Hypogonadismus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. Dezember 2017
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Vom Hypogonadismus können sowohl Männer als auch Frauen betroffen sein. In den meisten Fällen ist die Erkrankung mithilfe einer hormonellen Substitutionstherapie erfolgreich zu behandeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hypogonadismus?

Im Allgemeinen beschreibt der Begriff des Hypogonadismus eine Unterfunktion der Gonaden (Keimdrüsen). Im menschlichen Körper sind die Gonaden für die Produktion von Keimzellen (Eizellen bzw. Spermien) und Sexualhormonen verantwortlich.

Häufig bezieht sich die Bezeichnung des Hypogonadismus im medizinischen Sprachgebrauch aber lediglich auf eine Unterfunktion der männlichen Gonaden (der Hoden). Beim Hypogonadismus handelt es sich um eine endokrine (das Hormonsystem betreffende) Funktionsstörung.

Ein sogenannter primärer Hypogonadismus liegt dann vor, wenn die Gonaden selbst in ihrer Funktion beeinträchtigt sind. Vom sekundären Hypogonadismus ist die Rede, wenn die Hypophyse (eine Hormondrüse im Gehirn, die auch als Hirnanhangdrüse bezeichnet wird) von einer Funktionsstörung betroffen ist.

Liegt schließlich ein (sehr selten auftretender) tertiärer Hypogonadismus vor, so ist der Hypothalamus (ein Regulationszentrum endokriner Vorgänge, das im Gehirn lokalisiert ist) von einer Funktionsstörung betroffen.

Ursachen

Einem primären Hypogonadismus beim Mann liegen in der Regel fehlende oder beeinträchtigte Leydig-Zellen zugrunde, die zu den wichtigsten Zellen des Hodens zählen. In der Folge ist die Testosteronproduktion beim betroffenen Mann beeinträchtigt.

Bei verschiedenen Unterformen des primären Hypogonadismus kann eine niedrige Testosteronkonzentration auch auf Faktoren wie Traumata, Kastrationen oder Hodenentzündungen zurückzuführen sein. Ein primärer Hypogonadismus bei der Frau kann unter anderem begünstigt sein durch entzündliche Prozesse oder Tumore der Keimdrüsen. Auch angeborene Unterentwicklungen der Geschlechtsorgane können zum primären Hypogonadismus bei der Frau führen.

Schädigungen der Hypophyse als Ursache eines sekundären Hypogonadismus können beispielsweise durch Gewebeneubildungen (Tumore) oder Entzündungen hervorgerufen werden. Beeinträchtigungen des Hypothalamus, die sich hinter einem tertiären Hypogonadismus verbergen, können schließlich bereits angeboren oder durch Faktoren wie Traumata oder verschiedene Erkrankungen bedingt sein.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Diagnostische Verfahren, die beim Verdacht auf Hypogonadismus zum Einsatz kommen, unterscheiden sich unter anderem in Abhängigkeit von der jeweiligen Erkrankungsform und der individuellen Symptomatik. Veränderte Hormonspiegel können beispielsweise mithilfe von Blutuntersuchungen festgestellt werden.

So werden geschlechtsspezifisch etwa die Spiegel von Prolactin (ein Hormon der Hypophyse), Testosteron und/oder Estradiol (ein Geschlechtshormon) bestimmt. In der Regel sind die meisten Formen des Hypogonadismus gut therapierbar. Zu den möglichen Komplikationen im Verlauf eines Hypogonadismus zählen beispielsweise Impotenz, Unfruchtbarkeit oder Herzkreislauferkrankungen.

Komplikationen

Sowohl männliche als auch weibliche Patienten sind vom Hypogonadismus betroffen. Durch den Hypogonadismus kommt es in den meisten Fällen zu einem sogenannten Androgenmangel. Der Mann kann durch diesen Mangel unfruchtbar und damit auch zeugungsunfähig werden. In den meisten Fällen führen diese Einschränkungen zu extrem psychischen Belastungen und zur Ausbildung von Depressionen.

Nicht selten leiden die Patienten auch an Minderwertigkeitskomplexen und an einem verringerten Selbstwertgefühl. Im schlimmsten Falle kann es sogar zu Selbstmordgedanken kommen. Auch der Partner ist durch den Hypogonadismus von psychischen Beschwerden betroffen und leidet an einer verringerten Lebensqualität. Die Geschlechtsorgane bilden sich oft zurück und können vor allem bei Kindern zu Mobbing und zu Hänseleien führen.

Weiterhin kann bei Kindern die Pubertät komplett ausbleiben, was zu starken Störungen der physischen und psychischen Entwicklung führt. Es kann ebenso zu Herzbeschwerden kommen, die zum Tode führen können. Die Behandlung des Hypogonadismus erfolgt in der Regel mit Hilfe von Hormonen und führt in den meisten Fällen zu einem Erfolg. Dabei treten keine besonderen Komplikationen auf. Sollte es zu depressiven Verstimmungen gekommen sein, so werden diese ebenfalls durch einen Psychologen untersucht. Die Lebenserwartung wird durch den Hypogonadismus meistens nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Die Therapie des Hypogonadismus richtet sich zunächst nach der Form der Erkrankung: Die Behandlung eines primären Hypogonadismus erfolgt in der Regel durch die medikamentöse Gabe reduziert vorliegender oder fehlender Sexualhormone (beim Mann handelt es sich hierbei meist um Androgene wie Testosteron, bei der Frau um Östrogene oder Gestagene).

Diese Form der Behandlung wird in der Medizin auch als Substitutionstherapie bezeichnet. In vielen Fällen des Hypogonadismus ist eine lebenslange Hormongabe notwendig. Eine Substitutionstherapie kann auf verschiedene Weise erfolgen; so beispielsweise mithilfe von Tabletten oder Injektionen, aber auch spezifischer Pflaster. Die individuell verabreichte Hormonmenge richtet sich unter anderem nach Lebensalter und Körpergewicht des Patienten.

Sekundärer Hypogonadismus wird oft mit sogenannten Gonadotropinpräparaten behandelt. Bei Gonadotropinen handelt es sich um Sexualhormone, die zur Stimulation der Keimdrüsen beitragen. Entsprechende Präparate können die verschiedenen Hypophysenhormone ergänzen. Die Gabe von Gonadotropinpräparaten erfolgt bei sekundärem Hypogonadismus vor allem auch dann, wenn ein Kinderwunsch besteht, denn das Sexualhormon regt die Bildung von Spermien- bzw. Eizellen an.

Vor allem bei Männern fortgeschrittenen Lebensalters kann der Hypogonadismus mit Symptomen wie depressiver Verstimmung und/oder Anämie (Blutarmut) einhergehen. In der Regel werden hier Therapieschritte zur Behandlung des Hypogonadismus ergänzt durch therapeutische Maßnahmen, die sich auf die individuell begleitende Symptomatik richten.

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Vorbeugung

Inwiefern Hypogonadismus vorzubeugen ist, hängt vor allem von den individuellen Ursachen der Erkrankung ab; sekundärem Hypogonadismus kann beispielsweise durch eine ausgewogene Ernährung entgegengewirkt werden, die auftretende Mangelerscheinungen verhindert. Formen des Hypogonadismus, die sich etwa aufgrund von Hodenentzündungen entwickeln können, ist vor allem durch eine frühzeitige Behandlung der entzündlichen Erkrankung vorzubeugen.

Das können Sie selbst tun

Beim Auftreten des Hypogonadismus sind die Patienten in jedem Fall auf eine medizinische Behandlung angewiesen. Nur durch eine hormonelle Behandlung können die Beschwerden dauerhaft gelindert und Komplikationen vermieden werden. Aus diesem Grund sollten die Patienten darauf achten, die Hormone regelmäßig einzunehmen. Die Therapie kann dabei in vielen Fällen auch durch Injektionen oder durch das Aufkleben eines Pflasters stattfinden.

Weitere Maßnahmen der Behandlung sind damit nicht notwendig. In der Regel führt die Behandlung auch zu keinen besonderen Einschränkungen im Alltag des Patienten. Bei Männern kann der Hypogonadismus auch zu Depressionen führen, sodass diese ebenfalls behandelt werden müssen. Hierbei können sich Gespräche mit den engsten Freunden, der Familie oder mit dem eigenen Partner sehr positiv auf den Verlauf der Erkrankung auswirken und weitere Komplikationen vermeiden. Auch der Kontakt zu anderen Patienten des Hypogonadismus kann sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken, wenn es hierbei zu einem Informationsaustausch kommt.

Im Falle einer Anämie kann eine ausgewogene Ernährung die Beschwerden lindern, wobei vor allem Lebensmittel eingenommen werden sollten, die viel Eisen enthalten. Allerdings kann die Anämie auch durch Nahrungsergänzungsmittel oder mit Hilfe von Transfusionen eingeschränkt werden.

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Quellen

  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Kleine, B., Rossmanith, W.G.: Hormone und Hormonsystem. Springer Verlag, Berlin 2010

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