Platyspondylie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. November 2017
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Die Platyspondylie ist eine generalisierte Vetebra plana und entspricht so der Höhenminderung von Wirbelkörpern, wie sie erworben oder angeboren vorliegen kann. Die erworbene Form geht meist auf Bandscheibenvorfälle oder Tumore und die angeborene meist auf Dysplasien zurück. Die Therapie erfolgt häufig konservativ mittels Korsett.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Platyspondylie?

Die knöchernen Elemente der Wirbelsäule werden Wirbel genannt und weisen eine charakteristische Form und Höhe auf. Als Vetebra plana wird eine pathologische Abflachung bezeichnet, die einen solitären Wirbelkörper betrifft. Wenn mehrere Wirbel der Wirbelsäule Abflachungen und damit eine Höhenminderung aufweisen, ist dagegen von einer Platyspondylie die Rede.

Dabei handelt es sich um eine generalisierte Vetebra plana, die entweder angeboren oder erworben sein kann. Eine Platyspondylie entspricht an sich keiner eigenen Erkrankung, sondern eher einem Symptom. Die angeborenen Formen kommen in Rahmen sogenannter Skelettdysplasien vor und manifestieren sich als unterschiedlichste Symptomkomplexe.

Die erworbene Form der generalisierten Wirbelabflachung ist häufig mit einer Vergrößerung der Bandscheiben assoziiert und kann somit zum Beispiel auf einen Bandscheibenvorfall und die so entstandene Volumenvergrößerung der Bandscheiben zurückzuführen sein.

Bei der Platyspondylie ist manchmal auch von generalisierten Plattwirbeln oder Flachwirbeln die Rede. Die therapeutischen Schritte unterscheiden sich bei den erworbenen und angeborenen Formen des Phänomens stark voneinander. Daher hat die Ursachenforschung bei der Platyspondylie klinisch hohe Relevanz.

Ursachen

Die Platyspondylie kann als angeborene Erscheinung im Rahmen von unterschiedlichen Symptomkomplexen vorliegen, bei denen es sich in der Regel um Skelettdysplasien handelt. Wenn die Manifestation unmittelbar nach der Geburt oder noch im Kleinkindalter erfolgt, kommen als primäre Ursachen Achondroplasien, diastrophische Dysplasien oder thanatophore Dysplasien infrage.

Darüber hinaus kennzeichnet die angeborene Form die kogenital spondyloepiphysäre Dysplasie und die Hypophosphatasie sowie Syndrome wie das Goldblatt- oder Cushing-Syndrom. Besonders ausgeprägt manifestieren sich die Flachwirbel im Kleinkindalter im Rahmen von metatrophen und pondyloepimetaphysären Dysplasien. Bei Hypothyreosen entwickelt sich die Abflachung erst im Laufe der Jahre zu starker Ausprägung.

Wenn die Ursache für die Abflachung zwar angeboren ist, die Manifestation aber erst an älteren Kindern erfolgt, kommen andere Krankheitsbilder als Primärerkrankungen infrage. Zu diesen Erkrankungen zählen die Osteogenesis imperfecta, die Mukopolysaccharidose Typ IV, die Homozystinurie und die Chondrodystrophie. Darüber hinaus kann eine polytope Dysostose, das Dreyfus- oder Pyle-Syndrom und die progressive Pseudorheumatoide oder die Arthropathie mit Flachwirbelmanifestationen im höheren Kindesalter in Zusammenhang stehen.

Nicht generalisierte, aber multiple Flachwirbel kommen außerdem bei der Kniest-Dysplasie, dem Arthro-Ophthalmopathie-Stickler-Syndrom, der Dysosteosklerose und dem Dyggve-Melchior-Clausen-Syndrom vor. Erworbene Formen der Platyspondylie stehen neben Bandscheibenvorfällen am häufigsten mit Tumormetastasen in Zusammenhang.

Die Wirbelabflachung manifestiert sich aufgrund der vermehrten Krafteinwirkungen in diesem Bereich vor allem an der mittleren oder unteren Brustwirbelsäule. Wenn die Platyspondylie die Lendenwirbelsäule betrifft, ist sie häufig mit Kyphosen vergesellschaftet. Die Lendenwirbelsäule nimmt bei der Kyphose eine konvexe Krümmung an. Chronische Schmerzen, Schlafstörungen, Organstörungen und Sensibilitätsstörungen sind denkbare Begleitsymptome von diesem Phänomen.

In Einzelfällen kommen auch psychische Probleme wie Depressionen vor. Die Patienten einer Platyspondylie leiden unabhängig von der auslösenden Erkrankung außerdem oft an Halteschwächen. Je nach Lokalisation der generalisierten Abflachung können neurologische Defizite wie motorische Störungen hinzukommen. Die weiteren Symptome hängen stark von der Ursache im Einzelfall ab.

So geht die angeborene Platyspondylie meist mit multiplen Dysplasien des Skeletts einher, wie sie im Rahmen der weiter oben genannten Syndrome und Dysplasie-Komplex vorliegen. Die erworben Form durch Tumorsymptomatik kann von einem fortschreitenden Verlauf gekennzeichnet sein, der in Einzelfällen bis hin zur Querschnittslähmung fortschreiten kann.

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Diagnose & Verlauf

Bei der Diagnostik hilft dem Arzt vor allem die Röntgenbildgebung. Die Wirbelabflachung wird mittels Röntgenbild dokumentiert und die zugrundeliegende Erkrankung wird differentialdiagnostisch bestimmt. Zur Ursachenforschung sind anamnestisch vor allem der Zeitpunkt des Auftretens und das familiäre Vorliegen von Grunderkrankungen relevant.

Abzugrenzen ist die Platyspondylie mittels Bildgebung außerdem von isolierten Höhenminderungen durch entzündliche Prozesse. Die Prognose für Patienten mit Platyspondylie hängt von der zugrundeliegenden Ursache ab. Tumorassoziierte Wirbelabflachungen haben eine eher ungünstige Prognose. Im Rahmen eines Bandscheibenvorfalls ist die Prognose günstiger.

Komplikationen

Eine Platyspondylie entsteht vor allem im Rahmen von angeborenen Fehlstellungen des Skeletts. Durch die Verkümmerung der Wirbelkörper kommt es zu Verformungen der Wirbelsäule. Betroffene leiden dadurch unter starken Schmerzen und Schlafstörungen, sowie unter Atemproblemen. Daneben kommt es auch häufig zu Störungen einzelner Organe, die in anatomischer Nähe zur Wirbelsäule liegen.

Des Weiteren können auch die Spinalnerven betroffen sein, so dass es zu einer ähnlichen Symptomatik wie bei einem Bandscheibenvorfall kommen kann. Somit sind auch motorische und sensible Störungen denkbar. Die Achondroplasie ist eine der häufigsten Ursachen einer Platyspondylie. Betroffene sind meistens minderwüchsig und haben verkürzte Arme und Beine, so dass die Lebensqualität stark eingeschränkt wird.

Zudem entwickeln sich motorische Fertigkeiten nur sehr langsam, eine Einschränkung der Intelligenz ist jedoch nicht zu beobachten. Zusätzlich kommt es bei der Erkrankung häufig zu Erkältungen und Fehlhaltungen. Hinzu kommen noch Lähmungen und ein Wasserkopf. Die Erkrankung wird genetisch vererbt, so dass auch die Kinder an einer Achondroplasie leiden können.

Eine weitere Erkrankung der Knochen, die mit einer Platyspondylie einhergehen kann ist die Glasknochenkrankheit (Osteogenesis imperfecta). Betroffene haben stark brüchige Knochen, die schon bei den geringsten Erschütterungen zu Frakturen neigen. Zudem sind Patienten meist auf den Rollstuhl angewiesen, so dass die Lebensqualität stark beeinträchtigt wird.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Platyspondylie ist stets behandlungsbedürftig. Bei positiver Kenntnis ist umgehend ein Facharzt zur Einleitung einer ordnungsgemäßen Behandlung aufzusuchen. Fraglich ist aber, ob ein Arztbesuch auch beim bloßen Verdacht notwendig ist. Dies hängt vom Einzelfall ab und kann damit nicht pauschal beantwortet werden. Grundsätzlich ist jedoch eine Orientierung am Verdachtsgrad hilfreich.

Wer aufgrund von greifbaren Tatsachen davon ausgeht, an einer Platyspondylie erkrankt zu sein, sollte zwingend einen Orthopäden aufsuchen. Denn nur durch einen Facharzt ist eine belastbare Diagnose möglich. Selbst ein Hausarzt wird keine endgültige Diagnose stellen können, da er nicht über die zur Stellung eines Befundes notwendigen technischen Hilfsmittel (z. B. Röntgengerät) verfügt. Untätigkeit führt zu Unkenntnis und damit Unsicherheit. Greifbare Tatsachen liegen vor, wenn sich konkrete Symptome einer Platyspondylie zeigen.

Wer einen Verdacht hat ohne diesen mit konkreten Umständen unterfüttern zu können, kann sich zunächst an einen Hausarzt wenden. Dieser kann den Verdacht erhärten oder entkräften. Er wird ggf. an einen Orthopäden oder andere Fachärzte verweisen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer Platyspondylie hängt von der eigentlichen Ursache der Wirbelveränderungen ab. Genetische Ursachen lassen sich nicht beseitigen. Im Rahmen von familiären Dysplasien kann die Platyspondylie daher nur symptomatisch behandelt werden. Diese symptomatische Behandlung kann zum Beispiel einer Therapie mittels klinischem Korsett entsprechen.

Solche Therapieschritte zählen zu den konservativen Maßnahmen und können sowohl in den Fällen der angeborenen, als auch der erworbenen Platyspondylie eine Verminderung der Beschwerden herbeiführen. Gegen die Schmerzen können in beiden Fällen suffiziente Schmerztherapien mittels Medikamente erfolgen. Zum Teil werden auch Opiatpflaster angewandt.

Damit gliedert sich die symptomatische Therapie der Platyspondylie in interne Maßnahmen der Schmerztherapie und externe Stabilisierungsmaßnahmen auf, die in der Regel inform einer Dauertherapie erfolgen. In akuten Fällen kann Bettruhe die Akutsymptome lindern. Bei erworbenen Formen der Platyspondylie durch Tumormetastasen erfolgt eine operative Behandlung.

Die betroffenen Bereiche werden ausgeräumt und Wirbelkörperersätze werden eingesetzt. Abhängig von den Begleitsymptomen kann im Einzelfall eine Physiotherapie den Haltungsschwächen oder motorischen Defiziten entgegenwirken.

Aussicht & Prognose

Bei der Platyspondylie kommt es in erster Linie zu einer starken Fehlstellung und Verkrümmung der Wirbel beim Patienten. Durch die Verkrümmung der Wirbel wird auch die Wirbelsäule belastet, sodass es hierbei zu starken Schmerzen kommt. Diese treten vor allem während des Schlafes auf, sodass es beim Betroffenen nicht selten zu Schlafstörungen kommt. Diese wirken sich negativ auf den Gemütszustand und den physischen Zustand des Patienten aus und können die Lebensqualität stark vermindern.

Die meisten Menschen mit einer Platyspondylie sind minderwüchsig. Durch dieses Symptom wird das Leben ebenso eingeschränkt. Durch die Platyspondylie leiden Patienten oft an Grippen und Erkältungen und am Symptom des Wasserkopfes. Oft tritt die Platyspondylie auch zusammen mit der Glasknochenkrankheit auf und kann das Leben des Patienten zusätzlich stark belasten. Hier sind Betroffene auf die Hilfe von anderen Menschen oder auf die Benutzung von Krücken und Rollstühlen angewiesen.

Die Platyspondylie lässt sich nicht komplett heilen. Allerdings können die Symptome eingeschränkt werden, sodass der Alltag für den Patienten erträglich gemacht wird. Hier helfen vor allem Physiotherapien.

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Vorbeugung

Einer erworbenen Platyspondylie durch Bandenscheibenvorfall lässt sich durch Schritte wie Gewichtsreduktion, Sport, Haltungsschulungen und richtiges Heben und Tragen vorbeugen. Für Platyspondylien im Rahmen von genetisch bedingten Dysplasien und Syndromen existieren keine erfolgsversprechenden Vorbeugemaßnahmen.

Das können Sie selbst tun

Entsprechend des Umstandes, dass es für die angeborene Form dieses Wirbelsäulenfehlwuchses keine Heilung gibt, sind auch die Maßnahmen zur Selbsthilfe rein auf die Behandlung der Symptome und das geringfügige Verbessern der individuellen Lebensumstände ausgelegt. Entscheidend sind die Folgeerscheinungen der Platyspondylie sowie die weiteren körperlichen Umstände der Betroffenen. Für Menschen mit einer erworbenen Platyspondylie gilt dies auch. Bei ihnen ist die Situation mangels vorhandener Symptomkomplexe jedoch einfacher zu überblicken und gerade physiotherapeutische Maßnahmen sind vielversprechender, denn sie können ohne Einschränkungen durch weitere Symptome und Fehlwüchse durchgeführt werden.

So können von Betroffenen physiotherapeutische Maßnahmen ergriffen werden, die im Rahmen ihrer körperlichen Eingeschränktheit zu bewerkstelligen sind. Es kann so weiteren Verschlechterungen in der Körperhaltung entgegen gewirkt werden. Auch können Betroffene bestimmte Bewegungsabläufe erlernen, die weniger Schmerzen verursachen oder effizienter vonstatten gehen. Dabei sind solche physiotherapeutischen Maßnahmen meist in Form einer Dauertherapie angelegt. Ein Aufrechterhalten der körperlichen Fähigkeiten kann auch durch Übungen zuhause ergänzt werden.

Da eine Platyspondylie zu Schmerzen und Schlafproblemen führt, können Betroffene sich hier mittels verschiedenster Maßnahmen Linderung verschaffen. Entspannende Bäder, das Verwenden ätherischer Öle oder das Konsumieren schmerzlindernder Substanzen auf pflanzlicher Basis können Linderungen verschaffen. Bei akut auftretenden Schmerzschüben hilft zumeist eine ebenso akute Bettruhe.

Bücher über Schmerzen

Quellen

  • Benninghoff, A., Drenckhahn, D.: Anatomie Band 1. Urban & Fischer, München 2004
  • Rüther, W., Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Urban und Fischer, München 2014
  • Scholz, J., Sefrin, P., Böttiger, B.W., Dörges, V., Wenzel, V.: Notfallmedizin. Thieme, Stuttgart 2012

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