Rachenmandel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. November 2016
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Die Rachenmandel. in der Fachsprache auch Tonsilla pharyngealis, gehört zu den Tonsillen und somit zum lymphatischen System des Körpers. Sie dient der Immunabwehr, kann aber auch zu verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Rachenmandel?

Die Rachenmandel ist eine hinter der Nase am Rachendach sitzende Tonsille, welche die Aufgabe hat, durch die Nase eingedrungene Krankheitserreger abzuwehren. Sie ist bei allen Säugetieren vorhanden. Beim Menschen ist sie, wie alle Mandeln, hauptsächlich in den ersten Lebensjahren für die Immunabwehr von Bedeutung.

Anatomie & Aufbau

Wie alle Tonsillen besteht auch die Rachenmandel aus lymphatischem Gewebe, also Gewebe, in dem Lymphozyten gebildet oder vermehrt werden. Das lymphatische System gliedert sich in primäres und sekundäres lymphatisches System. Die Tonsillen gehören dabei zum sekundären lymphatischen System, das von den in den Organen des primären Systems gebildeten Lymphozyten besiedelt wird. Diese werden dort vermehrt und der Immunabwehr bereitgestellt.

Die Rachenmandel liegt am hinteren Teil des Rachendaches und ist anders als die Gaumenmandeln nicht bei geöffnetem Mund nicht sichtbar. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte können die Rachenmandel mit Hilfe spezieller Instrumente untersuchen.

Die Oberfläche der Mandeln ist zerklüftet. In den Vertiefungen sammeln sich neben Speiseresten auch Bakterien, die durch die in den Tonsillen vorhandenen Lymphozyten bekämpft werden. Anhand dieser Bakterien "lernen" die Lymphozyten die Abwehr verschiedener Erreger. Im Vergleich zur Gaumenmandel sind die Vertiefungen an der Rachenmandel weniger stark ausgeprägt.

Funktion & Aufgaben

Entsprechend ihrer Zugehörigkeit zum lymphatischen System des Körpers liegt die Funktion der Rachenmandel in der Unterstützung der Immunabwehr. Sie bilden zusammen mit den Gaumen-, Zungen- und Tubenmandeln den Lymphatischen Rachenring, dessen Aufgabe in der Abwehr über Mund oder Nase eingedrungener Erreger besteht.

Die größte Bedeutung für die Immunabwehr besitzen die Mandeln dabei für Kinder. Nach dem 8. Lebensjahr und besonders in der Pubertät geht deren Aktivität deutlich zurück, bleibt jedoch in geringerem Umfang bis zum Lebensende erhalten.

Die Rachenmandeln dienen dabei in erster Linie der Abwehr durch die Nase eingedrungener Erreger. Aufgrund ihrer vergleichsweise geringeren Furchung können sich auch weniger Bakterien anlagern als an der Gaumenmandel. Weil die Lymphozyten aber zum Erlernen der Immunabwehr eine große Anzahl verschiedenster Bakterien benötigen, ist die Bedeutung der Rachenmandel für den Organismus kleiner als die der stark gefurchten Gaumenmandel.

Für die Rachenmandel selbst besitzt die geringere Furchung jedoch einen kleinen Vorteil: weil sich weniger Erreger anlagern können, ist sie seltener Herd entzündlicher Prozesse. Von der häufig vorkommenden Mandelentzündung (Tonsillitis) sind in der Regel die Gaumenmandeln betroffen.

Krankheiten

Haupterkrankung ist eine starke Vergrößerung der Rachenmandel. Im Volksmund wird diese auch als "Polyp" bezeichnet. Dies tritt in erster Linie bei Kindern auf, bei Erwachsenen ist die Rachenmandel in der Regel so weit zurückgebildet, dass sie keinerlei Beschwerden hervorruft. Der Begriff "Polypen" ist daher nicht zu verwechseln mit den bei Erwachsenen auftretenden Polypen der Nasennebenhöhlen. In der Fachsprache wird die Vergrößerung der Rachenmandel als "Adenoid" bezeichnet.

Eine Vergrößerung der Rachenmandel verläuft in der Regel ohne direkte Schmerzen und kann daher nur durch Beobachtung der weiteren Symptome erkannt werden. Diese treten jedoch erst bei einer stark vergrößerten Rachenmandel auf. Leichte Vergrößerungen sind durch die häufige Infektabwehr normal und bilden sich oft von selbst zurück. Sie dienen zudem durch die Lernvorgänge der Lymphozyten der Stärkung des Immunsystems. Probleme treten in der Regel zwischen dem 2. und 6. Lebensjahr auf.

Durch eine vergrößerte Rachenmandel wird die Nasenatmung des Kindes erschwert. Dies führt wiederum dazu, dass durch die verstärkte Mundatmung mehr Keime in den Rachenraum eindringen können. Dadurch kommt es zu häufigen grippalen Infekten, was wiederum zu einer starken Tätigkeit der Mandel und deren Anschwellen führt.

Auch Zahn- und Kieferfehlstellungen können durch die verstärkte Mundatmung entstehen. Ebenso kann nächtliches Schnarchen bei Kindern auf eine vergrößerte Rachenmandel, die die Nasenatmung behindert, hindeuten.

Eine weitere Folge einer vergrößerten Rachenmandel ist der Verschluss der Öffnung zum Mittelohr. Hierdurch wird das Hören erschwert. Insbesondere bei Kleinkindern kann dies zu einer Beeinträchtigung der Sprachentwicklung führen. Aber auch bei älteren Kindern, speziell bei Kindern im Schulalter, sind Probleme durch schlechtes Hören vorprogrammiert. Das Kind wirkt unaufmerksam und kann sich schlechter konzentrieren. Dies wird durch die behinderte nächtliche Atmung noch verstärkt.

Neben den angesprochenen Gehörproblemen kann eine vergrößerte Rachenmandel, die die Öffnung zum Mittelohr verschließt, auch zu häufigen und langanhaltenden Mittelohrentzündungen führen. Sollten die beschriebenen Symptome bei einem Kind gehäuft oder dauerhaft auftreten, sollte ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt zu Rate gezogen werden. Gegebenenfalls ist eine Entfernung der vergrößerten Rachenmandel notwendig. Aufgrund der eher untergeordneten Rolle dieser Mandel ist dies auch ohne größere Schäden für das Immunsystem möglich.

Genaue Ursachen für die starke Vergrößerung der Rachenmandel sind bisher nicht bekannt. Beobachtungen zeigen jedoch, dass bestimmte Faktoren die Erkrankung beeinflussen. Neben genetischen Faktoren und häufigen grippalen Infekten wird auch eine Fehlernährung, insbesondere zu kohlenhydratreiche Kost, häufig mit dieser Erkrankung in Verbindung gebracht. Zudem wurde beobachtet, dass entfernte Rachenmandeln bei kohlenhydratreicher Ernährung nachwachsen und erneut Probleme verursachen können. In der Regel verwächst sich die Krankheit aber durch die Rückbildung der Mandeln in der Pubertät.

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