Pseudogynäkomastie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. November 2017
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Bei der Pseudogynäkomastie handelt es sich um ein Brustwachstum beim Mann, das bei Adipositas auftritt. Die Brustvergrößerung beim Mann kann physiologisch oder krankhaft sein und führt oft zum Verlust des Selbstvertrauens.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Pseudogynäkomastie?

Die Pseudogynäkomastie ist durch eine Vergrößerung der Brust beim Mann gekennzeichnet. Während es bei der echten Gynäkomastie es zum Wachstum von Brustdrüsengewebe kommt, entsteht die Pseudogynäkomastie bei starkem Übergewicht, wobei es lediglich zur Einlagerung Fettgewebe in der Brust kommt.

Die echte Gynäkomastie kann wiederum in eine physiologische und eine krankhafte Form eingeteilt werden. Dabei stellt die krankhafte Form der Brustvergrößerung beim Mann keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom einer anderen Störung dar. Die physiologische Gynäkomastie kann wiederum in drei Formen unterteilt werden: Dabei handelt es sich um die Neugeborenengynäkomastie, die Pubertätsgynäkomastie und die Altersgynäkomastie.

  • Neugeborene Jungen bilden zuweilen einen Brustansatz aus, der durch den Einfluss der mütterlichen Östrogene während der Schwangerschaft verursacht wird.
  • In der Pubertät kommt es zur Hormonumstellung. Dabei können auch bei Jungen zeitweise höhere Östrogenwerte auftreten. Beide Formen der Gynäkomastie verschwinden in der Regel wieder nach ein bis zwei Jahren. Die Altersgynäkomastie ist auch physiologisch.
  • Durch den höheren Anteil von Fettgewebe bei älteren Männern wird gebildetes Testosteron schneller in Östrogen umgewandelt, was zu einer Brustvergrößerung führt.

Ursachen

Die Ursachen für eine Gynäkomastie sind vielfältig. Wie bereits erwähnt, gibt es physiologische Formen der Brustvergrößerung beim Mann, die in bestimmten Lebensabschnitten auftreten können. Neugeborenen- und Pubertätsgynäkomastie bilden sich in der Regel wieder zurück, wenn der Hormoneinfluss von Östrogen nachlässt.

Bei starker Adipositas bildet sich zwar oft eine Pseudogynäkomastie heraus, aber es können sich auch Mischformen mit einer echten Gynäkomastie entwickeln. Zum einen lagert sich verstärkt Fett im Fettgewebe der Brust ein und lässt sie dadurch wachsen. Zum anderen sorgt das Fettgewebe auch dafür, dass Testosteron schneller in Östrogene umgesetzt werden kann.

Das führt wiederum zum echten Wachstum des Brustdrüsengewebes. Die krankhafte Gynäkomastie kann also durch eine verminderte Produktion von Testosteron oder durch eine verstärkte Produktion von Östrogenen hervorgerufen werden. Es gibt verschiedene erblich bedingte Erkrankungen, die mit einem Hypogonadismus aufgrund zu geringer Testosteronwerte einhergehen.

Dazu zählen unter anderem das Klinefelter-Syndrom mit zwei X-Chromosomen und einem Y-Chromosom oder Erkrankungen mit Androgenrezeptordefekten. Testosteronmangel kann auch bei Erkrankungen der Hoden, bei Kastration oder bei Störungen des Hormonsystems auftreten. Östrogenüberschuss tritt häufig bei Nieren- und Lebererkrankungen wie Leberzirrhose auf.

Unter anderem gibt es auch Östrogen bildende Tumoren wie bestimmte Formen des Lungenkarzinoms. Des Weiteren kann ein Östrogenüberschuss auch bei Schilddrüsenüberfunktion oder nach einer Mangelernährung auftreten. Schließlich gibt es auch bestimmte Arzneimittel, die eine östrogene Wirkung entfalten. Dazu zählen solche Medikamente wie Cimetidin, Omeprazol oder Spironolacton.

Generell wird die echte Gynäkomastie durch einen Östrogeneinfluss auf das Brustdrüsengewebe ausgelöst. Allerdings können verschiedene Ursachen zu einer Erhöhung der Östrogenwerte führen. Oftmals sind die Östrogenwerte zwar nicht erhöht, sondern die Testosteronwerte niedriger. Dadurch verändert sich das Verhältnis von Östrogen zu Testosteron zugunsten des Östrogens.

Die Pseudogynäkomastie kann sowohl einseitig als auch beidseitig auftreten. Sie äußert sich im Brustwachstum beim Mann, welches selbstverständlich subjektive Beschwerden hervorrufen kann. Das größte Problem bei der Pseudogynäkomastie besteht in der Störung des Selbstvertrauens.

Oft entwickeln sich aus Angst vor Spott psychische Belastungen, die zum Vermeiden von sozialen Kontakten führen. Bei Zugrundeliegen anderer Erkrankungen ist die „echte“ Gynäkomastie mit den anderen Symptomen der entsprechenden Erkrankung vergesellschaftet. In manchen Fällen können sich auch Berührungsempfindlichkeiten und Spannungsgefühle in der Brust herausbilden.

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Diagnose und Verlauf

Da die Pseudogynäkomastie ein Symptom darstellt, kann sie bei der Diagnose von bestimmten Erkrankungen einen wichtigen Hinweis liefern. Für eine eventuelle Behandlung ist es wichtig zu wissen, ob es sich um eine echte Gynäkomastie oder eine Pseudogynäkomastie handelt.

Komplikationen

Eine Pseudogynäkomastie, also eine Einlagerung von Fettgewebe in die Brust des Mannes, kann schnell in eine richtige Gynäkomastie enden, mit einer Ausbildung von richtigem Drüsengewebe. Die Ursachen sind unterschiedlich und können verschiedene Komplikationen verursachen. Durch den Brustansatz werden die meisten Männer verspottet, so dass es zu psychischen Problemen kommen kann.

Der Betroffene isoliert sich meistens von der Gesellschaft und kann unter schweren Depressionen leiden. Zum einen kann sich typischerweise bei einer Adipositas ein Brustansatz entwickeln. Die Komplikationen einer Fettleibigkeit sind vielfältig. Die meisten Betroffenen entwickeln zusätzlich einen Diabetes mit den entsprechenden Folgen.

Dazu gehören die diabetische Retinopathie, das diabetische Fußsyndrom sowie die diabetische Nephro- und Neuropathie. Hinzu kommen weitere Stoffwechselstörungen, so dass die Patienten einen gestörten Fettstoffwechsel haben. Die Blutfette sind viel zu hoch und es können sich Folgeerkrankungen wie Atherosklerose oder eine Fettleber ausbilden, die in eine Leberzirrhose übergehen kann. Das Risiko an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden ist um ein Vielfaches bei adipösen Menschen erhöht. Auch der Harnsäurespiegel steigt, eine Gicht kann entstehen.

Zum anderen kann auch ein Mangel an Testosteron, der typischerweise bei verschiedenen Hodenerkrankungen entstehen kann, eine Pseudogynäkomastie verursachen. Hodenerkrankungen können zu unterschiedlichen Komplikationen führen, eine der häufigsten ist die Unfruchtbarkeit und starke Schmerzen in der Leisten- und Hodenregion.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Pseudogynäkomastie sollte in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden. Eine medizinische Diagnose ist schon aus Gründen der Ursachenfindung sinnvoll. So liegt der Brustvergrößerung womöglich eine ernste Erkrankung zugrunde, die unbehandelt Probleme hervorrufen kann. Zudem muss die Pseudogynäkomastie diagnostiziert werden, um eine geeignete Behandlung einleiten zu können. Betroffene leiden aufgrund der körperlichen Veränderungen häufig unter einem mangelnden Selbstbewusstsein, dass durch eine Therapie wieder gestärkt werden kann – vorausgesetzt, die Ursache für die vergrößerten Brüste ist bekannt.

Ein Arztbesuch empfiehlt sich bereits bei ersten Anzeichen einer Brustvergrößerung. Sobald Veränderungen am Brustgewebe bemerkt werden, die womöglich mit einem drückenden Schmerz oder einem auffälligen Pochen verbunden sind, muss ein Arzt konsultiert werden. Patienten, bei denen bereits ein Hormonmangel oder eine Stoffwechselstörung diagnostiziert wurde, sollten beim Verdacht auf eine Pseudogynäkomastie mit dem zuständigen Arzt sprechen. Durch Sport und eine gesunde Ernährung kann das Brustwachstum in der Regel wieder rückgängig gemacht werden. Menschen mit Adipositas oder einer anderen Essstörung sollten begleitend dazu mit einem Ernährungsberater sprechen.

Behandlung & Therapie

Die Pseudogynäkomastie bedarf aus gesundheitlicher Sicht eigentlich keiner Behandlung. Wenn sie Teil einer zugrunde liegenden Erkrankung ist, muss diese Erkrankung behandelt werden. Allerdings führt die Brustvergrößerung bei vielen Männern zu psychischen Belastungssituationen, die nur durch eine Brustverkleinerung gelöst werden können. Im Fall einer hormonell herbeigeführten Gynäkomastie wird oft versucht, diese durch Gabe von Hormonpräparaten herbeizuführen.

Das gelingt jedoch nicht in allen Fällen. Bei einer Operation wird am Rand des Brustwarzenhofes ein kleiner Schnitt gesetzt, von wo aus dann Brustdrüsengewebe und Fettgewebe entfernt werden können. Jedoch wird bei der Operation nicht die Ursache der Gynäkomastie beziehungsweise Pseudogynäkomastie beseitigt. Zunächst sollte die eventuell zugrunde liegende Erkrankung diagnostiziert und therapiert werden.

Da das Fettgewebe großen Einfluss auf die Umwandlung von Testosteron in Östrogene hat, sollte bei Adipositas eine Gewichtsreduktion durch Änderung der Ernährungsgewohnheiten und viel Bewegung angestrebt werden. Des Weiteren sollten eventuell Medikamente abgesetzt werden, die eine Gynäkomastie hervorrufen können und nicht unbedingt notwendig sind. Bei Testosteronmangel kann das männliche Sexualhormon substituiert werden. Dabei sollten jedoch eventuelle Nebenwirkungen beachtet werden.

Aussicht & Prognose

Oft sind Männer psychisch durch die Pseudogynäkomastie stark betroffen, da die vergrößerte Brust zu Minderwertigkeitskomplexen und zu einem verringerten Selbstbewusstsein führen kann. Meistens tritt die Pseudogynäkomastie nicht alleine auf, sondern stellt eine Begleiterscheinung bei einer anderen Krankheit dar. Sie führt nicht selten zu Depressionen und anderen psychischen Beschwerden.

Falls die Pseudogynäkomastie aufgrund einer Fettleibigkeit entsteht, so kann eine Diät zu einem positiven Krankheitsverlauf führen. In schwerwiegenden Fällen sind operative Eingriffe am Magen notwendig, allerdings kann die Pseudogynäkomastie oft schon mit Sport und einer gesunden Ernährung behandelt werden. Falls die Haut durch die Fettleibigkeit überdehnt wurde, kann diese noch ausgeweitet bleiben, wenn der Betroffene an Gewicht verloren hat.

Wenn die Pseudogynäkomastie durch einen Hormonmangel oder durch Stoffwechselstörungen verursacht wird, kann sie in der Regel gut behandelt werden. Falls die Behandlung nicht zu einem Erfolg führt, kann auch eine Brustverkleinerung durchgeführt werden. Dafür ist ein operativer Eingriff notwendig.

In vielen Fällen tritt die Pseudogynäkomastie bei der Einnahme von bestimmten Medikamenten auf. Der Patient sollte dabei nach Rücksprache mit dem Arzt die jeweiligen Medikamente absetzen oder durch andere ersetzen. Meist kommt es bei der Pseudogynäkomastie zu einem positiven Krankheitsverlauf ohne weiterer Komplikationen.

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Vorbeugung

Der durch Adipositas bedingten Pseudogynäkomastie kann durch eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und Bewegung vorgebeugt werden. Eine gesunde Lebensweise ist auch bezüglich der zugrunde liegenden Erkrankungen wie Leberzirrhose oder Nierenerkrankungen zu empfehlen. Dazu gehört auch ein Verzicht auf Alkohol und Rauchen.

Das können Sie selbst tun

Die Pseudogynäkomastie kann auf der Basis einer “Eigenbehandlung“ weder mit oral eingenommenen Medikamenten noch mit äußerlich aufgetragenen Salben, Cremes oder Tinkturen behandelt werden. Die mit einer Pseudogynäkomastie verbundenen psychischen Probleme in Form eines verringerten Selbstbewusstseins und Minderwertigkeitskomplexen jedoch können, solange sie nicht in massiver Form auftreten, aus eigenem Antrieb reduziert werden. Dabei kann es schon helfen, offen zu dieser Krankheit zu stehen, anstatt den Versuch zu starten, sie unter legerer Kleidung zu verstecken. Auch Anerkennung für andere positive Seiten der eigenen Persönlichkeit oder für vollbrachte Leistungen sind geeignet, die psychischen Defizite zu reduzieren oder sogar abzubauen. Wer es einmal geschafft hat, sich mit seinen Werten und seinem Können zu positionieren, ist auf dem richtigen Weg bereits ein gutes Stück unterwegs.

Beruht die Pseudogynäkomastie auf einer Fettleibigkeit, steht die Gewichtsreduktion an erster Stelle. Wird diese von den betroffenen Personen konstant durchgeführt, verringert sich auch häufig der Umfang der männlichen Brust als willkommene und gewünschte Begleiterscheinung. Das Studium von Fachlektüre bezüglich gesunder Gewichtsreduktion hilft dabei. Auch wer sich einer (fachlich betreuten) Gruppe anschließt, in der jeder sein Gewicht reduzieren möchte, wird sein Ziel erreichen können. Das Gleiche gilt für sportliche Aktivitäten, um die Maßnahmen zur Gewichtsreduktion zu unterstützen.

Bücher über Hormone

Quellen

  • Faller, A., Schünke, M.: Der Körper des Menschen. Thieme, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2015
  • Schmelz, H.U., Sparwasser, C., Weidner, W.: Facharztwissen Urologie. Springer, Heidelberg 2010

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