Katatone Schizophrenie

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. Februar 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die katatone Schizophrenie zählt zu den unterschiedlichen Schizophrenieformen. Dabei kommt es zu psychomotorischen Störungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist katatone Schizophrenie?

Nicht selten treten auch weitere typische Symptome der Schizophrenie auf. Dabei kann es sich um Denkstörungen, das Hören von Stimmen und Ängste handeln.
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Unter einer katatonen Schizophrenie wird eine seltene Art der Schizophrenie verstanden. Bei dieser Variante leiden die Betroffenen unter Störungen der Psychomotorik. Typische Ausprägungen sind Störungen der Körperhaltung sowie der Bewegungsabläufe. Aber auch andere Symptome der Schizophrenie zeigen sich.

Die erste Beschreibung der katatonen Schizophrenie fand im Jahr 1874 durch den deutschen Psychiater Karl Ludwig Kahlbaum (1828-1899) statt. In späteren Jahren nahm der Neurologe Karl Leonhard (1904-1988) genauere Untersuchungen der Krankheit vor. In der heutigen Zeit wird die katatone Schizophrenie nur noch in seltenen Fällen festgestellt.

Ursachen

Ebenso wie bei der Schizophrenie generell liegen auch die Ursachen der katatonen Form noch im Unklaren. Mediziner vermuten, dass genetische, psychodynamische und umweltbedingte Einflüsse eine Rolle bei ihrem Ausbruch spielen und sich gegenseitig beeinflussen. Die psychische Erkrankung entsteht aus einer paranoiden Verlaufsform heraus.

Von der psychopathologischen Schule Wernicke-Kleist-Leonhard wird die katatone Schizophrenie genau wie alle anderen Schizophrenieformen als heterogene Erkrankungsgruppe betrachtet. Karl Leonhard vertrat die Auffassung von genetischen Auslösern für die Subform der periodischen Katatonie, die in Schüben verläuft. In der Regel zeigen sich schizophrene Erkrankungen erst nach der Pubertät. Bei ungefähr zwei Prozent aller Betroffenen treten sie jedoch bereits im Kindesalter auf.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein typisches Merkmal der katatonen Schizophrenie sind motorische Störungen. Diese machen sich durch Bewegungen der Arme, Hände und Beine bemerkbar, die merkwürdig erscheinen. Ebenso sind stereotype Bewegungsmuster oder seltsame Haltungen möglich, die stundenlang anhalten können. Die Patienten nehmen einen komplett starren Zustand ein, der von Halluzinationen oder Wahnvorstellungen begleitet wird. Die meisten Patienten lassen sich in dieser Verfassung nicht mehr ansprechen. Mitunter geht der Zustand der Starre abrupt in einen heftigen Erregungszustand über. Dabei führen die Erkrankten im schlimmsten Fall sogar körperliche Angriffe auf andere Menschen durch.

Nicht selten treten auch weitere typische Symptome der Schizophrenie auf. Dabei kann es sich um Denkstörungen, das Hören von Stimmen und Ängste handeln. Es gibt noch eine Vielzahl von weiteren möglichen Begleiterscheinungen der katatonen Schizophrenie wie Befehlsautomatismus, Verharren, Negativismus, Stummheit (Mutismus), Katalepsie, Echolalie, Proskinese, Ambitendenz und Manierismen. Insbesondere der Negativismus und die Befehlsautomatie werden als typisch für die katatone Schizophrenie angesehen.

Während der Patient beim Befehlsautomatismus jede Anweisung, die von ihm verlangt wird, widerstandslos ausführt, ist beim Negativismus genau das Gegenteil der Fall. Tritt der Starrezustand (Stupor) zusammen mit Fieber auf, handelt es sich um eine maligne, perniziöse oder febrile Katatonie. In früheren Zeiten verlief diese Krankheitsform oft tödlich.

Dank moderner Behandlungsmethoden und Medikamente treten heutzutage jedoch nur noch sehr wenige Todesfälle durch sie auf. Da sich während der katatonen Schizophrenie die Körpertemperatur des Patienten in den meisten Fällen erhöht, ist eine klinische Messung unbedingt erforderlich. Das Gleiche gilt für den CK-Wert. So ist ein Anstieg beider Parameter zu befürchten, der behandelt werden muss.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Festgestellt wird eine katatone Schizophrenie anhand der typischen Symptome. Dabei muss der Patient unter Katatonie (Erschlaffung), Katalepsie (Verharren in einer starren Körperhaltung) sowie Flexibilitis cerea (wachsartige Biegsamkeit) leiden. Grundsätzlich sollte bei einem Schizophrenieverdacht ein Facharzt oder eine Fachklinik aufgesucht werden. Einige Therapiezentren sind auf die Früherkennung und Behandlung der katatonen Schizophrenie spezialisiert.

Die Diagnose erstellt der Arzt nach ausführlichen Gesprächen mit dem Patienten, wobei er streng festgelegte Kriterien befolgt. In Deutschland kommen auch spezielle Fragebögen zum Einsatz. Zur Absicherung der Diagnose müssen mindestens einen Monat lang bizarre Körperhaltungen, Halluzinationen oder Wahnvorstellungen auftreten.

Eine wichtige Rolle spielt zudem die Differentialdiagnose. Dabei schließt der Arzt sonstige Ursachen, die für das Auftreten der Beschwerden verantwortlich sein könnten, aus. Dazu gehören unter anderem neurologische Erkrankungen, Gehirntumore sowie der Missbrauch von Arzneimitteln oder Drogen. Aus diesem Grund werden prinzipiell bei Verdacht auf eine katatone Schizophrenie verschiedene neurologische und körperliche Untersuchungen vorgenommen.

Der Verlauf einer katatonen Schizophrenie kann individuell sehr unterschiedlich sein. Aus diesem Grund ist das Erstellen einer allgemeinen Prognose nicht möglich. Bei den meisten Betroffenen schwächen sich die Symptome jedoch mit der Zeit ab. Grundsätzlich besteht bei sämtlichen Schizophrenieformen eine lebenslange Therapiebedürftigkeit.

Komplikationen

Bei dieser Art der Schizophrenie kommt es vor allem zu motorischen und psychischen Störungen des Patienten. Diese wirken sich sehr negativ auf das Leben und den Alltag des Betroffenen aus und können die Lebensqualität deutlich verringern. Die Betroffenen leiden vor allem an starken Denkstörungen und Wahrnehmungsstörungen. Ebenso kommt es nicht selten zu Halluzinationen.

Ebenso besitzen die Patienten eine stark negative Einstellung gegenüber verschiedenen Dingen und Menschen. Dabei tritt ein starkes Fieber auf, welches von einem Zustand der Starre begleitet wird. Dabei kommt es im schlimmsten Falle auch zum Tode des Patienten. Ebenso kann es zu leichten Aggressionen oder zu einer Reizbarkeit des Patienten kommen.

In vielen Fällen ist daher eine Behandlung in einer geschlossenen Klinik notwendig, falls der Patient eine Gefahr für sich selbst oder für andere Menschen darstellt. Ebenso kann der Betroffene auf die Hilfe anderer Menschen im Alltag angewiesen sein. In vielen Fällen kommt es durch die Einnahme von Medikamenten zu Nebenwirkungen, wie Müdigkeit oder Abgeschlagenheit, nicht jede Behandlung führt zu einem positiven Krankheitsverlauf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die katatone Schizophrenie ist eine schwere gesundheitliche Erkrankung, die von medizinisch geschultem Fachpersonal behandelt und rund um die Uhr betreut werden muss. Leiden Menschen unter Wahnvorstellungen und Halluzinationen, benötigen sie einen Arzt. Kommt es zu einer Katalepsie oder einer Katatonie, muss schnellstmöglich ein Arzt alarmiert werden. Eine Muskelsteifheit am gesamten Körper ist ein Warnhinweis, bei dem unverzüglich gehandelt werden sollte. Störungen und Auffälligkeiten des Verhaltens sowie der Persönlichkeit, müssen fachärztlich beurteilt werden. Bei einer katatonen Schizophrenie ist der Betroffene nicht in der Lage, seinen Alltag selbständig zu beschreiten.

Plötzliche Angriffe auf andere Personen, Handgreiflichkeiten und ein unkontrolliertes Auftreten, sind einem Arzt vorzustellen. Wird auf Anweisungen grundsätzlich mit dem Gegenteil reagiert, liegt ein krankhaftes Misstrauen vor, das untersucht werden muss. Bei einer Paranoia oder einer starken Verweigerungshaltung gegenüber allen Menschen ist ein Arzt zu kontaktieren. Kommt es zu einer Echolalie oder zu Manierismen, muss ein Arztbesuch erfolgen. Der Patient ist in der Psychiatrie unterzubringen, damit er ausreichend versorgt werden kann und keine Gefahr für sich selbst und andere Menschen darstellt. Da es oftmals an Krankheitseinsicht mangelt, wird in schweren Fällen ein Amtsarzt benötigt, der den Gesundheitszustand des Betroffenen einschätzt und weitere Maßnahmen ergreift.

Behandlung & Therapie

Um eine katatone Schizophrenie wirksam zu behandeln, erhält der Patient in der Regel Medikamente wie Benzodiazepine. Mit diesen Mitteln wie Lorazepram lässt sich oftmals ein Durchbruch der Katalepsie erreichen. Auch die typischen Angstzustände können durch die Präparate abgeschwächt werden. Genau wie bei den anderen Schizophreniearten kommen auch bei der katatonen Schizophrenie Neuroleptika zum Einsatz.

Als sinnvoll gilt zudem die Gabe von Stimmungsstabilisatoren. Dazu gehören in erster Linie Lithium, Olanzapin, Carbamazepin, Valproinsäure und Lamotrigin. Führt die Behandlung mit Benzodiazepinen nicht zum gewünschten Erfolg, ist alternativ eine Therapie mit Amantadin, das zu dem NMDA-Rezeptoren zählt, sowie Dopaminagonisten möglich.

Zur Behandlung der Katatonie erfolgt in manchen Fällen eine spezielle Elektrokrampftherapie (EKT). Sie hat den Vorteil, effektiv und schnell zu wirken. Durchgeführt wird sie, wenn die Benzodiazepin-Therapie erfolglos bleibt. Hält der Zustand der Starre sehr lange an, kann unter Umständen eine Physiotherapie sinnvoll sein.


Aussicht & Prognose

Die katatone Schizophrenie hat eine ungünstige Prognose. Es handelt sich um eine psychosomatische Erkrankung, die mit zahlreichen schweren Beschwerden verbunden ist. Ohne eine optimale und ausreichende medizinische Betreuung besteht eine Selbstgefährdung sowie die Möglichkeit einer Gefährdung des Lebens anderer.

Erkrankte erleben heftige Erregungszustände. In diesen kommt es häufig zu Übergriffen und Angriffen auf andere Menschen. Eine Behandlung ist daher zwingend erforderlich und führt dank moderner Möglichkeiten immer häufiger zu einem verbesserten Ergebnis. Die Heilung der Katatonen Schizophrenie ist dennoch bis heute weniger das Ziel einer Therapie. Der Fokus der psychotherapeutischen sowie medikamentösen Behandlung liegt in der Linderung vorhandener Beschwerden und dem Abbau aggressiver Verhaltenstendenzen. Gleichzeitig sollen Ängste und Wahnvorstellungen gemindert werden. Diese führen häufig zu Situationen der Überforderung der Umwelt sowie des Betroffenen. Die Lebensqualität soll insgesamt durch das Zusammenwirken verschiedener Therapieansätze verbessert werden, damit ein Umgang mit anderen Menschen möglich wird.

Ein stabiles soziales Umfeld ist bei der Verbesserung der Prognose essenziell. Trotz aller Probleme sollten sich Angehörige dessen bewusst sein. Ein klinischer Aufenthalt ist dennoch bei dem Patienten notwendig. Die Bewältigung des Lebensalltages kann ohne eine tägliche Betreuung nicht stattfinden. Zusätzlich besteht bei dieser Erkrankung ein erhöhtes Risiko, Folgeerscheinungen zu erleiden. Diese können körperlicher oder psychischer Natur sein.

Vorbeugung

Da die Ursachen der katatonen Schizophrenie weitgehend unbekannt sind und genetische Auslöser vermutet werden, lassen sich keine wirkungsvollen Vorbeugemaßnahmen gegen die psychische Erkrankung vornehmen.

Nachsorge

Die katatone Schizophrenie wird als psychosomatische Erkrankung mithilfe eines Ärzteteams behandelt. Diese Therapie zieht sich oft langfristig hin und beinhaltet damit auch die Nachsorge und Vorbeugung. Durch die ärztliche und psychotherapeutische Betreuung lassen sich die anschließenden Beschwerden verringern.

Dennoch können die erkrankten Personen unter starken Erregungszuständen leiden. Dadurch gefährden sie sich selbst und auch ihre Umwelt. Aus diesem Grund ist eine umfassende Behandlung nötig, die durch den Einsatz von modernen Maßnahmen zu guten Erfolgen führt. Eine Heilung ist zwar kaum möglich, doch das aggressive Verhalten lässt sich bekämpfen.

Gleichzeitig werden krankheitsbedingte Ängste und damit verbundene Wahnvorstellungen abgemildert. Die Familie der Betroffenen erhält durch einen geeigneten Therapieansatz eine spürbare Entlastung. In einem stabilen Umfeld fühlen sich die Patienten relativ sicher, was die positive Prognose deutlich unterstützt.

Dennoch ist eine tägliche Betreuung im Rahmen eines klinischen Aufenthalts empfehlenswert. Damit verringert sich das Risiko von Folgeerscheinungen, die psychischer Natur sind oder sich in körperlichen Symptomen zeigen können. Bei der Nachsorge sollten die Angehörigen deshalb eng mit den Therapeuten und Ärzten zusammenarbeiten, denn die Betroffenen selbst haben aufgrund ihrer Erkrankung oft nicht die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden.

Das können Sie selbst tun

Bei einer katatonen Schizophrenie hat der Betroffene aus eigener Kraft keine Möglichkeiten, sich den Alltag angenehmer zu gestalten oder Hinweise zur Selbsthilfe in Anspruch zu nehmen. Körperlich lässt die Erkrankung aufgrund der Störungen der Bewegungsabläufe keine selbst eingeleiteten Änderungen zu. Darüber hinaus gehört es zum Krankheitsbild der Schizophrenie, dass die psychische Störung keine Einsicht für Maßnahmen einer positiven Veränderungen ermöglicht. Lediglich individuell zu prüfende Kleinigkeiten können zur Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens unternommen werden.

Der Betroffene ist aus den beschriebenen Gründen nahezu vollständig auf die Unterstützung von Angehörigen sowie einer umfassenden medizinischen Versorgung angewiesen. Den Menschen aus dem sozialen Umfeld ist aufgrund der Schwere der Krankheit dringend angeraten, sich ausführlich über die Erkrankung, deren Verlauf und die Symptome zu informieren. Dies erleichtert den Umgang mit dem Erkrankten und fördert das notwendige Verständnis für gezeigtes Verhalten im Alltag. Die kognitiven Möglichkeiten eines an Schizophrenie erkrankten Menschen sind nicht vergleichbar mit denen einer gesunden Person. Darauf sollten sich die Angehörigen vorbereiten und einstellen.

Zu empfehlen ist eine enge Zusammenarbeit der Angehörigen mit einem Ärzte- und Therapeutenteam. Dies gewährleistet die bestmöglichste medizinische Versorgung und entlastet Familienangehörige immens. Darüber hinaus können therapeutische Maßnahmen ergriffen werden, die weitere Beschwerden vorbeugen und das Wohlbefinden verbessern.

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M.H.(Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen – ICD 10, Kapitel V (F), klinisch-diagnostische Leitlinien. Huber, Bern 2011
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015

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