Metabolische Azidose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. Oktober 2017
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Wenn der Stoffwechsel des Organismus aus dem Gleichgewicht kommt, kann dies in unbehandelten Fällen zum Koma und zu einer allgemeinen Vergiftung führen, welche sogar einen tödlichen Ausgang nehmen kann. Eine metabolische Azidose ist daher eine Komplikation, welche einer zügigen Behandlung unterzogen werden sollte.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine metabolische Azidose?

Eine Azidose ist ein allgemeinhin bekannter Zustand, bei dem sich der pH-Wert so verschiebt, dass es zu einer Zunahme der sauren Bestandteile kommt.

Aus diesem Grund wird innerhalb des Stoffwechsels eine Übersäuerung erreicht, welche zu Schädigungen einzelner Organe führt. Wird der pH-Wert im Blut während einer metabolischen Azidose gemessen, sind Ergebnisse unter 7,36 durch eine Erhöhung der Konzentration der Wasserstoffionen keine Seltenheit.

Dieser Parameter ist äußerst bedenklich und weist auf eine Erhöhung des Säureanteils im Stoffwechsel hin. Diese hat mit einer Entgleisung des sogenannten Säure-Basen-Haushalt zu tun.

Ursachen

Als ursächliche Auslöser für eine metabolische Azidose kommen mehrere Kriterien in Frage. Das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen in einem körpereigenen Stoffwechsel kann sich verschieben, wenn Menschen mit Diabetes mellitus eine zu hohe Zuckerkonzentration im Rahmen einer Hyperglykämie aufweisen oder weniger Wasserstoffionen durch einen Funktionsverlust der Nieren ausgeschieden werden können.

Weitere Ursachen für eine metabolische Azidose sind eine Vergiftung mit Harnstoff, eine anhaltende Hungersituation und ein permanenter hochgradiger Durchfall. Erkrankungen wie Morbus Addison, großflächige Verbrennungen, Vergiftungen mit Methanol (Alkohol) oder Fisteln, die sich im Magen befinden, können ebenfalls eine metabolische Azidose auslösen.

Bei allen Ursachen einer metabolischen Azidose liegen entweder eine vermehrte Anreicherung von Wasserstoffionen, eine zusätzliche Ausscheidung an Bicarbonaten oder eine "Anstauung" von Wasserstoffionen vor.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine metabolische Azidose löst eine erhöhte Atemfrequenz aus (Hyperventilation), um den Stoffwechsel durch eine erhöhtes Abatmen von Kohlenwasserstoffionen wieder auszugleichen. Diese spezielle Atmung wird in der Medizin als Kußmaul'sche Atmung bezeichnet.

Sie tritt meist bei einer Stoffwechselentgleisung durch Diabetes mellitus auf. Eine weitere Begleiterscheinung der metabolischen Azidose ist der fruchtige Mund- und Harngeruch der Betroffenen. Klinisch tritt eine metabolische Azidose außerdem durch einen verringerten Blutdruck in den Vordergrund. Störungen des Herzrhythmus sind bei einer metabolischen Azidose ebenfalls beachtenswert. Eine tiefe Bewusstlosigkeit kann ebenfalls auftreten.

Die Diagnose der metabolischen Azidose bezieht sich neben den klinischen Auffälligkeiten und den Defiziten des Allgemeinbefindens auf die Werte der labortechnischen Messungen. Diese umfassen bei der metabolischen Azidose Parameter wie Kreatinin und Harnstoff-Stickstoff im Serum, Bikarbonat im Serum und Urin sowie in erster Linie den pH-Wert des Harns. Eine weitere Diagnostik ist bei der metabolischen Azidose durch den Kohlendioxid-Partialdruck durchführbar.

Komplikationen

Im schlimmsten Fall führt diese Krankheit zum Tode des Patienten. Sie muss daher zwingend von einem Arzt behandelt werden, damit es nicht zu Folgeschäden oder zu anderen Komplikationen kommt. In der Regel leiden die Betroffenen dabei an einer starken Atemnot und weiterhin auch an einer Hyperventilation. Durch die Atemnot kann es auch zu einem Bewusstseinsverlust kommen, welcher zu einem Sturz und damit eventuell zu Verletzungen führen kann.

Auch die inneren Organe werden aufgrund der Atemnot möglicherweise unterversorgt und geschädigt. Weiterhin kommt es zu einem sehr üblen Mundgeruch, der für den Betroffenen und die Außenstehenden sehr unangenehm sein kann. Dadurch kann es zu sozialen Spannungen kommen. Weiterhin sinkt auch die Belastbarkeit des Patienten durch die Krankheit deutlich ab und es kommt zu starken Kopfschmerzen.

Auch das Herz ist von der Erkrankung betroffen, sodass es zu Störungen des Herzrhythmus und zu einem niedrigen Blutdruck beim Patienten kommt. Die Lebensqualität des Patienten wird dabei deutlich eingeschränkt. Die Behandlung findet in der Regel mit Hilfe von Medikamenten statt. Weiterhin ist eventuell auch eine Dialyse beim Patienten notwendig, damit es nicht zum Tode kommt. Möglicherweise wird durch diese Krankheit die Lebenserwartung des Betroffenen verringert.

Behandlung & Therpie

Die metabolische Azidose wird durch Notfallmaßnahmen und weitere Behandlungen ausgeglichen. Die akuten Erkrankungszeichen, welche bei der metabolischen Azidose auftreten, werden durch eine zusätzliche Beatmung und eine Verabreichung von Bikarbonat.

Dadurch wird ein erhöhter Ausstoß von Kohlendioxid über die Lungen erzielt. Kommt es bei Patientinnen oder Patienten mit einer Zuckerkrankheit zu einer metabolischen Azidose, muss der Insulinspiegel rasch erhöht werden, um einer diabetischen Azidose entgegen zu wirken. Bikarbonate für die orale Verabreichung als Tabletten forcieren den Ausgleich des Säure-Basen-Gleichgewichtes.

Besteht der Verdacht, dass ein Versagen der Nierenfunktion der ursprüngliche Anlass für eine metabolische Azidose ist, können die Betroffenen einer Blutreinigung und Entgiftung durch eine Dialyse (Blutwäsche) unterzogen werden. Eine reichliche Zufuhr an entsprechenden Flüssigkeiten reduziert eine metabolische Azidose ebenfalls, wenn keine Bewusstlosigkeit vorliegt.

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Vorbeugung

Um einer metabolischen Azidose durch eine passende Prophylaxe aus dem Weg zu gehen, sollten die Risikogruppen mit einer entsprechenden Vorerkrankung täglich eine ausreichende Menge an Flüssigkeit zu sich nehmen und sich körperlich aktiv bewegen.

Die Flüssigkeitsmenge sollte mindestens 2500 ml am Tag umfassen. Einer metabolischen Azidose kann zudem bei Diabetes mellitus durch eine richtige Insulineinstellung vorgebeugt werden. Menschen mit Asthma bronchiale und mit chronischen Erkrankungen der Niere sollten ihre Ernährungs- und Lebensgewohnheiten auf der Basis der ärztlichen Ratschläge umsetzen.

Die übermäßige Aufnahme alkoholischer Getränke und das Rauchen sind in diesem Zusammenhang als Vorbeugung gegen eine metabolische Azidose nicht zu empfehlen.

Das können Sie selbst tun

Eine schwere Entgleisung des sogenannten Säure-Basen-Haushalts ist eine sehr ernstzunehmende Störung und potentiell lebensgefährlich. Risikogruppen sollten deshalb die typischen Symptome kennen und zeitnah einen Arzt zuziehen. Zu den Risikogruppen zählen insbesondere Personen, die an Diabetes mellitus leiden, Patienten mit schweren Durchfällen sowie Personen, die chronisch unterernährt sind und Alkoholiker.

Neben einer Reihe unspezifischer Symptome kommt es bei einer metabolischen Azidose zu einem eigenwilligen, oft als herb-fruchtig beschriebenen, Mundgeruch. Auch der Harn nimmt oftmals eine entsprechende Geruchsnote an. Sobald diese Symptome auftreten, muss sofort ein Arzt zugezogen werden. Patienten können sich in dieser Situation auch selbst helfen, indem Sie ihre Flüssigkeitszufuhr erhöhen. Bei einer akuten Übersäuerung sollte der Betroffene zeitnah wenigstens einen Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Besonders empfehlenswert sind basisch wirkende Heilwässer, ansonsten kann auch normales Mineralwasser oder ungesüßter Tee getrunken werden. Bei falsch eingestellten Diabetikern muss oftmals der Insulinspiegel rasch erhöht werden. Darüber hinaus trägt die Verabreichung von Bikarbonaten dazu bei, den Ausgleich des Säure-Basen-Gleichgewichtes wieder herzustellen. Bicarbonate finden sich in Form von Soda, Kaiser Natron, Bullrichsalz oder Backpulver in fast allen Haushalten.

Die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit, am besten wenigsten 2,5 Liter pro Tag, in Verbindung mit ausreichender Bewegung, kann bei Risikopatienten einer Azidose darüber hinaus bereits vorbeugen.

Bücher über Übersäuerung

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Lehnert, H., Werdan, K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2006
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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