Harnstau

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. November 2017
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Die Unfähigkeit zur Entleerung der eigenen Blase wird in der Medizin auch als sogenannter Harnstau bzw. Harnstauung bezeichnet. In Abhängigkeit zu den jeweiligen Beschwerden wird eine Unterscheidung in einen akuten Harnstau sowie in einen chronischen Harnstau getroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Harnstau?

Sofern es in den ableitenden Harnwegen zu einer Behinderung kommt, kann der Urin des Betroffenen nicht mehr ungehindert abfließen. Die Hindernisse treten in der Regel im Bereich der Nieren oder im Bereich der Harnleiter auf. Je nach Schweregrad kann es aber auch im Bereich der Harnblase oder im Bereich der Hahnröhre zu einem Hindernis kommen.

Unbehandelt kann ein Harnstau für den Betroffenen lebensgefährlich werden. So führt beispielsweise ein Übertritt von Bakterien aus dem Urogenitaltrakt in die Blutlaufbahn zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung.

Je nach Schweregrad kann es neben der sogenannten Urosepsis auch zu einem chronischen Nierenversagen kommen. Der Betroffene muss sich im Rahmen einer chronischen Niereninsuffizienz stets einer Dialyse unterziehen. Zur Festlegung einer optimalen Therapie müssen jedoch zuerst die Ursachen eines Harnstaus ermittelt werden.

Ursachen

Ursächlich für einen Harnstau treten unter anderem Steine in den Harnleitern sowie in den Nieren in Erscheinung. Nicht selten begünstigen jedoch auch Tumore das Auftreten eines Harnstaus.

Sofern der Körper beispielsweise im Rahmen eines Unfalls einer hohen Gewalteinwirkung ausgesetzt wird, kann es durch ein sogenanntes Trauma zu einem akuten Harnstau kommen.

Oftmals können die Betroffenen auch aufgrund einer neurologischen Grunderkrankung ihren Harnfluss nicht mehr aktiv steuern. So wird beispielsweise bei einer Querschnittslähmung das Legen eines Blasenkatheters erforderlich. Ein chronischer Harnstau wird in erster Linie durch eine angeborene Verengung der Harnröhre begünstigt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Schematische Darstellung zur Anatomie und Aufbau der Harnblase. Klicken, um zu vergrößern.

Zur Diagnose eines Harnstaus kommt als bildgebendes Verfahren die sogenannte Sonografie zum Einsatz. Durch die Verwendung von Ultraschall kann der Arzt augenscheinliche Veränderungen des Gewebes im Bereich der Harnröhre erkennen.

Zur Konkretisierung des ersten Befunds wird nicht selten eine Computertomografie angeordnet. Durch die Gabe von einem sogenannten Kontrastmittel kann das tiefer liegende Gewebe näher betrachtet werden. Die Computertomografie (CT) kommt jedoch nur zur Anwendung, sofern der Verdacht auf eine krankhafte Veränderung von umliegendem Gewebe geäußert wird.

Alternativ zur herkömmlichen Computertomografie setzen führende Mediziner die sogenannte Ausscheidungsurografie zur Diagnose eines Harnstaus ein. Über die Armvene wird dem Betroffenen ein spezielles Kontrastmittel verabreicht. Das Kontrastmittel wird in der Regel zur besseren Darstellung mit Iod angereichert.

Je nach Schweregrad klagen die Betroffenen über leichte Schmerzen im Bereich der Nieren. Mit der Zeit kommt es dann zu einem vermehrten Verlust von funktionierendem Nierengewebe. Somit führt ein Harnstau in den meisten Fällen zu einer gesteigerten Anfälligkeit für Infekte.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: N13 Obstruktive Uropathie und Refluxuropathie) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Bei einem Harnstau kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen. Ein Stau des Harns in der Harnblase führt zu einer schmerzhaften Überdehnung dieser. Außerdem kann sich dadurch die Harnblase leicht infizieren. Im Verlaufe kann sich die Infektion über den gesamten Körper ausbreiten und so zu einer Blutvergiftung beziehungsweise Sepsis führen.

Dies ist für den Betroffenen lebensgefährlich und muss sofort behandelt werden, ansonsten kann es zu einem septischen Schock führen. Dabei kommt es zu einer Mangelversorgung von Organen mit Blut, welche infolgedessen absterben können. Hierbei sind insbesondere die Niere und die Lunge betroffen.

Des Weiteren kann der Harnstau zu einer Infektion der Niere führen, welche anschließend im Verlaufe versagen kann (Niereninsuffizienz). Bei dieser ist die Niere nicht mehr adäquat in der Lage den Harn zu filtrieren, das Wasser bleibt im Körper zurück. Dadurch hat der Betroffene mehr Blutvolumen, so dass vermehrt Ödeme entstehen. Auch ein erhöhter Blutdruck ist die Folge , was weitere Beeinträchtigungen nach sich ziehen kann.

Daneben ist ebenso der Säure-Base-Haushalt und der Elektrolythaushalt gestört. Es sammeln sich vermehrt Säuren im Körper an, was zur Folge hat, dass sich auch mehr Kalium im Blut ansammelt, was Herzrhythmusstörungen begünstigt. In den schlimmsten Fällen muss sich der Betroffene einer lebenslangen Dialyse oder gar einer Nierentransplantation unterziehen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Harnverhalt und Schmerzen beim Urinieren deuten auf einen Harnstau hin. Ein Arzt sollte konsultiert werden, wenn die Beschwerden länger als ein bis zwei Tage bestehen bleiben oder weitere Symptome auftreten. Krampfartige Schmerzen deuten darauf hin, dass das Urin bereits auf die Harnwege drückt und sollten rasch abgeklärt werden. Ein akutes Krankheitsgefühl weist auf eine Infektion hin. Spätestens, wenn Fiebersymptome auftreten, ist medizinischer Rat gefragt. Auch Anzeichen einer Nierenkolik oder einer anderen schweren Folgeerkrankung sind umgehend von einem Arzt abzuklären.

Der Betroffene sollte einen Harnstau diagnostizieren und behandeln lassen, bevor es zu einer Blutvergiftung kommt. Eine Sepsis kann zu einem septischen Schock führen, der intensivmedizinisch behandelt werden muss. Werden bei dem Betroffenen Anzeichen eines solchen Schocks bemerkt, sollten die Ersthelfer den Notarzt alarmieren. Im besten Fall wird ein Harnstau frühzeitig erkannt und direkt vom Hausarzt behandeln. Eine frühzeitige Abklärung erlaubt eine beschwerdefreie und schnelle Behandlung. Weitere Ansprechpartner sind der Urologe und Fachärzte für innere Mediziner.

Behandlung & Therapie

Bei einem Harnstau hängt die Wahl der Therapie in erster Linie von der Symptomatik sowie von der Lokalisation der Beschwerden ab. Sofern der Harnstau mit einer bakteriellen Infektion einhergeht, empfiehlt sich eine Therapie mit Antibiotika. Durch die Gabe von Antibiotika können jedoch nur die akuten Symptome gelindert werden.

Trotz der Gabe von Antibiotika sollte stets die zugrunde liegende Grunderkrankung therapiert werden. So wird im Rahmen der Therapie eines Harnstaus bei den Betroffenen ein Katheter gelegt. Nur so kann der Urin aus der Blase kontinuierlich ablaufen. Oftmals kann durch das Legen eines Katheters die weitere Bildung von Bakterien vermieden werden.

Zur Therapie eines Harnstaus erfreut sich auch die sogenannte Nephrostomie einer wachsenden Beliebtheit. Bei dieser neuartigen Form der Therapie wird der angestaute Urin über die Haut abgeleitet. Hierzu wird dem Betroffenen unter örtlicher Betäubung ein sogenannter Nephrostomie-Katheter durch die Haut gelegt.

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Vorbeugung

Zur Vermeidung eines Harnstaus empfiehlt es sich, regelmäßige Untersuchungen in Bezug auf Nierensteine durchführen zu lassen. Bereits bei den ersten Anzeichen auf Nierensteine kann eine geeignete Therapie eingeleitet werden. Darüber hinaus empfiehlt sich ein regelmäßiger Gang zur Toilette. Nur so können gefährliche Bakterien gründlich ausgespült werden. Bei den ersten Anzeichen eines Harnstaus sollte jedoch stets ein Arzt aufgesucht werden.

Das können Sie selbst tun

Bei einem Harnstau hängt die Wahl der Behandlung vorwiegend von der Symptomatik ab. Ist der Harnstau Folge einer bakteriellen Infektion, muss in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden. Dieser wird geeignete Antibiotika verschreiben und dem Patienten empfehlen, viel Wasser oder ungesüßten Kräuter- oder Früchtetee zu trinken.

Bei Harnverhalt in Folge einer Blasenentzündung hilft eine Wärmflasche auf dem Unterbauch. Außerdem sollte warme Unterwäsche getragen und kalte Sitzflächen gemieden werden. Durch Bäder und Saunabesuche kann die Flüssigkeit auf Haut und Darm abgeleitet werden, wodurch sich oftmals eine Besserung der Symptome erzielen lässt. Die Naturheilkunde empfiehlt, einen Sud aus einer frischen Quecke zuzubereiten und diesen in kleinen Schlucken zu trinken. Bewährt hat sich auch der regelmäßige Verzehr von Meerrettich, Maistee und kalziumhaltigen Lebensmitteln.

Bei Harnverhalt in Folge von Blasensteinen oder einer schweren Erkrankung allerdings, ist immer eine medizinische Behandlung vonnöten. Eine Unterstützung der Therapie mit Hausmitteln ist manchmal möglich, sollte jedoch immer in Rücksprache mit dem zuständigen Arzt erfolgen. Zeigen die genannte Maßnahmen keine Wirkung, sollte deshalb in jedem Fall der Hausarzt oder ein Urologe konsultiert werden.

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Quellen

  • Brühl, W., Wienert, V., Herold, A.: Aktuelle Proktologie. Uni-Med, Bremen 2011
  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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