Ischias (Ischiasschmerzen)

Letzte Aktualisierung am 30. März 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Das Krankheitsbild der Ischiasschmerzen, kurz auch als Ischias oder Ischialgie bezeichnet, gehört zu den am häufigsten anzutreffenden Krankheitsbildern in den entwickelten Industrienationen. Da die durchschnittliche Krankheitsdauer der Ischialgie oftmals mehrere Wochen beträgt, ist deren volkswirtschaftliche Bedeutung enorm. Die Behandlungsmöglichkeiten und die Prognose von Ischiasschmerzen sind dennoch gut.

Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet Ischias (Ischiasschmerzen)

Oft auch als Lumboischialgie bezeichnet, liegt die Ursache des Ischias in einer Reizung der hinteren Nervenwurzel des Ischiasnervs im unteren Rückenbereich.

Ischiasschmerzen sind also keine Erkrankung des eigentlichen Rückenmarks, wie oftmals und fälschlicher Weise angenommen wird. Der erfahrene, klinisch tätige Arzt kann diese Ischias Beschwerdesymptomatik durch Anwendung sorgfältiger Untersuchungstechniken vom rein muskulär bedingten Rückenschmerz (sog. LBP, low back pain) abgrenzen.

Ursachen

Ursache der genannten Reizung des Ischias sind in über 90 % aller Fälle altersbedingte Verschleißprozeße der zugehörigen knöchernen Wirbelelemente, zwischen denen die Nerven heraustreten. In selteneren Fällen können jedoch auch Unfallfolgen, Entzündungen oder gar Tumoren als Ursachen von Ischiasschmerzen in Betracht kommen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einer Beeinträchtigung des Ischias treten typischerweise Rückenschmerzen in Höhe der Lendenwirbelsäule auf. Sie ziehen vom Kreuz aus nach unten über die Rückseite des Oberschenkels bis zur Kniekehle, manchmal sogar bis in den Fuß. Je nach zugrunde liegender Ursache ist die Art des Schmerzes unterschiedlich. Wird der Ischiasnerv durch einen Bandscheibenvorfall eingeklemmt, tritt der Schmerz ganz plötzlich auf und stellt sich ziehend oder reißend dar.

Er wird oft als elektrisierend empfunden und von Ärzten als neuropathisch bezeichnet. Bei einer Nervenreizung dagegen entsteht der Schmerz allmählich und ist meist von Muskelverspannungen und Bewegungseinschränkungen begleitet. Typisch für eine Ischias-Entzündung ist, dass die Schmerzen nachts stärker werden. Ist der Nerv bereits sehr angeschlagen, kann es zusätzlich zu Gefühlsstörungen kommen.

Es beginnt meist mit einem Kribbeln, das allmählich in ein Taubheitsgefühl übergeht und sich sogar bis hin zu einer Lähmung steigern kann. Zusätzlich ist es möglich, dass der Patient Schwierigkeiten hat, im Zehen- oder Hackenstand zu stehen. Vorhandene Schmerzen können sich beim Husten oder Niesen verstärken. Auch das Pressen bei Stuhlgang kann schmerzhaft sein. Liegt eine schwere Form der Beeinträchtigung des Ischiasnervs vor, kann Inkontinenz auftreten, sowohl an der Blase als auch am Darm.

Diagnose & Verlauf

Der oft mehrwöchige Verlauf einer Ischialgie ist gekennzeichnet von zunächst oft sehr heftigen (bis wirklich unausstehlichen) Schmerzen, welche beispielweise zunächst den Einsatz von Infusionsbehandlungen erforderlich machen können.

Zunächst ist dabei eine Ruhigstellung angezeigt bis die akute Symptomatik der Ischiasschmerzen abgeklungen ist. Typisch für die Ischialgie ist eine Schmerzausbreitung entsprechend der sog. Generalsstreifenlinie. Dies in Anlehnung an jene Goldbordüre, welche in früheren Zeiten die Hose eines Generals seitlich geziert haben mag.

Dieses Stadium der Reizung des Ischias-Nerv bedarf der frühzeitigen und regelmäßigen ärztlichen Beobachtung und Verlaufskontrolle, denn es kann unter Umständen passieren, dass es zu akuten Lähmungserscheinungen kommt. Der Patient merkt dies in der Regal am schnellsten beim Treppensteigen erst dann, wenn das betreffende Bein seinem Willen nicht mehr unterliegt.

Sofort ist höchste Eile geboten und der Neurochirurg muss den bedrängten Ischias chirurgisch entlasten, damit die Nervenbedrängung aufhört und die Lähmung nicht überdauert. Eine Operation des Ischias sollte bereits innerhalb weniger Stunden nach Beginn der Lähmungserscheinungen stattfinden, da das Nervengewebe sonst dauerhaft geschädigt wird.

Komplikationen

In der Regel stellen die Ischiasschmerzen sehr unangenehme Schmerzen für den Betroffenen dar. Diese führen dabei vor allem zu Schmerzen im Rücken und in der Wirbelsäule. Nicht selten breiten sich Rückenschmerzen auch in andere Regionen des Körpers aus und können auch dort zu Schmerzen führen. Weiterhin können Ruheschmerzen zu Schlafbeschwerden und damit zu einer Reizbarkeit des Patienten oder zu Depressionen und anderen psychischen Verstimmungen führen.

Weiterhin leiden viele Betroffene an Lähmungen oder an Gefühlsstörungen. Diese können den Alltag des Betroffenen deutlich einschränken und gegebenenfalls auch zu Bewegungseinschränkungen führen. In Extremfällen sind die Patienten durch die Ischiasschmerzen dann auf die Hilfe anderer Menschen in ihrem Alltag angewiesen. Ebenfalls kann es zu einem Bandscheibenvorfall kommen.

Die Behandlung der Ischiasschmerzen erfolgt in der Regel mit Hilfe von Medikamenten oder mittels verschiedener Therapien. Damit können die Schmerzen eingeschränkt werde. Ob es dabei zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt, kann nicht allgemein vorausgesagt werden. Gegebenenfalls ist der Patient dann auf eine lebenslange Therapie angewiesen. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Ischiasschmerzen in der Regel nicht eingeschränkt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Rückenbeschwerden, starken Schmerzen oder Einschränkungen der Mobilität sollte ein Arzt aufgesucht werden. Setzen die Beschwerden unverhofft und plötzlich ein, kann sich der Betroffene oftmals nicht mehr wie gewohnt bewegen. Kommt es zu Taubheitsgefühlen am Rücken, Sensibilitätsstörungen oder einer Überempfindlichkeit, ist ein Arztbesuch notwendig. Bei Lähmungserscheinungen, Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit und Veränderungen der üblichen Bewegungsmöglichkeiten, sollten die Symptome ärztlich abgeklärt werden. Ein Kräfteverlust, Schlafstörungen oder einem Gefühl der Steifheit im Rücken, sind untersuchen und behandeln zu lassen. Können die alltäglichen Anforderungen nicht mehr erfüllt werden oder ist es nicht möglich, den gewohnten sportlichen Aktivitäten nachzugehen, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren.

Bei einer Unfähigkeit, den Rücken zu krümmen, zu strecken, aufzustehen oder beschwerdefrei zu gehen, sollte schnellstmöglich ein Arzt konsultiert werden. Können Bewegungen nur sehr langsam umgesetzt werden, ist ein Arztbesuch erforderlich. Haben vorhandene Schmerzen eine zunehmende Intensität oder breiten sie sich am Rücken weiter aus, wird ein Arzt benötigt. Vor der Einnahme eines Schmerzmedikaments ist zur Vermeidung von unerwünschten Folgen die Rücksprache mit einem Mediziner ratsam. Stellen sich zu den körperlichen Beschwerden zusätzlich emotionale oder seelische Probleme ein, sind weitere Untersuchungen und eine medizinische Behandlung anzuraten. Andernfalls drohen dem Betroffenen ohne ärztliche Versorgung lebenslange Beeinträchtigungen oder Störungen der Mobilität.

Behandlung & Therapie

Unter dem umgangssprachlichen Begriff Hexenschuss, medizinisch als Lumbago oder Ischialgie bezeichnet, tritt ein plötzlich auftretender, stechender und anhaltender Schmerz, insbesondere im Lendenwirbelbereich, mit nachfolgenden Bewegungseinschränkungen.

Da sich zahlreiche Nervenstränge auf Ihrem Weg zu den damit versorgten Muskeln der Beine und auch der Po Muskulatur gegenseitig durchkreuzen und auch wieder trennen, kann es bei der Ischialgie zu einem komplizierten, farbigen und wechselhaften klinischen Bild kommen.

Eine fundierte Kenntnis der Anatomie und Neurologie ist deshalb erforderlich. Die Diagnosestellung sollte daher einem Arzt oder Facharzt, am besten einem solchen für Orthopädie, Unfallchirurgie oder Neurologie überlassen bleiben.

Meist erfolgt, neben der notwendigen körperlichen Untersuchung, bei von Ischiasschmerzen geplagten Menschen auch noch eine solche durch ein bildgebendes Verfahren. Ohne Anwendung von Röntgenstrahlen lassen sich heute mittels der Kernspintomografie, auch MRT Technologie genannt, hochauflösende Bilder der in Frage kommenden Körperregion anfertigen, welche dann die Diagnose sichern helfen. In selteneren Fällen von Ischialgien ist auch eine Punktion und / oder eine weitergehende Labordiagnostik erforderlich.

In der Regel heilt eine Ischialgie aber durch eine konservative ärztliche Behandlung aus. Dazu gehören, neben den erforderlichen Schmerz stillenden Medikamenten, auch der Einsatz unterstützender, regelmässig durchgeführter physiotherapeutischer Anwendungen und eine regelmässige krankengymnastische Unterstützung. Diese Therapien können bei der Ischialgie, je nach Schweregrad, sowohl stationär, also in einem Akutkrankenhaus, als auch, bei weniger schlimmen Fällen, ambulant durchgeführt werden.

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Vorbeugung

Nach mehreren Wochen ist dann bei Ischiasschmerzen die Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt. In manchen Fällen empfiehlt es sich auch, eine stationäre Rehabilitation zu empfehlen und zu Lasten der Krankenkasse oder des Rentenversicherungsträgers durchzuführen.

Dort wird dann, neben der notwendigen medizinischen Behandlung, auch ein intensiver Wissenstransfer zum Patienten durchgeführt. Dies soll dazu führen, dass der Patient seine Gesundheit durch ein gesundheitsförderliches Verhalten nach seiner Entlassung soweit wie möglich selbst in die Hand nimmt, um auf diese Weise eine Wiederholung der Ischialgie zu vermeiden.

Dies gelingt in einer Vielzahl der Fälle vollständig. Bei weiteren Patienten mit Ischiasschmerzen lassen sich Medikamente so oft wesentlich reduzieren.

Weitere vorbeugende Maßnahmen gegen Ischiasschmerzen sind im Prinzip ähnlich denen von Rückenschmerzen und gegen Bandscheibenvorfällen. Das heisst also Sport und Bewegung sowie Training der Rückenmuskulatur. Auf der anderen Seite sollte verhindert werden, dass zu schwere Lasten, den Rücken dauerhaft schädigen. Auch langanhaltendes Sitzen oder falsches Sitzen sollte vermieden werden. Rückengymnastik kann hierbei äußerst günstig zur Vorbeugung gegen Ischiasschmerzen wirken.

Das können Sie selbst tun

Bei akuten Ischiasschmerzen empfiehlt sich die sogenannte Stufenlagerung, um die Wirbelsäule zu entlasten: Dabei liegt der Patient flach auf dem Rücken, die Beine werden im 90-Grad-Winkel auf einem Stuhl oder Kissen hochgelagert.

Hilfreich sind auch Wärmeanwendungen, um die für Ischias typischen Verspannungen im unteren Rücken zu lockern. Eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen leisten dabei gute Dienste, ein warmes Bad mit wohltuenden Kräuterzusätzen wie etwa Heublumen, Rosmarin oder Lavendel lockert ebenfalls die verkrampften Muskeln.

Als bewährte Hausmittel gelten das Auflegen von mit Senf oder Meerrettich getränkten Kompressen und Umschläge aus Heilerde, alternativ stehen wärmende Salben aus der Apotheke zur Verfügung. Bettruhe ist für höchstens ein bis zwei Tage anzuraten, danach sollte wieder mit leichter Bewegung begonnen werden. Wichtig ist dabei, die Signale des Körpers zu beachten und den schmerzenden Rücken nicht übermäßig oder falsch zu belasten.

Treten immer wieder Ischiasschmerzen auf, kann das Stärken der Rückenmuskulatur durch gezieltes Training Erleichterung bringen. Schweres Heben sollte vermieden werden, beim Arbeiten am Computer ist auf eine ergonomische Körperhaltung zu achten. Auch die Auswahl der richtigen Matratze trägt zur Vermeidung immer wiederkehrender Ischiasschmerzen bei: Sie sollte nicht zu weich und auf Körpergewicht und -größe abgestimmt sein.

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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