Pankreasinsuffizienz

Letzte Aktualisierung am 24. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die Pankreasinsuffizienz ist eine Erkrankung, die in der inneren Medizin eine große Rolle spielt. Hinter einer Insuffizienz verbirgt sich immer eine Einschränkung der Funktionstüchtigkeit eines Organs oder eines Organsystems.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pankreasinsuffizienz?

Der Pankreas, die Bauchspeicheldrüse ist, wie es deren Bezeichnung schon aussagt, eine große Drüse, welche eine ganz wichtige Bedeutung im Zusammenhang mit dem Stoffwechsel des Menschen besitzt. In diesem Zusammenhang sind sich die für die Produktion des lebenswichtigen Insulins zuständigen Langerhans´schen Inseln ein Begriff.

Bei einer Pankreasinsuffizienz kommt es im fortschreitenden Verlauf zu einem kompletten Verlust der Funktionsfähigkeit. In diesem Zusammenhang geht es bei der Pankreasinsuffizienz darum, dass die Erzeugung und Ausschüttung von den für die gesunde Verdauung des Menschen wichtigen Enzymen verringert oder komplett eingestellt ist. Auch die Bereitstellung von Hormonen ist bei der Pankreasinsuffizienz klassisch.

Ursachen

Die Pankreasinsuffizienz kann verschiedene Ursachen haben. Diese führen insgesamt dazu, dass eine Schädigung des Drüsengewebes entsteht.

Meist ist eine Pankreasinsuffizienz die Folge einer Vorerkrankung wie einer dauerhaft anhaltenden und ständig wiederkehrenden Entzündung, einer Tumorerkrankung, des Wachstums einer Zyste oder einer Mukoviszidose.

Darüber hinaus kann eine Pankreasinsuffizienz durch Magen-Darm-Erkrankungen, Magengeschwüre, Erkrankungen der Galle und der Gallenwege sowie durch sogenannte Autoimmunerkrankungen hervorgerufen werden.

Die Bauchspeicheldrüse ist ein empfindliches und sehr komplex aufgebautes Organ, welches bei unzureichender oder fehlender Behandlung schwer therapiert werden kann. Kommt es zu einer Pankreasinsuffizienz, kann dies zudem schwerwiegende Ausmaße auf andere Organe haben.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die exokrine Pankreasinsuffizienz macht sich erst bemerkbar, wenn die Organleistung bereits auf etwa zehn Prozent gesunken ist. Erste Symptome sind häufig Übelkeit und Erbrechen nach dem Verzehr fetter Nahrungsmittel, da Fett nur mehr unzureichend verdaut werden kann. Im weiteren Verlauf treten fettig glänzende, übelriechende Durchfälle auf, der Stuhl ist dabei in der Regel sehr hell verfärbt.

Bedingt durch die ungenügende Aufnahme von Nährstoffen nehmen Betroffene stark an Gewicht ab, obwohl sie ausreichend Nahrung zu sich nehmen. Auch Vitaminmangelzustände können auftreten: Ein Mangel an Vitamin K kann beispielsweise eine vermehrte Blutungsneigung zur Folge haben, zu wenig Vitamin A beeinträchtigt das Sehvermögen.

Gelangt zu viel unverdaute Nahrung in den Dickdarm, ist eine starke Gasbildung die Folge, die schmerzhafte Blähungen auslöst. Eine mit der Pankreasinsuffizienz einhergehende Bauchspeicheldrüsenentzündung macht sich durch bis in den Rücken ausstrahlende Oberbauchschmerzen bemerkbar.

Die endogene Pankreasinsuffizienz beeinträchtigt vor allem den Zuckerstoffwechsel: Charakteristische Anzeichen sind übermäßiger Durst, vermehrter Harndrang und ein Abfall der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit.

Das zu hohe Ansteigen des Blutzuckers kann zu einer Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose) führen, die sich durch zunehmende Apathie, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen bemerkbar macht. Typisch ist der obst- oder azetonartige Mundgeruch. Auch eine Unterzuckerung ist möglich: Anzeichen dafür sind Kaltschweißigkeit, Zittern und Bewusstseinstrübungen.

Diagnose & Verlauf

Im Mittelpunkt der Diagnostik bei einer Pankreasinsuffizienz stehen die labortechnischen Tests in Bezug auf verschiedene Enzyme in Harn und Serum sowie Stuhluntersuchungen.

Eindeutige Rückschlüssen auf eine Pankreasinsuffizienz lassen sich durch die Bestimmung des Enzyms Elastase ziehen. Die Laboruntersuchungen werden durch bildgebende Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen, die Computer- oder Kernspintomografie erweitert. Wichtig ist zudem die Untersuchung des Patienten in Hinsicht auf dessen Befinden.

Neben schmerzhaften Beschwerden treten bei einer Pankreasinsuffizienz extreme Übelkeit und anhaltendes Erbrechen auf. Typisch für eine sogenannte exokrine Pankreasinsuffizienz sind ein heller "Fettstuhl" oder Durchfall. Diese Beschaffenheit des Stuhls basiert bei einer Pankreasinsuffizienz auf einer Störung der Verstoffwechslung von den in der Nahrung enthaltenen Fetten und Eiweißen.

Die auftretenden Schmerzen können in Abhängigkeit von der Art der Pankreasinsuffizienz zu verschiedenen Tagezeiten auftreten und unterschiedlich stark sein. Druckschmerzen im Oberbauch bestehen. Die Patientinnen und Patienten verlieren zudem den Appetit und fühlen sich allgemein unwohl, wenn eine Pankreasinsuffizienz auftritt.

Komplikationen

Da übermäßiger Alkoholkonsum über entzündliche Prozesse die Pankreasinsuffizienz auslösen kann, führt dieser, wenn er nicht sofort beendet wird, zu weiteren Beeinträchtigungen der Bauschspeicheldrüse. Auch therapeutisch lässt sich bei fortgesetztem Alkoholmissbrauch keine Verbesserung erzielen, so dass eine begleitende Alkoholtherapie dringend zu empfehlen ist.

Wird weiterhin Alkohol konsumiert, kommt es regelmäßig zu sehr heftigen Oberbauchschmerzen, Blähungen und Durchfällen; Gewichtsabnahme und Mangelernährung aufgrund der unzureichenden Fettverdauung und zu diabetischen Symptomen wie unerträglichem Durst, häufiges Wasserlassen und Schwindel bis hin zum Koma. Verengungen durch Steine, Pankreaszysten und bösartige Tumore der Pankreas treten gehäuft auf.

Eine gelbliche Färbung der Haut, die Gelbsucht, weist auf das Auftreten von Komplikationen wie unzureichenden Abfluss der Gallenflüssigkeit hin. Dies gilt ebenso für ein Fünftel der Patienten, die die Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse aufgrund eines genetischen Defektes oder aus nicht erkennbaren Ursachen heraus bekommen haben. Lebenslanger Alkoholverzicht ist für alle Pankreas-Patienten unabdingbar.

Die Pankreasinsuffizienz ist nicht heilbar, sie führt meistens zu lebenslangen Verdauungsstörungen und zu einem insulinpflichtigen Diabetes. Komplikationen können auch bei Einhaltung der therapeutischen Anweisungen auftreten, sind in diesem Fall aber deutlich seltener.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Treten nach dem Verzehr von fetthaltiger Nahrung Unregelmäßigkeiten oder ein Unwohlsein auf, sollten die Entwicklungen weiter beobachtet werden. Halten die Beschwerden an oder nehmen sie kontinuierlich an Intensität zu, ist ein Arztbesuch anzuraten. Bei Übelkeit und Erbrechen sowie Appetitlosigkeit wird ein Arzt benötigt. Kommt es zu einer ungewollten Gewichtsabnahme, unangenehmen und schmerzhaften Blähungen oder einem Völlegefühl, besteht Anlass zur Besorgnis.

Schmerzen im Bereich des Oberbauches oder eine Abnahme der körperlichen Belastbarkeit sind einem Arzt vorzustellen. Da bei der Einnahme von Schmerzmedikamenten zahlreiche Komplikationen auftreten können, sollte diese erst nach der Rücksprache mit einem Mediziner stattfinden. Eine Zunahme der Blutungsneigung oder Störungen verschiedener Funktionsfähigkeiten sind ärztlich untersuchen und abklären zu lassen. Übermäßiger Durst, Apathie oder ein Rückzug aus dem sozialen Leben sind weitere Anzeichen einer gesundheitlichen Störung.

Diffuse Mangelerscheinungen, Durchfall oder übel riechende Ausscheidungen sollten von einem Arzt näher untersucht werden. Es liegt in diesen Fällen eine Erkrankung vor, die behandelt werden muss. Bei einer Abnahme der Konzentrationsfähigkeit, Problemen bei der Alltagsbewältigung sowie einer Trübung des Bewusstseins besteht Handlungsbedarf. Ein Arzt muss aufgesucht werden, da die Lebensqualität in diesen Fällen bereits stark eingeschränkt ist.

Behandlung & Therapie

Da es sowohl die endo- als auch die exokrine Form der Pankreasinsuffizienz gibt, werden ebenso variierende Behandlungsmethoden angesetzt. Diese richten sich zudem nach den Auslösern der Erkrankung und dem Ausmaß sowie den bestehenden Beschwerden der Pankreasinsuffizienz.

Grundsätzlich kann eine auftretende Pankreasinsuffizienz nicht nachträglich geheilt werden. Die Basis für die Therapie der Pankreasinsuffizienz, welche die Beschwerden lindern und das Leben mit dieser Erkrankung ermöglich soll, besteht einesteils auf einer gesunden Lebensweise und andererseits auf der Einnahme speziell entwickelter Wirkstoffe. In Bezug auf eine schonende Ernährungsweise bei einer Pankreasinsuffizienz kommt es darauf an, keine alkoholischen Getränke zu sich zu nehmen und eine vitamin- sowie mineralstoffhaltige Zusammenstellung der Nahrungsmittel zu gewährleisten.

Diese Maßnahmen werden meist durch eine diätetische Lebensmittelwahl erweitert, bei der im Rahmen einer Pankreasinsuffizienz überwiegend Diätmargarinen empfohlen werden.

Bei der medikamentösen Therapie geht es bei einer Pankreasinsuffizienz hauptsächlich um die Einnahme von pankreasrelevanten Enzymen zur Unterstützung der Funktion. Die Behandlung auftretender Vor- oder Begleiterkrankungen ist bei einer Pankreasinsuffizienz ebenfalls zu beachten.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung gegen die Pankreasinsuffizienz ist nur indirekt möglich, indem auf schädigende Genussmittel wie Alkohol verzichtet wird und eine ausgewogene Ernährung erfolgt. Bei auftretenden Beschwerden des Magen-Darm-Traktes, der Galle oder des Zwölffingerdarms sowie der Leber sollte ein Facharzt aufgesucht werden, um ein bestehendes Risiko für Folgeerkrankungen der Bauchspeicheldrüse rechtzeitig auszuschalten.

Bei der Einnahme von Medikamenten ist es wichtig, deren Nebenwirkungen in Bezug auf die Gefahr einer Pankreasinsuffizienz zu beachten. Eine andauernde Mangelernährung ist in Hinsicht auf eine Prävention der Pankreasinsuffizienz ebenfalls zu vermeiden.

Das können Sie selbst tun

Erkrankte einer Pankreasinsuffizienz können ihren Lebenswandel überprüfen und optimieren. Der Genuss von Schadstoffen ist grundsätzlich zu unterlassen. Insbesondere der Konsum von Alkohol ist bei einer Pankreasinsuffizienz schnellstmöglich vollständig einzustellen.

Die Maßnahmen der Selbsthilfe sind bei einer Pankreasinsuffizienz abhängig von der vorliegenden Ursache der Erkrankung. Bei einem Alkoholmissbrauch benötigt der Betroffene zur Bewältigung der Beschwerden Hilfe und Unterstützung. Treten im Alltag ohne den Konsum von Alkohol Entzugserscheinungen auf, sollte eine Suchtberatungsstelle aufgesucht werden. Die Ernährung ist ebenfalls zu optimieren und den Bedürfnissen des Organismus anzupassen. Die Nahrung sollte vitaminreich und ausgewogen sein. Gemeinsam mit dem Arzt wird eine diätetische Kost erarbeitet, die bei der Linderung der Symptome dienlich ist. Fettige Mahlzeiten oder scharfe Gewürze führen zu einer Zunahme der vorhandenen Beschwerden.

Liegt eine Tumorerkrankung vor, kann durch eine gesunde Lebensmittelzufuhr das Immunsystem unterstützt werden. Nahrungsmittel aus dem Bereich der Kreuzblütler sollen neuesten Forschungen zufolge hilfreich im Kampf gegen Krebserkrankungen sein. Die Nahrungsaufnahme ist auf mehrere Mahlzeiten pro Tag zu splitten. Ärzte raten zu einer Einteilung auf fünf bis sieben Gerichte täglich. Es ist darauf zu achten, dass die aufgenommene Menge pro Mahlzeit nicht üppig ist. Das Vorgehen vermindert die Beschwerden im Magen-Darm-Trakt und hat eine entlastende Wirkung auf die menschliche Verdauung.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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