf verzichten. Sie wirken harntreibend, um die Flüssigkeiten rasch auszuscheiden, damit keine Verstoffwechselung stattfindet. Wer diese Medikamente dennoch weiterhin einnehmen möchte, sollte dies lediglich morgens tun.

Bleiben die gesamten Tipps erfolglos, sollte ein Mediziner das nächtliche Wasserlassen abklären. Nächtlicher Harndrang deutet auf zahlreiche Erkrankungen hin.

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Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2015
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Sökeland, J., Rübben, H.: Taschenlehrbuch Urologie. Thieme, Stuttgart 2007

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