Labyrinthitis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. November 2017
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Bei einer Labyrinthitis kommt es zu einer Infektion im Innenohr. Dabei entzündet sich das Labyrinth des Ohrs.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Labyrinthitis?

Die Labyrinthitis zählt zu den Innenohrerkrankungen. In der Medizin trägt sie auch die Bezeichnung Otitis interna. Betroffen von der Infektion sind das Gleichgewichtsorgan sowie die Hörschnecke. Sie entsteht entweder direkt im Innenohr oder wird von einer Entzündung außerhalb des Ohrs hervorgerufen.

Ärzte unterscheiden zwischen zwei Formen der Labyrinthitis. So gibt es die umschriebene sowie die diffuse Labyrinthitis. Bei der umschriebenen Verlaufsform erfolgt eine Arrosion des lateralen Bogengangs, was bei einem Cholesteatom, bei dem es sich um eine chronisch-eitrige Entzündung des Mittelohrs handelt, passieren kann. Die diffuse Labyrinthitis zeigt sich bei serösen Entzündungen wie zum Beispiel einer akuten Mittelohrentzündung (Otitis media acuta).

Von einer Labyrinthitis können Menschen sämtlicher Altersgruppen betroffen sein. In den meisten Fällen tritt die Infektion bei Babys und kleinen Kindern auf. Erwachsene Menschen leiden dagegen seltener unter der Erkrankung.

Ursachen

Die Ursachen einer Labyrinthitis sind mannigfaltig und richten sich nach der jeweiligen Form:

  • tympanogenen Labyrinthitis
  • Lueslabyrinthitis
  • meningogene Labyrinthitis
  • virale Labyrinthitis

Die tympanogene Labyrinthitis wird auch seröse Labyrinthitis genannt. Hervorgerufen wird sie durch eine Mittelohrentzündung, die auf die Nachbarstrukturen übergreift. Bei diesem Vorgang kommt es zum Übergriff von Giftstoffen (Toxinen) via ovalem oder rundem Fenster des Mittelohrs auf das Innenohr. Auf diese Weise entstehen in den Strukturen des Innenohrs Entzündungen.

Von einer Lueslabyrinthitis ist die Rede, wenn es im zweiten oder dritten Stadium einer Lueserkrankung zu einer Labyrinthitis kommt. Begleitet wird die Entzündung oftmals von einer luetischen Rippenfellentzündung (Pleuritis) oder Hirnhautentzündung (Meningitis). Eine meningogene Labyrinthitis wird durch Bakterien wie Meningokokken oder Pneumokokken verursacht.

Diese rufen eine Hirnhautentzündung hervor, die wiederum eine Labyrinthitis nach sich zieht. Über den Aqueductus chochlae können die Krankheitserreger in Richtung Innenohr vordringen. Gekennzeichnet ist die meningogene Labyrinthitis durch einen Labyrinthausfall. Ebenso wie Bakterien sind auch Viren in der Lage, eine Labyrinthitis zu verursachen. Dabei gehen der Entzündung Krankheiten wie Masern, Mumps oder Zoster oticus voraus.

In seltenen Fällen sind zudem Autoimmunerkrankungen wie Morbus Wegener für eine Labyrinthitis verantwortlich. Es gibt auch einige Risikofaktoren, die die Entstehung der Labyrinthitis bei erwachsenen Personen fördern. Dazu gehören ein ausgeprägter Konsum von Alkohol und Zigaretten, die Einnahme von bestimmten Arzneimitteln wie zum Beispiel Aspirin, extremer Stress oder chronische Müdigkeit. Einen weiteren Risikofaktor stellt eine Vorbelastung durch Allergien dar.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zu den typischen Symptomen der Labyrinthitis gehören Erbrechen und Drehschwindel. Wird nur das Labyrinth des Ohrs in Mitleidenschaft gezogen, kommt es auf der erkrankten Körperseite zu einem Spontannystagmus. Fällt das Labyrinth aus, führt dies auf der entgegengesetzten Seite zu einem Nystagmus. Außerdem leidet das Hörvermögen des Patienten unter der Erkrankung.

Als mögliche Komplikation kommt eine eitrige Labyrinthitis infrage. Beschwerden wie Erbrechen und Schwindel zeigen sich dabei noch intensiver. Weiterhin kann Taubheit auftreten. Im schlimmsten Fall breitet sich die Labyrinthitis weiter über den inneren Gehörgang aus. Eine andere denkbare Komplikation bildet die Labyrinthostitis, durch die das Risiko einer Hirnhautentzündung besteht. Weitere Symptome einer Labyrinthitis können Tinnitus, der Verlust des Gleichgewichts sowie Probleme beim Fokussieren der Augen sein.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Diagnostik der Labyrinthitis findet eine körperliche Untersuchung statt, die zumeist mit einer Ohrenuntersuchung kombiniert wird. Beim Erstellen eines Audiogramms ist oftmals eine Schallempfindungsschwerhörigkeit erkennbar. Handelt es sich um eine eitrige Labyrinthitis, gilt es als wichtig, knöcherne Beteiligungen zu erkennen.

Zu diesem Zweck wird eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) vorgenommen. Führt der Arzt eine Otoskopie durch, lässt sich meist ein Erguss feststellen. Wird eine Hirnhautentzündung vermutet, erfolgt eine Liquorpunktion, bei der der Arzt Nervenflüssigkeit entnimmt.

Bei den meisten Patienten gehen die Beschwerden einer Labyrinthitis nach ein bis drei Wochen von selbst wieder zurück. Bis zur völligen Erholung können mitunter einige Monate vergehen. Während der Erholungsphase ist es möglich, den alltäglichen Aktivitäten allmählich wieder nachzugehen. Nur selten geht die Labyrinthitis in eine chronische Form über. Normalerweise zeigt sie sich nur einmal im Leben.

Komplikationen

Durch die Labyrinthitis kommt es in erster Linie zu starken und vor allem unangenehmen Beschwerden an den Ohren des Patienten. In den meisten Fällen kommt es dabei zu einer Schwerhörigkeit. Das gesamte Hörvermögen wird dadurch verringert, was vor allem bei Kindern und bei jungen Menschen zu schweren psychischen Beschwerden oder zu Depressionen führen kann.

Ebenso wird die Entwicklung von Kindern durch die Labyrinthitis deutlich eingeschränkt. Im schlimmsten Falle leidet der Betroffene an einer vollständigen Taubheit. Weiterhin führt die Krankheit zu Fieber und zu Erbrechen und verringert dadurch extrem die Lebensqualität. Die Patienten können dabei auch an einem Tinnitus oder an anderen Geräuschen im Ohr leiden.

Dabei kommt es nicht selten zu Schlafbeschwerden oder zu Störungen der Konzentration und der Koordination. In den meisten Fällen sind die Beschwerden der Labyrinthitis nur temporär und verschwinden wieder nach einigen Wochen oder nach einigen Monaten. Besondere Komplikationen treten dabei in der Regel nicht auf. Die Behandlung der Labyrinthitis erfolgt mit Hilfe von Medikamenten und führt in der Regel zu einem Erfolg. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Labyrinthitis nicht verringert oder eingeschränkt.

Behandlung & Therapie

Die Therapie der Labyrinthitis hängt von der auslösenden Ursache ab. Sind zum Beispiel Bakterien für die Infektion verantwortlich, erfolgt eine Behandlung mit Antibiotika. Rufen hingegen Viren die Erkrankung hervor, lassen sich diese mit Virostatika wie Aciclovir bekämpfen. Auch Kortikoide wie Prednison und Rheologika zur Förderung der Durchblutung gelten als hilfreich.

Leidet der Patient unter einer Labyrinthitis, für die eine Autoimmunkrankheit verantwortlich ist, erhält er Immunsuppressiva. Außerdem werden Medikamente verordnet, die gegen Übelkeit und Schwindelgefühle wirken. Dazu gehört unter anderem Antivert. Besteht der Drehschwindel über einen längeren Zeitraum, gelten physio- oder ergotherapeutische Übungen als sinnvoll, die zur Verbesserung des Gleichgewichtssinns dienen.

Geht die Labyrinthitis mit einer Knocheneinschmelzung einher, findet ein operativer Eingriff wie eine Mastoidektomie statt. Liegt eine fortgeschrittene Nekrose vor, kann auch eine Labyrinthektomie erfolgen.

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Vorbeugung

Als vorbeugende Maßnahme gegen eine Labyrinthitis wird bei grippalen Infekten und Entzündungen des Mittelohrs empfohlen, für das Abschwellen und Belüften des Ohrs zu sorgen. Leidet ein Kind häufiger unter einer Mittelohrentzündung, muss unbedingt der Besuch bei einem HNO-Arzt stattfinden, um sicherzugehen, dass keine angeborenen Störungen der Belüftung vorliegen. Wichtig sind außerdem Schutzimpfungen für kleine Kinder.

Das können Sie selbst tun

Die Labyrinthitis bedarf auf jeden Fall einer ärztlichen Behandlung. Welche Maßnahmen der Betroffene selbst ergreifen kann, um die Beschwerden zu lindern, hängt von den jeweiligen Symptomen und der medizinischen Therapie ab.

Gegen Übelkeit, Erbrechen und Drehschwindel helfen Schonung und Bettruhe. Sollte das Hörvermögen stark beeinträchtigt sein, kann kurzfristig eine Hörhilfe getragen werden. Meist ist dies aufgrund der Entzündung jedoch nicht möglich und der Betroffene sollte sich stattdessen für einige Tage krankschreiben lassen. Begleitend zur medizinischen Behandlung kann der Patient unter Umständen auch homöopathische Mittel verwenden. Dies sollte in Rücksprache mit dem zuständigen Mediziner geschehen. Der Arzt kann den Patienten dann an einen geeigneten Spezialisten weiterleiten. Sollten sich Symptome einer Hirnhautentzündung zeigen, bedarf dies einer sofortigen ärztlichen Abklärung. Von Selbsthilfe-Maßnahmen wird dann am besten abgesehen.

Um eine Verschleppung der Infektion zu vermeiden, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Arzt angezeigt. Bis zur vollständigen Genesung kann es mitunter einige Wochen bis Monate dauern. Alltäglichen Aktivitäten sollte erst nach der akuten Krankheitsphase wieder nachgegangen werden. Sportliche Betätigung kann den Heilungsverlauf unterstützen, sollte aber mit Ohrenschützern oder ähnlichen Hilfsmitteln erfolgen.

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Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008

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