Ketoazidose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Ketoazidose

Bei der Ketoazidose handelt es sich um eine Variante der metabolischen Azidose. Sie zeigt sich vor allem im Rahmen von Diabetes mellitus, wenn es zu einem totalen Insulinmangel kommt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Ketoazidose?

Die Ketoazidose stellt eine Form der metabolischen Azidose dar. In den meisten Fällen tritt sie bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) Typ 1 auf. Dabei liegt ein absoluter Mangel an Insulin vor und es besteht eine schwere Stoffwechselentgleisung.

Zu den typischen Merkmalen der diabetischen Ketoazidose (Übersäuerung) zählen eine starke Konzentration von Ketonkörpern innerhalb des Blutes sowie erhöhte Blutzuckerwerte. Da die Ketoazidose einen Notfall darstellt, muss umgehend eine intensivmedizinische Therapie eingeleitet werden.

Ursachen

In der Regel bildet die Ketoazidose eine Übersäuerung des Stoffwechsels (Azidose) aufgrund von Ketonkörpern wie Aceton. Zur Entstehung der Stoffwechselentgleisung kommt es durch das Anhäufen von organischen Säuren wie ß-Hydroxybuttersäure und Acetessigsäure im Blut. Dadurch wird dessen pH-Wert vermindert. Fast immer handelt es sich um eine diabetische Ketoazidose, deren Ursache ein längerer Mangel an Insulin ist.

Der Insulinmangel hat zur Folge, dass die Körperzellen nicht mehr in der Lage sind, Glucose aus dem Blut zu gewinnen. So ermöglicht erst das Insulin die Verlagerung des Transporters Glut 4 in die Membranen der Zellen. Um Glucose in eine Zelle aufnehmen zu können, muss jedoch dieser Transporter vorhanden sein. Im weiteren Verlauf kommt es zu einem nicht ausreichend gedeckten Energiehaushalt der Körperzellen.

Von den Zellen wird dem Gehirn der Mangel an Energie angezeigt. Dies führt zur Freisetzung von Adrenalin und Nordadrenalin sowie von weiteren Insulinantagonisten. Dadurch erfolgt in den Fettgeweben ein verstärkter Fettabbau. Das Fett, das dabei freigesetzt wird, baut die Leber in Ketonkörper um und gibt diese an das Blut ab.

Der Mangel an Insulin hat wiederum zur Folge, dass in der Leber ein verstärkter Fettabbau stattfindet, wodurch sich das Acetyl-Coenzym Acetyl-CoA bildet. Aus diesem geht dann Acetoacetat hervor. Dabei handelt es sich um ein Salz der Acetessigsäure. Das Acetoacetat fungiert im Rahmen des Hungerstoffwechsels als Energielieferant innerhalb des Gewebes.

In den meisten Fällen wird eine Ketoazidose durch die katabole Stoffwechselsituation aufgrund eines Insulinmangelzustands hervorgerufen. Dabei reichern sich organische Säuren im Blut an. Ebenfalls zu den typischen Auslösern zählt eine ausgeprägte Erhöhung der ß-Hydroxybuttersäure im Blut durch starken Alkoholkonsum.

Mediziner sprechen dann von einer alkoholischen Ketoazidose. So wird die Gluconeogenese durch den Alkohol gehemmt. Gleiches gilt für die Oxidation von freien Fettsäuren innerhalb der Leber. Als weitere mögliche Ursachen für eine Ketoazidose kommen das SCOT-Syndrom, bei dem ein angeborener Succinyl-CoA-Acetoacetat-Transferase-Mangel besteht, sowie verschiedene Erbkrankheiten infrage.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zu den typischen Merkmalen einer diabetischen Ketoazidose gehört das Auftreten von hohen Blutzuckerwerten. Dadurch leiden die betroffenen Personen unter Müdigkeit, häufigem Wasserlassen, Appetitlosigkeit und Durst. Außerdem zeigen sich die Symptome einer Übersäuerung.

Dazu gehören in erster Linie ein Geruch von Aceton in der Atemluft, tiefes Atmen, auch Kussmaul-Atmung genannt, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Außerdem kommt es zu Veränderungen des Bewusstseins, Bewusstseinsverlust oder sogar zu einem diabetischen Koma. Des Weiteren droht eine Austrocknung des Körpers.

Findet keine medizinische Behandlung statt, kann der Tod des Patienten eintreten. Besonders gefährdet für eine Ketoazidose sind Menschen, die unter Diabetes mellitus Typ 1 leiden. Wird zum Beispiel eine Insulin-Injektion vergessen, hat dies rasch einen Insulinmangel zur Folge, was sich durch Beschwerden bemerkbar macht. Ein erhöhtes Risiko besteht zudem bei Infekten, die mit Fieber einhergehen. Kollabiert der Stoffwechsel, drohen ein Koma und das Versagen des Kreislaufs.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Da eine Ketoazidose einen medizinischen Notfall darstellt, muss der Patient sofort ärztlich betreut und in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Dort findet die Diagnose des Arztes statt. Dieser misst den Blutzuckerwert sowie die Ketonkörper innerhalb des Urins. Aus dem Handgelenk wird außerdem eine Blutprobe entnommen, um den pH-Wert sowie die Blutgase zu kontrollieren.

Weiterhin werden Salze im Blut wie Natrium oder Kalium gemessen und nach Anzeichen einer Infektion gesucht. Im schlimmsten Fall nimmt die Ketoazidose einen tödlichen Verlauf. Eine Erholung des Patienten ist jedoch möglich, wenn der Arzt die Symptome zur rechten Zeit erkennt. Ohne eine entsprechende Behandlung sind dauerhafte Schäden am Gehirn, dem Herzen und den Nieren möglich.

Komplikationen

Durch die Ketoazidose kommt es in der Regel zu einem sehr starken Mangel an Insulin. Dieser kann sich sehr negativ auf das Leben des Betroffenen auswirken und führt dabei in der Regel zu schweren Beschwerden und Komplikationen. Die meisten Betroffenen leiden dabei an einem häufigen Wasserlassen, an Müdigkeit und an einer Abgeschlagenheit.

Meistens sinkt dabei auch die Belastbarkeit des Patienten enorm. Durch die Appetitlosigkeit kann es zu Untergewicht und weiterhin auch zu Mangelerscheinungen kommen. Nicht selten leiden die Betroffenen auch an Bauchschmerzen und Übelkeit und müssen häufig erbrechen. Der Alltag des Betroffenen wird durch die Ketoazidose stark eingeschränkt. Im schlimmsten Falle kann zu einem Bewusstseinsverlust oder zu einem Koma kommen.

Der Betroffene leidet an Fieber und einem geschwächten Immunsystem. Dadurch kann es vereinfacht zu Entzündungen und Infektionen am gesamten Körper kommen. Ebenso kann der Betroffene kollabieren und sich dabei bei einem Sturz verletzen. Die Ketoazidose wird in der Regel mit Hilfe von Medikamenten behandelt. Komplikationen treten dann auf, wenn die Behandlung nicht rechtzeitig eingeleitet wird. In der Regel wird die Lebenserwartung bei dieser Krankheit nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Ketoazidose erfolgt im Krankenhaus. Dabei steht das Bekämpfen der Ursache der Stoffwechselentgleisung im Vordergrund. Wichtigste Therapiemaßnahme ist die intravenöse Darreichung von Insulin und Flüssigkeit. Außerdem müssen zeitnah größere Mengen an Kalium verabreicht werden, um einer Hypokaliämie entgegenzuwirken. Liegt ein bakterieller Infekt vor, kann zudem die Gabe von Antibiotika sinnvoll sein.

Im Rahmen einer Ketoazidose-Therapie erfolgen auch intensivmedizinische oder notfallmedizinische Behandlungsmaßnahmen, die dem Erhalt der Vitalfunktionen dienen. Ferner muss eine labortechnische Überwachung des Patienten erfolgen, damit mögliche lebensbedrohliche Veränderungen rechtzeitig erkannt werden.

Ein rasches Eingreifen ist vor allem bei stärkeren Abweichungen vom Kaliumspiegel oder Blutzuckerspiel erforderlich. Im Falle eines stark erhöhten Ketonkörperwerts lässt sich zusätzlich Bikarbonat verabreichen, sofern dies notwendig ist.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Damit es gar nicht erst zu einer Ketoazidose kommt, muss der Blutzuckerwert von Diabetikern gut eingestellt werden. Typ-1-Diabetikern wird empfohlen, immer eine Notfalldosis mit Insulin bei sich zu haben. Im Falle einer Infektion kann es sinnvoll sein, die Insulindosis zu verstärken, was in Rücksprache mit dem Arzt erfolgen sollte.

Das können Sie selbst tun

Die wichtigste Selbstmaßnahme besteht darin, der Entstehung einer diabetischen Ketoazidose vorzubeugen. Dazu muss der Blutzucker korrekt eingestellt sein und regelmäßig von einem Arzt kontrolliert werden. Auch bei Unwohlsein sollten die Werte gemessen werden, falls notwendig ist ein Facharzt zu konsultieren. Ketonkörper im Urin lassen sich mittels spezieller Messstreifen aus der Apotheke feststellen. Ist bereits eine Ketoazidose entstanden, muss diese auf jeden Fall stationär behandelt werden.

Verschiedene Maßnahmen unterstützen die Behandlung und lindern die einzelnen Symptome. Zunächst muss der Körper mit ausreichend Flüssigkeit und Mineralstoffen versorgt werden. Die Diät sollte in der akuten Krankheitsphase aus salzreichen Speisen, Kräutertees und Wasser bestehen. Um den Blutzucker zu stabilisieren, dürfen in Rücksprache mit dem Arzt süße Speisen verzehrt werden. Der Patient sollte sich außerdem ausruhen und sich für einige Tage krankschreiben lassen. Auf anstrengende körperliche Betätigungen sollte möglichst verzichtet werden.

Erlaubt sind leichte Gymnastikübungen, die den Kreislauf in Schwung bringen und das Immunsystem stärken. Zur Nachsorge gehören auch regelmäßige Arztbesuche. Der Mediziner muss sicherstellen, dass der Blutzucker stabil bleibt und keine weiteren Komplikationen auftreten.

Bücher über Diabetes mellitus

Quellen

  • Hiort, O., Danne, T., Wabitsch, M. (Hrsg.): Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie. Springer, Berlin 2010
  • Lücke, N.: Diabetes mellitus. Compact-Verlag, München 2010
  • Usadel, K.-H., Wahl, P.: Diabetologie und Stoffwechsel. In: Bob, A. u. K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: