Iliosakralgelenk-Syndrom (ISG-Syndrom)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Oktober 2017
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Als Iliosakralgelenk-Syndrom (ISG-Syndrom) werden Kreuzschmerzen bezeichnet, die im Bereich des unteren Rückens auftreten. Das Iliosakralgelenk verbindet mittels Bänder die Hüftknochen mit dem Kreuzbein. Das Iliosakralgelenk-Syndrom kann sowohl bei jungen als auch bei älteren Menschen auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Iliosakralgelenk-Syndrom?

Das Iliosakralgelenk-Syndrom (ISG-Syndrom) ist eine schmerzhafte Erkrankung im Bereich des unteren Rückens. Das Iliosakralgelenk ist kein bewegliches Gelenk wie z. B. das Knie. Es dient als Verbindung zwischen dem Kreuzbein und den Hüftknochen. Durch die starre Fixierung mittels Bänder ist die Beweglichkeit des ISG stark eingeschränkt.

Das Kreuzbein befindet sich zwischen den Lendenwirbeln und dem Steißbein und besteht aus fünf Wirbeln, die jedoch miteinander verwachsen sind. Beim Iliosakralgelenk-Syndrom verschieben sich die Gelenkflächen gegeneinander. Dies ist häufig mit sehr starken Schmerzen und einer Bewegungseinschränkung verbunden.

Da vor allem auf den unteren Bereich der Wirbelsäule eine große Belastung einwirkt, treten Schmerzen und auch degenerative Veränderungen in diesem Bereich häufig auf. Das Iliosakralgelenk-Syndrom (ISG-Syndrom) zählt mit zu den häufigsten Formen von Rückenschmerzen.

Ursachen

Das Iliosakralgelenk-Syndrom kann viele Ursachen haben. Vor allem Fehlhaltungen und Fehlbelastungen im Sport und Beruf führen häufig zu Verschleißerscheinungen und somit zu Kreuzschmerzen. Auch Bewegungsmangel und somit eine unterentwickelte Muskulatur fördern die Entstehung des Iliosakralgelenk-Syndroms.

Eine weitere Ursache können Erkrankungen sein. Morbus Bechterew, rheumatische Arthritis oder auch Osteoporose können ein Iliosakralgelenk-Syndrom auslösen. Auch bakterielle Infektionen, häufig z. B. bei Lyme Borreliose, können Entzündungen im Iliosakralgelenk hervorrufen.

Oftmals tritt ein Iliosakralgelenk-Syndrom während der Schwangerschaft auf, da während dieser Zeit die Muskeln als auch die Bänder im Bereich der unteren Wirbelsäule stark beansprucht werden.

Bei Kreuzschmerzen darf auch der psychische Faktor nicht außer Acht gelassen werden. Stress und andere psychische Belastungen äußern sich oftmals in Form eines Iliosakralgelenk-Syndroms.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Frau leidet an Kreuzschmerzen
Starke Kreuzschmerzen können ein Hinweis für das Iliosakralgelenk-Syndrom sein.

Das Iliosakralgelenk-Syndrom wird i. d. R. durch einen Orthopäden diagnostiziert. Hierbei wendet der Arzt verschiedene Untersuchungsmethoden an. Neben einer ausführlichen Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte, Schilderung der Symptome) werden Tests sowohl im Stehen als auch im Liegen durchgeführt.

Es werden das sog. Vorlaufphänomen und das Rücklaufphänomen getestet. Mit diesen Tests wird die Beweglichkeit des Iliosakralgelenks überprüft. Neben der körperlichen Untersuchung werden auch bildgebende Verfahren eingesetzt. Jedoch können Röntgenuntersuchungen ein Iliosakralgelenk-Syndrom nicht nachweisen. Röntgen, Kernspintomographie und CT werden eingesetzt, um andere Erkrankungen und Verletzungen an der Wirbelsäule und den Bandscheiben auszuschließen.

Mittels einer Blutuntersuchung lässt sich feststellen, ob eine Entzündung vorliegt. Mithilfe eines Knochenszintigramms kann man die Entzündung im Bereich des IS-Gelenkes sichtbar machen. Wird ein Iliosakralgelenk-Syndrom diagnostiziert, bleibt die Erkrankung i. d. R. nicht auf das IS-Gelenk beschränkt, sondern Hüfte und Lendenwirbelsäule werden im Laufe der Zeit ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.

Der Verlauf bei einem Iliosakralgelenk-Syndrom ist unterschiedlich zu bewerten, da dieser abhängig von der Ursache als auch der Behandlung ist. Oftmals treten die Beschwerden nur für einen kurzen Zeitraum auf und bessern sich mithilfe von Medikamenten und Krankengymnastik. Bei ca. 30 Prozent aller Betroffenen entwickelt sich das Iliosakralgelenk-Syndrom zu einer chronischen Erkrankung.

Komplikationen

Durch das Iliosakralgelenk-Syndrom leidet der Patient an starken Schmerzen in verschiedenen Regionen des Körpers. In den meisten Fällen sind davon allerdings der Rücken und die Hüfte betroffen. Oft kommt es durch die Schmerzen zu Bewegungseinschränkungen und damit zu psychischen Beschwerden. Weiterhin kann es zu Verspannungen in den Muskeln und zu Schmerzen in den Knien kommen.

Der Alltag des Betroffenen wird durch das Iliosakralgelenk-Syndrom eingeschränkt und viele körperliche Tätigkeiten oder sportliche Aktivitäten können nicht mehr ausgeführt werden. Falls die Schmerzen auch in Form von Ruheschmerzen nachts auftreten, kann es dadurch zu Schlafstörungen kommen. Eine langfristige Behandlung der Schmerzen mit Hilfe von Schmerzmitteln ist dabei nicht zu empfehlen, da diese sich negativ auf den Magen auswirken.

Im Falle von Entzündungen können Antibiotika und andere Medikamente eingesetzt werden, um diese zu stoppen. Dabei treten keine weiteren Komplikationen auf. Der Betroffene ist allerdings auf eine Physiotherapie angewiesen, um die Beschwerden zu behandeln. Hierbei kommt es allerdings nicht in jedem Fall zu einem positiven Krankheitsverlauf, sodass der Betroffene gegebenenfalls sein gesamtes Leben an Einschränkungen leiden wird. Die Lebenserwartung wird durch das Iliosakralgelenk-Syndrom nicht beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Bei einem Iliosakralgelenk-Syndrom gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Zu Beginn steht auf dem Therapieplan Physiotherapie und eine Schmerztherapie. Danach muss die Ursache für die Beschwerden gefunden und adäquat behandelt werden.

Liegt eine Infektion vor, wird diese mittels Antibiotika behandelt. Als Folgeerkrankung im Rahmen einer rheumatischen Erkrankung werden meist Kortisonpräparate in Verbindung mit Schmerzmitteln verabreicht, da diese am wirkungsvollsten sind.

Liegen sehr starke Schmerzen vor, kann ein Betäubungsmittel in den Gelenkspalt injiziert werden. Dies lindert die Beschwerden und die Beweglichkeit wird dadurch auch verbessert, da durch das Injizieren von Flüssigkeit die Gelenkflächen nicht mehr gegeneinander reiben.

Die Physiotherapie wird sowohl als Sofortmaßnahme angewandt, als auch als Langzeittherapie. Besonders bewährt haben sich hier Reizstrombehandlungen, Wärmeanwendungen, krankengymnastische und ergotherapeutische Übungen, Unterwassergymnastik, usw. Ziel der Physiotherapie ist es, die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit wieder herzustellen und Fehlhaltungen zu korrigieren. Da bei einem Iliosakralgelenk-Syndrom das Gelenk blockiert ist, kann mithilfe einer manuellen Therapie versucht werden, die Blockierung zu lösen.

Bewährt haben sich beim Iliosakralgelenk-Syndrom auch sog. alternative Behandlungsmethoden. Yoga, progressive Muskelentspannung als auch Akupunktur bieten eine gute Alternative zur Schulmedizin.

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Vorbeugung

Es gibt mehrere Möglichkeiten, um einem Iliosakralgelenk-Syndrom vorzubeugen. Sportliche Betätigung ist ein Muss, sowie die Vermeidung von Übergewicht. Des Weiteren ist es sinnvoll eine sog. Rückenschule zu besuchen. Diese wird von allen Krankenkassen angeboten bzw. man kann diese beim Physiotherapeuten erlernen.

Dies sind spezielle Übungen für den Rücken. Mit deren Hilfe lernt man, Fehlhaltungen und Fehlbelastungen zu erkennen und zu vermeiden. Wichtig: Hat man bereits Schmerzen, so sollte man sich leicht bewegen, denn der Ruhezustand kann ein Iliosakralgelenk-Syndrom (ISG-Syndrom) noch verschlimmern.

Das können Sie selbst tun

Beim Iliosakralgelenk-Syndrom stehen dem Patienten verschiedene Möglichkeiten der Selbsthilfe zur Verfügung, die die Beschwerden dieser Erkrankung deutlich lindern können.

In erster Linie wirken sich verschiedene Wärmeanwendungen sehr positiv auf die Beschwerden aus und können die Schmerzen lindern. Auch entspannende Übungen wie Yoga oder andere leichte Sportarten können dabei die Rückenmuskulatur stärken und die Symptome verringern. Akupunktur kann sich hierbei ebenfalls positiv auf den Verlauf des Iliosakralgelenk-Syndroms auswirken. Weiterhin sind viele Patienten auch auf Krankengymnastik oder auf Physiotherapie angewiesen. Diese Übungen können häufig auch zuhause durchgeführt werden, sodass die Bewegung wiederhergestellt wird. Der Patient sollte weiterhin beachten, dass eine langfristige Einnahme von Schmerzmitteln nicht empfehlenswert ist, da diese den Magen schädigen kann. Die Einnahme von Schmerzmitteln sollte daher immer mit dem Arzt abgestimmt sein.

Die Beschwerden des Iliosakralgelenk-Syndroms können auch durch eine Unterwassergymnastik eingeschränkt werden. Diese Übungen werden in der Regel in einer Gruppe durchgeführt, können allerdings auch alleine durchgeführt werden. Bei starken Schmerzen sollte sich der Patient allerdings an einen Mediziner wenden, da diese mit einem Betäubungsmittel gelindert werden können. In den meisten Fällen kommt es beim Iliosakralgelenk-Syndrom zu einem positiven Krankheitsverlauf.

Bücher über Kreuzschmerzen

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Grifka, J., Krämer, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Heidelberg 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014

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