Gerstenkorn

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. November 2017
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Ein Gerstenkorn, medizinisch Hordeolum, nimmt in der Regel einen harmlosen Verlauf, wird jedoch als schmerzhaft und unangenehm empfunden. Welche Ursachen liegen dieser Drüseninfektion am Auge zugrunde und welche Behandlungsformen erweisen sich als effektiv?

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Gerstenkorn?

Bei einem Gerstenkorn, auch als Hordeolum bezeichnet, handelt es sich um eine akute, durch Bakterien hervorgerufene Entzündung der Drüsen des Augenlides, die eine kleine Verdickung entstehen lässt.

Entzünden sich die an der Innenseite des Augenlides gelegenen Meibom-Drüsen (Talgdrüsen), liegt ein inneres Gerstenkorn (Hordeolum internum) vor. Sind hingegen die Moll-Drüsen (Schweißdrüsen) oder die Zeis-Drüsen (Talgdrüsen) an der Außenseite des Augenlides betroffen, spricht man von einem äußeren Gerstenkorn (Hordeolum externum).

Während das innere Gerstenkorn sich somit, wie der Name bereits andeutet, an der Lidinnenseite befindet, tritt das äußere Gerstenkorn entweder im Bereich der Wimpern oder an der Lidkante auf.

Ursachen

Sowohl das innere als auch das äußere Gerstenkorn werden durch Bakterien, insbesondere durch Staphylokokken wie den Hautkeim Staphylokokkus aureus, hervorgerufen.

Eine Infektion durch Streptokokken hingegen tritt weitaus seltener auf. Allgemein erhöht ein geschwächtes Immunsystem das Risiko für eine bakterielle Infektion.

Auch mangelnde Hygiene, so zum Beispiel das Reiben der Augen mit verschmutzten Händen, kann dem Auftreten eines Gerstenkorns als Ursache zugrunde liegen.

Tritt ein Gerstenkorn wiederholt oder gleichzeitig an verschiedenen Stellen am Auge auf, empfiehlt es sich, Diabetes mellitus ärztlich abklären zu lassen.

Typische Symptome

Diagnose & Verlauf

Ein Gerstenkorn am Auge. Die Haut ist gerötet, geschwollen und schmerzt.
Der Arzt schaut sich das Gerstenkorn genauer an, um weitere Behandlungsmöglichkeiten einleiten zu können.

In der Regel lässt sich ein Gerstenkorn durch Blickdiagnose feststellen. Handelt es sich um ein inneres Gerstenkorn, ist unter Umständen das sogenannte Ektropionieren, also das Umklappen des Augenlides nach außen erforderlich, um die Entzündung erkennen zu können.

Bei einem Gerstenkorn folgt einer lokalen Rötung im zeitlichen Verlauf das schmerzhafte Anschwellen der betroffenen Stelle zu einer kleinen, mit Eiter gefüllten Verdickung.

Die sich an der Innenseite des Augenlides befindenden Meibom-Drüsen sind größer als die an der Außenseite gelegenen Drüsen, sodass die Entzündung im Vergleich zum Hordeolum externum bei einem inneren Gerstenkorn meist ausgeprägter ist. Aufgrund der starken Schwellung des Lides ist hierbei der Augapfel selbst oftmals nicht mehr sichtbar.

Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, geschwollene Lymphknoten oder ein allgemeines Krankheitsgefühl treten bei einem Gerstenkorn selten auf. Liegen diese jedoch vor, ist unmittelbar ein Arzt aufzusuchen.

Als seltene Komplikation eines Gerstenkorns kann eine Ausdehnung der Infektion auftreten und zu einer Orbitallphlegmone (Entzündung der Augenhöhle) oder einem ausgedehnten Lidabszess führen.

Komplikationen

Ein Gerstenkorn ist eine Entzündung der Bindehaut, die unterschiedliche Komplikationen hervorrufen kann. Diese sollten auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden, da ansonsten sogar schwerwiegende Folgeschäden entstehen können. Generell gilt aus diesem Grund: Wer unter einem Gerstenkorn leidet, der sollte auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

Nur mit Hilfe einer entsprechenden Behandlung können Folgeschäden vermieden werden. Nicht selten kommt es dann nämlich zur Bildung von Eiter und starken Schmerzen in der Nacht. Das Auge wird sich außerdem sehr stark röten und vor allem in den Morgenstunden durch die Eiterflüssigkeit immens verklebt sein.

Unter Umständen kann sich aus einer solchen Entzündung im Auge ein Abszess bilden. Ein solcher Abszess wird sich unbehandelt stark vergrößern und einen Innendruck aufbauen. Dieser Innendruck entsteht, da die Ansammlung von Eiter nicht richtig abfließen kann. Gelangen die darin befindlichen Bakterien in den Blutkreislauf, dann kann sogar eine Blutvergiftung entstehen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einem kleinen Gerstenkorn, das zu keinen weiteren Beeinträchtigungen führt, muss nicht unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Sobald es gelingt, den Juckreiz zu unterbinden und Ruhe zu bewahren, kann auf einen Arztbesuch verzichtet werden. Ein Arzt sollte konsultiert werden, sobald sich erstmalig ein Gerstenkorn ausbildet. Insbesondere bei Kindern ist es ratsam, wenn schnellstmöglich ein Arztbesuch erfolgt, da sie häufig mit der Situation überfordert sind.

Wächst das Gerstenkorn unvermittelt über mehrere Tage an, besteht Handlungsbedarf. Kommt es zu Störungen des Sehens, Kopfschmerzen oder einem allgemeinen Unwohlsein, ist es nötig, einen Arzt zu konsultieren. Entstehen durch den Juckreiz offene Wunden oder tritt Flüssigkeit aus der betroffenen Stelle aus, wird ein Arzt benötigt. Nutzt der Betroffene Sehhilfen, kann es zu Problemen kommen, die von einem Mediziner untersucht werden sollten. Bei einem Krankheitsgefühl, weiteren Hautveränderungen, Schmerzen oder Fieber ist ein Arztbesuch erforderlich.

Bildet sich das Gerstenkorn nicht innerhalb einer Woche langsam zurück, sollte ein Kontrollbesuch bei einem Arzt stattfinden. Führt der optische Makel zu psychischen Auffälligkeiten, sollte Hilfe in Anspruch genommen werden. Bei einem starken weinerlichen Verhalten, depressiven Verstimmungen oder einer Melancholie ist es ratsam, einen Arzt oder Therapeuten zu kontaktieren.

Behandlung & Therapie

In der Regel verläuft ein Gerstenkorn harmlos: Es bricht nach einigen Tagen auf und gibt den Eiter frei, sodass die Entzündung von allein abheilen kann. Durch trockene Wärme, beispielsweise durch Bestrahlung mit einer Rotlichtlampe, kann dieser Verlauf beschleunigt werden. Auch antibiotische und antiseptische Augentropfen oder –salben vom Arzt können hilfreich sein.

Von feuchter Wärme, zum Beispiel in Form von Umschlägen mit Kamille, ist aufgrund des Risikos einer Ausbreitung der Erreger abzuraten. Auch sollte bei einem Gerstenkorn auf das Tragen von Kontaktlinsen verzichtet werden. Platzt das Gerstenkorn nicht von selbst auf und nimmt der Druckschmerz zu, ist es ratsam, es unter lokaler Betäubung durch einen Einstich vom Augenarzt öffnen zu lassen.

Keinesfalls sollte das Gerstenkorn selbst mit den Händen oder einem Gegenstand ausgedrückt werden.

Differenzialdiagnostisch abzugrenzen ist das sogenannte Hagelkorn (Chalazion), das dem Gerstenkorn äußerlich ähnelt, jedoch schmerzfrei verläuft. Ebenso wie beim inneren Gerstenkorn sind auch beim Hagelkorn die Meibom-Drüsen an der Innenseite des Augenlides entzündet. Allerdings liegt hierbei eine chronische und keine akute Entzündung wie beim Gerstenkorn vor.

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Vorbeugung

Kinder sind häufiger von einem Gerstenkorn betroffen als Erwachsene. Um den Erreger nicht mit den Händen von dem entzündeten auf das gesunde Auge zu übertragen, ist es wichtig, auf regelmäßiges Händewaschen zu achten. Insgesamt ist es zur Vorbeugung ratsam, Handtücher und weitere Hygieneartikel nicht mit anderen Familienmitgliedern zu teilen.

Da ein schwaches Immunsystem die Auftretenswahrscheinlichkeit eines Gerstenkorns erhöht, sind darüber hinaus sportliche Betätigung sowie eine gesunde, ausgewogene Ernährung als Vorbeugemaßnahmen empfehlenswert.

Das können Sie selbst tun

Meist heilt ein Gerstenkorn von alleine ab. Wärme, etwa durch Rotlichtbestrahlung oder ein Kirschkernkissen, kann diesen Prozess beschleunigen. Zunächst sollte die Region um das Hordeolum jedoch geschont und möglichst nicht mit den Fingern berührt werden. Ganz wichtig: den Knoten niemals selbst öffnen. Direkter Kontakt kann die Infektion verschlimmern und die Genesung verzögern. Auch feuchte Wärme in Kompressen gilt es zu vermeiden, da diese zu einer Ausbreitung der Bakterien führen kann.

Bockshornkleesamen, am besten auf ein Leinentuch aufgetragen, ist dagegen förderlich für die Heilung. Ebenso Augentrost oder Apfelessig, beides ebenfalls für die äußerliche Anwendung auf dem betroffenen Augenlid. Bei Juckreiz oder Schmerzen hilft es, das entzündete Augenlid mit lauwarmem Fenchel- oder Kamillentee abzutupfen.

Da ein Gerstenkorn auf ein geschwächtes Immunsystem hindeutet, können begleitend dazu Vitamin-Präparate eingenommen werden. Langfristig empfiehlt sich ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung. Auch sollte ausreichend Flüssigkeit getrunken werden – idealerweise zwei bis drei Liter Wasser täglich. Kontaktlinsenträger sollten sicherheitshalber eine neue Linse verwenden oder das Objekt beim Augenarzt reinigen lassen, um eine erneute Entzündung zu vermeiden.

Bücher über Augenentzündung & Augenkrankheiten

Quellen

  • Augustin, A.J.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2007
  • Dahlmann, C., Patzelt, J.: Basics Augenheilkunde. Urban & Fischer, München 2014
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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