Analfistel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. September 2017
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Analfisteln sind krankhaft veränderte Gänge (Fisteln) im Perianalbereich, die in den meisten Fällen auf eine proktodeale Infektion mit Abszessbildung zurückführbar sind. Ein chirurgischer Eingriff bzw. die Fistelspaltung stellt die primäre Therapiemaßnahme bei Analfisteln dar.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Analfisteln?

Als Analfistel (auch Fistula ani) wird eine pathologisch veränderte, röhrenförmige Verbindung zwischen dem äußeren Analbereich (äußere Fistelöffnung) und dem Analkanal beziehungsweise dem Rektum (innere Fistelöffnung) bezeichnet.

Anafisteln weisen in aller Regel entzündliche Veränderungen auf, weshalb sich über den Fistelkanal eitriges Sekret entleert, das gegebenenfalls mit Stuhl vermischt sein kann.

In Abhängigkeit von der anatomischen Lokalisierung und ihrem Verlauf wird zwischen intersphinktären (zwischen den beiden Analsphinktern gelegenen), extrasphinktären (den Sphinkterapparat umlaufenden), submukösen (zwischen Rektumschleimhaut und innerem Analsphinkter gelegenen), transsphinktären (beide Analsphinkter durchquerenden), subkutanen und suprasphinktären (zwischen Sphinkter und Beckenbodenmuskel verlaufenden) Analfisteln differenziert.

Ursachen

Analfisteln lassen sich in den meisten Fällen auf kleinere Analabszesse (Eiteransammlungen) im Bereich der um den inneren Sphinkter gelegenen Proktodealdrüsen bzw. eine direkte Infektion einer dieser Analdrüsen zurückführen.

Liegt eine Entzündung einer Proktodealdrüse vor, bedingt diese verstopfte Ausführungsgänge und schließlich eine Abszessbildung. Entleeren sich diese kleineren Abszesse spontan oder infolge einer chirurgischen Drainage, kann das ausgetretene Sekret weitere Entzündungen verursachen. Durch einen Gewebeumbau entwickelt sich anschließend eine stabile bindegewebige Analfistel als Verbindungs- und Transportweg für das eitrige Sekret nach außen.

Darüber hinaus werden Analfisteln in seltenen Fällen mit entzündlichen Erkrankungen des Darmtraktes wie Morbus Crohn (chronische Entzündungserkrankung des Gastrointestinaltraktes), Divertikulitis (Entzündung der Divertikel des Colons), Colitis ulcerosa (chronische Darmentzündung) oder Kryptitis (Entzündungserkrankung des Enddarms) assoziiert.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Analfisteln sind krankhaft veränderte Gänge (Fisteln) im Perianalbereich, die in den meisten Fällen auf eine proktodeale Infektion mit Abszessbildung zurückführbar sind.

Analabszesse und –fisteln werden demselben Krankheitsbild zugeordnet, wobei Analfisteln als chronische und Analabszesse als akute Erkrankungsform bezeichnet werden.

In aller Regel rufen Analfisteln im Unterschied zu Abszessen, die sehr schmerzhaft sein können, lediglich geringfügige Beschwerden hervor und äußern sich anhand eines chronisch auftretenden Nässens, eitrigen Sekretabsonderungen sowie punktuellen Blutungen im anorektalem Bereich, die Pusteln oder Eiterbläschen im betroffenen Areal sowie verunreinigte Unterwäsche hervorrufen können.

Gelegentlich manifestieren sich Analfisteln auch anhand eines temporär auftretenden Stechens. Der Ausgang der Analfistel bzw. die äußere Fistelöffnung ist in vielen Fällen äußerst diskret und lediglich im Rahmen einer genaueren Untersuchung durch eine Einsenkung in das Hautniveau erkennbar.

Bei einer vollständigen Entfernung der Analfistel ist die Prognose sehr gut und etwa 95 Prozent heilen dauerhaft ab, während bei unvollständigen Spaltungen und chronischen Entzündungserkrankungen des gastrointestinalen Traktes die Rezidivrate höher ist.

Komplikationen

Analfisteln können zu diversen Komplikationen führen. Zunächst verschlechtert eine Fistel am After die Kontrolle über den Stuhlgang und kann etwa Durchfall, Verstopfung und ähnliche Verdauungsbeschwerden hervorrufen. In der Folge kann es zu Allergien und Hämorhoiden kommen, die stets mit weiteren Beschwerden wie Juckreiz, Infektionen und Entzündungen verbunden sind.

Wird die Analfistel nicht ausreichend oder unsachgemäß behandelt, vergrößern sich die Fistelgänge immer weiter. Oft kommt es zur Bildung von Abszessen, die bei einem Aufbrechen zu einer Blutvergiftung führen können. Durch den ständigen Kontakt mit Bakterien besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich die Analfistel entzündet und das empfindliche Gewebe am After angreift; oft geht dies mit der Entstehung weiterer Analfisteln und mitunter auch mit starken Schmerzen und Juckreiz einher.

Bei der Behandlung von Analfisteln kommt es häufig zu Nachblutungen, da an der offenen Wunde behandelt wird. Dadurch besteht auch das Risiko von Infektionen und der Bildung weiterer Fistelgänge. In der Folge kann es zu einer starken Vernarbung kommen, die den Stuhlgang erschwert. Um dies zu vermeiden, sollten Analfisteln unmittelbar nach der Diagnose behandelt werden.

Ab wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Analfistel ist eine Entzündung am After, die im Normalfall völlig von alleine verschwinden sollte. In einigen Fällen kann sich jedoch aus einer bestehenden Fistel eine Entzündung bilden, die unbedingt eine ärztliche Behandlung notwendig macht. Häufig entsteht auch in diesem Zusammenhang ein starker Juckreiz, sodass sich die betroffene Person an dieser Stelle häufig kratzt. Dadurch kann aus der Fistel eine offene Wunde entstehen, sodass es im schlimmsten Fall sogar zu einer Entzündung kommen kann.

Eine Entzündung am After sollte immer frühzeitig von einem Arzt begutachtet werden, denn ansonsten kann sich aus einer solchen Entzündung sogar ein Abszess entwickeln. Ein Abszess ist ein Hohlraum, der mit Eiter gefüllt ist. Unter Umständen kann diese Flüssigkeit sogar in den Blutkreislauf gelangen, sodass es zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung kommen kann. Verzichtet die betroffene Person an dieser Stelle auf eine entsprechende Behandlung, dann ist natürlich mit weiteren Komplikationen zu rechnen.

Die vorliegenden Bakterien und Viren können sich nämlich im gesamten Körper ausbreiten, sodass es zu einem Infekt kommt. Eine erhöhte Temperatur oder auch Erbrechen sind die Folge, sodass unbedingt auf die Einnahme entsprechender Medikamente zurückgegriffen werden sollte. Somit gilt: Eine Analfistel kann verschiedenste Komplikationen hervorrufen, die in der Regel eine ärztliche Behandlung erfordern.

Behandlung & Therapie

Da Spontanremissionen bei Analfisteln sehr selten zu beobachten sind, werden diese in aller Regel im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs therapiert. Ein häufig angewandtes Verfahren ist die chirurgische Spaltung (Fistulotomie) des durch eine Knopfsonde gesicherten Fistelkanals unter Lokalanästhesie und möglichst unter Schonung des Sphinkterapparates, um Beeinträchtigungen der Stuhlkontinenz zu vermeiden.

Zudem wird zur Entfernung des gesamten entzündlichen Materials eine Kürettage (Ausschabung) des Fistelbodens durchgeführt. Der durch den Eingriff entstandene Wundgraben wird bis zur vollständigen Abheilung der Wunde offen gehalten, wobei dieser regelmäßig gespült und dessen Wundränder kontrolliert werden sollten. Ein alternatives Verfahren stellt die sogenannte Fistulektomie dar, bei welcher der Fistelkanal ausgeschnitten wird.

Allerdings kann in Abhängigkeit vom Verlauf des Analfistelkanals in einigen Fällen ein chirurgisches Durchtrennen von Muskelarealen des Sphinkterapparates erforderlich sein, was zu Stuhlinkontinenz führen kann. Um Beeinträchtigungen des Sphinkterapparates bei durch diesen verlaufenden Analfisteln zu vermeiden, kann der Fistelkanal in diesem Bereich gegebenenfalls mit Fibrinkleber oder einem Fistelplug plastisch verschlossen werden, wobei die Rezidivrate hier etwas höher liegt.

Zur Stabilisierung der lokalen Entzündung und Minimierung des Risikos für Stuhlinkontinenz wird in vielen Fällen im Vorfeld einer Fistelspaltung bzw. –exzision eine temporäre Fadendrainage gelegt, mit deren Hilfe auch die Nebengänge der Analfistel abdrainiert werden können.

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Aussicht & Prognose

Durch die Analfistel leiden die Betroffenen an sehr unangenehmen Beschwerden und Symptomen, sodass es zu einer deutlichen Verringerung der Lebensqualität kommt.

Die meisten Patienten leiden dabei an einem chronischen Nässen. Dadurch kommt es nicht selten zu psychischen Beschwerden oder zu Depressionen, die den Alttag des Betroffenen deutlich einschränken können. Weiterhin kann es auch zu einem blutigen Stuhlgang kommen, der nicht selten zu einer Panikattacken führen kann. Auch Eiter und Fisteln können sich durch die Analfistel ausbilden und dabei zu einem Juckreiz oder zu Schmerzen führen. Die meisten Patienten leiden durch die Beschwerde auch an Verdauungsbeschwerden und können weiterhin auch an einer Blutvergiftung sterben, wenn die Krankheit nicht richtig behandelt wird.

In der Regel kann die Analfistel mit Hilfe eines operativen Eingriffes relativ einfach entfernt werden. Dabei kommt es meistens zur Ausbildung einer kleinen Narbe, die allerdings ausheilt. Auch die Inkontinenz wird damit vollständig verhindert und eingeschränkt. Bei einer frühzeitigen Behandlung kommt es zu einem positiven Krankheitsverlauf und die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Krankheit nicht verringert. Durch eine erhöhte Hygiene kann die Analfistel vermieden werden.

Vorbeugung

Gegen Analfisteln existieren generell keine vorbeugenden Maßnahmen, da sie sich infolge eines Abszesses oder einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung manifestieren, gegen welche keine Prophylaxe besteht.

So ist die genaue Ätiologie der ursächlichen Analabszesse nicht vollständig geklärt, wenngleich häufig auftretende Verstopfungen, hämorrhoidale Beschwerden, Durchfall sowie bestimmte sexuelle Praktiken (u.a. Analverkehr) zu den Risikofaktoren gezählt werden.

Allerdings wird eine Umstellung auf ballaststoffreiche Ernährung sowie eine konsequente Hygiene des analen und perianalen Bereiches empfohlen, obgleich auch Personen mit adäquater Hygiene von Analfisteln betroffen sein können.

Darüber hinaus wird bei Vorliegen einer ausgeprägt sensitiven Darm- und Analschleimhaut ein Verzicht auf Konservierungs- und Duftstoffe in den Pflegeprodukten zur Vorbeugung vor Abszessen und entsprechend auch Analfisteln nahegelegt.

Das können Sie selbst tun

Eine direkte Vorbeugung gegen Analfisteln existiert nicht. Analfisteln heilen in der Regel nicht von selbst ab. Eine operative Behandlung ist daher oft die einzig wirksame Therapie. Der Heilungsprozess nach einer Operation kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen, bei größeren Fisteln auch einige Monate.

Um die Heilung zu unterstützen ist eine gründliche Hygiene im Analbereich empfehlenswert, welche hilft um Verletzungen und Entzündungen vorzubeugen. Es ist ratsam die Wunde in der Zeit nach der Operation täglich mehrmals während einer Dusche zu reinigen. Auch Verbandswechsel und der Einsatz von Salben können dabei helfen eine hohe Hygiene zu gewährleisten um den Wundheilungsprozess zu optimieren. Sorgen Sie zudem für ein weiches Sitzpolster, damit die Wundheilung nicht negativ beeinflusst wird. Positiv wirkt sich außerdem Bettruhe aus.

Zusätzlich ist es von Vorteil in der Zeit nach der OP gewisse diätische Maßnahmen zu treffen um Verstopfungen zu verhindern bzw. den Stuhlgang weniger unangenehm zu gestalten. Dazu bietet sich eine möglichst ballaststoffreiche, probiotische Ernährung, mit vielen Vollkornprodukten und pflanzlichen Lebensmitteln, an. Zusätzlich sollte darauf geachtet werden ausreichend viel zu trinken. Neben Wasser machen voll allem Früchtetees, aber auch Apfel-, Trauben- und Gemüsesäfte den Stuhlgang leichter.

Bücher über Schmerzen beim Stuhlgang

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Brühl, W., Wienert, V., Herold, A.: Aktuelle Proktologie. Uni-Med, Bremen 2011
  • Winkler, R., Otto, P., Schiedeck, T.: Proktologie. Thieme, Stuttgart 2011

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