Meisterwurz

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Dezember 2016
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Nicht umsonst wird sie auch „Ginseng der Alpen“ genannt: Die Meisterwurz galt schon im Mittelalter als Allheil-, ja sogar als Zaubermittel. Sie wirkt fiebersenkend, schmerzlindernd und entzündungshemmend, außerdem hilft sie als Antidot bei chronischen und akuten Vergiftungs-Zuständen.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau der Meisterwurz

Meisterwurz ist eine mehrjährige, krautige Pflanze mit dem lateinischen Namen Imperatoria ostruthium (auch Peucedanum ostruthium) und gehört zu den Doldenblütlern. Sie liebt kalkige Böden und ist ursprünglich in den Alpen zu Hause, wo sie bevorzugt an Bachufern und auf feuchten Wiesen in mindestens 1000 Metern Höhe wächst. Heute findet man sie auch in den Pyrenäen und anderen Gebirgsregionen Mitteleuropas. Ihre starke Verbreitung geht wohl darauf zurück, dass die beliebte Heilpflanze viel in Gärten angebaut wurde und von dort aus verwilderte.

Je nach Standort kann das grasgrüne Gewächs bis zu 100 cm hoch werden. Es trägt dreilappige, grob gesägte Blätter und bildet zwischen Juni und August große, schirmartige Dolden voll kleiner weißer Blüten. Medizinisch relevant ist das Rhizom, also der Wurzelstock der Pflanze. Seine Heilkräfte sind im frühen Frühjahr und im Spätherbst am größten, entsprechend sind dies auch die Erntezeiten. Die Meisterwurz strömt einen scharfen, aromatischen Geruch aus. Bei Hautkontakt können empfindlich veranlagte Menschen mit Dermatitis reagieren.

Wirkung & Anwendung

Nach der Ernte werden die Wurzeln mit Wasser und Bürste gründlich gereinigt, dann in Scheibchen geschnitten und an einem luftigen Platz getrocknet. Ihre Verwendungsmöglichkeiten sind äußerst vielfältig. So hilft beispielsweise das Kauen einer kleinen Portion Meisterwurz gegen Übelkeit, Magenschmerzen und Verdauungsbeschwerden. Zahnschmerzen lassen sich ebenfalls auf diese Weise lindern.

Zur innerlichen Einnahme wird entweder ein Tee oder eine Tinktur zubereitet, letztere ist auch als fertiges Präparat in Apotheken erhältlich. Dank ihrer ätherischen Öle erleichtert Imperatoria ostruthium bei Asthma und Erkältungskrankheiten die Atmung und wirkt schleimlösend. Ihre antibakteriellen Eigenschaften sorgen gleichzeitig dafür, dass eine Bronchitis schneller abheilt.

Zusammen mit den ätherischen Ölen regen Gerb- und Bitterstoffe die Verdauung an, fördern die Produktion von Gallensaft und lindern Blähungen. Die Meisterwurz mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen (neben den bereits genannten auch Furanocumarine, Harze und Flavonoide) ist ein kraftvolles Heilmittel gegen Fieber aller Art und dämpft bei regelmäßiger Einnahme die Beschwerden der Wechseljahre.

Die Meisterwurz strömt einen scharfen, aromatischen Geruch aus.

Äußerlich angewendet wird entweder die Tinktur oder ein Brei aus Meisterwurz-Pulver, angerührt mit etwas warmem Wasser. Breiumschläge gibt man auf Geschwüre, Abszesse und schlecht heilende Wunden. Auch bei Akne entfalten sie ihre positive Wirkung. Zahnfleischbluten lässt sich stillen, indem man das Zahnfleisch mit Meisterwurz-Tinktur betupft. Bei Bronchitis und Husten kommt neben der innerlichen Einnahme auch ein Dampfbad mit Imperatoria ostruthium in Frage.

Etwa zwei Esslöffel fein geschnittener Wurzelstückchen werden hierfür in einer Schüssel mit einem Liter kochenden Wassers übergossen. Man stellt die Schüssel auf den Tisch, beugt sich darüber und inhaliert für etwa 10 bis 15 Minuten den Dampf (Kopf und Oberkörper sollten dabei mit einem Handtuch bedeckt sein). Zur Behandlung hitziger, hyperkinetischer Erkrankungen ist der „Meister aller Wurzeln“ nicht geeignet.

Im Mittelalter schrieb man der Pflanze magische Kräfte zu. Durch Räuchern mit Meisterwurz wollte man Hexen vertreiben, dies fand traditionell besonders in der Weihnachtszeit statt. Trug man ein Stückchen der Wurzel bei sich, sollte das die körperlichen wie auch die seelischen Kräfte stärken. Selbst an Pferde und Kühe wurde die Pflanze zu diesem Zweck verfüttert.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Wurde die Wirkung der Meisterwurz als Universalheilmittel im Mittelalter etwas überschätzt - sie trug den Beinamen Remedium divinum (göttliches Heilmittel) und kam sogar bei pestartigen Erkrankungen und bei Krebs zum Einsatz - so findet sie heute eher zu wenig Beachtung. Vielleicht muss sie von der modernen Phytotherapie erst wieder neu entdeckt werden.

Gerade ihre antibakteriellen Eigenschaften machen sie im Zeitalter zunehmender Antibiotikaresistenzen interessant - zur Behandlung von Entzündungen im Magen-Darm-Bereich ebenso wie für den Einsatz in der Reiseapotheke. Für die Zukunft könnte die Pflanze potentiell eine wichtige Rolle einnehmen im Kampf gegen aggressive Krankenhauskeime, vorbeugend gegen die Verbreitung von Noroviren sowie gegen Borreliose.

In ihren traditionellen Anwendungsbereichen ist die Meisterwurz, die im Volksmund übrigens auch Kaiserwurzel heißt, bereits heute eine wertvolle Alternative zu herkömmlichen Medikamenten. Wer nicht gleich wegen jeder Erkältung zur chemischen Keule greifen will, der wird dankbar sein für dieses kräftige und doch sanfte Heilmittel aus der Natur. Gerade für chronisch kranke Menschen ist es eine große Erleichterung, starke Medikamente einsparen und deren teils quälende Nebenwirkungen reduzieren zu können. In der Volksheilkunde der Alpenländer erfreut sich ein traditioneller Meisterwurz-Schnaps bis heute großer Beliebtheit.

Die klassische Homöopathie beschreibt Imperatoria ostruthium als eine Pflanze mit wahrhaft königlichem Wesen, die unser Selbstbewusstsein symbolisiert und uns zu mehr innerer Sicherheit verhilft. Hier kommt die Meisterwurz vornehmlich bei Magen- und Hauterkrankungen zum Einsatz. Die volkstümliche Tierheilkunde bedient sich der Pflanze unter anderem als Mittel gegen Maul- und Klauenseuche.

Bietet man der Meisterwurz einen feuchten, nährstoffreichen Boden und einen sonnigen bis halbschattigen Standort, lässt sie sich auch im Flachland kultivieren. Klimatisch angepasste und abgehärtete Pflanzen sind im Handel erhältlich, die Vermehrung erfolgt im Herbst durch Teilung der Wurzelstöcke. Eine Samen-Anzucht gelingt nur selten, da hierzu eine ausreichende Kältephase notwendig ist.

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