Zoster oticus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. Juli 2017
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Bei Zoster oticus handelt es sich um eine Zweiterkrankung mit dem Varizella-Zoster-Virus. Dabei zeigen sich die Beschwerden in der Ohrenregion.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Zoster oticus?

Zoster oticus stellt eine Sonderform der Gürtelrose (Herpes zoster) dar. Gemeint ist damit eine Infektionserkrankung, in deren Verlauf inaktive Herpesviren in den Ganglien des zentralen Nervensystems (ZNS) wieder aktiv werden. An dem Varizella-Zoster-Virus erkranken ungefähr 90 Prozent der Bevölkerung.

Dabei tritt die Erstinfektion in Form von Windpocken (Varizellen) auf. Gegen die Windpocken besteht dann eine Immunität, die für den Rest des Lebens anhält. Allerdings können rund 20 Prozent aller Patienten später an der Gürtelrose erkranken. Besonders betroffen davon sind Menschen über 40 Jahre. In manchen Fällen geht die Gürtelrose mit Zoster oticus einher. Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es nicht.

Ursachen

Ausgelöst wird Zoster oticus durch den Varizella-Zoster-Virus. Dieser trägt auch die Bezeichnung Humanes-Herpes-3-Virus. Es gehört der Gruppe der Herpes-Viren an. Ausgestattet ist der weltweit vorkommende Krankheitserreger mit einer doppelsträngigen DNS samt Lipidhülle. Von dem Varizella-Zoster-Virus werden in erster Linie Nervenzellen befallen.

Der Keim ist in der Lage, in den Nervenknoten des Wirbelkanals für einen Zeitraum von mehreren Jahren zu überleben. Die Übertragung auf den Menschen findet durch Tröpfcheninfektion statt. Nach der Erstinfektion mit Windpocken wandern die auslösenden Viren an den Nervenfasern entlang in die Spinalganglien. Dort können sie überdauern und werden erst wieder nach Jahren oder sogar Jahrzehnten erneut aktiviert.

Weil es bei der Reaktivierung zur Zerstörung von größeren Spinalganglienbereichen kommt, hat dies akute Schmerzen zur Folge, die auch als Zoster-Schmerzen bekannt sind. Mögliche Gründe für eine Reaktivierung des Virus sind Störungen des Immunsystems, eine Verminderung der Stärke des Abwehrsystems aus Altersgründen oder eine Immunsuppression, bei der im Rahmen einer Transplantation das Immunsystem gezielt herabgesetzt wird.

Ebenso können Erkrankungen des Immunsystems wie AIDS (HIV) ein gestörtes Abwehrsystem nach sich ziehen. Als weitere denkbare Auslöser kommen toxische Substanzen, schwere Infektionen wie die Tollwut, UV-Strahlen oder Röntgenstrahlen in Betracht. Darüber hinaus ist eine Übertragung mit dem Varizella-Zoster-Virus auf Menschen möglich, die bislang noch nicht an Windpocken erkrankt sind.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bemerkbar macht sich Zoster oticus im Anfangsstadium durch Müdigkeit sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Als typisches Symptom der Krankheit gilt das Auftreten von Bläschen auf den Ohrläppchen. Sie zeigen sich zudem im äußeren Gehörgang sowie mitunter im inneren Trommelfell.

Manchmal kommen sie auch auf der Zunge, am weichen Gaumen und im Seitenbereich des Halses vor. Die Bläschen erreichen die Größe eines Stecknadelkopfes oder eines Reiskorns. Die wasserklaren gespannten und prallen Bläschen ähneln Perlen. Sie zeigen sich an einer scharf eingegrenzten Hautrötung und treten innerhalb von zwei bis drei Tagen hervor.

Nach einem Zeitraum von zwei bis sieben Tagen nimmt der Bläscheninhalt eine gelbliche eitrige Färbung an, während die Rötung langsam abklingt. Nachdem die Bläschen nach etwa einer Woche ausgetrocknet sind, entsteht eine gelbliche oder bräunliche Kruste. Die Erkrankung dauert ungefähr zwei bis drei Wochen und geht dann wieder zurück. Nicht selten treten Narbenbildungen in Form von hellen oder dunklen Hautflecken zutage.

Der sogenannte Zoster-Schmerz zeigt sich während der Erkrankung innerhalb des Ohrs, im Nacken oder in der seitlichen Gesichtsregion. Etwa zwei Drittel aller Patienten leiden zudem unter einer Fazalisparese auf einer Gesichtsseite. Dabei hängen die Mundwinkel herab, das Augenlid lässt sich nicht komplett verschließen und das Runzeln der Stirn ist nicht möglich.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Um Zoster oticus diagnostizieren zu können, achtet der Arzt auf die Symptome des Patienten. Als typische Anzeichen gelten die Rötungen sowie die Bläschenbildung am Ohr. Lediglich in Problemfällen bedarf es dann weiterer Untersuchungen. Außerdem ist es möglich, den auslösenden Erreger nachzuweisen.

Dieser Vorgang erfolgt per Polymerase-Kettenreaktion aus dem Inhalt der Bläschen oder von betroffenem Gewebe. Des Weiteren ist ein Nachweis von spezifischen Antikörpern des Erregers möglich, was jedoch nicht als besonders aussagekräftig gilt, weil die Viren ohnehin schon im Körper vorhanden sind.

In den meisten Fällen nimmt Zoster oticus einen positiven Verlauf. So läuft die Heilung bei zwei Dritteln aller Patienten ohne Probleme ab. Zu Rückfällen kommt es nur sehr selten. Bei Menschen über 60 Jahren kann die Erkrankung allerdings längere Zeit anhalten. Als ungünstig gilt der Krankheitsverlauf, wenn Personen mit Immunschwäche von Zoster oticus befallen werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung von Zoster oticus erfolgt antiviral. Dabei ist es wichtig, spätestens 72 Stunden nach dem Ausbruch der Hautsymptome mit der Behandlung zu beginnen. Verabreicht wird in der Regel Aciclovir, das sich in Form von Tabletten oder als Infusion verabreichen lässt. Weitere bewährte Mittel sind Valaciclovir, Famiciclovir und Brivudin, die ebenfalls zu den Virostatika zählen.

Diese Wirkstoffe bekämpfen das Wachstum sowie die Vermehrung von Herpes-Viren, indem sie gegen den Aufbau der Virus-DNA vorgehen. Bereits nach Stunden werden Hautsymptome und Schmerzen erfolgreich zurückgedrängt. Zur Therapie der Schmerzen erhält der Patient Schmerzmittel, Antikonvulsiva wie Gabapentin oder Antidepressiva. Besonders im Falle einer Zoster-Neuralgie gelten trizyklische Antidepressiva als sinnvoll. Bei schweren Komplikationen ist eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich.

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Vorbeugung

Als sinnvollste Vorbeugemaßnahme gegen Zoster oticus gilt eine Impfung gegen Windpocken. Brechen die Windpocken nicht aus, kann es auch später nicht zu Zoster oticus kommen. Die Windpocken-Impfung gehört zu den Standardimpfverfahren bei Kindern und Jugendlichen.

Bücher über Gürtelrose

Quellen

  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Modrow, S., Falke, D.: Molekulare Virologie. Springer Spektrum, Berlin 2010
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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