Pudendus-Neuralgie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. September 2017
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Die Pudendus-Neuralgie ist eine seltene Krankheit, die starke, teils blitzartig einschießende, Schmerzen in Genitalbereich und Dammregion verursacht. Der Erkrankung geht eine mechanische oder entzündliche Schädigung des Nervus pudendus voraus. Therapieziel ist die Regeneration des Nervs, um die Symptome zu lindern.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pudendus-Neuralgie?

Die Bezeichnung Pudendus-Neuralgie bildet sich aus den Wortstämmen Pudendus und Neuralgie. Neuralgie ist die Bezeichnung für anfallsartig einschießende Nervenschmerzen, Pudendus bezieht sich auf den Nervus pudendus.

Dieser entspringt im unteren Rückenmark. Er hat drei Äste, die den Anus, den äußeren Afterschließmuskel, den Damm, die Muskeln der Peniswurzeln, den Harnröhrenmuskel, die Eichel und die Schamlippen mit Klitoris innervieren. Auch die Steuerung des Beckenbodenmuskels ist Aufgabe des Nervus pudendus.

Patienten beschreiben den Schmerz, der sich bis in den Bauchraum oder zur Fußsohle ziehen kann, als nadelstichartig, stechend,ziehend oder brennend. Die Haut in diesen Regionen ist sehr schmerzempfindlich und hochempfindlich. Abzugrenzen ist die Pudendus-Neuralgie von der Pudendusneuropathie, bei der dauerhafte Beschwerden auftreten.

Ursachen

Die häufigste Ursache der Pudendus-Neuralgie ist die mechanische Schädigung und damit Einengung des Nervus pudendus. Deren Ursachen sind langwierige Operationen im Bereich des unteren Beckens, langer Duck auf den Nerv, wie er beim Fahrradfahren entstehen kann, und Verletzungen. Bei einigen Patienten konnte eine Verengung des Bindegewebskanals an der Wirbelsäule nachgewiesen werden.

Seltener wird die Pudendus-Neuralgie durch Entzündungen des Nervs verursacht. Diese entstehen durch Herpes-Zoster-Viren, Tumore in der Beckenregion oder bei diabetischen Nervenerkrankungen. Die diabetische Polyneuropathie ist der häufigste Entzündungsauslöser und die Folge eines schlecht eingestellten Diabetes mellitus oder Schädigungen der kleinen Blutgefäße. Diabetiker stellen also eine besondere Risikogruppe für Neuralgien dar.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Bei der Diagnose der Pudendus-Neuralgie muss der Arzt zunächst andere Erkrankungen, die Schmerzen im betroffenen Bereich verursachen könnten, ausschließen. Dazu gehören insbesondere Hautentzündungen. Auch ein Diabetes mellitus muss anhand einer Blutuntersuchung ausgeschlossen werden.

Mittels bildgebender Verfahren wird auf einen Tumor untersucht. Standard ist zudem die Frage nach psychologischen Ursachen der Schmerzen im Genitalbereich. Konnten diese Faktoren ausgeschlossen werden, so wird die weitere Diagnostik durch einen Neurologen durchgeführt. Dieser erhält zumeist aufgrund Anamnese und klinischer Untersuchung ausreichende Anhaltspunkte zur Diagnose, die er mittels technischer Untersuchungsmethoden unterstützen kann.

Die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit des Nervus pudendus oder die Messung der elektrischen Aktivität im äußeren Afterschließmuskel sind jedoch selten zielführend.

Eine weitere Diagnosemethode ist die Einspritzung eines örtlichen Betäubungsmittels in den Nervenkanal während einer Computertomographie. Lassen die Schmerzen anschließend deutlich nach, so muss eine Pudendus-Neuralgie diagnostiziert werden.

Komplikationen

Aufgrund der Pudendus-Neuralgie leiden die Betroffenen in der Regel an sehr starken Schmerzen. Diese Schmerzen treten vor allem im Darm oder in den Genitalien auf und sind für die meisten Betroffenen dabei sehr unangenehm. Sollten diese Schmerzen über einen längeren Zeitraum anhalten, so kann es zu psychischen Beschwerden oder auch zu Depressionen kommen.

Die meisten Patienten wirken dabei auch nicht selten gereizt oder leicht aggressiv. Mitunter äußern sich die Schmerzen als brennend oder stechend. Dadurch kann es in einigen Fällen auch zu Bewegungseinschränkungen und zu Entzündungen auf der Haut kommen. Auch gewisse Tätigkeiten im Alltag sind für den Patienten nicht mehr ohne Weiteres möglich oder immer mit starken Schmerzen verbunden.

Sollte es nicht zu einer Behandlung kommen, kann der Nerv durch die Pudendus-Neuralgie irreversibel geschädigt werden. Die Behandlung der Pudendus-Neuralgie erfolgt mit Hilfe von Medikamenten. Komplikationen treten dabei nicht auf. Allerdings ist auch eine Regenerierung des Nervs notwendig, damit die Schmerzen nicht erneut auftreten. Die Pudendus-Neuralgie führt in der Regel nicht zu einer Verringerung der Lebenserwartung des Patienten.

Behandlung & Therapie

Die Einspritzung von Lokalanästhetika dient nicht nur der Diagnose, sie ist auch die wichtigste Therapie der Pudendus-Neuralgie. Da die Wirkung zumeist nach wenigen Wochen nachlässt, kann auch eine kontinuierliche Versorgung mittels Katheter erfolgen. In einigen Fällen wird statt Lokalanästhetika Kortison verabreicht.

Dieser Methode ziehen die meisten Ärzte zunächst die medikamentöse Therapie vor, da hier der Wirkstoff regelmäßig eingenommen wird. Die genutzten Medikamente sind trizyklische Antidepressiva, die schon in niedriger Dosierung gute Erfolge bei der Behandlung von Nervenschmerzen aufweisen, und Antiepileptika.

Einige Neurologen sind der Ansicht, dass nur eine Kombination beider Medikamente dauerhaften Therapieerfolg verspricht. Die Transkutane Elektrische Neurostimulation (TENS) im Intimbereich, die der Patient regelmäßig Zuhause durchführt, verspricht ebenfalls gute Heilungsaussichten.

Die Behandlung der Grunderkrankung ist ebenfalls wichtig, aber bei fortgeschrittener Erkrankung nicht als einzige Maßnahme ausreichend. Als letzte Möglichkeit nach Versagen aller medikamentöser und nicht-medikamentöser schulmedizinischer Therapien bleibt die Operation. Bei der sogenannten Neurolyse wird versucht, den Nerv in seinem Kanal freizulegen und ihn so von mechanischem Druck zu befreien.

Über die Schulmedizin hinaus finden Betroffene auch Hilfe in der traditionellen chinesischen Medizin mit Entspannungsübungen und Akupunktur.

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Vorbeugung

Aufgrund der hohen Breite an Ursachen lassen sich weder Prognosen zum Krankheitsverlauf stellen noch können Präventionsmaßnahmen genannt werden. Wichtig ist die rechtzeitige, auch psychologische, Betreuung, um einer Chronifizierung entgegen zu wirken. Auch ein gesunder Lebensstil mit ausreichender Bewegung scheint hilfreich.

Bücher über Schmerzen

Quellen

  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Winkler, R., Otto, P., Schiedeck, T.: Proktologie. Thieme, Stuttgart 2011

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