Polyneuritis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. August 2017
Startseite » Krankheiten » Polyneuritis

Polyneuritis ist eine entzündliche Erkrankung des peripheren Nervensystems oder der Hirnnerven. Mehrere oder alle Nerven können dabei in unterschiedlicher Intensität betroffen sein. Missempfindungen und funktionale Störung geschädigter Körperzonen gehören zu den typischen Symptomen. Die Ursachen und zugehörige Therapieansätze unterliegen einer breit gestreuten Vielfalt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Polyneuritis?

Die Polyneuritis beschreibt einen entzündlichen Prozess von Nerven und ist ein Oberbegriff für mehrere Krankheitsbilder. Schäden an Nervensträngen und Nervenenden ohne entzündliche Prozesse außerhalb des Hirnstammes sowie Rückenmarks werden von der Polyneuropathie mit eingeschlossen. Die peripheren Nervenbahnen verlaufen vom zentralen Nervensystem aus in den ganzen Körper.

Über diese Leitungen werden motorische Befehle an Gliedmaßen und Muskulatur gegeben. Passiv aufgenommene Reize von sensorischen Nerven übermitteln Empfindungen an das Gehirn, wo diese anschließend ausgewertet und interpretiert werden. Das autonome Nervensystem kontrolliert hingegen automatisch die Aktivität der Organe wie den Herzschlag und sind nicht bewusst vom Menschen zu kontrollieren.

Bei der Mononeuritis liegt die Entzündung eines einzelnen Nervs im Vordergrund. Erfolgt die Schädigung an mehreren, nicht in direkter Verbindung zueinander stehenden Nerven, wird der Begriff Mononeuritis multiplex gebraucht. Die Polyneuritis cranialis steht für eine Erkrankung der Nerven direkt im Hirnstamm. Ein bekannter Vertreter der akuten Polyneuritis ist das lebensgefährliche Guillain-Barré-Syndrom sowie Herpes Zoster.

Ursachen

Infektionen durch Bakterien und Viren können eine Polyneuritis auslösen. Borreliose, Diphtherie und eine HIV-Erkrankung fallen darunter. Ebenfalls legen Autoimmunerkrankungen den Grundstein für einen entzündlichen Befall des Nervengewebes. Eigene Abwehrzellen greifen die Nervenzellen an und sind deshalb verantwortlich für eine breite Palette an Symptomen.

Das Guillain-Barré-Syndrom weist eine solche Charakteristik auf. Auch eine Belastung des Organismus aufgrund ungesunder Ernährung durch mit Schwermetallen belasteten Nahrungsmitteln oder Umweltgifte führen zu einer Belastung des Nervensystems. Blei und Quecksilber sind für ihre nervenschädigende Eigenschaft bekannt. Das Gleiche gilt für den regelmäßigen Gebrauch von Medikamenten wie Antibiotika.

Auch extreme Therapiemaßnahmen gegen Krebs durch eine Chemotherapie fungieren als möglicher Auslöser eine Polyneuritis. Bösartige Tumoren zerfressen umliegendes Gewebe und können so direkt den Nervenbahnen schweren Schaden zufügen. Wenn plötzlich ohne langsamen Anstieg von Anzeichen Missempfindungen und Schmerzen auftreten, steht dahinter in der Regel ein akutes Geschehen.

Schreiten die Auswirkungen einer Polyneuritis langsam, aber stetig voran, verbergen sich dahinter meist eine oder mehrere Grunderkrankungen. So beeinträchtigt starker Alkoholmissbrauch die Entgiftungsfunktion von Leber und Niere. Mangelnde Zufuhr an Nervenvitaminen wie Vitamin B1, B6 oder B12 erhöht zudem die Gefahr einer Erkrankung immens.

Selten ist auch eine Überdosis an Vitamin B6 für gesundheitliche Probleme verantwortlich. Neben einer Schilddrüsenunterfunktion kommen auch Durchblutungsstörungen bei der Eingrenzung der Ursachen in Frage. Bei ungefähr einem Viertel der Krankheitsfälle wird eine erbliche Komponente als Hauptfaktor angesehen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einer Polyneuritis ist die Qualität der Reizübertragung herabgesetzt. Die Art der Anzeichen bei einer Erkrankung sind motorischer oder sensorischer Natur. Auch autonome Fehlfunktionen gehören zum Krankheitsbild. In der Regel beginnt die Entwicklung mit Beschwerden in den Extremitäten. Zuerst zeigen Füße und Beine typische Merkmale einer Übersensibilisierung, später kommen Hände und Arme hinzu.

Ohne äußere Einwirkung erfahren Betroffene Missempfindungen, die von starken Schmerzen sowie Taubheit begleitet werden. Entzündung sensorischer Nerven erzeugen häufig ein Kribbeln auf der Haut. Auch entgegengesetzte Reaktionen zeichnen die Polyneuritis aus. Nerven reagieren nicht mehr angemessen auf übermäßige Hitze, Druck oder große Kälte.

Das Schmerzempfinden und der Tastsinn geraten aus dem Gleichgewicht und reagieren nicht mehr adäquat auf äußere Einwirkungen. Dadurch ist die Gefahr einer unbeabsichtigten Verletzung durch Verbrennung oder Erfrierungen gegeben. Ausprägungen der Krankheit sind oft auf beiden Körperseiten präsent, obwohl auch asymmetrische Verläufe existieren.

Schäden der motorischen Nerven bewirken eine Schwächung und den Rückgang der Muskulatur. Der Befall des autonomen Nervensystems provoziert unter anderem Herzrhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen und Probleme des Verdauungstraktes.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine Untersuchung des Bluts sowie des Urins kann mögliche Hinweise auf eine Polyneuritis liefern und zu einer Diagnose beitragen. Zusätzlich bekräftigt die Schilderung von Patienten gegenüber dem Facharzt den Verdacht auf eine entzündliche Erkrankung des peripheren Nervensystems.

Eine Bestätigung oder Ausschluss der Polyneuritis wird durch eine umfassende Untersuchung des Körpers und der Nervenleitgeschwindigkeit bei einem Neurologen eingeholt. Dieser prüft allgemeine Körperfunktionen wie Muskelkraft, Reflexe und Nervenleitgeschwindigkeiten. Dabei unterscheidet der behandelte Arzt zwischen einer oberflächlichen Beeinträchtigung der Nervenhülle und einer direkten Schädigung des Nervenstrangs.

Die dadurch gewonnenen Kenntnisse lassen erste Rückschlüsse bezüglich der Ursache zu. Eine genaue Pathogenese unterstützt dabei die weitere Suche und fokussiert sich auf den genauen Verlauf und Vorgeschichte der Erkrankung. Eventuelle Grunderkrankungen, ungeklärte Symptome und die Einnahme von Medikamenten finden hier Berücksichtigung. Eine familiäre Belastung durch neurologische Erkrankungen kann auf eine genetische Disposition hinweisen.

Als letztes Mittel ordnet der Arzt eine Biopsie des Nervengewebes und eine Untersuchung des Nervenwassers an. Die Krankheit kann plötzlich ohne Vorzeichen sehr intensiv auftreten oder langsam mit schwacher Ausprägung sich über Jahre hinweg über den ganzen Körper ausbreiten und chronisch manifestieren.

Komplikationen

Durch die Polyneuritis kommt es im Allgemeinen zu verschiedenen Missempfindungen und zu Störungen der Sensibilität. Dabei kann allerdings nicht vorausgesagt werden, welche Regionen des Körpers von diesen Missempfindungen betroffen sein werden. Die Patienten leiden durch diese Krankheit an Bewegungseinschränkungen und in einigen Fällen auch an einer Taubheit. Auf der Haut kommt es zum typischen Kribbeln.

Ebenso können die Patienten verschiedene Gefühle und Reize auf der Haut nicht mehr richtig wahrnehmen und sind damit in ihrem Alltag sehr eingeschränkt. Auch die Lebensqualität des Patienten wird durch die Polyneuritis deutlich verringert und negativ beeinflusst. Ebenso kann es zu Verletzungen kommen, wenn die Betroffenen Reize nicht richtig wahrnehmen können. Die Krankheit führt ebenso zu Störungen des Herzrhythmus und kann damit im schlimmsten Fall auch zum Tode des Betroffenen führen.

Ebenso kann es zu Schwierigkeiten bei der Verdauung kommen. In der Regel richtet sich die Behandlung der Polyneuritis nach der Grunderkrankung, sodass die Komplikationen und der weitere Verlauf dieser Krankheit stark von dieser Erkrankung abhängen. Allerdings sind viele Patienten auch auf eine psychische Behandlung angewiesen, da es nicht selten zu Depressionen und zu anderen psychischen Verstimmungen kommen kann.

Behandlung & Therapie

Basiert der Ausbruch auf einer erkennbaren Grunderkrankung, kann eine zielgerichtete Therapie gegen diese erfolgen. In diesem Fall steht die deutliche Rückbildung der Symptome des Patienten in Aussicht. Abhängig von Schweregrad, Ursache und Dauer der Erkrankung ist sogar eine komplette Genesung möglich. Bleibt der direkte Grund unerkannt, orientiert sich die Behandlung primär an der Linderung der Symptome.

Zur Bekämpfung von Mangelzuständen kommen hochdosierte Vitaminpräparate (B1, B12) zum Einsatz. Diabetiker erhalten bei Bedarf Alpha-Liponsäure. Kommt eine Autoimmunreaktion als Auslöser in Betracht, so setzt die Behandlung auf die Unterdrückung der Körperabwehr. Schwere Fälle begünstigen die Ausbildung einer Depression aufgrund der anhaltenden, körperlichen sowie psychischen Belastung eines Erkrankten.

Die Gabe von Antidepressiva und lokalen Schmerzmitteln, manchmal auch entkrampfenden Arzneimitteln, ist dann angebracht. Infektionskrankheiten wie die Borreliose müssen zunächst gründlich diagnostiziert werden, um eine gegen den Erreger angemessene Medikamentation zu erzielen. Krankengymnastik hilft bei der Regeneration von zurückgegangenen Muskelpartien und dient der Linderung von Gelenkbeschwerden.

Einschränkungen in deren Beweglichkeit und Funktion werden damit teilweise rückgängig gemacht. Aufgrund der vielfältigen Ursachen und Grunderkrankungen der Polyneuritis muss ein Facharzt eine genaue Diagnose für eine geeignete Therapie stellen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Eine geeignete Prävention setzt sich aus der Vermeidung potentieller Risikofaktoren zusammen. Diese beinhalten die rechtzeitige Diagnose und Therapie von Grunderkrankungen, die eine Polyneuritis hervorbringen. Bereits erste Warnzeichen geben dem Hausarzt einen Hinweis auf eine mögliche Erkrankung des peripheren Nervensystems. Eine frühzeitige, medizinische Intervention erhöht die Chancen auf einen positiven Verlauf, einer effektiven Verlangsamung der Ausbreitung und der Wahrung der Lebensqualität erkrankter Personen.

Bücher über Gefühlsstörungen

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: