Jarisch-Herxheimer-Reaktion

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 23. Oktober 2016
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Die Jarisch-Herxheimer-Reaktion ist eine natürliche Reaktion des Körpers. Die Körperreaktion stellt sich bei der Gabe von Antibiotika zur Bekämpfung von bakteriellen Infektionen ein und wird von bakterienzerfallsbedingten Endotoxinen verursacht. Zur Behandlung kommen meist Glukokortikoide zum Einsatz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Jarisch-Herxheimer-Reaktion?

Beim Zerfall setzen Bakterien chemische Verbindungen frei, die auch als Endotoxine bezeichnet werden. Diese Zerfallsprodukte von Bakterien rufen in einem Menschen physiologische Reaktionen hervor. Eine davon ist die Jarisch-Herxheimer-Reaktion, die auch als Herx bezeichnet wird.

Die Bezeichnung stammt von den Dermatologen Jarisch senior und Herxheimer, die die ersten Symptome der Reaktion bei der Behandlung von Syphilis beobachteten. Bakterien werden meist mit Antibiotika zum therapiebedingten Zerfall gebracht. Die dabei freigesetzten Endotoxine stimulieren die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen, wie sie die Jarisch-Herxheimer-Reaktion charakterisiert.

Die Beschwerden der Reaktion umfassen Fieber und Kopfschmerzen. Die Symptomatik kann zwischen Stunden und mehreren Tagen andauern. Letztlich ist das Beschwerdebild ein Anzeichen, für die erfolgreiche Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Die Reaktion tritt offenbar nicht im Rahmen jeder Infektionserkrankung auf, sondern scheint sich auf bestimmte Bakterien zu beschränken.

Ursachen

Die Ursache für die Jarisch-Herxheimer-Reaktion ist die endotoxin- und damit bakterienzerfallsbedingte Ausschüttung von Entzündungsmediatoren. Als Entzündungsbotenstoffe gelten biochemische Substanzen, die entzündliche Reaktionen von Gewebe einleiten und am Laufen halten. Entzündungsmediatoren sind neben Histamin und Bradykinin zum Beispiel Prostaglandine, Leukotriene und ECF.

Diese Mediatoren haben unterschiedliche Auswirkungen auf den Körper und seine natürlichen Prozesse. Wird ein bestimmter Blutspiegel überschritten, können die Substanzen so Reaktionen wie Fieber und Übelkeit hervorrufen oder die Durchblutung verändern. Ein Großteil aller Symptome wird im Rahmen der Reaktion auf den Tumornekrosefaktor und das Interleukin-1 aus stimulierten Makrophagen zurückgeführt.

Die Jarisch-Herxheimer-Reaktion findet vorwiegend aufgrund von Endotoxinen der Spirochäten statt. Diese Endotoxine werden zum Beispiel bei der antibiotischen Therapie von Syphilis, Borreliose und Typhus abdominalis freigesetzt. Bei Borreliose tritt die Reaktion bei bis zu 60 Prozent aller Patienten auf. Bei der Neurosyphilis betrifft sie dagegen nur einen verschwindend geringen Prozentsatz aller Patienten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im Rahmen der Jarisch-Herxheimer-Reaktion stellen sich typische Symptome wie plötzliches Fieber mit Schüttelfrost sowie symptomatische Verschlimmerungen der ursprünglichen Infektionskrankheit ein. Bei einer wirksamen Antibiotikabehandlung kommt es durch die Herxheimer-Reaktion außerdem oft zur Gefäßverengung. In einer Folge steigt der Blutdruck an.

Zusätzlich treten Blässe und Schüttelfrost auf. Im weiteren Verlauf schlägt die Symptomatik oft ins Gegenteil um. Die Gefäße erweitern sich und Hautrötung mit Blutdruckabfall treten ein. Kopf-, Muskel- und Knochen- oder Gelenkschmerzen können auftreten. Oft klagen die Patienten über Müdigkeit und Abgeschlagenheit.

Je länger die Reaktion anhält, desto gefährdeter sind die Patienten für Depressionen, Erschöpfungszustände undAufmerksamkeitsstörung. Die Beschwerden einer Jarisch-Herxheimer-Reaktion halten typischerweise wenige Stunden an, aber können sich theoretisch auch über Tage erstrecken.

Bei besonders schweren Reaktionen kann sich im Extremfall eine Dekompensation des Kreislaufes einstellen. In diesem Zusammenhang ist die Ausbildung von Schockzuständen im Rahmen der Reaktion nicht auszuschließen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose auf eine Jarisch-Herxheimer-Reaktion wird vom Arzt anhand des typischen Beschwerdebilds vor dem Hintergrund einer bakterienbedingten Antibiotika-Behandlung gestellt. Leidet ein Patient wissentlich an einer bakteriellen Infektion mit den oben genannten Erregern, wird antibiotisch behandelt und zeigt die charakteristischen Symptome der Reaktion, gilt die Diagnose bereits als gesichert.

Die Prognose der Patienten hängt von der Schwere der Reaktion und des bakteriellen Befalls ab. Während einige Patienten keinerlei Reaktionen auf die Endotoxine der Bakterien zeigen, kann in anderen Fällen ein schwerer Schockzustand eintreten. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Patienten anderweitig geschwächt sind und sich die Bakterien in enormer Zahl im Körper verbreitet haben.

Je mehr Bakterien absterben, desto mehr Endotoxine werden freigesetzt. So nimmt auch die Schwere der Jarisch-Herxheimer-Reaktion nicht zuletzt mit der Bakterienzahl zu.

Behandlung & Therapie

Die Jarisch-Herxheimer-Reaktion lässt sich nicht ursächlich behandeln. Der Tod der Bakterien ist bei der Behandlung einer bakteriellen Infektion zwingend erforderlich. Damit lässt sich etwa nicht auf die Gabe von Antibiotika verzichten, nur weil die Endotoxine der zerfallenden Bakterien eine körperliche Reaktion in Form der Jarisch-Herxheimer-Reaktion hervorrufen könnten.

Da bakterielle Infektionen im schlimmsten Fall in eine Sepsis und damit einen lebensbedrohlichen Zustand münden, wird das Risiko einer Jarisch-Herxheimer-Reaktion bei der Behandlung der Infektion in Kauf genommen. Falls die Reaktion überhaupt einsetzt, lässt sich der Zustand der Patienten zumindest symptomatisch behandeln. Zur Verhinderung einer Verschlechterung oder Abschwächung der Symptomatik werden meist Glukokortikoide gegeben.

Diese Maßnahme findet vor der eigentlichen Gabe von Antibiotika statt und entspricht damit einer vorbeugenden Prophylaxe. Falls trotzdem Symptome auftreten, wird in den meisten Fällen ein Antipyretikum zur Anwendung gebracht. Ein Abbruch der antibiotischen Therapie ist meist nicht erforderlich. Eine Ausnahme bildet der Zustand des Schocks, dem eine besonders schwere Jarisch-Herxheimer-Reaktion vorausgeht.

Häufig wird den Patienten vermehrte Flüssigkeitseinnahme empfohlen. Auch Bäder eigenen sich oft als supportive Maßnahmen. Wichtig ist bei der Behandlung vor allem ein angemessener Einsatz von Kortison. Bei Verdacht auf Neuroborreliose kann sich durch die Gabe von Kortison nicht nur die Borreliose verschlimmern. Auch die zu erwartende Jarisch-Herxheimer-Reaktion kann stärker ausfallen.




Vorbeugung

Die Vorbeugung ist bei der Jarisch-Herxheimer-Reaktion entscheidend und hat sich mittlerweile als medizinischer Standard bei der Antibiotikagabe im Rahmen unterschiedlicher Infektionen etabliert. Zur Vorbeugung kommt im Regelfall die prophylaktische Gabe von Glukokortikoiden zum Einsatz.

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