Harndrang

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 14. November 2016
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Der Harndrang entspricht der bewussten Wahrnehmung, dass das maximale Füllvolumen der Blase erreicht ist. In der Wand der Blase sitzen Mechanorezeptoren, die mit steigendem Füllstand den Druck auf die Blase registrieren und die Information an das Gehirn weiterleiten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Harndrang?

Die Nieren bilden täglich bis zu 1,5 Liter Urin. Als Zwischenspeicher für den so produzierten Urin dient die Harnblase. Der Urin sammelt sich solange in der Harnblase an, bis diese durch Miktion entleert wird.

Das Fassungsvermögen der Blase ist deutlich geringer als die Menge an Urin, die täglich in den Nieren produziert wird. Wenn der Urin in der Harnblase eine Menge von etwa 500 Millilitern erreicht hat, erhält das Gehirn über das Nervensystem eine Benachrichtigung und löst über Druckrezeptoren in der Blase den sogenannten Harndrang aus. Wenn die menschliche Blase voll ist, verspürt der Mensch durch Sinneszellen ein bewusst wahrgenommenes Bedürfnis zu urinieren. Dieses Bedürfnis entsteht durch einen Regelkreis des zentralen und autonomen Nervensystems.

Kontrolle über die Harnentleerung ist nicht angeboren, sondern wird von Kindern innerhalb der ersten fünf Lebensjahre erlernt. Vor dem Kontrollgewinn entleert sich die Blase automatisch mit dem Harndrang und kann so wieder den permanent produzierten Urin der Nieren aufnehmen.

Funktion & Aufgabe

Bei normaler Flüssigkeitsaufnahme entleert sich die Harnblase über die Harnröhre bis zu sechs Mal am Tag. Die ausgeschiedene Urinmenge beträgt für jede Miktion durchschnittlich um die 400 Milliliter. Je nach Gewohnheit und Flüssigkeitsaufnahme kann dies nach oben und unten abweichen. Die Blase besitzt eine maximale Kapazität, die dem Füllvolumen entspricht, das den imperativen Harndrang auslöst oder zu einer unwillkürlichen Blasenentleerung führt.

Zwischen Männern und Frauen gelten für den Harndrang unterschiedliche Füllvolumenwerte. Bei Männern beträgt der Normwert bis zu 600 Millilitern Füllvolumen bis sich der Harndrang bemerkbar macht. Bei Frauen ist der Wert deutlich geringer, da ihre Geschlechtsorgane mehr Platz in Anspruch nehmen und die Blase daher ein kleineres Volumen besitzt. Die Blase einer Frau fasst daher etwa 400 Milliliter, ohne dass Harndrang entsteht. Von Mensch zu Mensch können mehr oder weniger starke Schwankungen dieser Werte bestehen. Bestätigte Maximalwerte existieren nicht.

Ihre Speicherfunktion erhält die Blase durch zwei Schließmuskeln, die als äußerer quergestreifter und innerer, glatter Schließmuskel bekannt sind. Bei zunehmender Füllung der Blase muss sich der blasenentleerende Muskel Musculus detrusor vesicae an die Druckverhältnisse anpassen. Wenn der Muskel nicht mehr weiter entspannen kann und so dem steigenden Druck nicht mehr gerecht wird, verlagert sich der steile Druckanstieg ins Blaseninnere.

Schematische Darstellung zur Anatomie und Aufbau der Harnblase. Klicken, um zu vergrößern.

In der Blase liegen Mechanorezeptoren, die Dehnungen und Druck wahrnehmen können. Die Dehnungsrezeptoren in der Blasenwand lösen auf diese Weise einen Miktionsreflex aus. In einer Folge dessen kontrahiert der blasenentleerende Muskel. Der innere Schließmuskel wird passiv gedehnt und der äußere Schließmuskel erschlafft aktiv.

In einem Schaltkreis des autonomen Nervensystems erreicht die Information über den Füllstand der Blase über die afferenten Nerven der Dehnungsrezeptoren das Gehirn und lässt den Menschen den Harndrang auf diese Weise bewusst wahrnehmen. In der Formatio reticularis werden Blasenentleerung und Harndrang zentral gesteuert. Die Entleerung der Blase leitet der Parasympathikus ein, indem er die Blasenmuskulatur kontrahieren lässt und so die Blasenentleerung unterstützt. Als sein Antagonist sorgt der Sympathikus nach der Blasenentleerung für eine Erschlaffung der Blase, die eine erneute Füllung zulässt. Er regt die Schließmuskeln zur Kontraktion an und verhindert damit die ununterbrochene Entleerung der Blase.




Krankheiten & Beschwerden

Im Rahmen verschiedener Erkrankungen leiden Patienten oftmals unter vermehrtem Harndrang. Wenn der vermehrte Harndrang nur dann und wann auftritt, so ist noch nicht von einem pathologischen Phänomen die Rede. Meist ist eine Erhöhung der Flüssigkeitszufuhr oder der Konsum von Kaffee, Alkohol und anderen harntreibenden Substanzen dafür verantwortlich. Ebenso gut kann die Einnahme von Diuretika oder psychischer Stress den Harndrang erhöhen.

Nur wenn längerfristig vermehrter Harndrang besteht, liegt unter Umständen eine Erkrankung vor. Der Harndrang lässt sich in diesem Zusammenhang als Symptom einer Erkrankung bezeichnen und ist nicht etwa selbst eine Krankheit.

Symptomatisch kann vermehrter Harndrang zum Beispiel im Rahmen von Diabetes mellitus und Diabetes insipidus auftreten. Auch Stufe III des akuten Nierenversagens ist durch vermehrten Harndrang gekennzeichnet. Dasselbe gilt für Hyposthenurie, Polydipsie und Descensus uteri oder Prostatitis.

Wenn ein Adipositas-Patient von vermehrtem Harndrang betroffen ist, kann das Phänomen mit einer Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur in Zusammenhang stehen. Auch frischgebackene Mütter leiden unmittelbar nach der Geburt oft an erschlaffter Beckenbodenmuskulatur und vermehrtem Harndrang.

Wenn Patienten den Harndrang insbesondere im Schlaf oder im Liegen verspüren, kommen zusätzliche Ursachen infrage. So kann beispielsweise auch eine Blasenentzündung oder bei Männern eine Prostatahypertrophie den Harndrang auslösen.

Falls vermehrter Harndrang, nicht aber vermehrte Urinbildung bestehen, sind andere Zusammenhänge in Betracht zu ziehen. So kann beispielsweise eine Erkrankung der Prostata oder eine Reizblase dieses Phänomen auslösen. Bei Frauen ist die wahrscheinlichste Ursache in diesem Zusammenhang jedoch eine frühe Phase der Schwangerschaft.

Neben vermehrtem Harndrang kann unter Umständen auch das Ausbleiben des Harndrangs das Symptom einer Erkrankung sein. Wenn sich die Blase ohne Vorwarnung entleert, liegt eine Inkontinenz vor, der unter Umständen Fehlfunktionen in den nervensystemischen Regelkreisen zu Grunde liegen.

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