Querschnittslähmung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. September 2017
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Eine Querschnittslähmung oder Querschnittssyndrom ist eine irreversible Schädigung bzw. Durchtrennung des Rückenmarksquerschnitts. Unterhalb der Rückenmarksdurchtrennung kommt es im Verlauf der Erkrankung zur meist kompletten Lähmung des Körpers.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Querschnittslähmung?

Die Querschnittslähmung ist eine durch eine Schädigung im Rückenmark (zum Beispiel durch Wirbelbrüche) verursachte teilweise oder vollständige Lähmung des Körpers.

Je nach Höhe der Schädigung im Rückenmark, kann die Lähmung sich nur auf die unteren Extremitäten (Beine) oder auf alle vier Extremitäten (Beine und Arme) auswirken. Ein vollständig gelähmter Patient, der alle vier Extremitäten nicht mehr bewegen kann, wird Tetraplegiker genannt.

Es wird unterschieden zwischen der Plegie (vollständige Lähmung) und der Parese (teilweise Lähmung). Auch kann es vorkommen, dass der Gelähmte die Extremität noch ein wenig bewegen kann, Temperaturunterschiede wahrnimmt (heiß und kalt) oder Berührungen spüren kann, obwohl die aktive Bewegung selbst nicht möglich ist. Eine Lähmung kann im Laufe der Jahre von einer schlaffen in eine spastische Lähmung übergehen.

Ursachen

Die Ursachen der Querschnittslähmung können vielfältig sein. In vielen Fällen tritt die Querschnittslähmung aufgrund eines traumatischen Ereignisses auf, zum Beispiel als Folge eines Unfalls oder Sturzes, bei dem das Rückenmark irreversibel geschädigt wurde.

Es kann aber auch eine Krebserkrankung, ein Bandscheibenvorfall oder eine Begleiterscheinung der Multiplen Sklerose vorliegen, die das Rückenmark schädigen. Die Querschnittslähmung ist nicht zu verwechseln mit Symptomen des Schlaganfalls, bei dem die Lähmung in aller Regel halbseitig rechts oder links auftritt.

Beim Querschnittsgelähmten ist dies nicht der Fall, die Lähmung findet entweder in beiden Beinen oder zusätzlich noch in beiden Armen statt. Es kann dennoch sein, dass eine Extremität mehr Empfindungsvermögen beibehält als die andere oder das eine minimale Bewegung in einem Arm weiterhin möglich ist.

Typische Symptome & Anzeichen

  • teilweise oder vollständige Lähmung von Körperteilen und Gliedmaßen
  • Gefühlsstörungen in Form von Empfindungsstörungen oder Taubheitsgefühlen
  • vermindertes oder komplettes Versagen von Schmerzempfindungen in den gelähmten Arealen
  • Kreislaufprobleme aufgrund von Störungen des vegetativen Blutkreislaufes
  • gestörter Stuhlgang und gestörte Blasenfunktion (Harninkontinenz)

Diagnose & Verlauf

Die Symptome der Querschnittslähmung und die verbliebenen Fähigkeiten sind sehr individuell. Die Symptome der Querschnittslähmung beschränken sich entgegen vieler Meinungen nicht nur auf den Bewegungsapparat. Auch kann es zum Ausfall des Mastdarms und des Blasenschließmuskels kommen, der Patient wird inkontinent.

In der Notfallbehandlung geht man bei bewusstlosen Patienten infolge eines Unfalls immer von Wirbelsäulenverletzungen aus. Aus diesem Grunde wird bei solchen Notfallpatienten immer eine Schiene bzw. eine Halskrause zur Stabilsierung der Wirbelsäule verwendet.

Es gibt eine Reihe von Sofortmaßnahmen, die ergriffen werden können und versuchen sollen, die Lähmung aufzuhalten oder schlimmere Schäden zu verhindern. Viele dieser Maßnahmen, die von diversen Infusionen bis hin zu Notfalloperationen reichen, können aber keinen Erfolg garantieren, sondern sind vielmehr als Versuch zu werten.

Komplikationen

Eine Querschnittslähmung kann unterschiedliche Komplikationen und Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Darüber hinaus kann sie auf Dauer anhalten, was lebenslange Auswirkungen hat. Eine häufige Komplikation der Querschnittslähmung ist eine Beeinträchtigung der Blasenfunktion, die mehr oder weniger stark ausfällt. Von der Höhe der Rückenmarksverletzung hängt es ab, ob es zu einer spastischen Reflexblase oder einer schlaffen Blase kommt.

Von einer Reflexblase ist die Rede, wenn bei einer befüllten Harnblase der Reflex zur Blasenentleerung automatisch angeregt oder ausgelöst wird. Bei einer schlaffen Blase bleibt dieser Reflex aus, weil die Kontraktionen fehlen. Dadurch steigt das Risiko von Harnwegsinfektionen an, die zum Teil einen komplizierten Verlauf nehmen.

Ebenfalls zu den Folgeerscheinungen einer Querschnittslähmung zählen Störungen bei der Entleerung des Mastdarms. Ihr Ausmaß richtet sich nach der Verletzungshöhe. Tritt eine Schädigung über dem Sakralmark ein, fällt der Darmentleerungsreflex einige Wochen aus. Außerdem lässt sich der Schließmuskel nicht mehr willkürlich kontrollieren.

Bei einer kompletten Zerstörung des Sakralmarks verschwindet der Darmentleerungsreflex vollständig, sodass eine mechanische Entfernung des Darminhalts erforderlich ist. Zu den schwersten Komplikationen gehören die Verminderung oder sogar der totale Ausfall der Gefühlsempfindung. Aus diesem Grund ist eine sorgfältige Kontrolle der betroffenen Hautpartien nötig, damit es nicht zu Druckgeschwüren (Dekubitus) kommt.

Weil die Schmerzreaktion ausbleibt, besteht die Gefahr von unbemerkten Knochenfrakturen oder Verbrennungen. Weitere mögliche Folgeerscheinungen der Querschnittslähmung sind Störungen der Blutdruckregulation, Kalkablagerungen in den Gelenken, Thrombosen sowie sexuelle Beeinträchtigungen.

Behandlung & Therapie

Die langfristige Behandlung beschränkt sich in aller Regel auf physiotherapeutische Maßnahmen, die die passive Beweglichkeit unterstützen und eventuelle aktive Bewegungsmöglichkeiten versuchen zu fördern. Seit 2010 ist die Behandlung mit Stammzellen bei Akutfällen für die Forschung erlaubt, da diese in Tierversuchen eine deutliche Besserung der Beweglichkeit erreichte bis hin zur vollständigen Heilung der Lähmung.

Es ist angedacht, etwa 20 Patienten erstmals auf diese Weise zu behandeln. Die Querschnittslähmung selbst kann in der Akutphase tödlich enden, danach ist die Erkrankung selbst nicht mehr potentiell tödlich. Allerdings führt sie zu einer Reihe von Einschränkungen, die Komplikationen mit sich bringen können. So können Thrombosen, Lungenentzündungen oder Dekubitalgeschwüre ("Wundliegen") schwere gesundheitliche Folgen mit sich ziehen, die tödlich verlaufen können.

Der amerikanische Superman-Darsteller Christopher Reeve, der vom Hals abwärts gelähmt war und den sein medienwirksam geäußerter, unbändiger Wille auszeichnete, eines Tages wieder gehen zu können, erlag den Folgen eines zunächst harmlosen Druckgeschwürs. Schon ein einfacher Schnupfen kann durch die Immobilität zu einer Lungenentzündung werden. Gerade Tetraplegiker sind nicht in der Lage, richtig abzuhusten und können hier schwerwiegende Probleme bekommen.

Querschnittsgelähmte sind in aller Regel auf die Benutzung eines Rollstuhls, sowie auf Rundum-Pflege angewiesen, besonders Tetraplegiker, also solche Menschen, die alle vier Extremitäten nicht mehr bewegen können. Bei Patienten, die beide Arme noch bewegen können, ist ein selbständiges Leben inklusive der Verwirklichung des Kinderwunsches noch um einiges besser realisierbar.

Hier ist zumeist nach einer gewissen Gewöhnungsphase an den veränderten Zustand keine Hilfe durch Pflegekräfte mehr nötig. Je jünger der Patient zum Zeitpunkt seiner Einschränkung ist, desto eher wird er auch selbständig leben können.

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Vorbeugung

Einer Querschnittslähmung kann man meist durch ein umsichtiges und risikoarmes Leben vorbeugen. Der Verzicht auf waghalsige Sportarten, wie Klettern, Drachenfliegen oder Motorradfahren (vor allem mit Rennmaschinen) vermindert die Wahrscheinlichkeit eines Tages durch einen Unfall eine Querschnittslähmung zu bekommen, radikal.

Wenn man auf derartige Sportarten oder Hobbys nicht verzichten will, so sollte man wenigstens alle gängigen Sicherheitsmaßnahmen strikt einhalten. Dazu gehören vor allem beim Fahren von schnellen Motorrädern: Helm, Rücken- und Wirbelsäulenprotektoren sowie die passende Kleidung.

Bücher über Querschnittslähmung

Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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