Lordose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. Oktober 2017
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Unter einer Lordose wird eine Wirbelsäulenkrümmung in die vordere Richtung verstanden. Die Hyperlordose stellt eine häufig vorkommende Fehlhaltung dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Lordose?

Bei der Lordose handelt es sich um eine Krümmung der Wirbelsäule, die in die vordere Richtung verläuft. Sie bildet das Gegenstück zur Kyphose, bei der die Wirbelsäulenkrümmung in die hintere Richtung geht. Bei der Gesamtform der Wirbelsäule zeigt sich die Lordose in der Halsregion, während die Kyphose im Brustbereich auftritt. Außerdem kommt es im Abschnitt des Lendenwirbels ebenfalls zu einer Lordose.

So ist zwischen einer Lendenlordose und einer Halslordose zu unterscheiden. Führt die Lordose zu einer Fehlhaltung, ist in der Medizin von einer Hyperlordose oder einem Hohlkreuz die Rede. Sie zeigt sich entweder an der Halswirbelsäule oder an der Lendenwirbelsäule.

Als Hyperlordose wird eine Fehlhaltung bezeichnet, bei der es zu einer übermäßigen Krümmung der Wirbelsäule in die vordere Richtung kommt. Bemerkbar macht sich die übertriebene Krümmung durch Schädigungen der Wirbelsäule und Rückenschmerzen. Während sich die Wirbelsäule übermäßig nach vorne krümmt, erfolgt gleichzeitig eine Wölbung des Bauches in die Vorderrichtung, während der Brustkorb hinter die Körperachse verlagert wird.

Auf diese Weise nimmt der Betroffene eine stabile Haltung ein und kippt nicht nach vorne. Außerdem verhindert die Bauchmuskulatur das Umfallen in die hintere Richtung. Nicht selten wirken die betroffenen Personen so, als würden sie wie bei einer Schwangerschaft an einem schweren Bauch tragen.

Ursachen

Die Ursachen für das Entstehen einer krankhaften Lordose sind unterschiedlich. In manchen Fällen ist die Hyperlordose bereits angeboren, was jedoch eher selten vorkommt. Bei den meisten Patienten bildet sich das Hohlkreuz durch Fehlhaltungen, die längere Zeit andauern. Mitunter sind diese Fehlhaltungen auch die Folge von bestimmten Erkrankungen, zu denen Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) oder Morbus Pomarino gehören.

Bei den meisten Betroffenen wird die Lordose jedoch durch ein muskuläres Ungleichgewicht hervorgerufen. Dieses kommt durch fehlerhafte Körperhaltungen wie permanentes Sitzen oder Stehen beziehungsweise Bewegungsmangel zustande. Vor allem unergonomisches Sitzen ist oftmals für das Entstehen einer Hyperlordose verantwortlich. Zurückführen lässt sich dies auf das rasche Erschlaffen der Bauchmuskeln.

Zusammen mit den Rücken- und Gesäßmuskeln sind die Bauchmuskeln jedoch wichtig für das Stabilisieren der Wirbelsäule. Darüber hinaus leiden die Betroffenen nicht selten grundsätzlich unter Bewegungsmangel, was sich wiederum negativ auf die Muskelstärke auswirkt. Aus diesem Grund ist ein effizienter Ausgleich der Lordose nicht mehr möglich, was zu einer anhaltenden Fehlstellung führen kann.

Mitunter sorgt auch eine Verkürzung des Hüftbeugers für das Entstehen eines Hohlkreuzes, wenn zur gleichen Zeit die Streckmuskulatur schwach ausgeprägt ist. Weil sich Sehnen und Bänder deswegen verkürzen, wird der untere Rücken im Laufe der Zeit immer unbeweglicher. Die Folge davon ist schließlich das Auftreten einer Hyperlordose, die sich fast immer an der Lendenwirbelsäule zeigt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Nicht in jedem Fall führt eine übertriebene Lordose gleich zu starken Beschwerden. So leiden einige Betroffene anfangs lediglich unter Verspannungen, die ab und zu auftreten. Im weiteren Verlauf zeigen sich aufgrund der Muskelschwäche zunehmend Schmerzen in Rücken und Kreuz, deren Intensität im Laufe der Zeit zunimmt.

Als weiteres typisches Symptom gelten Bewegungseinschränkungen, für die die verkürzten Sehnen und Bänder verantwortlich sind. Ein weiteres Problem kann das Abnutzen der Bandscheiben sein, das oftmals mit einer Hyperlordose einhergeht. Aus diesem Grund steigt das Risiko von Bandscheibenvorfällen und Schäden an der Wirbelsäule.

Die Lordose führt außerdem mitunter zum Verengen des Spinalkanals, sodass die Rückenschmerzen auch auf die Beine ausstrahlen, was als Lumboischialgie bezeichnet wird. Dabei kann es auch zu Gefühlsstörungen wie Kribbeln und Missempfindungen kommen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer Hyperlordose kann der untersuchende Mediziner zumeist schon durch eine körperliche Untersuchung stellen. Besonders das Vorkippen des Beckens sowie das Wölben der Wirbelsäule zum Bauch hin gelten als eindeutige Hinweise auf ein Hohlkreuz. Um dessen Ausmaß sowie bereits mögliche Schäden an der Wirbelsäule feststellen zu können, erfolgt zumeist eine Röntgenuntersuchung. Wichtig ist außerdem, die auslösende Ursache zu identifizieren.

Der weitere Verlauf einer Lordose richtet sich danach, welche Behandlungsmaßnahmen vorgenommen werden. So muss der Patient die betroffenen Muskelgruppen rasch und konsequent trainieren, um möglichen Folgeerkrankungen entgegenzuwirken. Wird die Therapie schnell und fachgerecht durchgeführt, nimmt die Hyperlordose zumeist einen positiven Verlauf.

Komplikationen

In erster Linie führt die Lordose zu einer sehr ungesunden und vor allem zu einer fehlerhaften Haltung des Patienten. Diese Haltung wirkt sich dabei sehr negativ auf die Gesundheit des Patienten aus. In den meisten Fällen leiden die Betroffenen an Verspannungen, die dabei in verschiedenen Regionen des Körpers auftreten können.

Dabei kommt es auch zu einer Muskelschwäche, sodass die Belastbarkeit der Betroffenen deutlich abnimmt und es zu Einschränkungen der Lebensqualität kommt. Auch Bewegungseinschränkungen können dabei auftreten. Das Risiko eines sogenannten Bandscheibenvorfalls steigt durch die Lordose deutlich an. Ebenso können verschiedenen Gefühlsstörungen und Missempfindungen am Körper auftreten, sodass es zu einem unangenehmen Kribbeln oder zu einer Taubheit des Patienten kommt.

Die Lebensqualität wird durch die Lordose deutlich eingeschränkt und verringert. Nicht selten entwickeln die Patienten durch die Krankheit auch psychische Beschwerden und wirken gereizt. Die Schmerzen können dabei vor allem in der Nacht in Form von Ruheschmerzen auch zu Schlafbeschwerden führen.

Die Behandlung der Lordose erfolgt durch verschiedene Maßnahmen der Physiotherapie. Dadurch können die meisten Beschwerden eingeschränkt werden. In der Regel wird die Lebenserwartung des Patienten von der Lordose nicht beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Im Rahmen einer Therapie der Lordose ist es von entscheidender Bedeutung, die Körperhaltung des Patienten zu verbessern und für ausreichend Bewegung zu sorgen. Auch das Einnehmen einer korrekten Sitzposition gilt als überaus wichtig. Von Experten wird deswegen das sogenannte dynamische Sitzen empfohlen.

Dabei halten die betroffenen Personen ihren Oberkörper gerade und wechseln regelmäßig von einer aufrechten zu einer zurücklehnenden Sitzhaltung. Dadurch lassen sich Muskeln und Bandscheiben wirksam entlasten. Als sinnvoll wird außerdem der Einsatz von ergonomischen Sitzmöbeln eingeschätzt. Eine weitere Therapiemaßnahme ist der Besuch einer Rückenschule.

Dort zeigen Physiotherapeuten dem Patienten spezielle Übungen, die zur Dehnung und Stärkung der Muskulatur dienen. Diese Übungen lassen sich auch in den eigenen vier Wänden durchführen. Sind Erkrankungen wie Wirbelgleiten oder Morbus Pomarino der Auslöser der Lordose, gilt es, deren Ursachen zu behandeln.

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Vorbeugung

Damit es gar nicht erst zu einer Hyperlordose kommt, sollte stets auf genügend Bewegung geachtet werden. Als hilfreich gelten Fitnesstraining, Walken oder Schwimmen. Ebenfalls vorbeugend wirkt das Einnehmen einer gesunden Körperhaltung.

Das können Sie selbst tun

Die Behandlung einer Lordose stellt im wesentlichen darauf ab, die Körperhaltung des Betroffenen zu verbessern und für ausreichend Bewegung zu sorgen. Dies ist nur durch die tätige Mithilfe des Patienten möglich. Eine Lordose gehört deshalb zu den Krankheitsbildern, bei denen der Patient mehr für sich tun kann, als der Arzt.

Als erste sollte der Patient lernen, eine gesunde Sitzposition einzunehmen. Welche für den Betroffenen optimal ist, hängt auch von der jeweiligen Tätigkeit ab. Der Betroffene sollte dies mit seinem behandelnden Arzt und seinem Physiotherapeuten abklären und die ausgesprochenen Empfehlungen auch einhalten. Letzteres ist oftmals schwer, da wir meist unbewusst und aus Gewohnheit eine ungesunde Körperhaltung einnehmen. Hier können ein paar kleine Tricks weiterhelfen. Wer sich ein Büro mit Kollegen teilt, kann einen davon ins Vertrauen ziehen und darum bitten, dass dieser ihn regelmäßig auf eine mangelhafte Körperhaltung aufmerksam macht. Wer ein Büro für sich alleine zur Verfügung hat, kann die Überwachungsfunktion seiner Webcam aktivieren und sich die Aufnahmen regelmäßig ansehen. Meist reicht aber schon das kleine rote Licht der Kamera, um den Betroffenen beständig an seine Körperhaltung zu erinnern. Ergonomische Sitzmöbel können die Umerziehung zusätzlich unterstützen.

Darüber hinaus ist es meist erforderlich, dass der Betroffene eine Rückenschule besucht und mehrmals wöchentlich für wenigstens zwanzig bis dreißig Minuten spezielle Übungen absolviert. Außerdem ist es äußerst wichtig, regelmäßige Bewegung, zum Beispiel durch konsequentes Treppensteigen, in den Alltag zu integrieren.

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Quellen

  • Emminger, H., Kia, T. (Hrsg.): Exaplan – Das Kompendium der klinischen Medizin. Urban & Fischer, München 2010
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Netter, F.H. et. al.: NETTERs Allgemeinmedizin. Thieme, Stuttgart 2006

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