Stuhlinkontinenz

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. September 2017
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Stuhlinkontinenz oder anale Inkontinenz, im Fachausdruck anorektale Inkontinenz, ist die, in allen Altergsruppen auftretende, Unfähigkeit, den Stuhlgang oder Darmgase zu kontrollieren und führt zu einer spontanen, unwillkürlichen Darmentleerung. Diese Erkrankung, die in drei Schweregraden auftreten kann, ist mit hohen psychosozialen Belastungen verbunden und erfordert umfangreiche therapeutische Maßnahmen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Stuhlinkontinenz?

Die anorektale Inkontinenz wird in drei Schweregrade unterteilt: Im ersten Grad, dem leichten Stadium, gehen Darmwinde unkontrolliert ab.

Betroffene des zweiten, mittleren, Grades können keinen dünnflüssigen Darminhalt halten und im dritten, dem schweren, Stadium liegt ein völliger Kontrollverlust über die Darmentleerung vor, auch fester Stuhl kann nicht mehr zurückgehalten werden.

Die Einteilung in Schweregrade vernachlässigt wichtige Aspekte der Stuhlinkontinenz wie die Häufigkeit der unkontrollierten Darmentleerung und soziale Probleme der Betroffenen. Bisher wurde keine genaue Einteilung vorgenommen, die diese Aspekte berücksichtigt.

Unter Stuhlinkontinenz leiden circa drei Prozent der deutschen Bevölkerung aller Jahrgänge, wobei sich eine deutliche Häufung im Alter und bei Frauen feststellen lässt. Eine verwandte Kinderkrankheit ist die Enkopresis, das wiederholte, freiwillige oder unfreiwillige Einkoten ab dem 4. Lebensjahr.

Ursachen

Stuhlinkontinenz hat zahlreiche verursachende Faktoren, von denen mehrere zusammenkommen müssen, um die Krankheit auszulösen. Fällt nur ein den Stuhlgang steuernder Mechanismus aus, so hat der Körper ausreichende Kompensationsmechanismen, um die Stuhlinkontinenz zu verhindern.

Die häufigsten Ursachen sind:

Schädigung des Schließmuskels am Anus, zum Beispiel durch den Dammriss, nach operativen Eingriffen, zum Beispiel Fistel- oder Hämorrhoiden-Operationen, und durch "Hervorrutschen" von Analkanal oder Enddarm aus ihrer natürlichen Lage. Eine Beckenbodenschwäche kann ebenfalls zu den Ursachen gehören. Diese wird verursacht durch starkes Übergewicht, Muskel- und Bindegewebsschwäche und kann nach Geburten auftreten. Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn, können die anorektale Inkontinenz ebenfalls auslösen.

Auch bei Nervenschädigungen durch Schlaganfälle, größere Beckenoperationen, Bandscheibenvorfälle, Querschnittslähmung oder Medikamente kann es zu Stuhlinkontinenz kommen.

Eine seltene Ursache sind psychische Probleme wie traumatische Erfahrungen und Psychosen. Auch der Missbrauch von Abführmitteln kann Stuhlinkontinenz verursachen. Zuletzt sind auch Patienten mit Demenzerkrankungen häufig von dieser Belastung betroffen.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnostik der Stuhlinkontinenz erfolgt in einer ausführlichen Anamnese zu Beschwerdebeginn, Begleitumständen und vorliegenden Erkrankungen durch einen Proktologen erfolgen. Es folgt die rektale Untersuchung des Enddarmes, um mögliche Veränderungen feststellen zu können.

Ist eine weitere Untersuchung erforderlich, so veranlasst der Proktologe eine Protoskopie des Analkanals oder die Rektoskopie des Mastdarmes. Die Spiegelung des gesamten Darmes, die Koloskopie, kann ebenfalls nötig werden, wird jedoch aufgrund des hohen Aufwandes selten genutzt.

Während der Spiegelungen kann der Arzt Gewebeproben von der Darmschleimhaut und/oder Abstriche von der Analschleimhaut entnehmen und mikroskopisch beurteilen. Die Schließmuskelfunktion kann bei einer Druckmessung elektronisch ermittelt werden. Bildgebende Verfahren können sinnvoll sein, darunter die Röntgenuntersuchung des Enddarms unter Kontrastmitteln.

Komplikationen

Stuhlinkontinenz führt vor allem auf der psychischen Ebene zu Komplikationen. So führt der ungewollte Abgang von Darmwinden und Kot oftmals dazu, dass Betroffene sich selbst sozial isolieren. Sie nehmen an Aktivitäten nicht mehr teil und meiden soziale Ereignisse. Zeitgleich verschweigen viele Betroffene ihr Leiden ihrem Umfeld oder auch ihrem Arzt, was bei organischen Ursachen dazu führen kann, dass eine mögliche Behandlung ab einem gewissen Punkt nicht mehr effektiv ist.

Beim Vorliegen von Hämorrhoiden, einer Colitis oder anderer Infektionen und Abzesse im entsprechenden Bereich als Ursache der Stuhlinkontinenz, kann ein Verschleppen zu einer Ausweitung der Entzündung führen und bis zur völligen Zerstörung des Gewebes reichen. Die operativen Maßnahmen zur Behandlung einer Stuhlinkontinenz beinhalten die üblichen Risiken für Komplikationen während oder nach einer Operation.

Ergänzend ist zu nennen, dass Maßnahmen, die auf eine operative Veränderung des Darmausganges hinzielen (mittels Eigengewebe oder durch ein "STARR"-Implantat beispielsweise), zu Schmerzen und Entzündungen des Afters oder Darms führen können. Auch Blutungen können auftreten. Weitere Komplikationen im Zusammenhang mit der Stuhlinkontinenz ergeben sich aus der Vielzahl der möglichen Leiden, die als Ursache in Frage kommen. Hier ist die entsprechende Krankheit zu betrachten.

Behandlung & Therapie

Die Ursache der anorektalen Inkontinenz bestimmt ihre Therapie. Eine gesunde Ernährung mit Regulierung des Stuhlganges ist ebenfalls anzuraten, um durch die Regelmäßigkeit der Darmentleerung Kontrolle wiederzuerlangen. An dieser Stelle greifen auch die Gabe von Abführmitteln zu einer bestimmten Zeit und das Toilettentraining. Dieses wird über mehrere Wochen und mit Hilfe eines Stuhltagebuches geführt und soll Darm und Patienten an eine regelmäßige, kontrollierbare Darmentleerung gewöhnen.

Liegt eine Funktionsunfähigkeit des Schließmuskels vor, so können Operationen notwendig werden. Entweder legt man dem Patienten einen künstlichen oder körpereigenen Schließmuskelersatz oder es wird ein künstlicher Darmausgang gelegt.

Vielversprechend bei neuronalen Ursachen ist die moderne sakrale Nervenstimulation. Hierbei wird der Schließmuskel durch einen Schrittmacher so stimuliert, dass er sich zusammenzieht und den Stuhl zurückhält und Entleerungen nur zu passenden Zeitpunkten erfolgen.

Zur Therapie gehört des Weiteren die Inkontinenzversorgung mit Hilfsmitteln, die die Beschmutzung von Wäsche und Kleidung verhindern sollen. Nach individuellen Kriterien und Voraussetzungen werden beispielsweise Windeln, Inkontinenzhosen, Analtampons oder Stuhlbeutel bei immobilen Patienten eingesetzt.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Es gibt wenige präventive Maßnahmen gegen die Stuhlinkontinenz. Beckenbodengymnastik ist nicht nur während und nach einer Schwangerschaft und Geburt sinnvoll, sie ist grundsätzlich und geschlechtsunabhängig anzuraten. Sie wirkt einerseits präventiv, kann andererseits aber auch funktionelle Ursachen der Stuhlinkontinenz auffangen.

Bücher über Stuhlinkontinenz

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012

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