Pankreaszyste

Letzte Aktualisierung am 24. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Pankreaszysten sind krankhafte Wucherungen in der Bauchspeicheldrüse. Solche Wucherungen treten in Blasenform auf. Man unterscheidet dabei zwischen Pseudozysten und echten Zysten. Sie können entfernt werden ohne dass eine Operation nötig ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pankreaszyste?

Die echten Zysten bestehen aus Epithel. Epithel ist eine der vier Grundgewebearten, die an vielen verschiedenen Stellen im Körper vorkommt und völlig normal ist. Epithel enthält keine Blutgefäße und auch keine Pankreasenzyme wie Lipase und Amylase und besteht aus sehr kleinen, dicht gelagerten Zellen.

Echte Zysten kommen seltener vor als Pseudozysten. Es gibt drei verschiedene Formen von echten Zysten: Die so genannten kongenitalen Zysten sind angeborene, also erblich bedingte Zysten. Die Retentionszysten treten gern bei einer chronischen Pankreatitis auf und bilden sich aus Verengungen und Aufstülpungen von Gängen des Pankreas.

Die dritte Form, die so genannten neoplastischen Zysten bestehen aus Tumorgewebe und lassen sich nur durch nähere Untersuchung und eine Entnahme von Gewebe von Pseudozysten unterscheiden. Durch abbildende Verfahren wie beispielsweise eine Sonographie sind sie nicht zu beurteilen.

Ursachen

Die Pseudozysten, die durch Verletzungen des Pankreas oder durch eine akute Pankreatitis entstehen, sind durch narbenartiges Gewebe begrenzt. Sie enthalten Pankreasenzyme (Lipase und Amylase), die dafür sorgen, dass sich das Pankreasgewebe selbst verdauen kann. In ihrem Inneren befindet sich Serum oder Blut manchmal in Verbindung mit totem Gewebe.

Pankreaszysten können in manchen Fällen erblich bedingt sein.

Echte Zysten sind entweder angeboren, entstehen aus einer chronischen Pankreatitis oder bilden sich aus Aufstülpungen des Pankreas.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Pankreaszyste äußert sich zu Beginn durch unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Fieber oder Magen-Darm-Beschwerden. Die Betroffenen leiden vermehrt an Übelkeit und Erbrechen oder Blähungen. Oft kommt es auch zu Bluterbrechen. Begleitend dazu treten starke Schmerzen im Bauchraum auf, die bis in den Rücken und den Unterleib ausstrahlen können.

Größere Zysten rufen Bauchschmerzen bis hin zu Krämpfen und Koliken hervor. Wenn die Zysten Metastasen im Bauchraum gebildet haben, kann dies anhand der tastbaren Wucherungen erkannt werden. In Einzelfällen verläuft eine Pankreaszyste vollkommen symptomfrei. Die Erkrankten bemerken den Tumor dann erst im Spätstadium, wenn sich drückende Schmerzen, Bauchkrämpfe und äußere Anzeichen wie eine Aszites einstellen.

Eine unbehandeltes Pankreaszyste kann zu einer Sepsis führen. Diese äußert sich unter anderem durch steigendes Fieber, starke Schmerzen und Abgeschlagenheit. Wenn der Gallengang abgequetscht wird, kann es zu einer Gelbsucht kommen, die sich durch Erschöpfung und Fieber sowie eine Gelbfärbung der Haut und der Bindehaut der Augen äußert.

Zudem kann sich aus der Zyste ein bösartiges Pankreaskarzinom entwickeln. Die Symptome der Pankreaszyste entwickeln sich schleichend, oft im Verlauf von Wochen oder Monaten. Wenn der Erkrankte das Leiden bemerkt, ist die Zyste oftmals schon weit fortgeschritten.

Diagnose & Verlauf

Anzeichen für eine Pankreaszyste können unspezifische Symptome wie allgemeine Schwäche, Schwäche des Herzens, Blähungen, Ohnmacht, Schüttelfrost, Fieber, Erbrechen und Übelkeit, das Erbrechen von Blut, Schmerzen im Rücken bis hin Bewusstseinstrübungen sein.

Bei größeren Zysten können nicht selten Bauchschmerzen auftreten, die bis hin zu Koliken führen. In manchen Fällen entstehen aus Pankreaszysten Tumore, die auch über den Bauch zu ertasten sind. In vielen Fällen zeigen sich aber auch überhaupt keine Symptome.

In den meisten Fällen sind Pankreaszysten über das bildliche Verfahren einer Sonographie nachzuweisen. Manchmal ist eine Computertomographie, ERCP oder eine Angiografie nötig. Im Fall einer Verletzung des Pankreas kann durch eine Bauchspülung, eine so genannte Lavage, die Lipase und die Amylase bestimmt werden.

Komplikationen

Besteht in der Bauchspeicheldrüse eine Pankreaszyste, kann dies mitunter schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen. Als besonders groß gilt das Risiko, wenn die Pseudozyste akut ist oder einen ausgeprägten Umfang einnimmt. Zu den häufigsten Folgeerscheinungen der Pankreaszyste zählen Infektionen.

Diese rufen nicht selten Abszesse hervor. Dabei handelt es sich um abgekapselte Hohlräume, die mit Eiter gefüllt sind. Erhöht ist zudem die Gefahr, dass es zu einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommt. Eine Begleiterscheinung ist die Entstehung eines sogenannten Wasserbauches, der aufgrund einer massiven Ansammelung von Flüssigkeit im Bauchraum hervorgerufen wird. Ärzte sprechen in diesem Fall von einem Aszites.

Des Weiteren können die Infektionen zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Sepsis) führen. Eine weitere häufige Komplikation stellen Blutungen dar. Im schlimmsten Fall bewirken die Blutungen einen Hämoglobin-Abfall, was wiederum akute lebensgefährliche Auswirkungen hat. Ebenfalls zu den Folgeerscheinungen der Pankreaszyste zählt die obstruktive Cholestase.

Kommt es zu einer Kompression des Gallengangs, ruft eine Pankreaspseudozyste, die im Pankreaskopf angesiedelt ist, mitunter eine Gelbsucht (Ikterus) hervor. Außerdem füllt sich die Gallenblase prall auf. In der Medizin gilt eine pralle Gallenblase, die mit einer schmerzlosen Gelbsucht einhergeht, auch als Verdachtsmoment für einen Pankreastumor (Bauchspeicheldrüsenkrebs). Eine andere bedenkliche Komplikation der Pankreaszyste ist das Entstehen eines Pankreaskarzinoms. So steigt mit zunehmendem Lebensalter die Gefahr, dass die Pankreaszyste bösartig entartet.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wiederkehrende Koliken, Schwellungen im Oberbauch und Schmerzen deuten auf eine Pankreaszyste hin. Ein Arztbesuch ist angeraten, wenn die Beschwerden innerhalb einer Woche nicht von selbst zurückgehen. Sollten die Symptome stärker werden oder weitere Symptome hinzukommen, wird am besten sofort der Arzt gerufen. Selbiges gilt bei ernsten Komplikationen wie Fieber oder Schmerzattacken. Dann sollte umgehend der Hausarzt eingeschaltet werden. Auch Blutungen, Abszesse und Anzeichen eines Ikterus sind ernste Warnzeichen, die sofort ärztlich abzuklären sind. Die Betroffenen rufen am besten den Rettungsdienst, damit schnellstmöglich eine Behandlung eingeleitet werden kann.

Wer sich ungesund ernährt oder generell einen ungesunden Lebensstil mit einer einseitigen Ernährung und wenig körperlicher Bewegung pflegt, ist besonders gefährdet, an einer Pankreaszyste zu erkranken. Auch Menschen mit Vorerkrankungen wie Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Nekrosen im Bereich der Pankreas gehören zu den Risikopatienten und sollten die genannten Symptome umgehend ärztlich abklären lassen. Eine Pankreaszyste wird vom Hausarzt oder einem Gastroenterologen behandelt. Während der Behandlung können Ernährungsmediziner sowie Physiotherapeuten hinzugezogen werden. Die Nachsorge erfolgt durch den Gastroenterologen und später durch den Hausarzt. Bei ungewöhnlichen Symptomen muss der verantwortliche Arzt informiert werden. Bei schweren Erkrankungen ist eine Behandlung in einem Pankreaszentrum angezeigt.

Behandlung & Therapie

Entstehen Zysten durch eine Pankreatitis, so ist zunächst eine eingehende Beobachtung der unerwünschten Wucherung angezeigt. In vielen Fällen bilden die Zysten sich von ganz alleine zurück und verschwinden nach einiger Zeit wieder ohne weitere Beschwerden zu verursachen.

Klagt der Patient über Beschwerden wegen der Zyste, kann eine Drainage vorgenommen werden. Durch den Zwölffingerdarm oder den Magen wird in diesem Fall ein Loch geschnitten, durch das ein Gastroskop eingeführt werden kann. Ein solches Loch wird durch einen Stent, ein spezielles Plastikröhrchen, offen gehalten, die Flüssigkeit innerhalb der Zyste kann dann nach und nach ablaufen.

Normalerweise dauert es nicht länger als drei Monate bis die Zyste leer ist, die Außenwände der Zyste miteinander verkleben und sie verschwindet. Erst nach diesem Vorgang kann das Plastikröhrchen wieder entfernt werden. In selteneren Fällen in denen eine Zyste mit Eiter gefüllt ist, muss sie mittels eines Endoskops entleert werden.

Dadurch können auch tote Gewebeteile, die sich eventuell innerhalb der Zyste befinden, entfernt werden. Dank der Vorgehensweise mit Hilfe des Stents oder eines Gastroskops ist es nicht nötig eine Zyste mittels einer Operation zu entfernen.

Durch die Therapie der Pankreaszysten kann es allerdings zu Komplikationen wie unerwünschten Blutungen oder der Bildungen von Abszessen kommen. Auch eine Verlegung des Zwölffingerdarms ist möglich oder ein Ikterus, also eine Gelbsucht.

Die vollständige Wiederherstellung der Gesundheit des Patienten nach der Behandlung einer Pankreaszyste wird mit einer Erfolgsaussicht von etwa 60 Prozent angegeben.

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Vorbeugung

Es gibt keine direkten vorbeugenden Maßnahmen gegen Pankreaszysten. Ärzte empfehlen einzig und alleine einen gesunden Lebensstil durch eine ballaststoffreiche Ernährung und viel Sport und Bewegung.

Das können Sie selbst tun

Erkrankte einer Pankreaszyste sind oftmals in großer Sorge und Aufregung. Bei einer Zyste, die kleiner als 2 cm misst, hilft sich der Patient am meisten, indem er Ruhe bewahrt. Entstand die Diagnose aufgrund eines Zufallsbefundes und liegen keine weiteren Beschwerden durch ihre Anwesenheit der Zyste vor, besteht im Normalfall wenig Anlass zur Besorgnis.

Stress, innere Aufregung und Hektik sind zu vermeiden. Sie vermindern das Wohlbefinden und führen zu psychischen Problemen. Hilfreich kann die Anwendung verschiedener Entspannungstechniken sein, um zu einem inneren Gleichgewicht zu gelangen. Eine Zyste kann jederzeit zu einem bösartigen Tumor mutieren. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit bei einer kleinen Pankreaszyste sehr gering. Da die Möglichkeit besteht, dass sich eine kleine Zyste im weiteren Verlauf selbständig ablöst und vom Organismus abtransportiert wird, sollte vorerst eine weitere Beobachtung stattfinden. Regelmäßige MRT Kontrollen und eine gute Selbstwahrnehmung sind in diesen Situationen wichtig.

Bemerkt der Betroffene Veränderungen oder hat er ein Krankheitsempfinden, sollte er einen Kontrollbesuch bei einem Arzt einleiten. Eine umfassende Information über die Erkrankung ist wichtig, damit der Patient für sich im weiteren Verlauf gute und richtige Entscheidungen treffen kann. Zusätzlich sollte der Organismus durch eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung gestärkt und unterstützt werden.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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