Polyarthritis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. August 2017
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Unter dem medizinischen Begriff Polyarthritis versteht der Mediziner eine gleichzeitig auftretende Entzündung von mehreren Gelenken. Eine der häufigsten Formen der Gelenkentzündung ist die sogenannte rheumatoide Arthritis. Des Weiteren sind oftmals auch Infektionen ein Grund, weshalb eine Gelenkentzündung entsteht. Ebenfalls können Stoffwechselerkrankungen eine Ursache darstellen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Polyarthritis?

Ist mehr als ein Gelenk von einer Entzündung betroffen, spricht der Mediziner von der Polyarthritis. Das Wort Arthritis leitet sich aus dem Griechischen "Arth" - das Gelenk - sowie dem Wort "Itis" - die „Entzündung" zusammen, wobei der Begriff "Poly" die plurale Bedeutung darstellt. Ist nur ein Gelenk von der Entzündung betroffen, handelt es sich um eine Monoarthritis.

Eine dementsprechende Entzündung kann spontan auftreten, wobei man hier von einer akuten Arthritis spricht. Dauert die Entzündung länger an bzw. tritt diese immer wieder auf, spricht der Mediziner von einer chronischen Erkrankung, die im Volksmund auch gerne als Rheuma bezeichnet wird.

Ursachen

Es gibt unterschiedliche Arten und Formen einer Polyarthritis. Die häufigsten Ursachen sind Infektionen, Stoffwechselerkrankungen sowie Autoimmunerkrankungen und der Gelenkverschleiß. Bei der Infektion zeichnen sich Bakterien sowie andere Erreger für die Entzündung verantwortlich.

Sie treten über eine offene Wunde ein und infizieren sodann die betroffenen Gelenke. Klassische Erreger sind Streptokokken, Staphylokokken, Salmonellen sowie die Haemophilus influenzae und das Escherichia coli. Liegt eine Autoimmunerkrankung vor, attackiert das eigene Immunsystem die Gelenke. Typische Autoimmunerkrankungen, welche eine Polyarthritis auslösen, sind etwa die Schuppenflechte, Morbus Crohn sowie Colitis ulcerosa sowie Morbus Bechterew oder die rheumatische Arthritis (Rheuma).

Die chronische Polyarthritis zählt zu den häufigsten Formen einer Gelenksentzündung. Ebenfalls sind Stoffwechselerkrankungen für eine Polyarthritis verantwortlich. Häufig leiden Patienten an einer Polyarthritis, wenn sie an der Gicht erkrankt sind. Die Entzündung wird dabei durch die Harnsäureerhöhung ausgelöst, die im Volksmund auch unter Gichtanfall bekannt ist.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Infogramm zu den Schmerzregionen und den betroffenen Gelenken bei rheumatoider Arthritis. Bild anklicken, um zu vergrößern.

Der Arzt benötigt, um eine Polyarthritis zu diagnostizieren, einige Untersuchungsschritte. Vorwiegend erhebt er die Krankengeschichte des Patienten und befragt diesen nach allfälligen Symptomen. Danach erfolgen die körperlichen Untersuchungen sowie die Überprüfung der Blutwerte. Ebenfalls fertigt der behandelnde Arzt eine Röntgenbildaufnahme von den betroffenen Gelenken an.

In erster Linie geben bereits die Symptome, welche die Patienten schildern, einen relativ guten Einblick darüber, ob eine Polyarthritis vorliegt. Der Arzt muss jedoch, damit er eine treffsichere Diagnose liefern kann, auch folgende Fragen beantworten, wie etwa, welche Gelenke betroffen sind und welche Beschwerden aufgetreten sind. Ebenfalls ist es von Vorteil, dass der Patient bekannt gibt, seit wann er unter den beschriebenen Beschwerden leidet. Auch die Tatsache, ob das Gelenk stärker belastet wurde (etwa auf Grund von verschiedenen Sportarten) oder ob eine Grunderkrankung (beispielsweise die Gicht) vorliegt, sind entscheidende Faktoren für die Diagnose.

Der Mediziner untersucht das betroffene Gelenk auf die Tatsache, ob eine Schwellung oder Rötung vorliegt. Bei einer Polyarthritis ist oftmals der Entzündungswert im Blut erhöht. Klassische Merkmale sind eine Erhöhung der Leukozyten (die weißen Blutkörperchen), der Blutsenkungsgeschwindigkeit sowie des CRP (dem C-reaktiven Protein).

Der Verlauf der Krankheit hängt im Regelfall davon ab, weshalb die Polyarthritis entstanden ist. Handelt es sich um eine Infektion, heilt die Entzündung, nach einer rechtzeitigen Behandlung, vollständig aus. Bei chronischen Formen der Polyarthritis ist es möglich, dass der Prozess der Entzündung gebremst wird. Eine Heilung ist jedoch nicht möglich, sodass der Patient mit einer Verschlechterung des Zustands rechnen muss.

Komplikationen

Bei einer Polyarthritis besteht das Risiko von verschiedenen Komplikationen, wenn keine oder eine falsche Behandlung des Leidens stattfindet. So drohen Folgeerkrankungen, schwere Schäden an den Gelenken sowie eine Verschlechterung der Lebensqualität. Die chronische Polyarthritis zählt zu den systemischen Erkrankungen.

Das bedeutet, dass sich die Entzündung auf innere Organe wie Lunge und Herz ausbreiten kann. Gleiches gilt für die Gefäße. Im schlimmsten Fall droht durch die rheumatoide Arthritis die Versteifung oder Deformität der Gelenke, sodass eine Invalidität entsteht. Die Folgeerscheinungen der Polyarthritis wirken sich auf ganz alltägliche Dinge aus.

So ist die betroffene Person mitunter nicht mehr in der Lage am Computer zu arbeiten, weil sie Maus und Tastatur nicht mehr bedienen kann. Darüber hinaus werden berufliche Tätigkeiten oder das Alltagsleben beeinträchtigt. Nicht selten leiden die Patienten durch die Polyarthritis auch unter Störungen ihrer Nachtruhe.

Bei vielen Erkrankten wirken sich diese Einschränkungen der Lebensqualität schließlich auch auf deren Psyche aus. Dabei fühlen sich die betroffenen Personen hilflos oder nutzlos. In schweren Fällen drohen Angstzustände sowie klinische Depressionen.

Eine schwerwiegende Auswirkung der Polyarthritis stellen Herzentzündungen wie eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) oder Perikarditis (Herzbeutelentzündung) dar. Infolgedessen droht wiederum eine kongestive Herzinsuffizienz. Dabei ist das Herz nicht mehr imstande, das Blut störungsfrei durch den Körper zu leiten. Als weitere Komplikationen der Polyarthritis kommen eine Anämie (Blutarmut), eine Osteoporose (Knochenschwund) oder das Sjögren-Syndrom infrage.

Behandlung & Therapie

Die Therapie einer Polyarthritis richtet sich nach der Ursache, weshalb die Entzündungen aufgetreten sind. In erster Linie müssen die betroffenen Gelenke ruhiggestellt und gekühlt werden. Schmerzmittel helfen, dass die Symptome behandelt werden; ebenfalls verordnen viele Mediziner entzündungshemmende Medikamente sowie auch Glukokortikoide (besser bekannt unter "Cortison").

Ebenfalls helfen Antibiotika bei akuten Entzündungen sowie spezielle Medikamente gegen Rheuma. Viele Mediziner empfehlen auch eine Operation zur Linderung der Symptome bzw. Heilung der Entzündung. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind die Krankengymnastik, Ergotherapie sowie physikalische Therapien.

Vor allem kommen bei chronischen Erkrankungen letztere Therapiemöglichkeiten oftmals zur Anwendung, da viele Patienten bereits über "steife" Gelenke klagen.

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Vorbeugung

Der Patient kann eine Polyarthritis sehr wohl vorbeugen. Wichtig ist, dass die Gelenke regelmäßig bewegt werden und eine gleichmäßige Belastung stattfindet. Begünstigt wird dies mit täglichen Spaziergängen, Radfahren, Gymnastik oder auch Schwimmen.

Des Weiteren ist es wichtig, dass Verletzungen rechtzeitig behandelt werden. Vor allem offene Wunden (in Gelenksnähe) sollten dementsprechend versorgt werden, damit keine Entzündungen in den Gelenken entsteht. Ebenfalls ist es wichtig, dass Grunderkrankungen, wie etwa Gicht, regelmäßig behandelt und therapiert werden. Nur bei einer regelmäßigen Einnahme der verordneten Medikamente, ist eine Verhinderung der Polyarthritis möglich.

Bücher über Polyarthritis & Rheuma

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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