Katatonie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Katatonie

Als Katatonie kennt die Medizin einen psychomotorischen Komplex aus behavioralen, emotionalen und motorischen Symptomen. Katatone Symptome können sich bei Schizophrenie, Depressionen und neurologischen Erkrankungen einstellen. Bei Versagen der medikamentösen Behandlung wird eine Elektrokrampftherapie durchgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Katatonie?

Die Katatonie ist ein psychomotorisches Syndrom, das im Rahmen von schweren Depressionen, katatoner Schizophrenie oder Stoffwechselstörungen und neurologischen Erkrankungen auftreten kann. Erstmals beschrieben wurde das Syndrom im 19. Jahrhundert von Kahlbaum, der es als Symptomkomplex mit einer Depression in Zusammenhang brachte. Später schilderten Kraepelin und Bleuler die Katatonie als Unterform der Schizophrenie.

Eine Sonderform der Katatonie ist die perniziöse oder auch maligne Katatonie, die unbehandelt lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Neben depressiven und schizophrenen Zuständen kann auch Erregung kataton sein. Diese katatone Erregung wird auch als katatoner Raptus bezeichnet und äußert sich gegensätzlich zur katatonen Depression. Die Patienten zeigen in allen Fällen der Katatonie sowohl Symptome auf emotionaler Ebene, als auch Verhaltensauffälligkeiten und physiologische Einschränkungen, die vor allem die Motorik betreffen.

Von seinem Erstbeschreiber Kahlbaum wurde der Komplex als mentaler und muskulärer Spannungszustand geschildert, der durch Depression ausgelöst werden kann. Heute weiß die Medizin, dass die Katatonie nicht direkt mit einer spezifischen Diagnose in Verbindung steht.

Ursachen

Die Ursachen für eine Katatonie sind vielfältige. Das Syndrom kann sich zum Beispiel im Rahmen von Primärerkrankungen wie AIDS einstellen. Speziell bei der neurologischen Form der Erkrankung zeigen die Patienten häufig katatone Züge. Auch andere neurologische Erkrankungen kommen als Ursachen infrage. In diesem Fall ruft eine physiologische Veränderung des Hirngewebes die Symptome hervor.

Auch Alkoholkonsum oder Drogeneinfluss kann eine Katatonie auslösen. Eine ebenso denkbare Ursache ist eine Störung des Stoffwechsels. Wenn eine Schizophrenie die Katatonie auslöst, dann spielen dabei vermutlich Umweltfaktoren, genetische Faktoren und psychodynamische Komponenten zusammen. Falls eine Depression als Ursache der Katatonie aufgedeckt werden kann, spielen als Ursachen vor allem Verluste, Belastungen und Überforderungen eine Rolle.

Auch traumatische Kindheitserlebnisse und biochemische Veränderungen im Gehirn werden als Ursachen diskutiert. Dasselbe gilt für Medikamente, die wiederum selbst eine Katatonie auslösen können. Das katatone Syndrom kann außerdem im Rahmen einer dissoziativen neurotischen Störung vorkommen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei der Katatonie verkrampft der gesamte Körper zu einem Spannungszustand mit erhöhtem Muskeltonus. Die Patienten verbleiben in einer starren Position, die über mehrere Stunden gehalten wird. Passive Bewegungen machen sie in der Regel mit, wobei sie die Körperstellung nach dem Bewegungsablauf stundenlang beibehalten. Während der passiven Bewegung zeigt sich ein wachsartiger Muskelwiderstand. Zusätzlich liegt meist Mutismus vor.

Das heißt, dass die Betroffenen nicht mehr sprechen oder nur mehr das Gehörte wiederholen. In diesem Zusammenhang ist auch von einer Echolalie die Rede. Einige Patienten wiederholen vor allem Wörter und Sätze, die einen besonderen Klang haben und sich zum Beispiel reimen. Was von ihnen verlangt wird, führen katatone Menschen entweder mechanisch aus oder sie üben sich in Negativismus.

Dabei führen sie das genaue Gegenteil dessen durch, was von ihnen verlangt wurde. Im Falle einer katatonen Schizophrenie können sich die Symptome zwischen enormer Erregung und extremer Passivität bewegen. Bei katatoner Erregung werfen sich die Patienten zum Beispiel auf den Boden, ziehen Grimassen und zeigen ziellos aggressives Verhalten. Die Willkürbewegungen sind eckig und disharmonisch.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose der Katatonie stellt der Arzt vor allem durch Beobachtung und Passivbewegungen. Um neurologische Erkrankungen als Ursache auszuschließen, kann unter Umständen ein MRT erforderlich sein. Bei der Anamnese findet der Arzt heraus, ob in der Vergangenheit bereits psychische Auffälligkeiten vorgekommen sind. Mithilfe dieses Wissens schätzt er die Katatonie im Kontext einer Primärerkrankung ein.

Komplikationen

Durch die Katatonie kommt es zu verschiedenen Beschwerden. Dabei leiden die Betroffenen an starken psychischen Belastungen und motorischen Einschränkungen, die die Lebensqualität des Betroffenen deutlich verringern. Ebenfalls sind die Betroffenen gegebenenfalls auf die Hilfe anderer Menschen in ihrem Alltag angewiesen.

Der Körper des Patienten ist dabei stark angespannt und angestrengt, sodass es oft nicht zu einer Entspannung kommt. Ebenso lassen sich die Muskeln nicht mehr ohne weiteres bewegen und die Patienten können nicht mehr richtig sprechen. Nicht selten wird auch das Gesprochene anderer Menschen wiederholt. Weiterhin kann es durch die Katatonie zu einem aggressiven Verhalten kommen.

Daher muss die Behandlung dieser Krankheit in einigen Fällen auch in einer geschlossenen Klinik stattfinden. Ebenfalls kann auch ein selbstverletzendes Verhalten eintreten. Durch die neurologischen Einschränkungen treten oft Atembeschwerden oder Fieber auf.

Die Behandlung der Katatonie erweist sich allerdings relativ schwierig, da vor allem die psychologischen Beschwerden nicht in jedem Fall vollständig eingeschränkt werden können. Oft ist keine vollständige Heilung des Patienten möglich. Sollte es zu epileptischen Anfällen kommen, müssen diese ebenfalls eingeschränkt werden. Gegebenenfalls ist die Lebenserwartung des Betroffenen möglicherweise verkürzt.

Behandlung & Therapie

Die Katatonie kann unter Umständen lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Die Patienten nehmen weder Nahrung auf, noch Flüssigkeit. Daher muss auf katatonische Erscheinungen schnellstmöglich reagiert werden. Wenn nicht eingegriffen wird, kann sich die Katatonie zu einer malignen Katatonie steigern. Dabei tritt hohes Fieber ohne Entzündungsanzeichen oder infektiöse Anzeichen ein. Die Muskelanspannung zerstört im Rahmen dieser Erscheinung Stück für Stück die Muskeln.

Außerdem können vegetative Dysregulationen auftreten, die beispielsweise Ateminsuffizienz zur Folge haben. Damit dem Patienten diese lebensbedrohliche Form der Katatonie erspart bleibt, führt der behandelnde Arzt eine psychopharmakologische Therapie durch. Diese Therapie entspricht vor allem der Gabe von GABA-ergen Substanzen. Wenn eine psychische Störung als Ursache vermutet wird, wird außerdem die Primärerkrankung gezielt behandelt. Im Falle einer Schizophrenie werden zu diesem Zweck Neuroleptika gegeben.

Bei depressiven Störungen werden die Patienten dagegen mit Antidepressiva behandelt. Falls diese Maßnahmen versagen und sich die Katatonie trotz aller Bemühungen nicht zurückbildet, wird eine Elektrokrampftherapie durchgeführt. In Narkose werden dem Patienten dabei elektrische Impulse gegeben, die mehrere Sekunden andauern. Durch die Impulse wird ein minimaler epileptischer Anfall ausgelöst. Die Elektrokrampftherapie wird innerhalb von zwei bis drei Tagen in der Regel acht bis zwölf Mal durchgeführt.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Die Ursachen für eine Katatonie sind vielfältig. Obgleich intoxikationsbedingten Katatonien vielleicht vorgebeugt werden kann, lässt sich speziell neurologischen Katatonien nicht vorbeugen.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Katatonie hat der Betroffene aufgrund der vorliegenden Beschwerden keine Möglichkeiten, sich selbst zu helfen oder seinen Alltag zu optimieren. Der Körper kann nicht bewegt werden und folglich können in diesem Zustand keine Veränderungen vorgenommen werden, die zu einer Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens beitragen.

Der Patient ist auf die medizinische Versorgung von Ärzten, den Angehörigen oder dem Pflegepersonal angewiesen. Diese können im Rahmen ihrer Möglichkeiten für den Erkrankten Kleinigkeiten bei der Gestaltung des Alltags umsetzen. Da die Angehörigen eines Patienten häufig mit der Situation emotional überfordert sind, benötigen sie oftmals Hilfe und Unterstützung im Alltag. Sie können sich einer Selbsthilfegruppe für Angehörige anschließen. Dort gibt es die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen über die eigenen Empfindungen und Erfahrungen intensiv auszutauschen. Dies trägt zu einer emotionalen Entlastung bei. Die Angehörigen können in einer Selbsthilfegruppe mit gegenseitigem Beistand rechnen und Tipps für den Umgang der Gegebenheiten erhalten.

Anzuraten sind darüber hinaus die Anwendung von Entspannungstechniken. Mit bewährten Methoden wie Yoga, Meditation, autogenem Training oder Atemtechniken können die Angehörigen Stress abbauen und gleichzeitig neue Kraft für die Bewältigung des Alltags schöpfen. Sie sollten die Pflege eines an Katatonie erkrankten Menschen nach Möglichkeit nicht allein bewerkstelligen.

Bücher über Schizophrenie

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Laux, G.; Möller, H.: Memorix Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2011
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: