Phelan-McDermid-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. September 2017
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Beim Phelan-McDermid-Syndrom handelt es sich um eine genetische Entwicklungsstörung. Es hat neuromuskuläre Symptome und schwere geistige Behinderungen zur Folge.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Phelan-McDermid-Syndrom?

In der Medizin wird das Phelan-McDermid-Syndrom (PMS) auch als Mikrodeletion 22q13.3 oder 22q13.3-Deletionssyndrom bezeichnet. Gemeint ist damit eine genetisch verursachte Störung der Entwicklung, die mit geistiger Behinderung, neuromuskulären Beschwerden sowie einem Mangel an Sprachentwicklung einhergeht.

Verantwortlich für die Störung ist eine Mikrodeletion auf dem Chromosom 22, auf dessen langen Arm ein Segment fehlt. Das Phelan-McDermid-Syndrom zählt zu den sehr selten vorkommenden Krankheiten. So wurde die Entwicklungsstörung auf der ganzen Welt erst circa eintausend Mal festgestellt. Allerdings gehen Mediziner von einer zu niedrigen Zahl aus, weil ein Großteil aller Patienten unter Autismus-Spektrum-Störungen leidet.

Es sind jedoch nicht alle PMS-Fälle mit Autismus verbunden, sodass die epidemiologischen Schätzungen eher als ungenau gelten. Das Syndrom tritt bereits in der Kindheit zutage. Als Namensgeber des Phelan-McDermid-Syndroms dienten die Forscher K. Phelan und H. McDermid, durch die das Syndrom phänotypisch exakter charakterisiert wurde. Die erste Beschreibung der Entwicklungsstörung fand 1985 als partielle Monosomie 22q statt.

Ursachen

Verantwortlich für das Phelan-McDermid-Syndrom ist der Verlust von genetischem Material des Chromosoms 22. So mangelt es den betroffenen Personen am Ende des langen Chromosomenarms an einem Segment. Für diese genetische Störung kommen drei Ursachen in Betracht. Dazu gehören die einfache Deletion, bei der ein Teil des Chromosoms 22 beim Bilden einer Spermazelle oder einer Eizelle abbricht.

Auch die Ringchromosombildung ist möglich, bei der es zum Abbruch von beiden Enden des Chromosoms 22 kommt. Anschließend erfolgt eine Verbindung zwischen den offenen Enden zu einem Chromosom, das die Form eines Ringes aufweist. Bei der dritten möglichen Ursache handelt es sich um unbalancierte Translokationen. Dabei kommt es zur Einbuße eines Teils des Chromosoms 22.

Das Segment eines anderen Chromosoms springt dann als Ersatz ein. In dem fehlenden Segment des Chromosoms 22 befindet sich das Gen PROSAP2/SHANK 3. Es wird vermutet, dass das Fehlen dieses Gens für die neurologischen Beschwerden des Phelan-McDermid-Syndroms verantwortlich ist. So deuten die in den letzten Jahren vorgenommenen Beobachtungen darauf hin. Es fehlt bei beinahe sämtlichen beschriebenen Fällen eine Kopie des Shank3-Gens.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Beschwerden, die durch das Phelan-McDermid-Syndrom auftreten, sind vielfältig und fallen von Mensch zu Mensch verschieden aus. Bei beinahe allen Patienten liegt jedoch eine globale Entwicklungsstörung vor. Dadurch kommt es zu schweren geistigen Behinderungen und einer ausgeprägten Muskelhypotonie. Weiterhin leidet die Sprachentwicklung unter dem Syndrom.

Als uneinheitlich gilt die psychiatrische Komponente. Bei rund 80 Prozent aller betroffenen Kinder lassen sich frühkindlicher Autismus oder Autismus-Spektrum-Störungen feststellen. Bei einigen Betroffenen, bei denen eine Mutation im Shank3-Gen oder eine Mikrodeletion 22q13.3 besteht, setzt im Jugend- oder Erwachsenenalter eine Schizophrenie oder bipolare Störung ein.

Schon sehr früh zeigt sich bei den Betroffenen die Sprachstörung. So kommen die Laute nur verzögert zustande oder fehlen vollkommen. In einigen Fällen sind die Kinder durchaus in der Lage, zunächst einige Worte oder sogar einzelne Sätze von sich zu geben. Mit zunehmendem Alter büßen sie diese Fähigkeit jedoch immer mehr ein.

Weitere typische Merkmale des Phelan-McDermid-Syndroms sind die Neigung zu Infekten sowie eine verstärkte Schmerztoleranz. Als erstes Symptom des Syndroms macht sich bei Babys eine muskuläre Hypotonie bemerkbar. Nicht selten zeigen sich zudem leichte Fehlbildungen am Gesicht und an den Gliedmaßen. Weiterhin sind Fehlbildungen im Inneren des Körpers wie an den [[Nieren, den ableitenden Harnwegen oder am Herzen im Bereich des Möglichen.

Aus diesem Grund sollten entsprechende Kontrolluntersuchungen stattfinden. Bei rund 25 Prozent aller Kinder, die unter dem Phelan-McDermid-Syndrom leiden, treten epileptische Anfälle auf. Diese können mit Fehlbildungen des Gehirns wie Arachnoidalzysten verbunden sein. Selten zeigen sich Störungen von inneren oder endokrinen Organen wie zum Beispiel eine autoimmune Hepatitis.

Die geistigen Behinderungen, die durch das Phelan-McDermid-Syndrom entstehen, wirken sich auch auf das Verhalten der betroffenen Kinder aus. So mangelt es ihnen an sozialer Gegenseitigkeit und Blickkontakten. Bei vielen Kindern ist zudem kein zweiphasiger Schlaf-Wach-Rhythmus vorhanden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Um ein Phelan-McDermid-Syndrom zu diagnostizieren, findet zumeist eine Blutuntersuchung statt. Dabei erfolgt ein Spezialtest, der als CGH-Array bezeichnet wird. CGH steht für Comparative Genomic Hybridization. Mithilfe dieses CGH-Tests ist der Nachweis von Chromosomenveränderungen möglich, selbst wenn sie so klein ausfallen, dass sie sich im Rahmen einer gewöhnlichen Chromosomenanalyse nicht mehr erfassen lassen.

Weiterhin kann PMS auch im Rahmen von Schwangerschaftstests wie einer Fruchtwasserpunktion festgestellt werden. Die Prognose für das Phelan-McDermid-Syndrom fällt negativ aus, weil sich die Entwicklungsstörung nicht heilen lässt. Die Lebenserwartung der Patienten leidet jedoch normalerweise nicht darunter. So hängt sie von der Versorgung des Patienten und dem Ausmaß seiner Behinderungen ab.

Komplikationen

Aufgrund des Phelan-McDermid-Syndroms leiden die Betroffenen an einer deutlich verzögerten Entwicklung und auch an verschiedenen Störungen beim Wachstum. In der Regel kommt es dadurch auch zu erheblichen geistigen und motorischen Behinderungen und Einschränkungen. In vielen Fällen leiden beim Phelan-McDermid-Syndrom auch die Angehörigen und die Eltern des Patienten an den psychischen Beschwerden und auch an Depressionen, sodass die Lebensqualität der gesamten Familie deutlich verringert wird.

Ebenso kommt es beim Phelan-McDermid-Syndrom zu einem Muskelschwund und auch zu psychischen Einschränkungen, sodass die Kinder schizophren sind oder an einer bipolaren Störung leiden. Auch die Sprachfähigkeit wird durch das Syndrom deutlich eingeschränkt, sodass es zu Beschwerden bei der Kommunikation kommt. Weiterhin treten bei diesem Syndrom in vielen Fällen auch Fehlbildungen an den Nieren oder am Herzen auf, die eventuell die Lebenserwartung des Patienten verringern können.

Dies führt zu epileptischen Anfällen und zu verschiedenen Beschwerden an der Haut . Leider kann das Phelan-McDermid-Syndrom nicht kausal behandelt werden. Aus diesem Grund richtet sich die Behandlung vor allem nach den Symptomen dieses Syndroms. Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf, allerdings können nicht alle Beschwerden eingeschränkt werden. Eventuell wird das Phelan-McDermid-Syndroms auch die Lebenserwartung des Betroffenen verringert.

Behandlung & Therapie

Eine Behandlung der Ursachen des Phelan-McDermid-Syndroms ist nicht möglich. Daher findet eine symptomatische Therapie statt. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Fördern von kognitiven, motorischen, sprachlichen und sozialen Faktoren, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Von Bedeutung ist zudem die Behandlung von Begleiterscheinungen wie Schluck- und Saugstörungen, Reflux oder Erbrechen, die aufgrund der muskulären Hypotonie bereits im frühen Kindesalter auftreten. Als weitere Maßnahmen zur Frühförderung kommen physiotherapeutische Behandlungen, der Einsatz von Sprachausgabecomputern oder eine Ergotherapie infrage.

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Vorbeugung

Das Phelan-McDermid-Syndrom ist bereits angeboren. Daher sind keine vorbeugenden Maßnahmen möglich.

Bücher über Entwicklungsstörungen bei Kindern

Quellen

  • Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik. Thieme, Stuttgart 2011
  • Rath, W., Gembruch, U., Schmidt, S. (Hrsg.): Geburtshilfe und Perinatologie: Pränataldiagnostik - Erkrankungen - Entbindung. Thieme, Stuttgart 2010
  • Wassermann, K., Rohde, A.: Pränataldiagnostik und psychosoziale Beratung. Schattauer, Stuttgart 2009

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