Rückenschmerzen bei Frauen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. November 2017
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Trotz der Gleichberechtigung, besser gesagt wegen der Gleichberechtigung, darf man nicht vergessen, dass sich der weibliche Organismus und Körperbau von dem des Mannes wesentlich unterscheidet. Unser Beitrag über Rückenschmerzen und Kreuzschmerzen bei Frauen soll dazu dienen, auf diese Unterschiede hinzuweisen, gerade weil die meisten Frauen im Beruf heute „ihren Mann stehen“ müssen.

Inhaltsverzeichnis

Zusammenhang von Rückenschmerzen & Krankheiten

Wie oft hört man in den Sprechstunden von Allgemeinärzten, dass Rückenschmerzen und Kreuzschmerzen weh tun. Viele Frauen suchen allein aus diesem Grund einen Gynäkologen (Frauenarzt) auf. Immer wird es der Arzt begrüßen, wenn sie mit ihren Beschwerden zu ihm kommen, ehe sie durch Schmerztabletten, Einreibungen, unzweckmäßige Bäder und dergleichen ihre Leiden hinauszögern oder selbst zu lindern versuchen. In erster Linie gilt es doch, ernsthafte Krankheitsprozesse auszuschließen und die Ursachen der Beschwerden zu ermitteln.

Doch Frauenärzte bestätigen, dass nur etwa die Hälfte aller Frauen, die über Kreuzschmerzen klagen, unterleibskrank sind. Und was ist mit dem übrigen, werden sie fragen. Wenn Rückenschmerzen und Kreuzschmerzen auftreten, muss in jedem Fall zunächst eine ärztliche Untersuchung durchgeführt und der Befund, dem wissenschaftlichen Stand unserer Untersuchungsmethoden gemäß, soweit geklärt werden, dass eine erfolgversprechende Behandlung eingeleitet werden kann. Kein Organ kann man als ein für sich existierendes Gebilde betrachten, zumindest nicht, was seine Funktionen und die Auswirkung eines Krankheitsprozesses auf den übrigen Körper anbelangt.

Rückenschmerzen als Symptom

Oft wird der Rückenschmerz von Frauen fehlgedeutet und den Unterleibsorganen zugeordnet. Es kann für den Arzt außerordentlich schwierig sein, die Ursache festzustellen.

Alle Erkrankungen, die sich im kleinen Becken abspielen, bewirken eine Reizung der Nerven. Je nach dem im wesentlichen betroffenen Organ kann sich als erstes Symptom der Rückenschmerz bzw. Kreuzschmerz zeigen. Das gilt auch für die Erkrankungen einzelner Darmabschnitte oder Harnorgane sowie für entzündliche chronisch schädigende oder auch zerstörende Einwirkungen auf die Skelettanteile und der mit ihnen verbundenen Gewebe dieses Bereichs. Oft wird der Rückenschmerz von Frauen fehlgedeutet und den Unterleibsorganen zugeordnet. Es kann für den Arzt außerordentlich schwierig sein, die Ursache festzustellen.

Bei jungen Mädchen, die erst kurz im Berufsleben stehen, wird der Rückenschmerz irrigerweise zuweilen auf eine körperliche Umstellung zurückgeführt. Bei älteren Patienten mit normalem Magen-Darm-Befund wird er meist als Spondylosis gedeutet, die ja auch oftmals vorliegt, ohne dass sie die Ursache für die Beschwerden zu sein braucht.

Im allgemeinen ist das knöcherne Skelett der Frau weniger stark und kräftig ausgebildet als das des Mannes. Die Lendenwirbelsäule der Frau west eine stärkere Krümmung nach vorn, eine sogenannte Lordose, auf.

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Körperbau & Belastbarkeit bei Rückenschmerzen

Bei Rückenschmerzen gilt es, die konstitutionsmäßig schwach entwickelte oder in späteren Lebensjahren schwach gewordene Muskulatur zu kräftigen.

Das knöcherne weibliche Becken hat eine breit auslaufende Form mit flachen Darmbeinschaufeln und niedrigen Schambeinschaufeln und niedrigen Schambeinfugen, wodurch ein weiter Beckenkanal entsteht.

Dieser spezifische Körperbau ist abgestimmt auf die besondere Leistung der Frau, nämlich auf Schwangerschaften und Geburten. Die anatomischen Gegebenheiten bedingen deshalb aber eine geringere Belastungsfähigkeit bei schweren körperlichen Arbeiten. Deshalb genießt in Deutschland die schwangere Frau entsprechenden gesetzlichen Schutz, der sich auch auf ihren Einsatz im Beruf erstreckt.

Unser Körper hat nicht allein das eigene Gewicht zu tragen, sondern muss darüber hinaus vielen Belastungen gewachsen sein. Die Lendenkreuzbeingegend hat als Auffangstütze des Körpers bei dessen verschiedensten Belastungen eine große Bedeutung. Die Bänder und Ligamente, die die einzelnen Knochenteile zusammenhalten, unterliegen bei der Frau, insbesondere im Bereich des kleinen Beckens, infolge hormoneller Einflüsse einer monatlich wechselnden Festigkeit.

In der Schwangerschaft sind die Gewebsverbindungen besonders aufgelockert. Bei der schwangeren Frau verstärkt sich auch durch Verlagerung des Körperschwerpunktes die ohnehin schon vorhandene Wirbelsäulenordose in der Lendengegend. Um den Körper aufrecht zu halten, muss die Rückenmuskulatur stark angespannt werden. Diese ständige Muskelüberreizung führt sehr häufig zu Rückenschmerzen bzw. Kreuzschmerzen.

Rückenschmerzen vorbeugen

Relativ häufig klagen auch Menschen über Rückenschmerzen, die nach einer eingehenden Untersuchung und Beurteilung des Körperbaus als Muskelschmerzen gedeutet werden müssen. Vorwiegend sind davon schlanke, zarte junge Mädchen betroffen, bei denen die Muskulatur untrainiert ist. Auch Tätigkeiten, die eine gleichbleibende Arbeitshaltung erfordern, können zu Rückenschmerzen führen, wenn die Zwangshaltung die Leistungsfähigkeit der Muskulatur überschreitet.

Was kann man tun, um diese Rückenschmerzen zu beseitigen oder vorzubeugen? Jeder von uns weiß, dass ein gut durchtrainierter Körper eine kräftige entwickelte Muskulatur besitzt. Es gilt also, die konstitutionsmäßig schwach entwickelte oder in späteren Lebensjahren schwach gewordene Muskulatur zu kräftigen.

Durch gymnastische Übungen und leichtem Fitness- bzw. Kraftsport wird nicht nur eine allgemeine Kräftigung der gesamten Körpermuskulatur erreicht, sondern auch eine bessere Durchblutung, was sich wiederum günstig auf die Ausscheidung nicht brauchbarer oder giftiger Stoffwechselprodukte auswirkt.

Sport & Gymnastik gegen Rückenschmerzen

Bei Rückenschmerzen hat man es selbst in der Hand, seine Leistungsfähigkeit und sein Wohlbefinden durch Veränderungen am Arbeitsplatz und ausgleichende Bewegung und sportliche Betätigung wiederzuerlangen.

Sie sollten daher versuchen, besonders die leistungsschwachen Muskelgruppen zu stärken. Das können Bauchmuskeln sein, falls sie schlaff geworden sind oder durch mehrfache Geburten ausgedehnt wurden.

Es können aber auch Muskelgruppen der Rückenmuskulatur oder des Beckenbodens gestärkt werden. Sind die Rückenschmerzen allerdings durch eine Zwangshaltung während der Arbeit verursacht worden, so gilt es gerade diese angespannten Muskelgruppen zu entlasten.

Auch hier muss ein richtig durchgeführter Gesundheitssport bzw. Ausgleichsgymnastik einsetzen. Oft ist der Erfolg täglicher sportlicher Übungen erst nach Monaten spürbar. Sollten die Beschwerden auch dann noch anhalten, ist eine Beratung mit dem Arzt zu empfehlen.

Besonderes Augenmerk muss auf den Arbeitsplatz selbst gerichtet sein, der in vielen Firmen noch auf die Körperbauformen des Mannes abgestimmt sind. Das gilt beispielsweise für Bürostühle. Durchschnittlich ist die Frau um etwa 7 Prozent kleiner als der Mann. Bei einer unphysiologischen Sitzhaltung erreicht man mit den Füßen nicht den Boden. Es treten Durchblutungsstörungen der Oberschenkelmuskulatur auf und damit eine Reihe von Beschwerden, die sich durch eine einfache Umgestaltung des Arbeitsplatzes vermeiden ließen.

Das gleiche gilt für die Höhe des Schreibtisches, für den Griffbereich vieler Maschinen, für einen oft unzweckmäßigen und unphysiologischen Sichtstand, der ständig eine leicht gebückte Zwangshaltung erfordert und vieles mehr.

Weitere Ursachen für Rückenschmerzen

Die Wirbelsäule wird zwar durch Bänder und Bandscheiben gestützt, aber zum größten Teil durch die Muskulatur getragen. Deshalb spielt die Muskelübermüdung eine besondere Rolle. Da Bauch- und Rückenmuskulatur während der Schwangerschaft stark beansprucht werden, ist es wichtig die Muskeln gerade in diese Zeit durch entsprechenden Ausgleichssport zu trainieren und somit den Rückenschmerzen entgegenzuwirken. Liegt aber eine Rektusdiastase vor, das heißt ein Aneinanderweichen der vorderen Bauchmuskulatur, so sind zusätzliche orthopädisch-chirurgische Maßnahem erforderlich.

Häufig werden Rückenschmerzen und Kreuzschmerzen auch durch einen Hängeleib verursacht. Bei der Atmung entsteht normalerweise ein Sog, der die Organe und den Beckenboden mit erfasst. Beim Hängeleib bleibt die Last des Bauchinnenraums auf dem Beckenboden liegen, die Rückenmuskulatur wird geschwächt und der Beckenboden geschädigt, oder aber eine bestehende Schädigung wird verschlimmert. Rückenschmerzen bleiben dann nicht aus. Es kommt zu einer Ausgleichhaltung, wobei wiederum eine verstärkte Lendenwirbelsäuleordose auftritt.

Wir sehen also, dass Rückenschmerze sehr unterschiedliche Ursachen haben können. Zu einem großen Teil werden sie jedoch durch eine Erschlaffung der Bauchmuskulatur, Rückenmuskulatur und Beckenbodenmuskulatur oder durch falsche Arbeitshaltung, ausgelöst. Hier haben es die Frauen selbst in der Hand, ihre Leistungsfähigkeit und ihr Wohlbefinden durch Veränderungen am Arbeitsplatz und ausgleichende Bewegung und sportliche Betätigung wiederzuerlangen.

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Wann sollte man zum Arzt gehen?

Während der Schwangerschaft können Rückenleiden gehäufter aufgrund hormoneller Umstellungen und der zusätzlichen Gewichtsbelastung durch das ungeborene Kind auftreten. Gelegentliche Schmerzen sind nicht unnatürlich, bei intensivem Leidensdruck ist allerdings immer ein Arzt aufzusuchen. Akute Schmerzen springen meist auf die Behandlung mit Wärme, Salben oder Massagen an. Helfen alle Maßnahmen nicht, besteht die Gefahr einer Manifestierung der Symptome. Unnötiges Hinauszögern einer Untersuchung erschwert als Folge eine erfolgreiche Therapie.

Zusätzlich besteht der Verdacht einer schwerwiegenden Erkrankung oder Fehlstellung bei Kribbeln oder Taubheitsgefühlen in den Extremitäten. Funktionelle Störungen bei der Blasen- oder Darmentleerung geben Hinweise auf einen Notfall. Häufig verbergen sich jedoch andere Gründe hinter den Rückenschmerzen. Als wichtiger Indikator für eine medizinische Abklärung stehen ständig wiederkehrende Probleme im Wirbelsäulenbereich. Eine Verletzung oder Verengung eines Wirbelkanals kann dauerhaft die Nerven in Mitleidenschaft ziehen. Ist die Beweglichkeit von Betroffenen erheblich eingeschränkt und der Schmerz kaum zu ertragen, kann ein Bandscheibenvorfall vorliegen und bedarf dringender Abklärung.

Gleichzeitig gelten starke Schmerzen im Rückenbereich in Kombination mit anderen Krankheitssymptomen als potenziell gefährlich. Auftreten mit Fieber oder auch starkem Gewichtsverlust sind ein ernstzunehmendes Alarmsignal und deutet möglicherweise auf einen entzündlichen Prozess an der Wirbelsäule hin. Psychologische Dauerbelastung schlägt ebenfalls auf das Rückgrat.

Anhaltender Stress im Berufsleben und depressive Neigungen sorgen für eine unbewusst schädliche Körperhaltung beim Sitzen. Niedergeschlagenheit hat des Weiteren erheblichen Einfluss auf die Arbeit der eigenen Körperabwehr. Depressionen beeinflussen das Schmerzempfinden und fördern subjektiv den gefühlten Belastungsgrad betroffener Personen. Ein Arztbesuch zur Abklärung und Durchführung einer psychotherapeutischen Behandlung ist bei dauerhaft schlechter Stimmung prinzipiell auch ohne Rückenleiden angebracht.

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