Hagelkorn (Chalazion)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. November 2017
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Ein Chalazion, auch als Hagelkorn bekannt, ist eine Zyste im Augenlid. Dieses wird durch die Entzündung einer blockierten Drüse am oberen Augenlid verursacht. Ein Hagelkorn unterscheidet sich von einem Gerstenkorn (Hordeola) dadurch, dass es ein subakutes und in der Regel schmerzloses Knötchen ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Hagelkorn?

Die durch ein Chalazion betroffenen Drüsen sind die im Augenlid liegenden Meibom- oder Liddrüsen. In jedem der oberen und unteren Augenlider befinden sich etwa zwischen 30 bis 40 dieser Talgdrüsen. Sie produzieren eine dicke Flüssigkeit, die im Tränenfilm des Auges enthalten ist und die Augenoberfläche schmiert.

Ein Hagelkorn ist das Ergebnis einer geschwollenen Talgdrüse im Augenlid, verursacht durch chronische Entzündungen nach Blockade des Drüsenkanals. Die Zyste wird zwar tendenziell größer als ein Gerstenkorn, ist jedoch nach dem Aufquellen schmerzlos und gilt als harmlos.

Erwachsene Menschen leiden häufiger unter einem Chalazion als Kinder. Wiederkehrende Chalazien an der gleichen Stelle können manchmal ein Symptom für ein Talgdrüsenkarzinom sein, einer seltenen Art von Krebs.

Ursachen

Ein Chalazion ist Resultat eines entzündlichen Prozesses. Die schmale Öffnung, durch die eine Meibom-Drüse ihr Sekret absondert, kann infolge einer Verengung der Öffnung oder einer Verhärtung der Talgdrüsenflüssigkeit nahe der Öffnung verstopfen.

Durch den Rückstau verdicken sich die Wände der Drüse und das austretende Sekret im Lid selbst. Dies führt zu Entzündungen sowohl innerhalb der Drüse als auch am Augenlid und schließlich zur Ausbildung einer Zyste (Hagelkorn).

Eine mögliche Ursache eines Chalazions ist das unvollständige Entfernen von Augen-Make-up, was das Öl aus dem kosmetischen Produkt in den Drüsen sammelt.

Auch eine Entzündung des Lidrandes (Blepharitis) infolge der Überproduktion von Talg aufgrund Meibomitis beziehungsweise entzündlicher Hautkrankheiten wie Akne vulgaris oder Akne rosacea kann ein Hagelkorn verursachen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Ein Hagelkorn am Auge. Die Haut ist gerötet, geschwollen und schmerzt.

Symptome für das Entstehen eines Chalazions sind eine Schwellung des Augenlides verbunden mit Druckempfindlichkeit, Lichtempfindlichkeit oder empfundener Schwere des Augenlides.

Deutlich sichtbar erscheint eine Beule auf dem Augenlid. Ein Chalazion tritt in der Regel im oberen Augenlid auf. Kleinere Chalazions verschwinden mit der Zeit, während größere Chalazions sich verstetigen oder sogar an Größe zunehmen.

Vergrößerte Hagelkörner können den Druck des Augapfels erhöhen und Sehstörungen auslösen. Zudem besteht die Gefahr, dass die blockierte Drüse sich sekundär infiziert, was wiederum zu Reizungen, Schmerzen und Entzündungen führt. Für die relativ eindeutig erzielbare Diagnose werden die Augen hinsichtlich Sehfunktion und Sichtfeld überprüft.

Zur sicheren Unterscheidung eines Hagelkorns von einem Gerstenkorn wird der behandelnde Arzt auch das betroffene Lid zur Begutachtung der Innenseite umklappen. Zudem wird eine Tastuntersuchung die Verschieblichkeit des Chalazions überprüfen.

Komplikationen

Ein Hagelkorn ist meistens nicht sehr viel größer als ein Reiskorn und muss nur bei stärkeren Entzündungen mit Augentropfen oder Salbe behandelt werden. Sehr oft entwickelt es sich komplikationsfrei von allein wieder zurück, was keine weiteren Maßnahmen erfordert. In einigen Fällen kann es aber anschwellen. Dann gefährdet das Hagelkorn die Sehfähigkeit und eine Operation wird notwendig, um den Gewebeknoten zu entfernen.

Größere Hagelkörner bestehen ansonsten über längere Zeit hinweg ohne abzuschwellen. Auch Komplikationen mit der Bindehaut können eintreten. Eine Operation wird erst durchgeführt, wenn das Chalazion große Schmerzen verursacht oder größer als im Normalfall ist. Denn auch hier sind seltene Komplikationen möglich. Während die meisten Betroffenen bereits wenige Tage später keine Beschwerden mehr haben, können wie bei jeder Operation Nachblutungen und Infektionen nicht ausgeschlossen werden.

Die Schädigung des Sehnervs oder des Auges selbst während der Operation ist ebenfalls möglich. Manchmal bleibt außerdem eine Narbe zurück, wodurch das Lid verzogen wird. Im Normalfall bleiben keine Spuren der Operation am Auge zurück. Eine wiederkehrende Entzündung kann auf Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder andere Stoffwechselerkrankungen hinweisen und muss daraufhin untersucht werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Im Normalfall bedarf ein Hagelkorn keiner ärztlichen Behandlung. Es handelt sich um eine harmlose Entzündung der Augendrüse, die nach einigen Tagen von selbst wieder abheilt. Sollten die Beschwerden nach spätestens einer Woche nicht abgeklungen sein, ist ein Besuch beim Haus- oder Augenarzt angezeigt. Auch Begleitsymptome wie starke Schmerzen, Eiterbildung oder Sehstörungen bedürfen einer medizinischen Behandlung, um die Entstehung von ernsten Komplikationen zu vermeiden. Falls sich nach der Behandlung ein weiteres Hagelkorn bildet, ist in jedem Fall eine umfassende Untersuchung erforderlich.

Womöglich liegt den Beschwerden eine Allergie oder eine ernste Erkrankung zugrunde, die diagnostiziert und behandelt werden muss. In Einzelfällen kann sich aus wiederkehrenden Entzündungen ein Lidtumor entwickeln. Deshalb sollten wiederkehrende Beschwerden von einem Facharzt untersucht werden. Risikopatienten wie Menschen mit chronischen Augenerkrankungen, Allergiker, Kinder, ältere Menschen und Schwangere lassen ein Hagelkorn am besten umgehend vom Hausarzt abklären. Weitere Ansprechpartner sind der Augenarzt, der Heilpraktiker und bei starken Beschwerden der ärztliche Notdienst.

Behandlung & Therapie

Eine Behandlung wird zunächst ohne Eingriff erfolgen. Dazu kann eine heiße Kompresse auf die betroffene Region gepresst oder leicht massiert werden, um die Drüsensekrete wieder in Fluss zu bringen. Gleichfalls eigenen sich homöopathische Mittel hervorragend zur Behandlung.

Bringen auch antibiotische Augentropfen oder Augensalbe wie Chloramphenicol oder Fusidinsäure ein Hagelkorn nicht zum Abklingen, wird ein chirurgischer Eingriff empfohlen. Die Entfernung eines Chalazions ist eine ambulante Behandlung, die in der Regel nicht länger als 15 Minuten dauert. Aufgrund der Gefahr von Infektionen und schwerer Schäden am Augenlid sollten solche Verfahren ausschließlich von einem Arzt durchgeführt werden.

Das Augenlid wird mit einem Lokalanästhetikum betäubt. Dann wird eine Klammer auf das Augenlid gesetzt, um es sicher zu fixieren und umdrehen zu können. Der Arzt wird anschließend einen Schnitt von ca. 3 mm auf der Innenseite des Augenlids ansetzen, um das Chalazion auszukratzen.

Da eine Vernarbung des Augenlides Sehbeschwerden auslösen kann, wird eine Operation nur als letzte Behandlungsmöglichkeit in Betracht kommen. Obwohl Chalazien selten gefährlich sind, ist es üblich, Gewebeteile zur Biopsie für ein Krebsscreening einzusenden.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung eines Hagelkorns empfiehlt sich eine gründliche Augenhygiene. Dazu gehören ein gründliches Abschminken und Reinigen der Wimpern wie eine penible Reinigung benötigter Kontaktlinsen. Grundsätzlich hilft ebenfalls eine Stärkung des Immunsystems, um Entzündungsprozessen entgegenzuwirken.

Das können Sie selbst tun

Ein Hagelkorn lässt sich sehr gut durch wenige Maßnahmen selbst behandeln. Um den Sekretstau zu lösen empfiehlt sich das Auflegen einer warmen Kompresse. Die Wärme weitet die Poren und bringt das Sekret zum Abfließen. Dem warmen Wasser können auch desinfizierend und entzündungshemmend wirkende Pflanzenauszüge beigemischt werden: Dazu zählen Salbei, Zistrose und Kamille.

Breitet sich die Entzündung auf das übrige Auge aus, so können auch Augentropfen verwendet werden. Eine Antibiotika-Gabe ist in der Regel nicht nötig. Augentropfen sind im Handel Mittel erhältlich mit Hyaluronsäure – diese sorgen für eine langanhaltende Befeuchtung – oder auf Basis der Pflanze Augentrost. Euphrasia – so die lateinische Bezeichnung – wird in Form von Ampullen oder Globuli angeboten. So kann eine innerliche und äußerliche Anwendung erfolgen. Auch die Einnahme von Selen – einem antientzündlich wirkendem Mikronährstoff – stellt eine sinnvolle innerliche Unterstützung dar.

Sollte das Hagelkorn nicht abheilen und eine Vernarbung drohen, ist der Weg zu einem Augenarzt oder Chirurgen nötig. Dieser würde in einem ambulanten Eingriff das Chalazion entfernen. Aufgrund der Infektionsgefahr stellt dies jedoch die letzte Möglichkeit der Behandlung dar.

Vorbeugend sollte immer auf das gründliche Entfernen von Augen-Make-up geachtet werden. Eine gründliche Hygiene betrifft auch verwendete Kontaktlinsen. Um die Lidränder zu pflegen können Betroffene auf ganz natürliche Mittel zurückgreifen: Oliven- oder Kokosöl wirken desinfizierend und pflegend zugleich.

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Quellen

  • Augustin, A.J.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2007
  • Dahlmann, C., Patzelt, J.: Basics Augenheilkunde. Urban & Fischer, München 2014
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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