Spinalstenose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Oktober 2017
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Eine Spinalstenose ist eine Verengung des Wirbelsäulenkanals, die in den meisten Fällen auf degenerative Prozesse im Bereich der Wirbelsäule zurückzuführen ist. Entsprechend sind vor allem Menschen höheren Alters von einer Spinalstenose betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Spinalstenose?

Als Spinalstenose wird eine lokale Verengung (Stenose) des Wirbelsäulenkanals bezeichnet, die in aller Regel auf einen Verschleiß im Wirbelsäulenbereich zurückzuführen ist.

Infolge der Verengung im Wirbelkanal werden die durch den Wirbelsäulenkanal führenden Nerven und Blutgefäße eingeengt, wodurch die für eine Spinalstenose charakteristischen Symptome wie Rückenschmerzen, die bei Bewegung bis in die Beine ausstrahlen können (Lumboischialgie), sowie Schwächegefühl und Sensibilitätsstörungen in den Beinen, Beeinträchtigungen der Blasen- und Mastdarmfunktion oder der sexuellen Funktion im fortgeschrittenem Stadium verursacht werden.

In den meisten Fällen liegt eine Stenose im unteren Rücken- bzw. Lendenwirbelbereich vor.

Ursachen

In den meisten Fällen ist eine Spinalstenose auf Degenerationsprozesse im Bereich der Wirbelsäule zurückzuführen. So können die Bandscheiben mit zunehmendem Alter an Flüssigkeit und Höhe verlieren, so dass der Abstand zwischen zwei Wirbelkörpern (Corpus vertebrae) geringer wird. Dadurch werden diese stärker beansprucht, die Deckplatten der Wirbelkörper verdicken sich und führen zu einer Verdichtung der Knochen, infolge derer eine ausgeprägte Stenose des Wirbelkanals zu beobachten ist.

Zudem verlieren die die Wirbelsäule stabilisierenden Bänder durch den geringeren Abstand zwischen den Wirbelkörpern an Spannkraft und verdicken. Die hierdurch bedingte Verschiebung der Wirbelsäulensegmente (Spondylolisthesis), versucht der menschliche Körper durch sogenannte Osteophyten (knöcherne Ausläufer am Knochenrand) zu kompensieren, die den Wirbelkanal zusätzlich einengen.

Darüber hinaus kann eine Spondylarthrose (Verbreiterung der Wirbelbogengelenke) eine zusätzliche Verengung bedingen. Ist die Rumpfmuskulatur schwach ausgeprägt, wird der Verschleißprozess und somit die Entwicklung einer Spinalstenose beschleunigt. Ferner können genetisch bedingte Verengungen des Wirbelkanals, hormonelle Veränderungen (Morbus Cushing) oder Erkrankungen des Knochenapparates (Morbus Paget) eine Spinalstenose verursachen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Frau hat Rückenschmerzen
Rückenschmerzen treten häufig bei Spinalstenose auf.

Eine Spinalstenose wird in aller Regel anhand bildgebender Verfahren diagnostiziert. So können anhand einer Röntgenaufnahme knöcherne Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule, eine Spondylarthrose sowie degenerative Bandscheibenveränderungen festgestellt werden. Zur direkten Diagnose einer Spinalstenose ist zudem eine Computertomographie oder Magnetresonanztomographie, die jeweils Aussagen über eine Verengung des Wirbelkanals ermöglichen, erforderlich.

Durch eine Magnetresonanztomographie können gleichzeitig Degenerationen an den Weichteilen (Bandscheiben, Nervenwurzel) nachgewiesen werden. Mit Hilfe neurologischer Untersuchungen kann darüber hinaus aufgezeigt werden, ob infolge der Spinalstenose Nervenstrukturen geschädigt wurden. Wenngleich die Ursachen einer Spinalstenose nicht beseitigt werden können, kann im Rahmen einer konservativen Therapie das Fortschreiten der Erkrankung entscheidend verlangsamt werden. Darüber hinaus ist eine operative Therapie in der Regel erfolgreich und verschafft den von einer Spinalstenose Betroffenen eine Linderung der Beschwerden.

Komplikationen

Eine Spinalkanalstenose ist immer mit Bewegungseinschränkungen verbunden. Oftmals treten außerdem Sensibilitätsstörungen in den Beinen sowie Rückenschmerzen auf. In Folge von Gefühlsstörungen und Problemen mit der Feinmotorik besteht eine erhöhte Gangunsicherheit und Sturzneigung. Werden die Beschwerden nicht umgehend ärztlich abgeklärt und behandelt, können sich chronische Schmerzen entwickeln.

Zudem können Fehlhaltungen auftreten, die an anderer Stelle zu Gelenkverschleiß, Muskelschmerzen, Verspannungen und anderen Beschwerden führen können. Meist sind auch Wohlbefinden und Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigt. Bei einem operativen Eingriff besteht das Risiko einer Infektion. Dann ist – abhängig von der Schwere der Infektion – eine örtliche Wundbehandlung und die Antibiotika-Gabe erforderlich.

Löst sich eine Blutgefäßnaht, kann dies zu einer Blutung und der Bildung eines Blutergusses führen. Bereits während des Eingriffs können Verletzungen an den Blutgefäßen sowie Kreislaufprobleme auftreten. Außerdem sind allergische Reaktionen auf das Kontrastmittel denkbar. Bei der zervikalen Spinalnervenanalgesie besteht ein geringes Risiko einer Verletzung des Brustfells, in Folge derer Luft in den Brustraum eindringen kann (Pneumothorax).

Bei einer epidural-zervikalen Injektion kann es zu einer Infektion des Epidualraums kommen. Weiterhin können Verletzungen und Entzündungen des Rückenmarks auftreten.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen hängen bei einer Spinalstenose vom Ausmaß der individuellen Beschwerden sowie vom Vorliegen einer Nervenbeteiligung ab.

Konnte mit Hilfe der diagnostischen Verfahren keine Beeinträchtigung der Nerven festgestellt werden, wird in aller Regel konservativ therapiert, das heißt, es wird vorerst von einem operativen Eingriff abgesehen. Zur Stärkung der die Wirbelsäule stabilisierenden Rumpfmuskulatur kommen hierzu vor allem krankengymnastische und physiotherapeutische Maßnahmen sowie eine Gehschulung zur Herstellung eines physiologisch günstigen Gehbildes zum Einsatz.

In einigen Fällen wird die Lendenwirbelsäule zeitweise mit einem Korsett stabilisiert, um eine zusätzliche Verengung des Wirbelkanals zu verhindern. Weisen die Betroffenen Schmerzen auf, ist eine medikamentöse Schmerztherapie angezeigt. Ferner kann eine Akupunktur-Therapie zur Schmerzreduktion beitragen. Bedingt die Spinalstenose starke Schmerzen, wird in einigen Fällen ein Lokalanästhetikum in Kombination mit Kortison in den Wirbelkanal gespritzt (epidurale Infiltration).

Liegt zudem eine Schädigung der Nerven vor, ist ein operativer Eingriff zur Reduzierung des durch die Spinalstenose bedingten Druckes auf die betroffenen Strukturen (Dekompression) angezeigt. Hierbei stehen in Abhängigkeit von den spezifisch vorliegenden Symptomen unterschiedliche Operationsverfahren zur Verfügung.

Können Nervenausfälle (Taubheitsgefühl, Lähmungen), Einschränkungen der Gehfähigkeit und/oder der Bauchpresse festgestellt werden, wird eine partielle oder vollständige Laminektomie (Wirbelbogenentfernung) durchgeführt. Zudem können zur Therapie einer Spinalstenose operativ Implantate eingesetzt werden, die als Abstandhalter zwischen den Wirbelfortsätzen fungieren und entsprechend eine Verengung des Wirbelkanals verhindern.

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Vorbeugung

Einer Spinalstenose kann indirekt vorgebeugt werden, indem Faktoren, die eine Degeneration der Wirbelsäule und Bandscheiben fördern, vermieden werden. So beschleunigen die Wirbelsäule besonders stark belastende Tätigkeiten den Degenrationsprozess. Darüber hinaus belegen Studien, dass Nikotinkonsum den Verschleiß der Bandscheiben begünstigt. Regelmäßige Bewegung, eine gestärkte Rumpfmuskulatur sowie die Vermeidung von Übergewicht entlasten dagegen die Wirbelsäule und verringern das Risiko für die Manifestierung einer Spinalstenose.

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Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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