Kieferschmerzen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Oktober 2017
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Das Kiefergelenk ist eines der am meisten beanspruchten Gelenke. Es ist beim Essen, Sprechen, Gähnen immer beteiligt. Manchmal kommt es zu mehr oder minder starken Kieferschmerzen, die Betroffene beim Essen, Trinken und Sprechen beeinträchtigen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Kieferschmerzen?

Unter Kieferschmerzen versteht man alle Arten von Schmerzen, die den Kieferapparat betreffen und die je nach ihren Ursachen unterschiedlich behandelt werden.

Kieferschmerzen sind für die Betroffenen eine Qual. Meist bleiben sie über Wochen, wenn nicht gar Monate. Sie behindern das Kauen, das Sprechen und sogar das Trinken. Die meisten Menschen greifen dann instinktiv zu Schmerzmitteln, jedoch wäre der rasche Gang zum Zahnarzt meist viel geeigneter, um die Schmerzen los zu werden.

Der Kiefer selbst, der die Beschwerden auslöst, wird bekanntlich in Ober- und Unterkiefer unterteilt. Differentialdiagnostisch sollte bei Kieferschmerzen auch an einen Kieferbruch oder an eine Kieferfehlstellung gedacht werden.

Ursachen

Eine der Hauptursachen für Kieferschmerzen stellt das nächtliche Knirschen dar. Dadurch werden die Zähne aufeinandergepresst, die Kauflächen der Zähne stark abgenutzt und die Kaumuskulatur übermäßig beansprucht.

Eine virale oder bakterielle Entzündung kann an Kieferschmerzen schuld sein, wenn Viren oder Bakterien über das Zahnfleisch auf den Kiefer übergreifen und dort durch die Entzündung starke Beschwerden verursachen. Auch Entzündungen der Zahnfleischtaschen können sich über die Wurzeln auf den Kiefer ausbreiten und starke Kieferschmerzen auslösen.

Ein kariöser Zahn kann an der Wurzel einen Eiterherd, eine Fistel, bilden. Dieser Herd breitet sich in den Kiefer aus und verursacht Kieferschmerzen. Wenn nicht behandelt wird, können Komplikationen wie Herzbeschwerden oder Nierenerkrankungen folgen und diese Organe schwer geschädigt werden.

Häufig führen Zahnfehlstellungen zu starken Kieferschmerzen, oft von den Weisheitszähnen ausgehend, die vom Kiefer aus gegen andere Zähne drücken. Auch ein Fehlbiss kann für anhaltende Kieferschmerzen sorgen ebenso wie Muskelverspannungen im Kiefer- oder Kopfbereich.

Plötzliche Kieferschmerzen können auch ein Warnsignal für einen Herzinfarkt sein, besonders wenn sie im Bereich des Unterkiefers auftreten und die Schmerzen in den linken Arm ausstrahlen.

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Diagnose & Verlauf

Unter Kieferschmerzen versteht man alle Arten von Schmerzen, die den Kieferapparat betreffen und die je nach ihren Ursachen unterschiedlich behandelt werden.

Die meisten Kieferschmerzen gehören in die Hände eines Arztes, Zahnarztes oder Kieferorthopäden. Bei leichteren Kiefergelenksbeschwerden z. B. durch Knirschen reicht ein Zahnarztbesuch, um die Ursache abklären zu lassen. Der Zahnarzt sieht sich die Zähne an, fertigt ein Röntgenbild an, überweist ggf. an den Kieferorthopäden, wenn es sich um Beschwerden durch gravierendere Zahnfehlstellungen handelt.

Kieferschmerzen unterhalb einzelner Zähne oder Zahnfisteln werden bei einer Untersuchung des Gebisses durch einen Zahnarzt diagnostiziert, der ein Röntgenbild anfertigt, auf dem das Ausmaß der Entzündung zu erkennen ist.

Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sollte man sofort den Notarzt rufen und den Betroffenen entsprechend lagern und beruhigen. Der Notarzt führt ein EKG durch und weist den Patienten ins nächste Krankenhaus ein, wo auf der Intensivstation ein umfangreiches EKG und die Einleitung der Behandlung und Überwachung erfolgt.

Komplikationen

Bei Kieferschmerzen muss häufig ein Zahnarzt konsultiert werden. Für viele Menschen löst der Gedanke daran bereits Angst und Panik aus. Sie werden hysterisch und benötigen psychologische Unterstützung. Vermeiden sie aufgrund der Angst den Besuch beim Zahnarzt, breiten sich die Schmerzen aus. Die Stimmung ist herabgesetzt und eine Gereiztheit stellt sich ein.

Die Kieferschmerzen führen häufig zu einer Beeinträchtigung des Schluckaktes. Die Nahrungsaufnahme und Flüssigkeitszufuhr werden reduziert. Es kommt zu einer Gewichtsabnahme. In schweren Fällen drohen mit einer Essstörung oder einer Dehydration lebensbedrohliche Komplikationen. Kieferschmerzen werden als besonders intensiv erlebt. Bei der Einnahme von Schmerzmitteln besteht das Risiko, dass es zu Nebenwirkungen, wie Magen-Darm-Probleme kommt oder sich eine Sucht entwickelt.

Die Schmerzen führen häufig zu einer Schlaflosigkeit. Die Kieferschmerzen lösen oft Kopfschmerzen und Verspannungen am Hals sowie im Nacken aus. Eine Behandlung kann über mehrere Wochen andauern. Die Schmerzen können in dieser Zeit an Intensität zunehmen. Nicht immer werden die Kieferschmerzen vollständig geheilt.

Bei einer Fehlstellung des Kiefers sind operative Eingriffe möglich. Das Tragen von Zahnspangen führt nur langfristig über mehrere Jahre zu Veränderungen. Darüber hinaus kommt es zu einem optischen Makel. Dieser wird insbesondere von Patienten, die in einem erwachsenen Alter sind, als emotional belastend erlebt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Kieferschmerzen sollten immer von einem Fachmann abgeklärt werden. Dies gilt vor allem bei besonders starken Schmerzen, die bis in den Kopf ausstrahlen und über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben. Ein Arztbesuch empfiehlt sich auch bei Sprachstörungen oder wenn begleitend zu den Schmerzen Schwellungen oder Entzündungen im Kieferbereich beobachtet werden können. Sollten sich extreme Sprech- und Kauprobleme einstellen, muss zudem ein Kieferorthopäde eingeschaltet werden. Womöglich ist ein fehlgestellter Weisheitszahn ursächlich, der sich unter ärztlicher Hilfe rasch entfernen lässt. Kariöse Zähne lassen sich ebenfalls unkompliziert behandeln.

Unbehandelt können sie allerdings Herzbeschwerden und Nierenerkrankungen hervorrufen. Oftmals liegt den Beschwerden auch eine harmlose Verspannung zugrunde, die durch einfache Therapiemaßnahmen behandelt werden kann. Akute, sehr starke Kieferschmerzen sollten von einem Kieferorthopäden oder Zahnarzt behandelt werden. Patienten mit Vorerkrankungen oder Fehlstellungen sollte alle Auffälligkeiten im Kieferbereich mit dem Hausarzt besprechen. Das gilt auch, wenn selbst keine eindeutige Ursache für die Beschwerden gefunden werden kann. Kommt es zu starken Schmerzen im Unterkiefer, die bis in den linken Arm ausstrahlen muss umgehend der Rettungsdienst gerufen werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung von Kieferschmerzen richtet sich nach den Ursachen. Bei verspannungs-bedingten Kieferschmerzen reicht es, den Kiefer zu lockern und zu entspannen durch entsprechende Entspannungsübungen oder häufigere Pausen. Fehlstellungen werden vom Kieferorthopäden durch Zahnklammern (Brackets) korrigiert, die die Fehlstellungen korrigieren. Schmerztabletten sollten immer nur eine kurzfristige Lösung sein.

Bakterielle Entzündungen werden mit einem Antibiotikum ausgeheilt, damit die Entzündung nicht auf den Kiefer und von dort aus auf andere Organe übergreift.

Wenn sich an einem kariösen Zahn eine Zahnfistel gebildet hat, versucht der Zahnarzt zunächst, die Entzündung mit einem Antibiotikum auszuheilen. Hilft das nicht, erfolgt eine Wurzelspitzenresektion zur Entleerung der Fistel oder als letzte Möglichkeit die Extraktion des Zahnes, wenn alles andere nicht mehr hilft.

Ein Herzinfarkt wird grundsätzlich in einer Klinik behandelt. Der Betroffene wird auf die Intensivstation verlegt und dort rund um die Uhr überwacht. Je nach Ursache und Ausmaß des Herzinfarktes werden Stents, Bypässe gesetzt oder eine Operation durchgeführt.

Aussicht & Prognose

Bei Kieferschmerzen muss grundsätzlich der Ursache auf den Grund gegangen werden. Doch zur Akutbehandlung können Patienten auch selbst etwas tun. Häufig sind Kieferschmerzen die Folge von nächtlichem Zähneknirschen. In diesem Fall ist eine vom Zahnarzt angepasste Knirschschiene hilfreich.

Wärme kann im Bereich des Kiefers zu einer Verringerung der Schmerzen führen. Geeignet sind feuchte, warme Waschlappen oder Infrarotbestrahlung. Rotlicht darf nur im Abstand von 30 cm benutzt werden. Ein warmes Vollbad kann den ganzen Körper entspannen und damit auch Kieferschmerzen reduzieren. Je stärker die Kiefermuskulatur entlastet wird, desto besser.

Schmerzpatienten sollten möglichst wenig kauen und langes Sprechen vermeiden. Auch das sprechen mit weit geöffneten Mund ist bei Kieferschmerzen nicht förderlich. Alle ausgleichenden Beschäftigungen, die vom täglichen Trott oder belastenden Tätigkeiten ablenken, entspannen und können auch Schmerzen reduzieren. Die Krankenkassen und Volkshochschulen bieten zahlreiche Entspannungskurse an.

Leichte sportliche Betätigung hilft, Spannungen abzubauen. Kieferbeschwerden entstehen nicht selten durch Muskelverhärtungen. Leichte Übungen wie Kieferkreisen sind dann hilfreich. Auch Nackenverspannungen führen nicht selten zu Kieferschmerzen. Einfache Übungen wie das Verschränken der Hände im Nacken und Drücken gegen den Hinterkopf können den Nacken wieder lockern.

Eine direkte Schmerzpunktbehandlung an der äußeren Wange kann ebenfalls Linderung bringen. Der Schmerzpunkt liegt gleich vor dem Ohr, zwischen Unterkieferrand und Jochbein.

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Vorbeugung

Kieferschmerzen kann man nicht immer ganz vermeiden. Bei Verspannungen hilft es häufig, Stress zu reduzieren, um die angespannte Muskulatur zu lockern. Gravierende Zahnfehlstellungen müssen durch umfangreiche kieferorthopädische Maßnahmen korrigiert werden. Gegen Karies hilft regelmäßige Prophylaxe mindestens einmal im Jahr und gesunde, nicht zu zuckerhaltige Ernährung.

Eine gesunde und nicht zu stressige Lebensweise hilft, das Risiko eines Herzinfarktes zu verringern, weil Stress zu Bluthochdruck führen und das Herz schädigt. Zahnfisteln kann man durch regelmäßige Zahnarztbesuche und eine gesunde Ernährung vorbeugen. Beim nächtlichen Knirschen hilft eine vom Zahnarzt angefertigte Aufbissschiene.

Das können Sie selbst tun

Falls die Kieferschmerzen nach einem Zahnarztbesuch auftreten, müssen sie nicht direkt behandelt werden. Vor allem nach der Entfernung der Weisheitszähne können starke Kieferschmerzen auftreten. Diese verschwinden in der Regel nach einigen Tagen wieder. Der Patient kann dagegen Schmerzmittel einnehmen und die betroffene Stelle kühlen. Sollten neben den Kieferschmerzen auch noch weitere Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen auftreten, so sollte ein Zahnarzt aufgesucht werden. In diesem Fall handelt es sich um eine Infektion. Schmerzmittel sollten nicht auf lange Sicht eingenommen werden, da sie dem Magen Schaden zufügen können.

Sollten die Kieferschmerzen vor allem nach dem Aufwachen am Morgen zu spüren sein, so kann dies aufgrund des Zähneknirschens auftreten. Dabei ist es hilfreich, beim Zahnarzt eine Zahnschiene erstellen zu lassen, mit welcher das nächtliche Knirschen verhindert werden kann. Dabei wird auch der Kiefer entlastet und schmerzt nicht mehr.

Nicht selten treten Kieferschmerzen auch aufgrund harter Nahrung oder einer Überbeanspruchung des Kiefers auf. Auch Stress kann zu Kieferschmerzen beitragen. Der Patient sollte in seinem Alltag bewusst Stress reduzieren und den Kiefer durch weiches Essen entspannen. Oft geschieht die Anspannung des Kiefers unterbewusst. Hier muss der Patient selbst darauf achten, den Kiefer in diesen Momenten zu entspannen. Dazu kann die Zunge unter die vorderen Zähne gelegt werden.

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Quellen

  • Reitemeier, B., et al.: Einführung in die Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2006
  • Stelzenmüller, W., Wiesner, J.: Therapie von Kiefergelenkschmerzen. Thieme, Stuttgart 2010
  • Weber, T.: Memorix Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2010

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